Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-27 · Heft 43 (27.10.1899) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228355--55890-3292135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Anerkennung zu bringen. In Vertretung des nicht erschienenen Rabbiner Dr. Frank aus Köln übermitteüe alsdann Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meyer Cohn die Glückwünsche der Alliance Israelite Universelle und seines Berliner Lokalkomitees. Der Redner erinnerte an die bekannte Schrift Neumanns, in der er die über die Alliance verbreiteten Lügen mit markigen Worten zurückgewiesen und die Ehre der Alliance gerettet hätte. Im Dienste der Alliance hätte der Jubilar bewiesen, daß man die Pflichten eines guten Inden mit den Pflichten eines guten Deutschen sehr gnt verbinden könne. Der Jubilar glaubte in seiner Entgegnung kein besseres Beispiel für die Nothwendigkeit der Alliance ansühren .zu können als die Thatsache, daß sich bei einer neueren Gelegenheit. die ganze Kulturwelt als Alliance konstitnirt hätte. Nachdem Bürgermeister Kirschner in kurzen, herzlichen Worten gratnlirt, erfdCjienen bie Deputationeil der Preußischen Lebensversicherungsgesellschaft, deren Schöpfer und langjähriger Direktor der Jubilar gewesen'ist, eine Abordnung des Vereins „Amicitia", iu dessen Namen Landschaftsmaler Julius Bodensteiu die Ansprache hielt, eine von Rektor Dr. Adler eingeführte AbordilUllg von russischen Zöglingen, deren Sprecher den Dank für all das überbrachte, was der Jubilar ihnen gewesen sei. Von der Lehranstalt für die Wissellschast des Judenthnms überbrachten als Vertreter des Lehrerkollegiums die Dozenten Dr. Schreiner und Rabbiner Dr. Maybaum eine Adresse, in der der Dallk übermittelt wird für alle Mühe und Fürsorge, mit der der Jubilar als Vorsitzender des Kuratoriums stets für die Sache des Rechtes und der Wahrheit eiilgetreten ist. Der Jubilar erwiederte, daß er in dieser Jllstitution das Ideal seines Wirkens uird Strebeus erkenne und 'es als Ehre betrachte, der jüdischen Wissenschaft dienen zu können. Man sei zwar noch weit voll dein Ziele erltfernt, die jüdische Wissenschast iil das ihr zllkonlmende Recht eiuzlisetzen, aber tm Hinblick auf den Ernst der Männer, denen dieses Pfand anvertraut sei, lverde mall hoffentlich das Ziel erreichen. Die früheren sowohl wie die jetzigen Hörer der Lehranstalt haben ebenfalls die Gefühle ihrer Verehrung für den Jubilar in einer Adresse zum Ausdruck gebracht, die von beu Herren DDr. Worms, Joseph und Lehnlann liud dem Bibliothekar Barol Übergebell wurde. Nach einigen herzlichen eiiileitenben Worten des Dr. Worms verlas Dr. Joseph die Adresse, die in schwungvollen Worten beu Jubilar als den Mann feiert, der es immer als seine heiligste Pflicht erachtet, die Wahrheit der Wissenschaft des Jndenthums zll erforschen. Denl Jubilar gebühre ein großer Theil des Verdienstes, in der Lehranstalt eine Pflanzstätte warmer Begeisterung für das Judenthum lind seine wissenschaftliche Erforschung geschaffen ulld beu freien, unabhängigen Charakter allezeit der Anstalt gewahrt zu haben. Ill besonders herzlichen Worteil dallkte der Jubilar für die ihm durch die Adresse bereitete große Frellde. Der Inhalt der Adresse gebe ihm die Garalltie, daß die vielfach