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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-10 · Heft 45 (10.11.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 45 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Nr. 45. Weikcrge Berlin, 10. November 1899. zur „Akkgemeinen Zeitung öes Iuöenthrrms". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. November. Die heutige Repr äsen tallten-Versa ttlmlung hatte sich meist mit Verwaltungsbeschlüssen zu befassen. In die Kommission zur Revision der Kassen und des Dep/)sitorii wurden die Herren Oppenheim, Neufeld, Sieskind und Albert Philipp Meyer, in die Kommission zur Subventionirung von Religionsvereinen an Stelle des ansgeschiedenen Professor Lewin Professor Blaschke gewählt. Die Kommission für die Friedhofsangelegenheiten schließt pro 1898,99 mit einem Neberschuß von 60887 Mark ab, der hauptsächlich aus der Gärtnerei resultirt. Die Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten, die sich sehr gut bewährt hat, hat einen Minderverbranch von 259 Mark aufzuweisen. Sie umfaßt jetzt 56 Institutionen und hatte 13469 Berichte 511 erstatten. Die Qnellbadverwaltnng schließt mit einem Mehrverbrauch von 15 Mark ab. Einen ausführlichen Bericht über die Armeukomniissiou erstattet Herr Leonhard Sachs. Die Eintheilnng der Verwaltung iu vier Abtheilnllgeu habe sich sehr gut bewährt; in den Arbeitsnachweis seiell zlvei Mitglieder delegirt. 5031 Gesuche feien zu erledigeil gewesen, darunter 475 aus dem Fonds für verschämte Arme. Letzterer entwickele sich jetzt in der gewünschten Meise, daß heißt, es würden Snillmen gegeben, die iu Wirklichkeit auch helfen könnten; es seien ans dein Fonds Einzelbeträge bis zu 500 Mark gewährt worden. Bei der Mazzvthvertheilung seien 1654 Haushaltungen berücksichtigt worden, 1809 hilfsbedürftige Durchreisende seien unterstützt imb 103 Jahrzeiten angeordnet worden. 55 Personen feien ins Bad, 48 aufs Land geschickt. 42 Personen hätten Geld zur Pflege erhalten. 51 Personen seien durch die Armenkommission dem neuen Heim iti Briefen überwiesen worden, dessen Erfolge außerordentlich gute seien. Der Stiftungsansschuß besorge die Bertheilung der Zinsen alis 59 Spezialstiftungen. Insgesamnlt hätten dielallfenden Unterstützungen 47 935 Mark, die einmaligen 55913 Mark betragen, iti Summa 103848 Mark. Die Einnahmen hätten sich aus 143 604 Mark, die Ausgaben auf 144489 Mark gestellt, so daß eine Mehrallsgabe von 885 Mark entstallden sei. D^r Ausschuß empfehle die Nachbewillignng. Letztere wird von der Versammlung einstimmig genehmigt. Professor Baginsky erstattete alsdall« den Bericht über das Jüdische Krankenhaus. Er lobte die allßerordentliche und vortreffliche Geschäftsführung. Das Krankenhaus fei in der Lage gewesen, einen geringen Theil des Etatszuschusses zurückzahleu zu können. Die Einnahmen des Krankenhauses hätten sich auf 195 216 Mark 6elmtfe», die Einnahmen des pneumatischen Kabillets seien etwas zurückgegangen. Die Krankenhausverwaltung weise in denl Bericht das im vorigen Jahre von Professor- Lew in erhobene Monitum bezüglich der „exorbitanten Kosten" der Apotheke mit dem Bemerken zurück, daß die Allsgaben für Wein, Cognac und Roheis ebenfalls auf dieses Konto übernommen worden seien. Am wenigsten, so heiße es iu dem Bericht, hätte der Etat des Apothekenwesel,s zu einer Rüge Veranlassung geben sollen. Der Referent ist der Meinung, daß dieser Satz etwas eigenthümlich klinge und nicht dem Berhältniß einer subventiouirten Berwaltullg zu der kontrolirellden Behörde elltspreche. Er erklärt, daß ihm in denl diesjährigen Bericht exorbitante Dinge bezüglich dieses Kontos nicht entgegellgetreten feien. Trotzdem habe er im Ausschuß gebeten, einen Revisor zu bestellen, unl die Sachlage genau zu Prüfen. Sein Alltrag sei jedoch abgclehnt worden. Bezüglich der Poliklinik bitte er, sowohl Maß zu halten in der Annahme von Patienten wie in dem Aufwalld von Verbandstoffell. An das Referat schloß sich eine ziemlich lalige Diskussion. Herr Leonhard Sachs führte zunächst aus. daß der Ausschuß dell Antrag abgelehllt habe, weil für diesen das Glltachten von Professor Baginsky ausreichelld gelvesen sei. Altch die Neberweisung an einen Apotheker zur Nachprüfung sei nicht für nothwendig erachtet worden. Herr Manheim er spricht den . Dank für dell Bericht int Namen des Vorstandes aus. Gegen den Zulauf Doll bemittelten Patienten in