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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-13 · Heft 41 (13.10.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Ar. 41. Gemeinde bäte. Lerlin, 13. Oktober 1899 HSeiketge zur „Attgemeinen Zeitung des IuöenIHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ££2 Berlin, 8. Oktober. Gemäß den Bestimnningen in den §§ 59 und 60 des revidirten ©tatut§ für die jüdische Gemeinde zu Berlin vom 11. November 1895. bestätigt am 11. Januar 1896, macht der Vorstand der jüdischen Gemeinde bekannt, daß sür das laufende Verwaltnngsjahr (1. April 1899 bis 31. März 1900) von demjenigen Einkommen der Gemeindemitglieder, welches' der Veranlagung zur staatlichen Einkommensteuer zu Grnnde liegt, V2 pCt, als Gem eindebeitrag zur Erhebung gelangt. Die hiernach ausgestellte Heberolle wird während der Zeit vorn 9. bis einschließlich 24. Oktober d. Js. täglich, außer Sonnabends, in dem Bureau der Veranlagungskommisston, Oranienburger Straße 29, 1 Treppe, während der Dienststnnden offen liegen. Innerhalb dieser Zeit ist jedem Betheitigten gestattet, von dem für ihn festgesetzten Beitrage Kenntniß zu nehmen. Etwaige Reklamatiouen sind bis spätestens 9. Januar I960 bei dem Unterzeichneten Vorstande anzubringen. 2*2 Berlin, 9. Oktober. Der Centralverei n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am 6. d. M. seine erste Versammlung nach den Ferien ab. Nach einem einleitenden Vortrage des Dr. Alexander Meyer über „Spinoza mld Goethe" erstattete der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, den Geschäftsbericht über die letzten Monate. Er streifte zunächst die beiden Prozesse in Rennes und Kuttenberg. In der Ausbeutung beider Fälle habe, so führte er ans. der Antisemitismus seinen internationalen, anarchistischen Charakter bewiesen. Selbst das deutsche Vaterland und dessen Ehre werde preisgegeben, loemi man nur einen Inden verurtheilen könne. Der Poluaer Mordprozeß sei durch die Vernrtheilnng Hilsners keineswegs erledigt, die Untersuchung werde fortgesetzt, und das Endresultat dieser Ritualmordgeschichte dürfte wohl kaum den Wünschen der Antisemiten entsprechen. Angesichts der Zurückweisung jüdischer Schülerinnen sollten die Juden energischer austreten und solche Institute, die, wie der vielerörterte Brief einer Schulvorsteherin im Westen beweist, jüdische Kinder nur unter der Bedingung anfnehmen, wenn sie den christlichen Religionsunterricht besuchen, völlig meiden. Der Verein habe irr letzter Zeit verschiedene Erfolge, so z. B. bei der Postverwaltung mit seiner Beschwerde über die Beförderung antisemitischer Postkarten, Entgegenkommen gefunden. Die Mitgliederzahl sei besonders in der Provinz erheblich gestiegen, so daß dem Centralverein jetzt an 50000 deutsche Juden angehören. Berlin, 6. Oktober. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung sollte über die alte Angelegenheit, betreffend die Ordinariate jüdischer L e h r k r ä s t e an den Berliner Gemeindeschulen Bericht erstattet werden. Der Magistrat hatte der Versammlung das Protokoll über die Verhandlungen zioischen Kommissaren des Provinzialschulkollegiums und des Magistrats übersandt, ebenso den an das Provinzialschulkollegium gerichteten Bericht des Magistrats. Die Versammlung beschloß, die Verhandlung über diesen Gegenstand bis Ende d. M. zu vertagen, da sowohl Bürgermeister Kirschner, als auch Stadtschulrath Dr. Bertram verhindert waren, der Sitzung beizuwohnen. 2*2 Berlin, 10. Oktober. Der Vorstand des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur versendet die Liste der Vorträge für den Winter 1899/1900 und theilt zugleich mit, daß der dritte Jahrgang des Jahrbuches für jüdische Geschichte und Litteratur in Vorbereitung ist. Ganz besonders aber weist der Vorstand ans die von ihm veranstalteten Fortbildungskurse hin. Die hebräischen Sprachkurse werden von dem Dozenten des Rabbiner-Seminars Herrn Dr. I. Woh l gemu th. die über die Geschichte des Judenthunis von Herrn Dr. M. Worms geleitet werden. Nach erfolgter Anmeldung bei einem der Herren des Vorstandes können Damen und Herren ohne jegliche Bezahlung an den beiden Kursen Theil nehmen. Wir bitten Jeden, in seinem Kreise Theiluehmer für diesen sehr wichtigen Gratis- Unterricht im. Hebräischen und in der jüdischen Geschichte zu werben. Die Vortrags-Abende in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymuasinms. Dorotheenstr. 