Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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. .• 63. Jahrgang» «r. 42. Ütf^* Gerlm. 20. Oktober 1899. 'Nertcrge zur „Allgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Nrutschlan-. 8. Berlin, 16. Oktober. Die R ep r ä s e tt t a n t e n s i tz u n g, welche wegen der gestrigen Beerdigung des Vorstandsulitgliedes Herrn I s a a e auf heute Abend verlegt worden war, wurde vom Vorsitzenden Louis Sachs mit einem dem Verstorbenen gewidmeten warmen Nachruf eröffnet. Alsdann bedankt sich der Vorsitzende für das ihm zur Silberhochzeit übersandte Glückwunschschreiben. Das Wohlwollen und die Anerkennung seiner Thätigkeit als Vorsitzender werde ihm ein Ansporn sein, nach besten Kräften für das Wohl der Gemeinde weiter zu wirken. Zum geschäftlichen Theil liegen mehrere Mittheilungen vor. Die Redaktionen der „Wölfischen Zeitung" und des „Berliner Tageblatt" haben sich nach einer Information des Vorstandes erboten, voll nun an die allwöchentlichen Anzeigen für den Gottesdienst unentgeltlich auszunehmen. Der Gemeilldevorstand bittet, rechtzeitig Kenntnitz von den Ausschußsitzungen zu erhaltell, um. wenn nöthig. Kvlnmissare tu dieselben entsenden zu können. An Stelle des verelvigten Herrn I s a a c ist Herr W i l h e l m G o l d s ch m i d t in den Vorstand eingetreten. Laut Statut ist nunmehr ein llener Stellvertreter binnen sechs Wochen zu wählen, unb zwar nur für die Ämtsdauer des Herrll Goldschmidt. Die Allgelegenheit wird voul Vorsitzenden dem Ausschuß III zur Vorberathullg übergeben, ebeuso wie die Neuwahl eitles Mitgliedes der Subventiouskommission, da Professor Lewiil sein Anlt in derselben niedergelegt hat. Dell Haupttheil des Abends nahni die Vorlage der in unserer vorigen Nummer bereits mitgetheilten Resolution betrefferld den jüdischen Religionsunterricht in Anspruch, welche nunmehr die Ausschllßberathung passirt und darill eine etwas veränderte Fassung erhaltell hat. Die Mitglieder des Ausschusses seien, wie der Referent Professor Blaschke ausführt, darin einig gewesen, daß das, was in der Resolution als erstrebellswerth hingestellt worden sei, auch erreichbar sei, ferner darin, daß die in der Resolution aufgestellten Gesichtspunkte für die weiteren Verhandlungen nnd'Maßnahmen, die seitens des Vorstandes getroffen werden sollen, zweckentsprechend seien. Nicht eillig sei der . Ausschuß darill gewesell, ob die Resobltion als solche angenommen werden solle, oder ob sie nicht die bestimmtere Formeines Antrages erhalten solle. Der Vorschlag einiger Mitglieder, in die EinleitlUlg der Resolution lloch einen Dailk «für die seitens des Geryeindevorstandes bethätigte Fürsorge" aufzunehmen, sei sowohl in dieser Form wie in eiller ähnlichen eines zweiten Antrages abgelehnt worden. In überwiegellder Mehrheit sei man der Ansicht gewesen, daß eine Resolution zwar fromme Wünsche enthalte, aber rricht die Garantie, daß die Angelegenheit beschleunigt werdell solle. Deshalb habe man sich dahin geeinigt, einen Alltrag Lewin anznnehmen. Danach lautet die Einleitung der Resolution: „Die Repräsentantenverfamlnlung ninunt von dem Bericht des königlichen Provinzial-Schulkollegiunls und denl darin zum Ausdrllck gebrachteil Zllteresse für den jüdischen Religionsunterricht Kenutniß und beschließt, eine Kommission ans 7 Mitgliedern des Schul- und Talmud-Thoravorstandes mit dem Rechte der Kooptation zu ernennen. Der Ausschuß bitte, den Eingangspasfus in der vorgeschlagenen Form, die nun- «lehr einen bestimmten Antrag enthalte, anzunehmen." In der heutigen Sitzung ist noch zu tiefem Punkt ein Antrag Friedländer eingegangen, welcher die seit langer Zeit bestehende Kommissioll für den jüdischen Religionsunterricht mit der Ausgabe betrauen will, die Punkte der Resolution einer Berathung zu ullterziehen und der Nepräselltalltenversammlnng spätestens nach drei Monaten Bericht zu erstatten. Vom Vorstandstisch aus hält Dr. Lachmann den Antrag Friedländer für Zweckentsprechend und giebt einige interessante Daten über die Arbeiten der genannten Kommission. Der Lehrplan für den jüdischen Neligioilsunterricht in den Volksschulen sei nach allgestrengter anderthalbjähriger Thätigkeit der Kommissioll nunmehr fertig gestellt ulld so gut entworfen, daß man eigentlich ein