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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-20 · Heft 42 (20.10.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-- S —— - Lehrerverei ne im Deutschen Reiche hielt am 8. d. M. eine Sitzung im Bureau des D.-J. G.-B. ab. Anwesend waren anher der Mehrzahl der Berliner Mitglieder die Herren Rechtsanwalt Dr. Lipp-- mann-Hanibnrg und Lehrer Steinhardt-Magdeburg. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, die Versammlung begrüßt, theilte er mit, daß zu seinem Bedauern die Eröffnung der Kasse zum 1. Oktober sich nicht habe ermöglichen lassen, da die landesherrliche Genehinigung noch nicht eingetroffeu sei. Er wies ferner aus den Uebelstand Hill, daß Anträge von Einzelpersonen gestellt seien, die erst in den Lehrervereinen hätten berathen werden sollen, bevor sich das Kuratorium pflichtgemäß mit ihnen befasse, wurde aber von Herrn Steinhardt darauf anfmerksam gemacht, daß bei Gründung der Kasse der Beschluß gefaßt worden sei, im ersten Jahre auch Anträge von Einzelpersonen znzulassen. Darauf trat man in die Tagesordnung ein. Zunächst wurde über ben Antrag des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands aus Abänderung der §§ 7 und 15 der Statuten berathen. Herr Steinhardt, der diesen Antrag vertrat, führte ans, daß von vielen Seiten lebhafte Bedenken gegen die Höhe und die Art der Beiträge ausgesprochen seien. Bedenken, denen er sich nur anschließeu könne. Einerseits glaube er, daß die Zahlung von 5 bis 10 pCt. des nachgewiesenen Gesauunteinkommens eine zu hohe Belastung für die Mitglieder und snr die zum Theil an ihre Stelle tretenden Gemeinden sei, weil namentlich die Gemeinden bei einer Gehaltssteigerung doppelt belastet würden; andererseits sei es überhaupt mißlich, an der prozentualen Besteuerung festzuhalten, dein, wenn man bei dieser Art der Besteuerung bleibe, könne bei den mangelhaften statistischen Unterlagen niemals eine feste Basis für die Kasse geschaffen werden, überdies sei die Belastung des Einzelnen im Verhältnis zu den Leistnngen der Kasse zu hoch. Darum schließe er sieh dem vorliegenden Anträge auf Festsetzung fixirter Beiträge, die je nach dem Lebensalter von 60 auf 120 Mark steigen, au, ja er gehe noch weiter und wünsche, daß die Beiträge ans 50 bis 100 Mark festgesetzt würden. Was die Hilfskasse betreffe, so sei es unzweifelhaft. daß diese beu Mitgliedern an Pensionen weit weniger bieten würde als die Pensionskasse; daher sei es ungerechtsertigt, hier die gleichen Beiträge wie bei der Pensionskasse zu erheben, vielmehr müßten die Beiträge wesentlich ermäßigt werden, wenn es überhaupt Mitglieder der Hilfskaffe geben solle. — Der Korreferent, Herr Hanff, trat den Anschauungen des Referenten durchaus bei und wies noch daraus hin, daß der § 7 leicht zu Streitigkeiten führen könne, da ans ihm nicht ersichtlich sei, ob es sich um das Diensteinkounnen oder um das Gesaulmteinkomlneu nn steuerlichen Sinne handle, so daß auch alle aus nichtamtlicher Thätigkeit herrührenden Einnahmen mit einbezogen werden müßten. Er plädirte namentlich für die Mitglieder der Hilfskasse, die schon an sich Berücksichtigung verdienten, weil sie durch unverschuldete Verhältnisse ge, zwungen würden, der Hilfskasse statt der Pensionskasse.beizutreten. — Der Vorsitzende erklärte, daß die geäußerten Bedenken gewichtig genug seien, um eine Aenderung des § 7 als wüuschenswerth erscheinen zu lassen, doch hielt er es für nothwendig. an der prozentualen Besteuerung festzuhalten; die Hilfskasse würde seiner Allsicht nach hauptsächlich aus die Beiträge ihrer Mitglieder angewiesen sein und würde bei geringen Einzahlungen nur Ungenügendes leisten können. Herr Professor Dr. Philippson wünschte, daß versichernngstechnisch noch einmal geprüft werde, ob die Prozente sich nicht ermäßigen ließen; an den prozentualen Beiträgen solle unbedingt festgehalten werden, da gerade die der Unterstützung Bedürftigsten, nämlich die Lehrer in kleinen Gemeinden, nie Aussicht haben würden, bis zu 100 bezw. 120 Mark zur Kasse beizusteuern. — Herr Direktor Haberland machte darauf aufmerksam. daß gegen die prozentuale Besteuerung das Schwanken des Diensteinkommens spreche; bei der Gewichtigkeit der geäußerten Bedenken halte er es für zweckmäßig, von einer Beschlußfassung zunächst abzusehen und den Antrag durch eine aus 3 Mitgliedern bestehende Kommission eingehend prüfen zu lassen. — Herr Rechtsanwalt Dr. Lippmantt meinte, daß an der,prozentualen Besteuerung unbedingt festzuhalten sei, weil sie die einzige Art der gerechten Vertheilung der Lasten sei, doch wünsche er. daß in § 7 statt„Diensteinkommen" „Erwerbseinkonunen" gesetzt werde, damit auch das Nebeneinkommen ähnlich wie bei der staatlichen Stenereinschätzung getroffen werde. Dagegen ist er für Einführung fixirter Beiträge bei der Hilfskasse. Nachdem noch Herr Handelsrichter Lustig den Antrag Haberland dahin modifizirt hatte, daß die zu wählende Kommission ans dem Vorsitzenden, den beiden Referenten und einigen von diesen kooptirten Mitgliederrr bestehe, wurde der Antrag Haberlalld mit dem Amendement Lustig angenommen. . Der Antrag Perih auf Aendernng einer ganzen Anzahl Paragraphen derStatuten, desgleichen der Antrag des Lehrervereins, „Mendelssohn" zu Hamburg wurden, da sie zu spät eingegangen wären, als daß die bestellten Referenten sich eingehender über dieselben hätten äußern können, der gleichen Kommission überwiesen.