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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-20 · Heft 42 (20.10.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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der alten Synagoge. 1886 Vorsteher der Synagoge Kaiserstraße. Im, Jahre 1886 wurde er in die Ntepräsentallten-VersalllUllullg. gelvählt, der er bis zunl Jahre 1893 angehörte, im Jahre 1894 wurde er dann durch das Vertrauen beider Parteien in den Gelneindevorstand berufen. In diesem Amte leitete, er in bni Jahreil.1894 bis 1896, als Vorsitzender die^Armenkomlnission und übernahm irn Jahre 1896 die Verwaltullg der Friedhofskommission, welche er bis zu seillem Tode führte. Auch in den Dienst des Spar- und Hilfsvereins der Beamten der jüdischen Geuleinde hat der Verstorbene seine rege Thätigkeit gestellt. Jll allen Aemtern. die er seit nunmehr 24 Jahren leitete, hat er ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung gegeben, mit nie ermüdendem Eifer hat er seine besten Kräfte für das Wohl und die gedeihliche Entlvickelung der Gemeillveiustitntionen eingesetzt. Mit? den besteil menschlichen Eigenschaften ausgerüstet, von edler Herzensgüte, la»lterer Gesinnung, strenger Rechtlichkeit, hat er in seiner Schlichtheit sich die Liebe Aller zu erwerben gewußt und ein dauerndes Alldenken in uilserer Gemeinde gesichert. Die Beerdigung fand heuteullter sehr zahlreichenl Tranergefolge statt. Die kleine Halle aus dem Friedhöfe in der Schöllhauser Allee vermochte llicht die Menge der Erschiellklrell zu fassen. Der Gemeindevorstand war in corpore er-- schienen, in großer Zahl die Repräsentantell und Vertreter der übrigell Gemeindeinstittttionell, das Beaultenpersonal der Gemeinde; sehr lebhaft war ferner die Betheilignng aus den Kreisen der Börseil- und Finanzwelt. Auch derStaatskonimissar der Börse, Geh. Oberregiernngsrath Hemptenulacher befaild sich im Trauergeleite. Die schwarz ausgeschlageue Friedhofshalle lvar förmlich in einen Blumerlhain verwandelt. Kostbare Krallzspenden lind Palmeuarrangemeuts lvarell u. a. eillgegangen vom Vorstand mld Repräseutantell-Kollegium der Gemeinde, von allen Institutionen, denen der Verklärte als Mitglied oder als Vorsitzelider ilahe gestanden, von der Vereinigung der Kurslnakler der hiesigeil Foildsbörse, von der Preußischen Bodellkreditbauk, von der Deutschen Bodenbank (Meillillgen) n. s. w. Nach einleiienbem Chorgesailg hielt Rabbiner Dr. Weisse eine tief elnpfuudene Gedenkrede, in der er die Charaktereigenschaften des Verstorbenen gebührend würdigte. Chorgesallg beendete die erhebende Feier. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet! §2 Berlin, 17. Oktober. Die Beitel Heine Ephraim'scheu Fidnciariell lnacheu bekannt: Jll der Beitel Heine Ephraimischen Lehranstalt, Oranienburger Straße Nr. 27. lesen vom 26. Oktober allgefangeu (gratis) Herr Prof. S t eillschlleider: Einleitung in die jüdische Litteratur des Mittelalters, 1 St. wöchentlich. Neuhebräische Schriftsteller, 1 St. wöchentlich..— Herr Prof. Barth: Maimonides, Dalala Th. I., arabisch, 2 St. wöchentlich. Arabische Schriftsteller, 1 St. wöchentlich. Meldungen sind im Hörsaal anszufüllen. Berlin, 16. Oktober. Den Reigen der öffentlichen Vorträge im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" eröffilete am 10. d. M. vor einem sehr zahlreichen Publikum Herr Professor Dr. H. Gullkel von der theologischen Fakultät der hiesigen Universität mit einem sehr bedeutenden Vortrage: „Der Prophet Esra, eiil antiker jüdischer Religionsphilosoph". Der Redner behandelte die unter dein Namen das 4. Buch Esra bekannte Apokalypse, die beu Erklärern bisher so viel Kopfzerbrechen bereitet hat, mit außerordentlicher Klarheit ulld Schärfe. Er verlegt,das Buch in das erste liachchristliche Jahrhundert und beschäftigt sich weniger mit den Visionen als mit den religionsphilösophischen Anschauungell des Verfassers, der noch ganz auf dem jüdischen Boden steht. Die Probell, die der Vortragende aus seiner demnächst erscheinenden Uebersetzung des Buches zur Charakteristik der religiösen Ansichten des Alltors vorlas, waren Zeugnisse einer meisterhafteil Uebersetzungskunst. Durch diese Proben und die daran sich schließendell Erlänterullgen gab der Vortragende ein wohlgeordnetes Bild der religiösell Weltanschauung des 4. Buches Esra, seiner Klagen und Hoffnungen, seiner Allsichten vom Leben, vom Tod und vom Jenseits, von Lohn und von Strafe, vom Tage des Gerichts u. a. m. Der Vortrag eröffnete einen lveiten Ausblick.in das Zeitalter der jüdischen Apokalyptik, lvelche die dllrch der Zeiten Roth und Bedrängniß hervorgerufene bedrückte Lage des Volkes besser illustrirt als alle geschichtlichen Darstellllngen. Reicher Beifall lohnteben Vortragenden am Schlüsse seiner meisterhaften Darstellung. 