Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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zehn Jahren erforderlich. — In Strasburg wurde der bisherige Rathsherr. Kansinalln Jtzigsohn, auf eMe weitere An,tsdauer von. sechs Jahren, und das bisherige Mitglied R^^^Ddephtgtion^ Kan/-' mann Louis als solches wiedergewählt. — Ein "grö^sre^Nelnälöe: * betitelt: Begebenheit aus dem Reiche der Makkabäer (ErnrordlUlg bep — sieben Söhne einer jüdischen Mutter darstellend) ist in einem Schayfenster eines Kansmanns in Cul m ausgestellt. Das Gernälde ist von dem Maler Piotrowitz, der längere Zeit in Rom geweilt, zur Ausstellung gelangt. — Am 8. v. Mts. verschied plötzlich am Herzschlage in Ausübung seiiles Berllfes beim Morgeugevet der Kultusbealllte Fa bi all in Lossen im 79. Lebensjahre. Der Dahingeschiedelle lvar mit den bestell menschlichen Eigellschaften ansgerüste-t, wußte sich die Liebe Aller zu erlverbell und wird ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung sein. -- Anl 17. v. M. wurde in Mewe eiile nelle Thorarolle ullter zahlreicher Betheilignug der Gemeindssmitglieder lmd geladener Gäste feierlich eingeweiht. Ullter Lobgesällgen wurde die Thorarolle in die heilige Lade getragen, woraijlf Dr. N o r d h ei ul er aus S ch wetz eine schwuilgvolle Weihrede hielt, die alle Hörer begeisterte. Ein fröhliches Mahl beschloß die würdige Feier. 8. Stettin, 4. Oktober. Der Kanfulalln Leopold Jllda hier hat allläßlich des 10jährigen Bestehens seilles Geschäftes und der Einweihung seines neueil Geschäftshallses den verschiedenen Wohlthätigkeitsallstalten in der hiesigen Gemeinde, lvie lvir hören, die Summe voll 3000 M. überwiesen, ebenso weitere 2000 M. ben Armen der hiesigeil Stadt. — Unser Rabbiner Herr Dr. Vogelsteill ist zum Orientalistell-Kongreß nach Rom gefahren und kehrt erst Ellde dieses Moliats wieder zurück. Hc Katlowitz, 4. Oktober. Gesterll faub im Saale der hiesigen Synagogengemeinde die alljährliche Versammlung des Gerne ind everballdes im Regi erllngsbezirk Oppeln statt. Anwesend warell etwa 30Delegirte aus Bellthen, Gleilvitz. Groß-Strehlitz, Kattolvitz, Königshütte. Landsberg. Myslowitz, Neustadt, Oppeln, Pleß, Ratibor. Tarllowitz und Zabrze, außerdem 7 Rabbiner und gegen 20 alldere Gäste. 25 Gemeilldeil gehören jetzt denl Verbände all, zwei lllehr als in, Vorjahr. Die Frage des Wanderbettels bildet seit langer Zeit den Gegenstand ernster Erlvägullg, doch konnte bei der Schwierigkeit der oberschlesischen Verhältnisse rlvch llichts Positives geschaffeil lverdell. Jll der später erfolgten Diskllssioll hierüber hielt Rabbiner Dr. Cohn-Kattolvitz die voll dem deutsch-israelitischen Gemeindebund geplante Errichtung von Asylell und Arbeitsnachweisell für undurchführbar. Ans denl ersten Verbandstage, der am 17. Oktober v. I. in Berlin tagte, lvar der oberschlesische Verballd durch Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen vertreten, der auch von demselbell in die Kommission für die Beseitigling der Wanderbettelei elltsalldt wurde und au deren Sitzung inl Septelllber d. I. theilgenommen hat. Die Verfügung des Kultllsministers vom 13. Mai d. I., in Fällell nachgewiesener Leistungssähigkeit der Syllagogeugelneindell solchen