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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-10 · Heft 45 (10.11.1899) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 45 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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Deputation unter Führung des Herrn Eppstein-Hoppstätten zu unserer Tagung, uiit murmeln' eine Vereinigung der gesummten jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen durch Zusannnenschlnsz der bisherigen Vereine herbeizuführen. Da diese Verhandlungen interna des Vereins betreffen, zudem dem Außenstehenden nur geringes Interesse darbieten, so dürfte es gerechtfertigt erscheinen, wenn wir über die Berathungen des ersten Tages, foiueit sie die Einigungsbestrebnirgen betreffen, kurz hinweggehell. Das dürfen lvir nur so eher, als der folgende Tag die lang erwartete Einigung zur That werden ließ. Herr Eppstein-Hoppstätten weist in seinen Ausführungen auf den erfolgten Zusammenschluß des „sndwestdeutschen Vereins" mit dem sogenannten „Kölner Verein" hin und spricht in zu Herzen gehenden Worteil den Wunsch aus, daß die. Vereinigung sich real ist re. Er sei als Beauftragter gewillt, bis an die äußerste Grenze zu gehen, um die Vereinigung herbeizuführen. Der Vorsitzende erlviedert iu demselben versöhnlichen Siurre und bittet, in der Debatte alles zu vermeiden, was Zwietracht zu säen geeignet sei. Es betheiligen sich ferner an dieser vor Eintritt in die Tagesordnung stattfindenden Debatte die Kollegen Salomon-Bonn, Goldschmidt-Köln, Ransenberg-Reuwied, voll denen Jeder in versöhnlichem Sinne, zum Wohle des Ganzen seine Ansführnllgell nlacht. Auch ullser verehrter Ehrenvorsitzender, Kollege Blnmenfeld-Essen, der leider alls Gesluldheitsrücksichten der Versammlung nur ganz kurze Zeit beiwohnen kann, mahllt zur Versöhnlichkeit und giebt den» Wunsche Ausdruck, daß Liebe, Eintracht und Brüderlichkeit das Zeichen fein möge, unter dem wir siegen. Alls Antrag Spier-Bocholt tritt die Versammlung alsdann in die Tagesordnung ein. Der folgellde Kassenbericht, von urlserenl hochverdienten Reudarltell, Herrn Bankier Hirschlcmd-Essen, selbst erstattet, zeigt ein erfreuliches Bild von dem Stande llnserer Kasse. Ihr Vermögen beträgt gegenwartig 103 932,24 Mark. Mit Recht weist Kollege Goldberg-Köln ans den Eifer Hill, ben der Vorstand für die Kasse bezeigt; er spricht ihm Darlk und Anerkennung für seine mühevolle Thätigkeit aus. Der Antrag desselben Redners, die Sanlmlungeu für die Kasse mehr llach Art öffentlicher Kollekten bei den jüdischen Gemeinden vornehtnen zu lassen, wird abgelehut. Auf Alltrag des Kollegen Moses-Rheydt soll Punkt II der Tagesordnung „Statutellällderungell" auf ben folgenden Tag verlegt werden. Dieser Antrag wird abgelehut, ebenso ein Ergänzullgsantrag Liepmannssohn, die Vorberathung des Statntenelltwllrss eitler Kommissioll zu überweiserr. Allgellonlmen lvird der Alltrag Fröhlich, zullächst in eine Geileraldiskllssioll einzutreten und bann ev. zur Wahl einer Kommission überzugehen, die nach und vor den Hauptverhalldtullgen tagen und nach Erledigung aller Pupkte der Tagesordnung Bericht erstatten solle. Darauf wird in die Generaldisknssion eiugetreten. Jul Raulen und Aufträge der Statntenrevisions-Kommission, die am 4. April in Essen getagt hatte, erklärt Fröhlich-M.-Gladbach, daß das neue Statut durchaus kein Kampfstatul sein solle, sondern eine Einigung Aller zunl gemeinsamell Werke erstrebe. Vereinigung, nicht Zersplitterung sei ullser Wille. Ideell verkörpere ja das neue Statut zrvei Seeleil, die Kasse nlld den Verein. Es sei damit also dem Wunsche der Herrell vonl anderen Verein entgegeugekommen, nur liege die Verlvaltnng beider in denselben bewährten Händen. Das sei der springende Punkt. Trennung von Kasse und Verein sei für uns unannehmbar. In demselben Sinne spricht auch der Vorsitzende. In der nun folgeitben Debatte erhält zuerst das Wort Herr Rabbiner Dr. Frank. Er nennt die Kasse " eine feste Grundlage des Vereins, das Wichtigste feiner ganzen Thätigkeit. und enlpfiehlt Beibehaltung des bisherigen Modus der gemeinsamen Verwaltung von Verein llnd Kasse. So lauge wir Inden noch so behandelt und in allen Dingen aus die Selbsthilfe hingewiesen werden, dürfen wir bei allell llnsereir ideellen Bestrebungen die materielle Grundlage llicht verabsäluneli. DarllNl sei auch er nicht leer erschienell und überreiche dem Vorsitzellderl im Namen mehrerer Wohlthäter, die nicht genannt sein wollen^ den Betrag von 500 Mark. Kollege Rausenberg-Neuwied tritt