phantastisch hingestellten Bestrebungen doch all richtiger Stelle wären. Mit besonderem Nachdruck betonte er, daß er niemals allshören lverde. das Recht der persöulichell religiösen Empfindllllgen der Hörer ilach Kräften zu vertheidigen. Die Zeit, lvo der Railg unb Stand eitles jüdischen Rabbiners viel höher gestellt lverde, als es jetzt der Fall sei, werde hoffentlich nicht mehr so fern sein. Im Namen der hiesigen jüdischen Eemeillde sprach der Vorsitzende derselben, Justizrath Meyer, der mit den Vorstandslnitgliedern Herren Geheimrath Boas llnd Wilhelnl Goldschmidt und den Repräsentanten Louis Sachs, Leonhard Sachs, Lörvellberg, Oppenheim, Kommerzienrath Friedländer erschienen lvar. Der Redner betonte in schlichten Worteil den kräftigen Antheil des Jubilars an der Verbesseruilg der sozialerl Stettuilg der Inden. Thränendeil Auges erzählte der Jubilar in seiner Erwiederung, daß er die Erlaubniß znrn Studillm voll feinem Vater nur unter der Bedillgllllg erhalten hätte, daß er Jude bleiben würde. Für Juden zu reden ulld für Juden zu wirken, hätte ihm stets dje größte Freude bereitet. Als letzte Deputation erschieil noch eine Vertretung des Vereins zur Abwehr des Antiselllitisllllls, ill desserl Namen Justizrath Friedemann Glückwünsche überbrachte. Unter den schriftlich eillgegallgenell Adressen erwählren wir llvch die der Heimathsgeineillde des Jubilars aus Pyritz. Unter vielen anderen Geschenken war eine große Fülle kostbarer Blumenarrallgements von den zahlreichen Freunden und Verehrern des Jubilars gesperldet ivorden. Gegen 2 Uhr war erst der Empfang der osfizielleil Deputatiollell beendet, die in ununterbrochener Reihenfolge von 10 Uhr an zur Beglückwünschung des hochverdierlten Mannes erschieilen lvaren. 22 Berlin, 24. Oktober. Der Vorstand itub das Repräsentantenkollegiurn der Reformgemeinde haben in ihrer letzten Sitzung den Kapellmeister E d ll a r d L e v H ill Breslau ztim Chordirigellteu au Stelle des verstorbenen Professors Breslaur einstimmig gewählt. Herr Levy war früher Kapellmeister in Leipzig ulld hat mehrere Oratoriell kompollirt, die die Anerkennung der Kritik gefunden haben. Er ist ein Sohn des rühmlichst bekannten Professor Dr. M. A. Levy s. A., desserl phöilizische Studien ihm einen geachteten Namen in der wissenschaftlichen Welt bewahrt haben. §2 Berlin, 22. Oktober. Das Komitee für Chanukahbescheerung verselldet folgenden beherzigenswerthen Aufruf: Beinl Nahen der rauhen Winterszeit bittet wiederum eine Schaar von mehr denn 1100 jüdischen Kindern. lvelche die Koulttllnlalschlllen besuchen, das allezeit milde Herz der Glaubensgenossen um Speuduug der llöthigsten Kleidungsstücke. Diese Gabe schützt nicht nur die f(einen Körper vor Kälte, sonderil wirft auch irr ihre jugendlichell Seelen einen Lichtstrahl, der ihrenl sonst freudlosen Dasein die ermunternde Gewißheit bringt, daß sie voll den Nebenmenschen nicht ganz verlassen sind. Jnl vorigen Jahre erhielten am Chanukahfeste laut unseres Berichtes vom Januar 1899 1161 Kinder Stiefel, Wäsche, Kleider und Lehrmittel. So wlrrde bitterste Noth all vielen Stellen gelindert. Gleichzeitig gelang es, wie Lehrerkreise bezeugten, einen nloralischell Eiuflüß ans die Schüler zu übcn, indem die Würdigsteil Vorzngslveise