Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- Seite 527 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228356--55904-3292150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gegeben. In vielen Uebersetzungsstellell können sich durch hinreißende Dialektik rrnd poetischen Flug die Herausgeber fast mit den: Urtext messen. ~ So in dem dithyrambisch schönen Schlächtgesang der Deborah^ um nur diesen anzuführen: vebout, debout, Debörah! Eveille-töi, 6veille toi, chante eVThymne! Alerte 6 Barak! Fils cTAbiiioam, emmeue ta capture! Les rois sont venus, ils ont guerroye, Qui, ils ont guerroyb les rois de Kanaan. A Taanakh, pres des eaux de Meghiddo; Les rieb es depouilles n’ont pas etb pour eux, Les cieux ont pais part an comcat; Les astres, dans leurs orbites, Ont fait la guerre ä Sisara, Le torrent de Kison les a balayes. L’antique torrent. le torrent de Kison . . . . Mon äme, blance — toi impbtuense! Comtne ils resonnaient les sabots des coursiers, Sous la fuite, la fuite rapide des vaillants! Zch bars in meinen Betrachtungen über die vorzügliche NeüMersetzung der Bibel nicht weiter gehen, soll ich die Schranken einer kurzen Kritik nicht überschreiten. Hinzufügen möchte ich nur, daß die Uebersetznugskonnnissioli sich nicht damit begnügt hat, eine vollständige Uebertragung der heiligen Schrift zu unternehmen. Sie hat einen Schritt weiter gethan und auch an die Jugend gedacht, für die sie eine Spezialausgabe besorgt hat, die alles Erzählende ausschließt, was dem jungen Herzen und noch mehr dem jugendlichen Sinn nicht ganz anzupassen ist. Auch hierin verdienten die Rabbinatskommission und ihr vorzüglicher Leiter, Herr Zadoe Kahn, alle Anerkennung und alles Lob. UILLETON Das ist echte Poesie! Eine metrische Transpofition des Origiualmotivs mit aller Koloratur und allem Wohlklang! Ist nun der neuen Bibelübersetzung wohlverdientes Lob ungeschmälert zu spenden^ so kann man sich nicht Überall mit der Transskription der Orts- und Eigennamen gMz einverstanden erklären. Natürlich ist es, wenn die Bibelkommisston an de» in die französische Sprache gedrungenen, volksthümlich gewordenen Eigennamen nichts ändern wollte. Aber die Ersetzung des S durch c oder y kann zu Lautsynouymis führen, die nicht nur gegen die Phonetik verstoßen, sondern geradezu sinnstörend und sinnverdrehend wirken können. Umsomehr, wenn die Heranwachsende Jugend diese Leseart aus den Urtext übertrüge. Ich begreife die Schwierigkeit, die dem Rabbinate vorschwebte, einen dem G. im französischen gleichlautenden Konsonanten zu finden. Allein man hätte schlimmstenfalls, von phonetischen Gründen ausgehend, zum Ps flüchten können. Statt Micpa hätte man richtiger Nitspa, stqtt klaeoi llatsor u. s. w. gebraucht. Uebertrüge man das adoptirte System aus das Nenhebräische, so würde die Wortkoufnsion noch intensiver. Man würde der Aussprache nach schwerlich Zefas, Frankreich, von Sefas, dem Ritzmach von Safah, Sprache, unterscheiden können. Herr Zadoc Kahn ist sich dieser aus der befolgten Transskriptivnsmethode herausstehenden „Inkonsequenz" bewußt. Durch einen geistvollen Zug sucht er dem Vorwurf zu entgehen und verspricht, in einer nächsten Ausgabe nach einem Modus zu suchen, der die geivünschte oder vielmehr erwünschte Einheit herzustellen vermag. Hoffen wir, daß es ihm gelingeir wird, diesen Modus zu finden. Schwerer war es, in der französischen Sprache einen synonymen Laut für den Buchstaben n ausfindig zu machen. Er mußte durchweg durch das äspirirte I, ersetzt werden ülso 71171--- .1171. 71271--N2N-. Uebrigens scheint inan bei den Hebräern selbst die beiden Saute oft verwechselt zu haben. Die Aspiration des,1 streift fast das und Hst scheint mir im Verhältniß zu stist' ein Specimen zu sein. Denn einerseits wird von den «leisten Semitenvölkern TH TP (Jehova) 71171’ (Jachva) ausgesprochen; andererseits ist die Etymologie des Wortes 77171 die des Wortes 7117p. Ist nun 71171 oder 71171 die Seiende. Lebende, so ist N17I’ oder 71171' die Hiphilform des ersten, , und bedeutet der Sein — Lebenspendende. Eine Geschichte ans dem römischen Ghetto. II. er Alt« war jetzt todt — so erzählte mein Cicerone redselig weiter — und nun - warf sich seine Tochter, welche sich vorher noch verborgen gehalten hatte, über ihn her und schrie, daß die Ziegel voll den Dächern Hütten fallen mögen. Da aber das - Mädchen jung und schön war, wollten einige junge Burschen, wie es anfing, Nacht zu werden, sich ihrer bemächtige». Sie nnltzten sich aber den Mund wischen, denn dieser Apfel >var nicht für sie gebraten. Zufällig ging eben Luigi am Ghetto vorüber und wurde von dem Schreien und Lärmen herbeigelvckt. Mit Gewalt machte er sich.Platz durch die Menge. Kaum trat er aber in den Kreis hinein, wo sie mit dem Mädchen rangen, so wich das Volk zurück, da er ein Edelmann ist. Das Mädchen aber merkte dies kaum, so umschlang sie sein Knie, hing'an ihm und rief: „O, Herr! rettet, rettet mich vor diesen Mördern, bin ick) auch nur eine arme Jüdin, so erbarint Euch lvenigsteus über eine arme Waise!" „Wir «vollen sie ja nur tauferi!" schrie das junge Volk. Luigi aber schob diese guten Christen bei Seite, nahm die Jüdin unter seinen weiten Carbonaronlantel und drückte sich mit ihr zum Ghetto hinaus. Ach, was sind doch die Edellente für edle Lente! Er ging aber mit ihr einige Straßen hindurch und gelangte so, indem er darüber nächst«,nen mochte, wo er seine Pflegebefohlene die Nacht über unterbriiigen könne, bei der Kirche der St. Caterina de Funari an. Die Kirche stand noch offen. Da wendete, er sich zu dem Mädchen und sagte: „Es will sich nicht schicken, daß ich Dich ohne Aiifrage in meinen Palast bringe; denn meine Mutter ist eine Christii« und Du eine Jüdin. Ich will sie aber bitte»«. Dich eine Nacht über zu behalten, u««d morgen kannst Du wieder zur Judenschast zurückkehren. — „Ach. mein Vater!" rief das Mädchen, „meill Vater! ach! er ist erschlagen, und nun habe ich ans dieser Welt Niemand mehr, der sich meiner anniinlnt." Da sie das Italienische gar zu fremdartig aussprach, so fragte Luigi: „Bist Du eine römische Jüdin?" — „Wir sind erst gestern aus Spanien hierher gekommen, erwiederte das Mädchei«. Mein Vater war ein Rabbiner in Saragossa und .kam hierher, um Israel in der Knechtschaft in Rom zu trösten. Ach, und