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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-13 · Heft 41 (13.10.1899) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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490 in Portugal dem Senate zur Anknüpfung günstiger und neuere Handelsbeziehungen zur Verfügung zu stellerr. Sein Ruf und: seine Persönlichkeit waren Bürge genug, um ihn als vertrauellswürdigen Agenteil erscheinen zu lassen. Er hatte es nicht bei Allregungen und Ralhschlägen bewendell lassen, sondern seinem Neffell nach Portugal abgeschickt, unr von der Negierung in Lissabon die Modalitäten dieses neuen Handelsvertrages zuerfahrell. r Die Antwort, die Abravanel offiziell aus dem Rathe der Zehn zuging, zeigt von der hohen Achtllng, mit der man den Fremden gleich nach seiner- Ueberfiedelnug auch in Venedig begegnete. Das Projekt Don Jsaks hatte den Häuptern der Signoria einen glltell Eindruck gemacht, daß mail nicht kargte, mit ehrenden und feierlichen Worten ihm zu danken. Germ war die Mittheilung erltgegengenonwlell worden, daß Abravanejlr bald direkte und persönliche Nachrichten von der portugiefischell Regierung zu überbringen in der Lage sein rverde. Bis dahin wird ihm die Geneigtheit und das Entgegenkommen der Republik zugesichert, derer: eigentliche Erkenntlichkeit ihm für den Fall in Aussicht gestellt wird, wenn sein Projekt zu Stande komme. Ist es auch lrur ein flüchtiger Strähl, der hier aus. archivalischen Quellen auf die politische Thätigkeit Abravanels. fällt, so ist er uns doch als Beispiel dafür werthvoll, wie Vieh, die Biographie des großen Staatsnlannes urrd Gelehrten nochvoll der Durchforschung der Archive in den verschiedenen. Landen seines so wechsewollen Aufenthaltes zu erwarten hat.;. Die jüdische Geschichte steht auch hier noch in beit Anfängen. Aeber „Jüdische Geschichte". Vo« Prof. Dr. B. Kohlbach. as ist „jüdische Geschichte"?; Jüdische Geschichte ist, meiner Ansicht »ach, die 0 Geschichte der jüdischen Nation vom Auszuge aus Aegypten (ca. 1495 v. Chr.) bis zur Umwandlung Jernsaleins in- Aelia Capitolina (136 nach der gewöhnliche» Zeitrechnuug). Was vorher ist, gehört in die Glaubensgeschichte; was nach ' Hadrians Zeit eingetroffen, ist leider ein ergreifendes Kapitel im Leben einzelner Bruchtheile des Judenthums und gehört zum Theil in die Memorbücher der betreffenden Gemeinden,- zum Theil in den Ritus. Die Geschichte der jüdischen Wissenschaft bildet heute einen Theil jeder allgemeinen LitteratUrge-r schichte, kann jedoch als Litteratnrgeschichte der Inden für die, jüdische Religivnsschule behandelt werden. Die Märtyrergeschichte gehört nicht in die Schule; was. einzelne Fürsten geduldet, was irregeleitete Menschen an den) verkannten — weil wegen ihrer chinesischen Abgeschlossenheit - unbekannten — jüdischen Mitbürgern an Verfolgungen geleistet - haben, haben gerechte Fürsten auf dem Gebiete der Politik, der,> Religion und der Wissenschaft, haben die gebildeten Völker des 16. Jahrhunderts wett geniächt. Unsere Gegner kann das Martyrium des Judenthnms im? Mittelalter nicht entwaffnen; es ging christlichen, aus dem Katholizismus hervorgegangenen Bekenntnissen nicht besser. - Dir ausführliche, unparteiische Geschichte der Inden zumal kann uns am allerivenigsten nichtjüdische Herzen gewinnen; denn neben der Märtyrergeschichte einzelner Gemeinden sprechen ein?