bedacht wurden. Beide Erfolge ermuthigen uns, alle Killderfrennde, besonders die Fralken uliserer Gemeinde, herzlichst zu bitten, durch eine freundliche Gabe an Geld. Stoffen, Jugendschriften oder dergleichen dies Liebeslverk wiederllln föiberu zu helfen. Jede der Unterzeichneten ililnillt Beiträge mit innigem Danke entgegen und ertheilt bereitwilligst nähere Auskunft. Berlin, im Oktober 1899. Das Komitee für Chanukah-Bescheerullg: Frau Jlllie Neumalln, Vorsitzende, Frau Max Beujanlin, Frau Julius Boehm, Frau Michael Fiegel, Frau Geheime Sauitätsrath Flatow, Frau Dr. Fralckl, Frau Leopold Fried - maun. Frau Dr. Ginsberg, Frall Dr. Grabower, Frau Kommerzienrath Emil Jacob, Frau Professor Dr. F. Liebermann, Frau Dr. Maybaum, Frau Sauitätsrath Dr. Mühsam. Frau Louis Oppenheim, Frau Helene Schönwald, Frau Emma Sieskmd, Frau Sauitätsrath Dr. Stern, Frau Arnold Weiß. F. Berlin, 19. Oktober. Iu der am 7. d. M. ftattgehabteil ordeiltlichen Sitzung der Wissenschaftlichen Bereinigung jüdischer Schullnänner zu Berlin gab der Vorsitzende, Herr- Rektor Dr. Adler, zullächst Keuntniß von dem Anerbieteir des Herrrr Professor Dr. Dachau, ill den Weihllachtsferieu einen Vortrag „lieber den jüdischen Religionsunterricht mit vorwiegellder Berücksichtignllg der höheren Schulen" zu halten, und von der Bitte des Herrn Mütter- Müllheim (Baden) um Besprechung seiner Bücher. Das Anerbieten des Herrll Professor Dr. Tachau wurde mit Dallk angenomlnen, für die Müller'schen Bücher wurden die Herren Falkellberg und Hirschfeld als Referenten bestellt. Der Vorsitzende theilte ferner mit, daß die Provinzialversammluug am 22. November in Berlin .stattfinden lverde, und fordert zu zahlreicher Betheiligung ans. Darauf referirte Herr Hirschfeld über „Auerbach. Biblische Erzählullgen, Band II". Er führte etwa Folgendes aus: Das biblische Geschichtsbuch soll nur das enthalten, was wirklich gelernt werden soll, und was zum Verstünduiß des zu Lerneudell nothweudig ist. Gelernt bezw. gelehrt werdeil soll: Die Entwickelung der religiösen Idee im Volke Israel solvie die Wirksamkeit solcher Personen und das Eillgreifen solcher Ereigllisse, lvelche auf diese Entwickelung Einfluß gehabt haben. Die Träger der religiösen Idee sind die Propheten, darum muß die Prophetengeschichte in ben Vordergrund treten, und darf voll der Kriegsurld Köuigsgeschichte nur so viel gelehrt werden, wie zum Verständlliß der Propheten liothwendig ist. Hieraus ergiebt sich, daß aus dem zweiten Bändchen von Auerbach sehr vieles wegfallen bezw. gekürzt und noch mehr umgearbeitet und ergänzt lverden muß. Ulugearbeitet werdeli muß beispielsweise besonders die Königsgeschichte, das Exil (Ezechiel, Jesaja II) und die nachexilische Zeit (Esra, Nehemia). Hinzukommen muß ein Auszug aus Hiob, etwas über die Geographie Palästinas über Münzen, Maaße und Gewichte, über Kaleuderwesen u. dgl. sowie einige Karten und Skizzen, die aber besser sein rnüssen als die im erstell Bändchen. Zu Koben ist die schöne Sprache des Buches, die zwar" einzelne Unebenheiten aufweist, aber doch der lvesentliche Grund ist, weshalb die Umarbeitung des Buches empfohlen wird. In der all dieses Referat sich anschließenden Debatte wurde ausgesührt, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.