Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1899)
- Date
- 1899-10-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Auerbach sich bemüht habe, durch Anlehnung an die Sprache der Bibel diese selbst den Kindern nahe zu bringen, und daß.darin der sigenthümliche Vorzug des Buches liege. Dagegen fehle es an der nöthigen Abrundung der Stücke, auch seien manche Partien zu ausführlich und Könnten ohne Nachtheil für das Werk zusammengezogen werden. Dadurch wurde es sich mich ermöglichen lassen, aus den zwei Bändchen einen Band herzustellen. Wenn von einer Seite darauf hingewiesen wurde, daß auch das Wichtigste ans der Mbelkunde Aufnahnle findeil müsse, so wurde auf der anderen Seite diese Forderung zurückgewiesen, 'weil durch Erfüllung derselben ein Stoff hineingetragen werde. der für die Kinder der unteren KlaffenUngeeignet sei. Es wurde der Vorschlag gemacht, von Seiten des Vereins Unterhandlungen mit der Verlagsbuchhandlung wegen Umarbeitung des Buches anzuknüpfen. Da allgemein arerkanut wurde, daß die Umarbeituug des Buches eine dringende Nothwendigkeit sei, so wurde der Nefereilt ersucht, bis zur nächsten Sitzung Thesen anfzustellen, in welchen die Grundsätze angegeben werden, die für die Umarbeitung zn beobachten feien. B. Schueidemnhl, 18. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr hielt am 8. d. Mis. seine diesjährige Generalversammlung im jüdischen Gemeindehause ab. Nach den» Nechenschastsbericht zählt der Verein 102 Mitglieder. Es lvnrden während des Vereillsjahres 5 Vorträge gehalten. Eine zu Challllkah veranstaltete Theateranffnhrung ergab einen Neillertrag voll 80 Mk. Die Bibliothek zählt augenblicklich 300 Bällde. Der Kassenbestand beläuft sich auf 245,40 Mk, Nachdem der vorjährige Vorstand durch Stinnnzettel wiedergeivählt worden war, beschloß derselbe nach Beendignng der Generalversammlung, die Vereitle Schneidemühl, Czarnikall, Schölllanke, Filehne, Nogasen imd Kolmar zn einem Bezirksverband zu vereinigen. Zn diesenl Zlveck ist hier eine Versammlung am 22. d. Mts. an« beraumt, zn welcher oben genannte Vereine eillgeladen wordell sind. — Am 9. d. Mts. starb hier der ehemalige Stadtrath Le Win Herz im Alter von 90 Jahren. 40 Jahre hat Herr Herz dem hiesigen Magistrat und deln Stadtverordneteukollegrunl angehört, und über 28 Jahre war er Vorsteher der hiesigen jüdischen Gellleinde. Während dieser langen Zeit zeichllete er sich stets durch Pflichttreue und Liebe zn den Ehrenämtern aus. wofür auch die warmen Nachrufe des hiesigen Magistrats lind des jüdischen Genleindedorstandes sprechen. Am Grabe entrollte der hiesige Ortsrabbiner Herr Braun ein Lebensbild des Eiltschlafenen. Ferner sprach an der Bahre Herr Herz Berliner als Vorsteher der jüdischell Gemeinde und als Neffe des Verblichenen. In kurzen» aber gefühlvollen, zu Herzeil gehenden Worten nahm Herr Berliner am offenen Grabe Abschied pon feinem Onkel und dankte ihln im Namen des Vorstandes für das, was er in selbstloser, rastloser Thätigkeit für die hiesige Gelneinde gethall hat. Friede seiner Asche! — Freitag feierte Frau Dr. David sohn in vollster Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag, lieber 40 Jahre gehörte sie als Schriftführerin denl Vorstand des hiesigell jüdischen Frauenverems