Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1899)
- Date
- 1899-10-27
- Page
- Seite 508 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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508 zu Händen Deramels dem Herzog Philipp hunderttausend Franken für seine Verschwörung zur Wiederaufrichtung des Königthrons und Entrechtung der französischeil Juden, wobei es ohne einiges Judengemetzel nicht abgegangen wäre, wie die beschlagnahmten Briefe der Parteihäupter beweisen. Frau Porges behauptet, sie habe geglaubt, das Geld zur Gründung eines royalistischen Soublattes hergegeben zu haben. Ihr Gatte habe von der Spende nichts gewußt; an das genaue Datum der Gabe erinnere sie sich nicht, da 100000 Francs für sie gänzlich ohne Bedeutung seien. Die Untersuchung ergiebt, daß das Geld zwei Tage vor dem Deronlede'schen Putschversuche gegeben wurde. Ein Pariser Korrespondent schreibt über diese Angelegenheit: „Frau Porges kam als Zeugin, in Wahrheit ist sie eine Angeklagte. Sie ist eille Verrätherin gegen Frankreich, gegen die Republik, welche ihr Gastfreundschaft gelvährt hat. aber auch eine Verrätherin gegeil ihreH jüdische Familie, lvelcher sie alles zu danken hat: Stellung und Geld. Diese Stellung setzt sie ein für ihre Passionen, das Geld rnißbraucht sie, um orleauistisch-antisemitische Agitationeil zu bezahlen. Für die hlulderttauselld Francs, welche sie dem royalistischell Komitee lvenige" Tage vor bein Putsch D^rouledes am Begräbnißtage Fanres zur Verfüglmg stellte, sollte die Nepllblik gestürzt werden. Für dieses Geld wurdeil die Rufe erkalift „Nieder mit den Juden!" Es wurden die feilen Buben damit bezahlt, welche in Algier jüdische Frauen peitschten. Heute sagt Frau Porges mit lafleuber Stimme, daß sie gemeint habe, das Geld sei für die Gründung eilles antisemitischorleanistischen Soublattes bestimmt. Sie fürchtet offenbar, augektagt zu werden, wenn belviesen wird, daß sie um die hochverrätherische Bestimmnng der hlulderttauselld Francs gewußt. Sie erklärt gleichzeitig, ihr Gatte, Herr Jules Porges. habe voll der Speilde lllchts gewußt. Das ist gewiß richtig. Dell» Herr Jules Porges ist ein sehr ehrenhafter Mann, der niemals eine solche Verwellduilg seilles Geldes zngelassen haben würde. Frau Porges, welche selbst vermögenslos ist und nur das hat, was sie von ihrem Gatten erhält, hat also nach ihrem eigenen Geställdniß das Vermögell ihres Gemahls mißbraucht. Wie Ulan ulls nlittheilt, hat Herr Porges soebell Paris für mehrere Monate verlassen, und überläßt es seiner Frau, sich mit beu Richtern des Staatsgerichtshoses auseinanderzusetzen. Jules Porges lveilt in Wien bei der Familie seiner Frau." * Der Krieg zieht natürlich unsere Glaubensgenossen in England wie in Transvaal stark in seine Kreise. Ilsitex dem llach Afrika geselldeten englischen Militär befindet.sich eine ganze Anzahl von jüdischen Soldaten. Der „Jervish Chronicle" veröffentlicht eine Liste von solchen, die bereits verschifft sind, imb zählt dabei auf: Major G. F. Leverson, Kapitän E. S. Goldsmid, die Leutnants H. I. Stern und F. G. Cannot vom Generalstab sowie 57 Gemeine und Unteroffiziere. Diese Letzteren vertheilen sich auf alle Waffengattungen; sogar llnter den Schotten und der Garde finden sich jüdische Soldaten, ebenso unter den Lanciers und Husaren, die nach Afrika abgegangell sind. Allch unter den Freiwilligen aus beu Kolonien, die cut den: südafrikanischen Kriege theilnehmen, befindet sich eine ganze Allzahl jüdischer Offiziere rrnd Soldaten. So stehen bei den Natal Karabiniers die Leutnants H. M. Landsberg, F. E. Stiebel und I. Abrahams und bei beu Kap-Hochländern Leutnant F. H. Salomons. Viele andere jüdische Soldaterr und Offiziere mögen unter diesen Truppen steherr, ohne daß man davon weiß, denn bei dem englischen Militär fragt mail nicht nach der Religion. Wenn man indessen auch nur die oben genannte Zahl von 4 Offizieren und 57 Soldaten