-) dringlicher zu den Gebildeten — und blos solche leseil die jüdische Geschichte — die Martyrien Mosis, Jeremiä, Spinozas, Lipmann Hellers, der Kampf nm Maimnnis, um Mendelssohns Schriften rc. Die heilige Schrift und unser Leben in der Gesellschaft, unser Kampf für alle Ideale der Menschheit, unsere Treue zu Gott und Vaterland verschaffen uns Tausende von Freunden und werden auch die vielen Feinde entwaffnen, die uns gram sind, weil der Jude für allgemeine Aufklärung lebt und kämpft. Ich weiß nicht, ob Viele meine Ansicht theilen; denil thatsächlich halten wir heute im Religionsunterrichte noch nicht so weit. Noch sind die Parteien innerhalb des Jndenthums nicht völlig geschieden; das Lehrbuch der jüdischen Geschichte soll fern von jedem Parteistandpunkte gehalten sein. Der Schüler findet darin als Fortsetzung der von Vielen im Urtexte bekannten biblischen Geschichte das Schicksal unserer Altvordern klar und deutlich geschildert. Er freue sich der soilnigen Tage im Judenthume und erhebe sich an dem Feuereifer und unentwegten Mnthe jüdischer Großen aus dem Gebiete jüdischer Lehre, jüdischer Wissenschaft. Er lerne erkennen, wie der lebendige Geist des Propheten in der jüdischen Religionsphilosophie und Ethik fvrtwirkt, der Geist des Psalmisten und das lautere Herz der AnLvim sich in Gabriol, Juda Halevi regt; finde das Wirken der Ausleger der Schrift, der Tannalm und Amorai'm, fortgesetzt in den Arbeiten der Grammatiker und Exegeten vom Gaüu Saadia bis Mendelssohn und seiner Schule; die ununterbrochene Kette jüdischen Gemein- und Edelsinnes von Nehemia bis Montefiore. Dies alles finde ich in dem mir vorliegenden „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Litteratur" von Dr. M. Lev in')", einem in jeder Beziehung vorzüglichen Buche. Besonderen Werth verleihet dieser Arbeit die Textauswahl, so die herrliche Rede Agrippas II. (Pag. 63—69); aus dem Briefwechsel Chasdai ibn Schapruts mit dem Chazarenkönig Joseph (Pag. 184—186); aus Maimunis Briefen (Pag. 195—198); aus dem Spanischen, dessen hervorragender Kenner Levin ist, de Montoro Roperos Weheruf über die Marannenverfolgnng (Pag. 212); die Beschreibimg des Autogeneral vom 30. Juni 1680 und die Mittheilung offizieller spanischer Journalstimmen über dasselbe vom 12. April und 10. Mai 1869 (Pag. 222-225); aus Mendelssohns „Jerusalem" (Pag. 258—262); au§ Gabriel Nie her (Pag. 279—283). Von besonderem Interesse kann heute der Auszug ans Burgs Geschichte meines Dienstlebens (Pag. 285-287) sein. Höchst beachtenswerth ist die objektive Darstellung des jüdischen Parteiwesens und der jüdischen Vereinigungen, so der Alliance israelite universelle, und zwar um so eher, weil ja hier die ineisten Mißverständnisse obwalteil. Achtzig Seiten sind der jüdischen Litteratur gewidmet; je ein Kapitel dem Synagogenkultus und seiner Entwickelung, dem jüdischen Kalender und eine Tabelle des allgemeinen jüdischen Festkalenders. Levins Buch dürfte in keinem jüdische»» Hause fehlen. Dem Religionsunterrichte leistet es als ernste und zielbelvnßte Arbeit auf rein pädagogischer Grundlage die besten Dienste und bleibt ein erhebendes Beispiel objektiven Wirkens „aus Liebe zu Gesammtisrael", bis endlich die Märtyrergeschichten und Kämpfe y Drilte »»»gearbeitete Austage. Berlin HW., Verlag von Calvary u. Coinp. 1900.

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