13/14 sind folgende: Dienstag, den 10. Oktober 1899 Lic. Prof. Dr. H. Gunkel: Der Prophet Esra. ein antiker jüdischer Religionsphilosoph Dienstag, den 7. November 1899 Prof. Dr. M. Philippsou: Fürstliche Räuber und jüdische Opfer. Dienstag, den 5. Dezember 1899 Prof. Dr. Fritz H 0 m m e l aus München : Der Gestirndienst der alten Araber und die altisraelitische Ueberlieferung. Dienstag, den 9. Januar 1900 Prof. Dr. Ludwig Geiger: Michael Beer, ein deutscher Dichter jüdischen Glaubens. Dienstag, den 6. Februar 1900 Baurath Wilhelm S ti a ßny aus Wien: lieber Synagogen - Bauten. Dienstag, den 6. März 1900 Kirchenrath Dr. Theodor Krön er aus Stuttgart: Volkserziehung im Judenthum. Im großen Saale des Architekten-Hauses, Wilhelmstr. 92/93 finden folgende Vorträge statt: Donnerstag, den 26. Oktober. Mittwoch, den 22. November, Mittwoch, den 20. Dezember Cyklus von drei Vorträgen über Inden und Judenthum im 19. Jahrhundert von Dr. Gustav K a rp e l e s. Donnerstag, den 25. Januar 1900 Privatdozent Dr. Georg Huth: Die Juden in Sibirien nach eigenen Neisebeobachtnngen und Studien. Mittwoch, den 21. Februar 1900 Rabbiner Dr. Ludwig Pick: Die Sittenlehre des Rabbi Bachja den Joses. Mittwoch, den 21. März 1900 Schriftsteller Albert Katz: Zur Geschichte des Briefes. Dienstag, den 24. April 1900 Prof. Dr. I. Horowitz ausThvrn: lieber Lazarus Ethik des Juden» thums. Alle Vorträge beginnen pünktlich 8V2 Uhr Abends. 2^2 Berlin, 8. Oktober. Ans Anlaß des 25jährigen Bestehens der Firma Simon Boehm ist von den Kindern des Begründers der Firma eine Stiftung unter dem Namen Simon, Hermann und Ella Boehm-Stiftttng ins Leben gerufen worden. Aus dieser Stiftung werden, alljährlich am 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August einmalige Unterstützungen in Höhe von 100—400 Mark an solche alleinstehende, ganz oder theilweise erwerbsunfähige weibliche Personen gewährt, die noch nicht der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen sind. Insbesondere sollen aber auch Familien unterstützt werden, die ihres Ernährers beraubt sind und denen durch Gewährung einer Unterstützung die Möglichkeit zur Begründung oder Wiederausrichtnng einer Existenz geboten wird. Das Vermögen der Stiftung besteht zur Zeit in 177000 Mark Hypothekenkapitalien. 27 000 Mark 3l/-> proz. Berliner Stadtanleihescheinen, 15.09 Mark Sparbuchgnthaben. Ans den Einnahmen dieser Stiftung pro 1898/99 sind, wie das Kuratorium publizirt, im Jahre 1899 iusgesannnt 60 Unterstützungen gezahlt worden und zwar an 41 christliche Bewerberinnen 5106 Mark. 19 jüdische Bewerberinnen 2553 Mark, zusammen 7659 Mark. K. Bus Westpreutzen, im Oktober.. Dem Senior der Thoruer Sänger, dem im 85. Lebensjahre stehenden Herrn Professor Dr. Hirsch rin Thorn, ivurde kürzlich von der dortigen Liedertafel, deren Mitbegründer er ist, eine besondere Auszeichnung zu Theil. Die Sänger brachten ihm in seinem Hanse ein Ständchen. Mit bewegten Worten sprach Herr Hirsch den Sängern seinen Dank aus und ermahnte die Sangesbrüder, die Sängeskunst auch ferner hoch zu halten und das deutsche Lied zu pflegen. Herr Professor Dr. Hirsch erfreut sich trotz seines hohen Alters guter Rüstigkeit, leider ist ihm das Augenlicht sehr getrübt. Trotzdem nimmt derselbe am öffentlichen und politischen Leben noch lebhaften Antheil. — Herr Rentier Robert Edel in Löbau, der länger als 50 Jahre Bürger dieser Stadt ist. ist seitens der Stadtverordnetenversammlung daselbst der Ehrenbürgerbries ertheilt worden. — Der Beigeordtiete und Vorsteher der Synagogengemeinde Herr Fabrikbesitzer A. G 0 l d f a r b in Pr. S t a r g a r d gab jstngst zur Feier der 60. Wiederkehr des Gründnngstages der I. Goldsarbschen Tabaksfabrik seinem gesammten Personal ein Fest im Schützenhause, Bei dieser Gelegenheit machte der Inhaber den Angestellten bekannt, daß jeder Arbeiter nach 3jühriger Thütigkeit auf ein höheres Monatsgehalt Anspruch haben soll.- Bisher war für die erste Vergünstigung eine Thütigkeit von fünf, für die zweite eine solche von

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