Schulverbändell, welche freiwillig an Stelle der ersteren für die ihnen überwiesenen jüdischen Kinder besonderen jüdischen Religionsunterricht einrichten, bei eigenem Uuverluögeu eine Beihilfe aus bereiteil Mitteln des Staatshaushaltsetats zu gewähren, wurde als wellll auch geringe Abschlagszahlung freudig begrüßt. — In der Zeit vorn 25. Juli bis 4. August 1898 wurde zum erstell Male eiir Gartenbaumrd Halldsertigkeitsknrsus für jüdische Lehrer im jüdischen Waisenharlse zu Rhbnik unter Leitullg des Dirigentell Katz abgehalten, dessen Erfolge ben Verballd zu weiteren Verfuchell auf dieseul Gebiet ernluilterten. Der Regierlingspräsident zu Oppelil gillg den Verbaildsarlsschuß um ein Gutachtell in einer zwischen einer Hauptnub Filialgemeinde schwebenden Angelegenheit all. was als Zeichen für die Bedeutung des Verbandes anznsehen ist. Das von dem Verballde unterhaltene Waisenhaus in Rhbnik entwickelt sich in erfreulichem Maße, und das Interesse daran wird in mannigfacher Weise kundgegeben, so besoilders durch letztwillige Zuwendungen. die im vergangenen Jahre 29 300 Mark betrugen. Auch die Provinz und die meisten Städte leisten insgesamt 1593 Mark Zuschüsse. Das Gesammtvernlögen beträgt jetzt einschl. des schuldet,freien Grundstücks cg. 140000 Mark. Die Räume des Heinis erweisen sich allmälig als zu kleiil. sodaß in nicht allzu ferner Zukunft an die Errichtung eines zweitep Hauses, etwa für Klwbell allein in eitler größerell Stadt, gedacht werden muß. Dem Waiserlhausleiter Katz wurde für seine Thätigkeit die wärnlste Anerterlnung gezollt lind ebenso Aller ehrend gedacht, dje sich sonst um das Gedeiheil der Anstalt Verdienste erworben. Punkt 2 bis 3 der Tagesordnung: Prüfnilg und Entlastung der Rechnungen des Gemeindeverbaudes und des Waisenhauses für 1898/99 und Festsetzung des Etats für beide für- 1899/1900 werden ohne Debatten erledigt. An Stelle des Sanitätsrathes Loebinger wird Rechtsailwakt Epstei n-Kattowitz in den Ausschuß neulind ferner werden die Herren Lichteuberg uild Fraenkel-Gleiwitz als Abgeordnete zlir Kassenprüfung wiedergewählt. Bei der Erörterung n) über regelmäßige Beaufsichtigung des Religionsunterrichts in den Verbandsgemeindeu und b) über Abhaltung von Predigte!, in kleineren Verbandsgemeinden durch Rabbiner oder Lehrer eiltspinut sich eine lebhafte Debatte. Nachdenl eil, Alltrag Wiener, einer, eigenen Schulrevisor anzustellen, keine Zustimmung gefunden und Dr. Kopffsteiu-Benthen Namens des Nabbinerverbaudes seine Bereitwilligkeit zur Aussicht erklärt, wird zu a der Antrag Berger-Königshütte angenommen: Der Ausschuß soll mit dem Rabbinerverband, von einzelnen Gemeilldeu irnd der Negierung in Verbindung treten. Auch zu b stellen die Rabbiner ihre Mitwirkung in Aussicht unter der Bedingung, daß die Wanderpredigtell nicht auch durch Lehrer abgehalten lverdeil. Die Versammlung ist daulit eiuverstanderl und beschließt, daß zwischen den Rabbinern lind dem Gemeinde-Verbände eine Abgrellznug der einzelnen Bezirke vereinbart werde. Bei den, Anträge der Gemeilldell Ratibor, Myslowitz und Groß-Strehlitz: „Erörteruilg des gegenseitigen Verhaltens. und Wirkens des Rabbiner-Verbandes zu dem Gemeinde-Verbande" fand die Versammlung trotz lebhaften Meinnngsaustausches