Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228353--55853-3292096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
491' für die Anerkennung Israels in allen Landen vergessen sind und Israels Loos den Abschluß der jüdischen Geschichte mit dem Jahre 136 gestattet. UILLETON Eine Partie. Eine Humoreske. Von I. Zcingwill. «, II. M^^ber wenn ich keine Braut brauche," sagte David trotzig. Sugerman warf ihm einen schlauen, mißtrauischen ■ö°* Blick zu. „Habe ich nicht gesagt, daß etwas da hinter steckt?" David war schuldbewußt. „Wen hätten Sie denn im Auge?" fragte er verzweifelt. „Vielleicht haben Sie Jemanden im Auge?" antwortete Sugerman naiv. David stieß ein heuchlerisches, langgezogenes „Hm" ans. „Ob wohl Rose Grün — wo ich arbeite . . begann er und hielt inne. „Ich fürchte, das wird nicht gehen," sagte Sugerman. „Sie steht auch auf meiner Liste. Ihr Vater übergab sie mir vor ein paar Monaten, aber er ist schwer zufrieden zu stellen, auch das Mädchen selbst ist anspruchsvoll, denn sie ist hübsch." „Nun, vielleicht hat sie auf Jemanden gewartet," meinte David. Sugerman's scharfes Ohr fing den wohlgefällig trimphirenden Ton auf, der in diesen Worten lag. „Sie haben selbst um sie angehalten?" rief er entsetzt. „Nu und wenn? fragte David trotzig zurück. „Betrogen haben Sie mich! Und Eliphas Grün auch. Ich habe immer gewußt, daß er ein Gauner ist. Ihr habt mich Beide bestohlen." „Ich hatte wirklich nicht die Absicht," sagte David schüchtern. „O ja. Sie hätten die Absicht. Wie kommen Sie dazu,' mir das Geschäft aus den Händen zu nehmen? Welches Recht hatten Sie, Rose Grün einen Antrag zu machen?" „Ich habe ihr keinen Antrag gemacht," rief David aufgeregt. „Danil haben Sie mit ihrem Vater gesprochen." „Nein, ich habe auch noch nicht mit ihrem Vater gesprochen." „Woher wisien Sie dann, daß sie Sie haben will?" „Ich — ich weiß es," stammelte David, der sich ebenso sehr als Lügner wie als Dieb vorkam. Sein Kopf war ganz wirr; er konnte sich nicht erinnern, wie die Sache zustande gekommen war, gewiß hatte er ihr keinen Antrag gemacht, aber er konnte auch nicht sagen, daß sie es gethan hatte. „Sie wissen also, daß sie Sie haben will," wiederholte Sngerman sinnend, „und sie — weiß sie es auch?" „Ja", platzte er heraus, „wir haben es mit einander abgemacht." „Ah. Ihr wißt es also Beide. Weiß es auch der Vater?" „Noch nicht." „Nun, dann muß ich seine Einwilligung erlangen", sagte Sugerman entschieden. »Ich — ich wollte selbst mit ihm reden." „Sie selbst," wiederholte Sugerman außer sich. „Sind Sie bei Trost? Das wäre ja noch ein ärgerer Fehler als der, den Sie schon gemacht haben." „Was für ein Fehler? fragte David auffahrend. „Daß Sie das Mädchen selbst gefragt haben. Wenn Sie jetzt nach der Hochzeit mit ihr streiten, wird sie Ihnen immer vorwerfen, daß Sie ihr den Antrag gemacht haben. Außerdem, wenn Sie einem Mädchen sagen, daß Sie in sie verliebt sind, wird ihr Vater glauben, Sie müssen sie nehmen, wie sie geht und steht. Nun, was geschehen ist, ist geschehen." Und er seufzte bedauernd. „Ich will ja gar nichts. Ich liebe sie." „Sie Narr," rief Sugerman verächtlich, „mit Liebe kann man keine Maschine treiben, und noch viel weniger sie kaufen. Sie müssen eine Mitgift haben. Ihr Vater hat eine» großen Strumpf -- er kann schon was blechen." Davids Augen strahlten auf. Es war ja wirklich kein Grund vorhanden, warum er außer seinen Küssen nicht auch sein tägliches Brod haben sollte. „Aber wenn Sie zum Vater gehen," fuhr der Schadchen fort, „steht es eins zu zehn, daß er Ihnen nicht einmal die Tochter geben wird — von der Mitgift gar nicht zu reden. Es ist ja eigentlich eine Unverschämtheit von Ihnen, so hoch hinaus zu wollen. Wie Sie mir von allem Anfang an sagten, haben Sie ja nicht einen Pfennig erspart, nicht einmal meine Provision können Sie zahlen, bis Sie die Mitgift bekommen haben. Aber wenn ich gehe, werde ich wohl ein tüchtiges Sümmchen aus ihm herausbekommen, und das Mädel auch." „Ja, es wird wirklich besser sein, wenn Sie gehen," meinte David eifrig. „Aber wenn ich das für Sie thu', muß ich ein Pfund mehr bekommen," entgegnete Sugerman: „Ein Pfund mehr," wiederholte David. „Warum? Ader Sie bekommen ja so wie so noch die fünf Prozent von der Mitgift." „Sie wird kleiner sein, als die von der Vollowitsch," erklärte Sugerman, „Sie verstehen, Grün hat noch andere und weniger schöne Tochter." „Ja, aber die Sache geht leichter. Wir »vollen fünf Schillinge sagen." „Eliphas Grün ist ein harter Mann," sagte der Schadchen statt jeder Antwort. „Zehn Schillinge ist das Höchste, was ich gebe." „Zivölf ein halb Schillinge ist das Wenigste, was ich nehme. Eliphas Grün feilscht schrecklich." Sie theilten sich in die Differenz, und so stellten elf Schillinge und drei Pence das Uebergewicht vor, das Eliphas Grüns Knickerei über die Vollowitsch hatte. .Bereits am nächsten Tage überfiel Sugerumn die Werkstatt Grüns. Rose beugte sich mit klopfendem Herzen über ihre Säume. David hatte sie pflichtgemäß von den Umwegen unterrichtet, auf ivelchen er sie gewinnen mußte, und sie hatte sich in die Komödie gefügt. Das übechob sie wenigstens der Mühe, den Vater kirre zu machen. Sugerman keuchte jäh und athemlos herein; er schien von freudiger Erregung überwältigt; sein blaues Taschentuch hing zum Zeichen seiner Aufregung aus seinem Rockschoß heraus. „Endlich," rief er dem kleinen, weißhaarigen Schneidernieister zu, „endlich habe ich den richtigen Mann für Sie." „So," brummte Eliphas unwirsch. Die ein« Silbe war voll von Bedeutung, sie besagte: „Haben Sie wirklich die Stirn, schon wieder mit einem Ladenhüter zu mir zu konunen?"