an und hat sich während dieser geraun»eil Zeit um das Emporblühen dieses Vereins Nlanches Verdienst erworben. Zn Ehren dieses Tages wurde der Jubilarin von den delegirten Damen des Vorstandes, Frau Rosa Berliner. Frau Marianlle Herz ulld Frau Lipplliaun, eine Dankadresse überreicht, in welcher ihre Verdiellste-um den Verein lobeird anerkannt wurden. C. Deutsch-Kpone, 15. Oktober. Am 1. d. Mts. beendete Herr M. Jaffe seine Thätigkeit als Lehrer. Er war rnehr als 36 Jahre an der hiesigen jüdischen Stadtschule angestellt und im Ganzen 47 Jahre Lehrer. Neben seiner ungewöhlllich gedeihlichen Lehrthütigkeit lvar er auch sollst stets eifrig benlüht, für die Interessen seines Standes ulld des Jndenthums uneigennützig einzutreten. So war er z. B. Mitbegründer des Deutsch-Kroner Lehrervereius und des^ Vereins jüdischer Lehrer der Provillz Westpreußen, dessen Vorsitzender er auch bis jetzt war. Bei seinenl Scheiden aus dern Amte wurden ihm reiche Ehrungen zn Theit. Er erhielt den Adler der Inhaber des kgl. Hausordells voll Hohenzollern, wurde zum Ehrenmitglied der Chewra-Kadischa, bereu Kassner er seit ihrer Begründung war, sowie des jüdischen Frauenvereins ernallllt, und erhielt von der Synagogengemeinde wie von einer Anzahl ehenlaliger Schüler werthvolle Geschenke. Außerdem wurde ihm zu Ehrell voll einem Komitee, dem der Bürgermeister, der kgl. Kreisschulillspektor, der evangelische uhb katholische Geistliche u. s. lv. allgehörten, ein Festmahl veranstaltet, das sehr besucht war und überaus schön verlief. Während des Mahles wurde der also Geehrte voll Vorgesetzten, Kollegen und Freunden viel gefeiert itub sein treues, selbstloses Wirken von gailzem Herzell anerkannt. Herr Jaffö ist nach Berlin verzogen. Es ist uorf) besonders zn betonen, daß das taktvolle Benehnlen des bescheidenen. aber unabhängigen Mannes sowohl zum Frieden in der Gemeinde wie unter den Konfessionen viel beigetragen hat, was die aufrichtigen Ovationen, deren er sich beim Abschied erfreuen bnrfte, deutlich bewiesen. g. Overglogarr, 20. Oktober. Am 14. d. M. elltschlief sanft nach kurzem, aber schwerem Leiden Herr E nr i l Schlesinger im 71. Lebensjahr. Der Verklärte bekleidete das Amt eines ersten Vorstehers mehr als 25 Jahre. Er hatte ein tiefes ulld reiches Wissen in religiösen und allgemeinen Dingen, das er ganz in den Dienst der Gemeinde stellte. Seirl vorbildliches Leben, feine. wahrhafte Religiosität, sein Eifer für die heilige Sache belebte und beseelte das religiöse Gemeilldetebell. Mit gleichem Erlist widmete er sich denl Diellste feiner Vaterstadt. Welche Hochachtung und Verehrung der Verklärte genoß, beweist der Umstand, daß das Magistrats- und Stadtverordlletenkolleginm. dessen Mitglied er lallge Jahre lvar, sotvie Herr Reichsgraf v. Oppersdorf, Mitglied des Herreilhauses, in der Syllagoge. der Stätte der Leichenfeier, erschienen, tim dem Verstorbenen das letzte Geleit 311 geben. Die Kinder verlierell die Krone ihres Hauses, die Synagogengemeinde ihren treuen, aufopfernden Führer ulld das Judenthunl einen treuen Bekenner. Am Grabe hielt Rabbiner Dr. Kopsstein aus Beuthen eine ergreifende Gedächtnißrede auf den Verstorbenen. Er ruhe in Frieden! : ** Hamburg, 18. Oktober. Die Beerdignllg von Frau Charlotte Embden