8. Berlin, 11.Oktober. Das Louis Sächsische Ehepaar beging heute seine silberne Hochzeit. Die Liebe und Anerkennung, bereu sich das Jubelpaar in weiten Kreisen zu erfreuen hat, kolllite all diesen» Ehrentage so recht zum Ausdruck komlnen. Aus der großen Zahl von Deputationell, die theils mülldlich, theils in Form von Adressen ihre Glückwünsche überbrachten, heben lvir, ohne ben Anspruch auf Vollständigkeit zu machen, nllr folgende hervor: die Vorstände des Krankenhanses unter Führung von Moritz Mauheimer, des Hospitals unter Führung von Hermann Lalldsberger. des Brüderpereins unter Führllttg von Konunerziellrath Friedländer, des Frauellhilfsvereins, des jüdischen Mädcheustists unter Führung von Direktor Strelitz, des Genesungsheims Lehliitz unter Führung von Martin Simon, des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen ullter Führung von Albert Philipp Meyer, Oberin linb Schwestern des jüdischen Schwesternheims, des Vereins ..Erster jüdischer Kinderhort", der Sanitätswache Mallerstraße, des Dorotheenstädtischen und des Hansaplatz-Bezirksvereins. eine Deputation der Beamten und des Dienst- und Wartepersouals des jüdischell Krankenhauses. Aus der großen Zahl der zum Theil in kostbaren Einbänden überreichten Adressen seien besonders erwähnt die des Vorstandes der jüdischen Gemeillde und der Repräsentanten. Erstere bezeichllet den Ehrentag zugleich als einen Tag der Freude für Alle, die denl Hochzeitspaare nahestehen. „Der Tag lenkt den Blick zurück auf das Lebell. das Sie zum Wohle und Heile Anderer gelebt, und der Wunsch für die Zukunft vereint sich mit bewundernder Anerkennung der Vergangellheit. Mit Stolz erfüllt es uns. Sie zu den Mitgliedern unserer Gemeinde zu zählell und in Ihnen erneut zu sehen die Tugenden der Attvorderen, denen selbstloses Wohlthlin ein Lebensbedürfniß ruld Sorge für das Gemeinwohl eine Herzellspflicht war. Solch vorbildliches Thun gereicht unserer Gemeinde und deln israetitischell Nanlen zluil Ruhme." Die Adresse der Repräsentanten, welche „llicht in Erfüttling äußerer Pflicht, sondern aus innevfter Regung und freun d sch astli eher Empfindung" ihre Glückwünsche übermitteln ließen, gedenkt in dankbarer uild anerkenllender Belvllllderullg dessen, was das Jubelpaar Edles ulld Segellsreicbes innerhalb der Berliner Gemeinde geschaffen, lind hebt rühmeild hervor den wirknngsreichen Arrtheil des von dem Geiste opferwilliger Menschenliebe erfüllten Ehepaares an allen Humanitären Bestrebullgen und die wohlwollende und thatkräftige Hilfe, die das Paar, das so in der Schafsullg fremden Wohles ulld Glückes ihres Daseins eigenes Glück gefunden, deil Aruleu lind Bedrängten allezeit geleistet, und endlich die unvergänglichen Verdiellste, welche es sich um die zweckmäßige Einrichtung, Ausgestaltung und gedeihliche Entwickelung der Wohlfahrtsinstitute erworben. Die Repräsentanten hätten während der Jahre, da der Jubilar in ihren Reihen für das Wohl der Gemeillde thätig gewesen, illsbesvildere während der Zeit, da er. durch das Vertrauen feiner Kollegen zum Vorsitzenden der Körperschaft erwählt, die Verhandlungen geleitet hätte, ihn nicht rlur als eillsichtsvollen, pstichtgetreuen Mitarbeiter schätzen, sondern ihn auch als Menschen hochachten gelerllt. Die Adresse schließt mit dem Wunsche, daß es dem Jnbilar an der Seite seiner treuen Gattill und verständnißvollen Mitarbeiterin noch viele Jahre vergönnt sein möge, mit der gleichen körperlichen Kraft und Rüstigkeit, mit derselben geistigen. Frische und Regsamkeit in der bisherigen segens-- reichen Weise innerhalb der Gemeinde zu wirkenden Dürftigen lmb Leidenden zürn Heile, ihm und feiner Gemahlin zum Ruhme, auf daß sich cm Beiden das Wort des Spruchdichters (Proverb. 21, 21) erfülle: „Wer sich der Wohlthätigkeit und Liebe befleißigt, finbet Leben, Heil und Ehre!" Aus der Menge der kostbaren Geschenke erwährren wir außer den 90 Blumenarrangements, die, in prachtvoller Ausführung und ans seltenen Blumen zlisammengesetzt, allein einen großen Saal füllen, einen in Silber getriebellen Hunlpell des Brüdervereills, eine in der Königl. Porzellallmallllfaktur verfertigte Majolikaschale, ein künstlerisch elltworfenes allegorisches Diplom, eine goldgestickte Decke für den Tisch im Sitzungssaal des Krankenhauses, eine wohlgeluugene große Kreidezeichnung des Jubelpaares für den Sitzungssaal des Schwesternheims ulld ferner nicht weniger als drei sehr sorgsaln ausgeführte Modelle des Genesungsheims in Lehnitz. Die Anzahl der persönlich erschienenen Gratulanten wird nach flüchtiger Schätzung auf ca. 500, die der aus Nah und Fern, u. a. auch von Prof. Fritjof Nansen, eingegängenen Depeschen ebenfalls aus 500, die in anderweitiger schriftlicher Forni übersandten Glückwünsche auf 2—300 berechnet. — Wir können den Bericht nicht schließen, ohne auch uusererseits dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß dem hochherzigen Jubelpaare noch recht viele Jahre ungetrübter Schaffensfreudigkeit beschieden fein mögen. F. Berlin, 16. Oktober. Das Kuratorium der P e ll s i o n s -. W i t t w e n - u n d W a i s e ll k a s s e d e s V e r b a n d es de r j üd i sch e n

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