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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-13 · Heft 41 (13.10.1899) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
Seite 492 (sequence 12)
Language
German
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- 492 —— „Er hat alle Eigenschaften, die Sie wünschen," begann b;?t. Schadchen in einem Ton, der die Vorwürfe des einsilbiger Wortes von sich ivies. „Er ist jung, gesund, fromm." * „Hat er Geld?" fiel Eliphcis mürrisch ein. „Er wird Geld haben," antwortete Sugermann ohne Zögern, „wenn er heirathet." „Ah!" Die Stimme des Vaters wurde milde, und seift Fuß lag müßig auf dem Trittbrett. Er arbeitete selbst a^r einer Maschine urrd bezahlte sich den Loh», nur den. Nutzen z.n genießen. „Wie viel wird er haben?";< „Ich glaube fünfzig Pfund, und das Wenigste, >vas Sie thnn können, ist, ihm fünfzig Pfund z>l geben," antwortete Sngerman mit derselben vergnügten Doppeldeutigkeit. Eliphas schüttelte den Kopf. „Sie werden schon Ja sagen, wenn Sie hören, was für ein feiner Mann es ist," sagte Sngerman.; Die Röthe der Verwirrung und Unruhe, die bereits auf Davids Gesicht lag, wurde eine rosige Gluth der Bescheidenheit, denn da des Schneidermeisters Maschine schwieg, konnte er nicht umhin, zu hören, >vas gesprochen wurde.? „Also raus damit: lver ist es?" entgegnete Eliphas.! „Sagen Sie mir zuerst, ob Sie eitlem jungen, gesunden, arbeitsainen, frommen Mann, der die Absicht hat, sich aP Schneidermeister zu etabliren, fünfzig Pfund geben wolle,». Sie wissen, tvas für ein einträgliches Geschäft das ist." j „Einem solchen Manne." sagt« Eliphas in einem Ansbruch der Begeisterung, „einem solchem Manne würde ich siebeinnidzlvanzigeinhalb Pfund geben." i Sugerman stöhnte, aber Davids Herz klopft vor Freude hoch auf. Einen viermonatlichen Lohn auf einen Sitz! Freilich mit siebenundzivanzigeinhälb Pfund konnte er sich mehrere Maschinen verschaffen, wenigstens auf Raten. Er warf von dc-r Seite her einen Blick auf Rosa, die außer Hörweite lvar. „Wenn Sie nicht dreißig versprechen können, ist es schade um die Zeit, feinen Namen zu nennen," sagte Sngerman. „Nun. nun, lver ists?" Sugerman beugte sich herab und flüstert» etwas in das Ohr des Vaters. „Was, David?" schrie Eliphas empört. * „Sch!" machte Sugerman. „Sonst hört er, wie Sie sich freuen und wird noch mehr verlangen. Er trägt ohnehin die Nase hoch genug." „A — a — aber," stotterte der verblüffte Vater, „David kenn« ich ja selber, ich sehe ihll jeden Tag. Wozu brauche ich einen Schadchen, um eiilen Mann zu finden, den ich kenne ■-)- einen bloßen Gehilfen in meiner eigenen Werkstatt?"! „Reden Sie kein Blech!" antwortete Sugerman streng. „Gerade die Leute, die inan täglich sieht, kennt man anl lvenigsten. Ich wette, lvenn ich Sie nicht aus den Gedäukei, gebracht hätte, hätten Sie auch nicht im Traum au David als Schwiegersohn gedacht. Gestehen Sie es nur!" , Eliphas brummte etwas Unverständliches, und der Schadchep fuhr triumphirend fort: „Nun also, wo könnten Sie einen besseren Manri für Ihre Tochter finden?" > „Er müßte froh sein, welin er sie kriegt ohne was," brummtie der Vater. (Schluß folgt.) j Spvechsaal. Sehr geehrter Herr Doktor! Jb vft heute bekomme ich Nr. 36 Ihrer geschätzten Zeitung zu Gesicht, tu der sich Herr Hermann Becker mit meine»»» Artikel „Qm» jüdisches Schatzkästleiu" beschäftigt. Herr Becker spricht darin „von unbesiegbaren äußeren und inneren Hindernissen", die der Ausführung meines Vorschlages, ein jüdisches Schatzkästleiu zu schaffen, entgegenstehen solle»», obzwar doch ich selbst uttb kein Anderer eben diese Schwierigkeiten überwinden müßte. Ich hatte i»» »»»einem Artikel eine Sa»nr»»lung Prosaischer m»d Poetischer Stücke angeregt, in denen „Juden und Judenthnm in menschlich-schöner Beleuchtung". erschei»»e»», und dieselben der Charakterbildung der jüdische»» Jugend nutzbar zu machen, tiitb hatte nebenbei auch dem Gedanken Raum gegeben, es sei auch fein Schade»», wenn