fand hellte Morgeil vom Tranerhause an der Esplanade aus uach dem Israelitischen Friedhof in Ottensen statt. Der Sarg war im unteren Parterresaal, der mit entsprechender Trauerdekoratioll versehen war, aufgebahrt. Die Zahl der eillgegaligeneil Kränze und Bluulenspenden war so groß, das; der Saal ulld ein nebenliegendes Zimmer ganz baniit ausgefüllt erschienen. Unter den kostbarell Kränzen, die. den Sarg schmückten, bemei'fte man außer solchen von Familienmitgliedern auch viele von Schriftstellerll, Künstlern u. s. w. Von der Litterarischen Gesellschaft war ein Krailz mit der Inschrift gespendet wordell: „Der Schwester Heillrich Heines". Auch der Deutsche Schriftstellerverband <Lokalverein Hamburg) sandte einen Kranz mit entsprechender Widmung. Ein Kranz aus Frallkfnrt trug die Jnschrist: „Ein Strahl der Dichtersoulle fiel ans sie". Alls allen Gauen Deutschlands lvare»l kostbare Blumei^spenden itub Beileidschreiben eingetroffen, u. a. von der Wittlve Gustav Freitags. Aber auch aus Jtalieli, Oesterreich, ja selbst aus New-Dork waren BLunleilspendell eingetroffen, um den Sarg der Schwester Heillrich Heiiles zu schmücken. Ein Kranz aus New-Iork war von Frau Mathilde Nhberg, einem Mitgliede des Koniitees für das Heille-Denklnal, gespendet. Scheu lauge vor Begiull der Trauerseier waren fäiiuutlidtje Rällme des Hauses dicht gefüllt, außer beit Verwandten und Freunden warell viele Vertreter der Kuilst und der Wissenschaft erschienen, außer den Beanlten des österreichischungarischen Konsulats bemerkten lvir auch den Generalkollsul von Argentiniell, Herrn v. Lopez. Trotzdem die Verblichene bei Lebzeitell den Wunsch geäußert hatte, gleich ihreul Brllder Heillrich Heine ohlle Sang und Klang begraben zn lverderl, ließ der Frellnd des Hauses. Herr Prediger Dr. Leimdörser, es sich nicht nehmen, der llnvergeßlichen Frau einen tief empfundenen Nachruf 311 halten. Der Redner führte etwa Folgendes aus: Weit über ben Nahmen unserer Stadt, lveit über die Gemarkung unseres Vaterlandes hinaus hat das Hinscheiden Charlotte Embdens, der Schwester des genialen Dichters, tiefe, aufrichtige Trauer erweckt. Heute, am historischen 18. Oktober, am Tage, wo wir uils sonst in den gastlichell Rämuell dieses Hauses eiufauben, um der edlen Patriarch«! unsere Glücklvünsche zunl Gebnrtsseste darzubringen, haben wir uns hellte in Schmerz und Trübsal versammelt, um Abschied zu nehrnen von dem, was sterblich von Charlotte Embden. Als Text für meine Trauerrede wähle ich aus dein Buche der Lieder, aus dem Hohelied, die Worte Kap. 4, V. 6: „Der Tag wehet kühler, und die Schatten fliehen, ich will gehen auf den Berg der Myrrhen zum Weihrauchhügel". Und lveiter heißt es im Hohelied: „Wie schön sind deine Schritte, O Snlamith, Tochter der Edlen". Ja. schön uub herrlich war Dein Erdeillvallen, Charlotte Embden, die Du Dir bis in Dein spätestes Alter die Jugendfrische des Geistes belvahrt hast. Redner schilderte nun in tiefempfundenen Worten den Lehensgailg der Verstorbenen, namentlich die ullaussprechtiche Liebe, die sie für ihren Bruder, den Dichter Heinrich, hegte. Sie lvar der Sonnenblick im Leben des Dichters, aber auch Alle, die mit dieser so seltenen Frau iu Berührullg kamen, wurde»! erlvärmt und erhellt von der Sonne ihrer