— Am Schluß berichtete der Schatzmeister Herr Lustig über; den Kassenbestand und> erklärte sich bereit, mit der Bank, bei der die Gelber gegenwärtig deponirt sind, wegen einer besseren Verziilsimg zu unterhandeln. Berlin, 15. Oktober. Die Alex ulld Ottilie Büchel- Stiftung ist vor zwei Jahren voll dem genannten Herrn gegründet worden ans Anlaß des dreißigjährigen Bestehens des Humanitätsvereins für Gewerbetreibende voll! Jahre 1868. Herr Büchel ist Vorsitzender des Vereins; es sollen alljährlich Kinder anständiger Familien Ullterstützung erhaltell bis zum 13. Lebensjahr. Kinder von Vereins- Mitgliedern werden bevorzugt. Circa 25 bis 30 sollen in diesem Jahre gekleidet werden. Die Vertheilnng soll Ende November stattfinden, auch ist Herr Büchel nicht abgeneigt. Kindern für die Schule Ullterstützung zu gewähren. Meldungen fiub bei Herrn Büchel schriftlich einzureichen bis zum 5. November, Alt-Moabit 131. O Löbschütz, 14. Oktober. Am 1. d. feierte Herr Kantor Liebel sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Schon am Vorabend falld aus Anlaß dieser Feier ein Festbanket statt, an lvelchem sich fast die sämmtlichen Gemeindemitglieder Mld sehr viele Andersgläubige betheiligten. Herr Liebet wurde aus seiller Wohnung abgehvlt und ihm nach erfolgter Ansprache des Repräselltanteli-Borsitzendell, Herrn Mayer, ein werthvoller Pokal mit Widlnung überreicht. Beim Diner wurden nrehrere ernste und auch humoristische Toaste ansgebracht. Die Stinnnung war sehr heiter und hielt die Anwesenden bis lange nach Mitternacht zusammen. Herr Liebel war tief bewegt und dankte mit warmen Worten. Tags darauf lvnrde demselben von dem Vorsteher, Herril Siegmund Loß, tu Gemeinschaft der übrigen Vorstands- und einiger Repräsentantenmitglieder die offizielle Gratulation dargebracht. Derselbe betonte, daß die allgemeine Verehrung der Genleiudenlitglieder und der ganzen Stadt Zengniß von dem guten Einvernehmen darthne. Auch der hiesige Frauenverein, ferner die Damen des Chores uub eine Menge Gratulanten fanden sich ein und üb erbrachten werthvolle Geschenke, namentlich die Choristen eilten sehr schönen Sorgenstuhl. Auch von auswärtigen Frenllden fanden sich mehrere zur Gratulation ein. Möge es Herrn Liebel vergönnt sein, in bisheriger Art und ungeschwächter Kraft noch lallge in hiesiger Gelneillde zu wirken. a. Hamburg, 17. Oktober. Am 14. d. M.. Nachmittags 6 Uhr, ist Frau Charlotte Embden, geb. Heine, nach längerer Krankheit saust dahingeschieden. Um sie trauern Kinder, Enkel und Urenkel. Sie war geboren am 18. Oktober 1800, hätte also arn kommenden Mittwoch ihr 99. Lebensjahr vollendet. Der Tod der würdigen alten Danie wird in weiten Kreisen rege Theilnahme erwecken. War sie doch als die vondem Dichter treu geliebte und ihm von Herzen zugethane Schwester ein Gegenstand Pietätvollen Interesses. In ifjrm letzten Lebensjahren zehrte sie an der großen Freude, den der überraschende Besuch der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in ihren vier Wänden ihr bereitete. Voll einer schweren Operation, die sie vor einigen Jahrell durchmachen mußte, hat sie sich nicht wieder völlig erholt. Bis in die letzte Zeit blieb ihr die volle Klarheit des Geistes bewahrt. Sie bildete eine lebendige Chronik des Lebens ihres Bruders und theilte von beu Schätzen ihrer Erinnerung gern den Besuchern mit, die 311 ihr kamen, um etwas davon zn erfahreil. Treueste Liebe ihres Sohnes, des Herrn Barons L. H. v. Embden, schuf ihr im Alter ein vor jeden! rauheren Hauch geschütztes Heim in dem Hanse Esplanade Nr. 39, in dem sie jetzt die Augen zum letzten Schlummer geschlossen hat. Charlotte Embden ist — die Einzige in der Familie — ihrem Glauben treu geblieben bis zum Tode. Auch ihre Kinder und Enkel sind Juden. Das Leicheubegängniß findet am Mittwoch den 17. auf dem Friedhos in Ottensen statt, wo die Schwester Heines neben der Gruft ihres seit 33 Jahren dort ruhenden Gatten die letzte Ruhestätte finden wird. Ehre ihrem Andenken! g. Speyer, 16. Oktober. Laut Regierungsentschließung vorn 12. September d. I. in Betreff, der Anstellungsprüfnng der Schul» di ewst exp ektan ten für 1899 ist auch in diesem Jahre der Bezirksrabbiner Dr. Landsberg ans Kaiserslautern als Mitglied der Prüfungskommission am 12. d. M. einbernfen worden. Die zum Zweck der

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