der Ansicht des Herrn Nabbiller Dr. Frank bezüglich der llnbedingt nothweudigen materiellen Basis eines Vereins entgegen, indem er aus den bisherigerl „südwestdentschen Verein" hinweist. Er führt ferner alls, daß heute eine Vereinigurlg von drei Vereine»» ftattftnben soll zu einem Verbände, dem die Förderung der Interessen der Schule und des Lehrerstandes obliegen solle. Im Austrage des „westdeutschen Vereirrs" wünscht er die Wahl eines Verbandsvorstandes und eines Kassellvorstandes. der ja mit ersterem identisch seill köilne. Die Debatte drehte sich llun in der Hauptsache um das Prillzip. ob der bisherige Modus beibehalten, oder ob Trennung von Kasse und Verein vorgenoullnen werden soll. Als neuer Gesichtspunkt trat hillzll der Vorschlagdes Kollegen Spier-Bocholt, der Kassellvorstand bleibe per 86 Vorstalld des Vereills, dbr sog. Vereinsvorstalld werde aber ilm zwei Mitglieder erweitert, damit auch diejenigen Vereillsmitglieder ein Stimmrecht ansübeu köllnen, die nicht Mitglieder der U.-K. silld. Es gelangen schließlich zwei schriftlich formnlirte, genügend unterstützte Anträge zllr Abstimmullg: 1. Antrag. Goldschmidt-Kölll: „Der Verein israelitischer Elementarlehrer Westfalens und der Rheinprovinz beschließt: „Die Statuten der Unterftützungskasse des Vereins israelitischer Elenlentarlehrer bleiben bestehell. Der genannte Verein dagegen giebt sich gesonderte Statuten", wird mit großer Majorität abgelehnt. 2. Antrag. Spier- Bocholt: „Rach den» neuen Statut soll der Kassenvorstand per 86 Vorstalld des allgenieillen Lehrervereills seill", wird angellonunen. Hierauf.erklärt Kollege Eppstein-Hoppstättell, daß nach diesem Beschluß eine Vereinigung unnlöglich sei. Es werdell sodanll folgende sieben Herren iu die Kommission zur Vorberathung der Paragraphen des Statuts gewählt: Banm-Rheille, Fröhlich-M.-Gladbach. Goldschmidt- Köln, Liepniannssohn-Minden. Oppenheimer-Mülheinl, Selig-Siegbnrg. Spier-Bocholt. Um 6V2 Uhr schließt der Vorsitzende die Verhand* langen des erstell Tages. (Schluß folgt.) Das Israelitische Waisenhaus;u Kassel. Eill Gedeilkblatt zur Einlveihllng des neuen Hauses. fie israelitische Gemeinde zu Kassel kann man mit jenen Frauen vergleichen, von denen man am wenigsten spricht, und die doch zu den besten gezählt werden. Nur selten und spärlich dringen Nachrichten über das hiesige innere Gemeindeleben in die größere Oeffentlichkeit. Doch darf dieses nicht zu dem Schlüsse fuhren, als ob hier Friedhofsstille herrsche. Bedingt durch die Gesetzgebung des ehemaligen Kurfürstenthnms Hessen, welche noch gegenwärtig für die Juden des Regierungsbezirks Kassel zu Recht besteht und nach gar vielen Seiten hin segensreich sich bewährt hat, blüht hier ein Gemeindeleben, das die drei Kardinalpunkte unseres Glallbens, Tauroh, Awaudoh und Geniilus chassodini, nach allen Seiten hin fördert, hebt und e»ltwickelt. Es würde zu weit führen, hier an dieser Stelle die Thätigkeit jener Anstalten allch nur skizzenhaft zu schildern. Nur einer wende sich unsere Aufmerksamkeit zu. Es ist dies das Israelitische Waisenhaus, das im Winter dieses Jähres feinen stattlichen Neubau bezieht. Ans diesem Anlaß erschien eine vom Herrn Landrabbiner Dr. Prager verfaßte Denk- und Festschrift, aus deren reichem Inhalt mancherlei in nachstehenden Zeilen aufgellommen ist. In stiller Zurückgezogenheit hat bisher bie genannte Waisenanstalt während des 43jährigen Bestehens ihre segensreiche Thätigkeit entfaltet. Ihre Entstehuilg verdankt sie einer Schenkung des Bankiers Philipp Feidel zu Kassel, der als letztwilliges Verlnächtniß ben Betrag von W000 Thaleru zum Zwecke der ErrichtlUlg eilles Waisenhauses bestimmt hat. Philipp Feidel. geboren ben 16. Juni 1803, gehörte einer angesehenen und eillflußreichell Familie Kassels au, deren Name durch eine Reihe gemeillllütziger Schenkungen uiib Stiftungen sich verewigt lllld auch in weiteren Kreisen eill Anrecht auf dallkbares Gedenken sich erlvorben hat. Philipp Feidel wllßte die allgesehene Stellung, die sein Großvater, der Oberhofagent Feidel David, dllrch seine' Beziehungen zum damaligen Hofe sich erworbert hatte, nngeschmälert zu behaupten. Auch sein jüllgerer Bruder, Albrecht Feidel, bedachte das Waisenhaus lviederholt lllit allsehillichen Schenkungen bej den verschiedenstell Anlässen und testirte ihm eill Legat von ebenfalls 20000 Thaleru. Auch die eine der Schwestern, Julie, welche mit Samson Selig Goldschmidt verinählt war, zeigte durch nanihafte Zuwendungen der Anstalt ihre Gunst.

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