unseres Glaubens in Betracht zieht und bedenkt, daß in England nur V4 Prozent der Bevölkerung Juden sind, so ist die Betheiligung der Juden in dem englischen Heeresdienst um so bedeutsamer, als ja dieselbe bekanntlich dort eine ganz freiwillige ist. Andererseits berichtet man wieder aus Kapstadt, daß unter den Tausenden Flüchtlingen, die dort sowie in Pietermaritzburg und Durban alle Anstalten, Asyle und Privathünser füllen, auch viele Juden seien, und diese Haben allen Grund, die Gastfreundlichkeit ihrer Glaubensgenossen zrl rühnlen. Die Judell in Kapstadt, obwohl sie politisch wenig hervortreten, find doch meift wohlhabend und thun, was in ihren Kräften steht, um die Noth der Flüchtlinge aus Johannisburg zu mildern. Uebrigens sind viele Juden in Transvaal geblieben, die auf Seiten der Buren stehen und diesen ihre militärische Hilfe angeboten haben. Selbst in Kapstadt sind die Anschauungen unserer Glaubensgenossen politisch getheilt. Während die Abgeordneten für Kimberleh und Mafeking, Oberst Harris und Julius* Weil, zu der englischen Partei von Rhodes gehören, Hängt Charles Sonnenberg, der Abgeordnete von Brhbourg, der Asrikanderpartei an und ist ein Freund von dem jetzigen Minister Schreiner. Wie man steht, sind die Juden auch dort wie in allen anderen Ländern in allen Parteien zu finden. Ganz besonders interessant ist aber in dieser Hinsicht die folgende Mittheilung eines unserer Korrespondenten über die Verhältnisse in Kimberleh: „Unsere Stadt, die jetzt zuni Mittelpunkt erbitterten Kampfes zwischen Engländern und Buren geworden ist, steht 'mit größer. Begeisterung auf Seiten der Engländer. Nicht weniger als 2000 Freiwillige sind hier und in der Nachbarschaft zu den Waffen geeilt und bilden mit einer gleichen Anzahl regulärer Truppen die Besatzung von Kimberleh. Die Freiwilligen werden befehligt von Colonel David Harris, der dieselben schon in verschiedenen Kämpfen konnnandirt'"hat und jetzt, obwohl er eigentlich in den Ruhestand getreten war, der Regierung wieder seine Dienste angetragen hat. Colonel Harris, der jetzt erst 47 Jahre zählt, dient schon seit 21 Jahren unter den Freiwilligen. Damals focht er in der Diamantfeldreiterei unter Sir Charles Warren gegen dr* Griqua-Kaffern und wurde für seine im Felde bewiesene Tapferkeit, zum Offizier ernannt. Bor mehreren Jahren komnrandirte er die Kimberley-Schützen, die zu den besten freiwilligen Truppen in Südafrika gehören. Znm letzten Mal war er aktiv thätig, als er Weihnachten vor zwei Jahren 600 freiwillige Schützen gegen die ansständischen Eingeborenen in Poquaua 80 Meilen von Kimberleh führte. Es gelang ihm, diese Expedition glänzend zu beendigen, und der Vertust, der Engländer bestand nur aus 3 leicht Verwundeten, unter denen sich freilich Oberst Harris selbst befand. In dieser freiwilligen Truppe von Kimberleh dienen'diesmal noch die beiden jüdischen Leutnants W. S. Harris und E. H. Moseley sowie eine ganze Anzahl von Unteroffizieren und Soldaten unseres Glaubens. Oberst Harris ist ein ausgezeichneter Schütze, der wiederholentlich bei Wettschießen Preise davongetragen hat. Vor zwei Jahren gewann er einen solchen bei 103 Treffern aus 105 Schuß. In seinem Civilverhältniß ist Oberst Harris Direktor der de Beers-Minen und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kimberleh. Seine Frau ist außerordentlich vertraut mit allen jüdischen Dingen, versteht sehr gut Hebräisch und bekümmert sich, eingehend um das jüdische Schulwesen in unserer Stadt. Oberst Harris, der auch Mitglied des Kap-Parlaments ist, vereinigt so in seiner Person eine Anzahl von Würden, die sich wahrscheinlich nicht zum zweiten Mal zusammen finden. Er ist Oberst, Meisterschütze, Abgeordneter, großer Finanzmann und dabei Vorsteher der jüdischen Gemeinde und freiwilliger Spender für alle wohlthätigen Sachen. Man darf mit einiger Spannung abwarteu, ob er bei den neuen Kämpfer! neue Lorbeern ernten wird."