Hilfsbuch vollständig entbehren könne. Bezüglich eines Lehrplanes für^ höhere Schulen wolle man nicht eher in Berathungell eintreten, als bis der Plan für die Volksschulen von der Gemeindeverwaltung genehmigt sei. Betreffs des Planes für höhere Mädchenschulen gingen die Ansichten noch aus einailder, da einige Mitglieder der Kommission,' zu der alle Rabbiner, die Direktoren der Gemeindeschulen lvie auch der Religionsschulen hil,zugezogell worden seiell, den Lehrplan für die Volksschulen hier Platz greifell lassen wollten. Professor Lewill beantragt nlUllnehr nach diesen Mittheilungen, die Resolution. die nur ganz elementare Sätze enthalte, zu vertagell, bis die genannte Kommission über ihre Thätigkeit Bericht erstattet habe. Herr Dr. Lachmailn bittet, die Resollltioil dieser Kommission als Material zu überweisen, wonlit Professor Lewin sich einverstanden erklärt. Professor Blaschke ist der Ailsicht, daß, so lauge elemelltare Dinge nicht durchgeführt wären, sie inlUler voll Neuenl wiederholt lverdell nlüßtell. Deshalb hätten Landgerichtsrath Löwe und er es llicht für überflüssig gehalten, diese ganz elementaren Dinge genau zu fixirell und zur Grulldlage eiller Berathung zu machen. Er sei bereit, auf den Vorschlag einzugehen, die Resolution der bereits bestehenden Kommission als Material zu überweisen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses und der Antrag Lewin abgelehnt, dagegen der Alltrag Friedländer mit großer Mehrheit augenonuuell. Nach einer kleinen Geschäftsordnungsdebatte wird alsdann der Antrag Blnmenthal, der der Resolntion in die Ausschußberathllng mitgegeben worden war, und die Ueberweisung der Vorlage in den Schulvorstand gefordert hatte, ebellsalls abgelehnt. Die übrigen VorLagell der Tagesordllnng fanden schnelle Erledigung. Jll die gemischte Kommission zur Vorberathung der Frage betreffend Aendernng des Krankenhausstatnts wurden durch Stimmzettelwahl die Herren Professor Blaschke. Professor Baginsky, Justizrath Apolant und Stadtrath Weigert delegirt. Für die Einrichtung der Religionsschule in der Lützowstraße wird der Betrag von 409,80 Mark nachbewilligt. An Subventionen lverdell nach derll Referat des Herrn Leonhard Sachs genehmigt: an den Religionsverein der Oralliellbnrger Vorstadt 1000 Mark zur Beihilfe zu den durch den Shnagogenbau entstandenen Kosten; 150 Mark all den israelitischen Kinderverein in Rixdors ulld endlich 300 Mark für das jüdische Kinderheinl. Der Ausschuß hatte diese Subvention abgelehnt. der Gemeilldevorstand aber die Bewilligung wieder beantragt. Auf Wunsch des Dezerilenten des Gemeindevorstandes wird alsdann Punkt 6, der nur Rechunngsabschlüsse für 1898/99 betrifft, voll der Tagesordnung abgesetzt und die öffentliche Sitzuilg geschlossen. j^2 Berlin, 18. Oktober. Wie wir soebeil erfahren, ist Herr Rektor Dr. S. Adler, Dirigent der Mädchenschule uilserer Gelneillde, einstimmig zum Direktor der israelitischen Realschule <Philanthropin) in Frankfurt a. M. an Stelle des pensiouirtell Dr. H. Bärwald gewählt worden und hat dj^se Wahl angenommen. Wenil lvir uns einerseits auch darüber freuen, daß die altbewährte Anstalt wieder einen anszezeichlleten Leiter gefullden hat, so empfindeli lvir arrdererseits den Weggang des vortrefflichen Pädagogen als einen großen Verlust für ullsere Gemeinde, beven Töchterschule Herr Dr. Adler zu hoher Blüthe gebracht hat. Allch um das Vereinsleben und viele wohlthätige Illstitutioliell der Gemeinde hat sich Dr. Adler große Verdienste durch seine ullermüdliche Thätigkeit, durch seine praktische Einsicht, vor allem aber durch seinen heiligen Eifer für die gute Sache und dnrch feine große pädagogische Begabung erlvorbeu. Es roird sehr schwer werden, für biefen Mann einen ausreichenden Ersatz zu finden. 8. Berlin, 15. Oktober. Am 11. d. M. verstarb hier iin 69. Lebensjahre nach nur kllrzenl Unwohlsein infolge von Herzlähmung der vereidete Knrsmakler der Folldsbörse Herr Jsaac Ely Isaac, dessen Heililgallg die jüdische Gemeinde, zu deren Vorstandsmitgliedern der Verstorbene in den letzten Jahren gehörte, in tiefe Trauer versetzt hat. Als Mitglied der Armeukom Mission trat er im Jahre 1875 zum ersten Male zur jüdischerl Gemeinde in Beziehung. Er war daun in den Jahren 1881 bis 1893 Vorsteher des Krankenhauses, 1884 Vorsteher