die Poliklinik habe man geglaubt sich dilrch eill Plakat wehrell zu könneli, nach welchem ullr wirklich Bedürftige in der Poliklinik behandelt würden. Justizrath Apolant hält das Monitum von Professor L e w i n llunlliehr für erledigt, da es sich herausgestellt habe, daß noch andere Allsgabell mit in Rechlluug gezogell seien. Im klebrigen sei Professor L e w i n erst voll einem denl Killtnsniillisteriltln zngetheiltell Medizinalassessoraus dasKollto aufmerksam gemacht worden, das sich als das höchste voll sämmtlichen BerliilerKrankellhüusern erwiesen Hütte. Geheimrath Senator führt alls, daß in der Ulliversitätspolikliuik die Berabreichlilig von freier Arzllei von dem Nachlveis der Bedürftigkeit abhängig gemacht lverde. Herr L 0 u i s Sa chs ist ebenfalls der Ansicht, daß die Poliklinik das Krallkenhans enorm entlaste. Die Verhältnisse in den städtischen Krankenhäusern lägen ganz anders, da hier zahlreiche Patiellten llicht entlassen würden, weil sie weder WohilNllg noch Unterhalt.hätten. Städtische öffentliche Wohlthätigkeit lasse sich überhaupt nicht mit jüdischer Wohlthätigkeit vergleichen. Nachdem die Herreil Leonhard Sachs, Mall heim er itnb Professor Bla sch ke sich gegen dell Alltrag Baginsky geällßert, in welchem ein Mißtrauensvotum läge, und dessen Gcllesis sehr Leicht verkannt lverden könrrte, wird derselbe mit drei Stimmen abgelehnt Nlld der Krallkellhausverwattung Decharge ertheilt. — Professor- Bla sch ke berichtete alsdann über die Zuwendullg 311 v Errichtung einer Felix Meher-Mende-Stiftung. Die Repräsentanten- Versammlung hatte, wie erillnerlich, die Vorlage vertagt, da sie die Arrneilkoulmissioll nicht für die zlveckllläßige Stelle hielt, an lvelche sich ein Student behuss Ullterstützllng lvellden solle. Die Unterhandlungen hätten dazll geführt, daß die Bertheilung der Zinsell deln Fonds für verschämte Arme iibevtuiefen lvordell sei. Wenn auch der Ausschlltz III diese Stelle ebenfalls llicht für geeignet ansehen könne und lieber gesehell hätte, daß eine selbständige Stiftung ins Leben getreten lväre, so erilpsehle er doch die Annahme der Stiftung mit den gegebenen Bedingungen, um nicht noch einmal die Stifter mit Verhandlnngell zu behelligen. Der Ausschuß spreche noch den Wunsch aus, daß lllöglichst liur ein Student, höchstells aber zlvei bei der Zinserlvertheilnng berücksichtigt werdeil mögell. Die Versammlung beschließt demgemäß. — Debattelos wuxden alsdairn bewilligt zur Abänderung der Larlbhütte der Synagoge Lützolvstraße 555 Mark, 311V Abäuderlmg der elektrischell Belenchtrulg in der Synagoge Kaiserstraße 1000 Mark, zur Vermehrung der elektrischell Beteuchtullg in der alten Synagoge 300 Mark. — Für die Einrichtung der erweiterten Bnreanräurne der Arnlellkomlnissioll wird die Nachbelvittignug von 818.10 Mark gefordert. Nanlells der Komnlissioll empfiehlt Kommerzienrath Friedländer die Annahme der Vorlage, bedauert jedoch, daß ein Borallschlag nicht eingereicht Ulld bei der Vergebung der Tischlerarbeitell jüdische Handwerker nicht berücksichtigt worden seien. Vom Vorstaudstisch erklärt Herr Martin Simon, daß sich die für die Neuorganisation der Armellkommission erforderliche Eillrichtung noch nicht int April hätte übersehen Lassen, und soniit ein Kosteuvoranschlag llicht hätte genlacht werden können. Die Hälfte der erforderten Summe sei an jüdische Halldwerker gezahlt worden; für die Tischlerarbeitell hätte mall dell Lieferanten gewählt, der auch für die übrigell Verwaltungszweige die Allsführnng übernommen hätte. Mit schärfen Worten tadelt Herr Oppenheim das Vorgehen der Kommission. Auch Professor Bagillsky rügt, daß sich stets dieselbe Klage wiederhole; es heiße inlmer, das nächste Mal würden die jüdischell Halldwerker herankonlnlell. Es solle doch nun endlich einmal daran festgehalten werden, daß an erster Stelle jüdische Halldwerker berücksichtigt würden. Maurermeister Fräukel beschwert sich, daß die Ausführung der elektrischell Beleuchtung nicht einer bewährten jüdischell Firma, welche er dem Vorstand empfohlen', übertragen worden sei. Vorsteher Jaeoby weist den Vorwurf als nicht zu seinem Ressort gehörig zurück; doch würde er nie seine Stimme dazu geben, die Arbeiten in einem öffentlichen Gebäude einer jüngeren Kraft zu überweiseil. Die Debatte schließt mit der Nachbewilligung der geforderten Summe. — Den Schluß der öffent-

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