keiner, Grurrd, irgend einen Beschluß zu fassen. Der Alltrag der Gemeinde Tarnowitz: „Auf welche Weise fanu dem herrschenden Mangel all Lehrern, Kantoren und Schächtern abgeholfer, rverder, V' wird durch folgenden Beschluß erledigt: Seitens des Verbandes soll der Deutsch-israelitische Gemeindebund ersucht werden, die Einrichtung von Schulen für Kantoren und Schächter im Allge zu behalten. Die Versammlung wurde hieraus nach fünfstündiger Dauer geschlosseil. Branttschtveig, 6. Oktober. Vor den, hiesigen Schwurgericht wurde gegen die 19 Jahre alte Jutta Seiden aus Przmyslani in Galizien verhandelt, die, wie Ihren Lesern aus früheren Berichten bekannt ist, beschuldigt war, anl 13. März d. I. auf Erzhäuser Feldmark ihren am 26. Februar cr. geborellen Sohn Jingel Seiden allein oder in Gemeinschaft mit einem Anderen vorsätzlich getödtet und diese Tödtnllg mit Ueberlegrurg ausgeführt zn Habel,. Es wurde auch der Möglichkeit Raum gegeben, daß sie sich der Beihilfe zum Morde oder der Anssetzullg des Killdes mit tödtlichem Erfolge schuldig gemacht habe. Nach dreitägiger Verhalldlung erklärter, die Geschworenen die Angeklagte für nichtschuldig des Mordes, des Todtschlages oder der Beihilfe dazu, dagegen schuldig der Aussetzung mit tödttichern Erfolge. Darauf beantragte Erster Staatsanwalt Peßler gegerr die Seiden zwölf Jahre Zuchthaus, während der Vertheidiger Rechtsanwalt Spailjer-Hersord auf eine möglichst niedrige Strafe zi, erkellneu bat. Der Gerichtshof zog sich zur Urtheilsberathung zurück, die länger als eine Sturlde dauerte. Nachdem die Richter der, Saal wieder betreten hatten, verkülldete der Vorsitzende folgellden Beschluß: „Das Gericht ist einstimmig der Ansicht, daß die Geschworenen sich in der Hauptsache zum Nachtheile der Angeklagten geirrt haben und verweist daher die Sache zur neuen Verhandlung vor das Schwurgericht der nächsten Sitzungsperiode. Die Angeklagte ist in die Untersuchungshaft zurückznführen." Auch ans dieser Affäre haben die deutscheil Antisemitell zur Zeit Kapital zu schlagen versucht! A Köln, 4. Oktober. Die Reihe der Festtage ist vorüber, die Gotteshäuser waren auch diesmal übersüllt, die Predigten schön llnd erbaulich, der Chorgesaug gut. Nun geht alles wieder in seinen, alltäglichen Geleise rrnd Hunderte von Synagogenplätze stehen verwaist, bis der Gedanke an das gerneillsame Judenthum und den Gott unserer Väter aufs Neue erwacht und die Posaune ihre alter, ehrwürdigel, Klänge zum Jahreswechsel erschalle», läßt. Zur großen Hauptgemeinde gehöre!, auch mehrere Vororte: Nippes, Pott, früher auch Ehrenfeld, die zu der frommen Beterschaar ihr Kontingent liefern. Letztere industriereiche Stadt zählt ungefähr 60—70 jüdische Familien, die vor einigell Monaten eine eigene Synagogellgeuleinde mit eigener Verwaltung gebildet haben. Vorläufig wird in einem Betsaale der Gottesdienst abgehalten, man beabsichtigt jedoch, eine neue Sylragoge zu bauen; Religio,lsschule und Lehrer sind ebenfalls schon dort. — Die hier bestehenden Vereine, die rvährend des Sommersemesters weniger an die Oeffentlichkeit getreten, eröffnen wieder ihre Versammlungen, in erster Reihe der unter der bewährten Leitung des Herrl, Rabbiner Dr. Frank stehende Litteraturverein am 16. Oktober.