einmal eines der Mücke den Weg in ei»» Schütlesebuch finde»» sollte. Diesen letzten Gedanke»»' den ich nur ganz leise angedeutet hatte, tmb der neben dem eigentlichen Z»veck der angeregten Sa»n»»»l»»»lg — Charakterbildung der jüdischen Jugend — gar nicht ernstlich ii» Betracht kan», nimmt der Herr Kollege zum Anlaß, mir auseinanderzu setzen, das; eine solche Verirrung eines derartigen Lesestückes ja gar nicht möglich sei, »veil in den preußischen Provinzen das Lesebuch-Monopol herrsche, und ähnliches mehr. Ja. aber es giebt a»»ch nichtpreutzische Provinzen, in dene»» kein Lesebuch-Mo»»opvl herrscht, und in welche»» thatsächlich Lesebücher mit derartige»» Stücke»» in Gebrauch sind. Und aus meinen Darlegungen war ja z»» ersehe»», daß ich vor allen» a»» ein selbständiges Uiiterhaltnugs- und Belehrungsbnch für die jüdische Jugend »»nd vielleicht auch für die jüdische Fa»nilie gedacht hatte. Scho»» der gervählte Titel ließ doch erkennet», daß ich das auregen wollte, rvas Hebel in seinem Schatzkästleiu so schön erreicht hatte, »»nr mit besonderer Berücksichtigung der jüdische»» Verhältnisse. Herr Becker bra»»cht dabei für feinen beabsichtigten „Plntarch" nichts zu fürchten; lvenn darin der sel. Steiuthal „eine der ersten Stellen" einnehmen soll, so ist eben der „Plntarch" für andere Kreise bestimmt als mein bescheidenes „Schatzkästlei»»", und beide haben vielleicht ei»»»r»al brüderlich »»ehe»» einander Platz. — Ganz entschieden muß ich »»»ich aber dagege»» menben, was Herr Becker vo»» meiner Stellung zu den biblischen Geschichten sagt. Er giebt zwar zu. das; ich vor» der „versittlichenden Kraft" derselben gesprochen habe, schei»»t aber zu glauben, das; ich dieselben als „Nührmichnichtan" betrachte und jedenfalls für de»» Unterricht »licht in der rechte»» Weise nutzbar »nache. Daran soll man da»»n de»» „Herr»» Realschullehrer" erkennen. Mit Verlaub, Herr Kollege! Ich bin auch durch das Se»ninar gegangen und habe auch jahrelang im Volksschuldieust gestände»», bin also doch »»ach Ihrer Meinung auch etlvas kompetent. Aber daß.die Wirkung »nancher biblischen Geschichte»» oft eine nicht sehr nachhaltige ist, so das; es gar nichts schaden ka»»n, »venu auch außerhalb der Schule d»»rch passe»»de Lektüre aus die Bildung des Charakters'unserer Jugend eillgewirkt wird. davon hat sich gewiß schon ma»»cher Volksu»»d Realschullehrer überzeugt. Dararr ändert auch das fortwährende Hereinziehen der biblische»» Persönlichkeiten in alle möglichen Unterrichtsfächer »»icht allzu viel. .Ich kann mir nicht helfen, aber ich verspreche mir von einem Hinweis auf die Prophetin Deborah, »venu die Jungfrau von Orleans behandelt wird, »»icht eben viel. Wenn der Herr Kollege schließlich in der Natnrgeschichtsstunde auch auf jüdische Entdecker und Erfinder, bei der Elltdecknng Amerikas auf die jüdischen Reisenden des Mittelalters zu sprechen ko»nn»t, so hat er sich bamit unbewußt doch selber von dem Gebiet der „biblischen" Geschichte auf das Neuland hinüberbegeben, das ich in »»»einem „Schatzkästlei»»" de»» jüdischen Junge»» und Mädchen zeigen möchte. Da »nag denn das jüdische Kind u»»d »nei»»et»vegeu auch der Erwachsene Nachlesen, »vie Charaktergröße nnb Geistesstärke auch jetzt »»och in den Bekenner»» des jüdischen Glaubens zu finde»» sind, und »vie auch die uachbiblischen Jrrde»» ihres Ruhmes »verth sind. Saul, David, Jonathan und Salomon in alle»» Ehren, aber auch der edle Moses Mendelssohn oder der »vackere Siegfried Karfunkestlein, der in der Schlacht bei LeBonrget im Kugelregen die niedergesn»»ke»»e Fahne ernporrafft u»»d sie todesmuthig voranträgt, bis er, zu Tode getroffen, »»iedersinkt, auch diese feie»» nicht vergessen! Das „jüdische Schatzkästlei»»" soll »»»»seren Kindern von ihnen erzählen. Nürnberg, 17. September. In vorzüglicher Hochachtung I a c. Seifensieder, Realschullehrer. Dr»»ck nnb Verlag van Ruoalf Masse iu Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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