Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1899)
- Date
- 1899-10-13
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
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489 seinen Anhällgern und den nüchternen, -gebildeten, europäischen Ungarn eine unüberwindliche Spaltung eintra-t. Wer sich heute bei uns als Antisemit bekennt, ist aus der Gesellschaft civilisirter Leute getreten und hat sich einer mittelalterlichen Bande angeschlossen, um das Jahrhundert der Wissenschaft zu Schanden zu machell. ' Ich -weiß nicht, wie sich Böhmen aus seiller schlimmen Lage Herauswickeln wird,. Es ist über jeden Zrveisel erhaben, daß es auch dort kluge und ehrenwerthe Leute giebt, die die Kuttenberger Anklage, mit Ekel und Abscheu erfüllt, Ulld doch ist Böhmen die Schmach angetharl lvordpnJ,da^ die Möglichkeit eines jkft.ualino.rd.es auch amtticherseits an^rkanfit unnbe. Eiire solche Schlnach ist nicht zu ertragen. 'Kuttenberg loird mit Damaskus, in einem Athenl genannt werden. Der öffentliche Ankläger in Kuttenberg ist der Geistesverwandte der syrischen, lrnlvissenden, abergläubischen Geistlicherr.geworden. . Eili Jude faitit wohl das Mädcheu ans z^ehn Ursacherr ermordet haben. Hat er es gethau, so tÄn^e' ihn die Strafe ereilerr. Er kann sie aber nicht getödtet haben, um ihr Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden. Daran zil glaube,! ist ein Wahnsinn, eine Ruchlosigkeit. Und das gebildete Böhmen glaubt es, und der öffentliche Ankläger verkündet es in öffentlicher Verhandlung! Wenn es bei uns geschähe, dasi die ungarische Gerichtsbarkeit nicht im Vorhinein die unsinnige Annahme zurückweist, daß es an die Blutlüge glaube, gedächte die Welt Ungarns gewiß nicht mehr in der Reihe der gebildeten Nationen. Denn die liebe Welt lauert nur auf eine Gelegenheit, uns alleindastehenden und unbekannten Ungarl, den Stempel des Asiatent'hnms aufzudrücken. Wird es für Böhmen schlimme Folger, haben? Wird gegerr Vöhrnerr jenes Europa Stellurrg nehmen, das das Slaventhnm als seinen Bruder betrachtet imb die slavische Civilisation großzieht? Es kann sein, daß es ein Auge zrldrückt. Böhmen ist ja rricht Ungarn. Es kann aber auch sein, daß wir mit unserem Urtheil weit und breit allein dastehen rverden. Doch die Kulturgeschichte rvird auch nach vielen Jahrhurlderten unseres Landes n Ehren gedenken. ... Aon Isak Abravanel und der Gewürchandel mit Calirnt. Von Professor Dr. David Kaufmann s. A. tie Angabe in der Biographie Dorr Isak Abravanels, daß . auch arn Schluffe seines Lebens, während seines Aufenterrthaltes in Verredig die politische Thätigkeit des einstigen Staatsministers nicht gänzlich versiegte, und selbst eine enge Beziehung zum Serrate von Venedig in der Frage des Gewürzhandels mit Portugal sich herausbildete, hat bisher rrur aus dem Zeugnis; Barnch Usiel b. Baruch Chaskitos oder Forti's gernhty. Forti's Quelle war sicherlich der im Jahre 1552 in Ferrara sein achtzigstes Lebensjahr beschließende Sohn Don Jsak's, Josef Abravanel), mit dem er 1503 aus Monopoli nach Venedig übersiedelt war-h. 9 Siehe die urkundliche Quelle U. E. J. XXXVIII, 147 f. -) C a r in o l y : Ozar Nechniad eä. Blumen feld, 63 ll. 24 vermißt bei Forti die Angabe des Zeitpunktes der Nebersiedelung llach Venedig, es heißt jedoch bei ihm ausdrücklich: fiTTJ •TTir^JÖ ,Tn |1503=;| Ql-O-,) '2 DJÜ In SSetveff bei Aussprache des Nalnens Abravanel ist auch Leo diModenÜs Zeugnis; zu Die erste aktenmäßige Bestätigung dieser Nachricht bietet eine urkundliche Aufzeichnung im römisch-venezianischen Staatsarchiv, die zugleich über die Angabe bei Forti ein neues Licht verbreitet. Wir erfahren hier die erste schriftliche Antwort, .die der Rath der Zehn bereits am 12. August 1503 Don Isak auf seinen Antrag ertheilte. Abravanel hatte offenbar gleich nach seiner Niederlassung in Venedig mit dem Senate in Beziehung zu treten angefangen. Vielleicht können nur sogar in den Geschäften, die ihn mit der Signoria in Verbindung brachten, die Veranlassung zu feiner Niederlassung in Venedig erblicken. Scheinbar ganz und gär ein stiller Gelehrter gelvorden, von literarischen Plänen und ansgreifendeinoissenschaftlicheu Arbeiten völlig eingenommen, hatte der praktische Staatsmann, der so viel Ländern und Regierungen gedient hatte, doch noch so viel Aufmerksanlkeit für die öffentlichen Angelegenheiten und die jeweilige Weltlage sich bewahrt, daß er jeden Augenblick aus der Versenkung in die Litteratur den Uebergang zn politischer Thätigkeit finden konnte. Nachrichten von der schwerwiegendsten Bedeutung waren aus seinem einstigen Heimathslande, dem Reiche seiner ersten ruhmvollen Wirksalnkeit, an sein Ohr gedrungen. Portugal war nahe daran, eine Umwälzung im europäischen Handel nach dem Orient herbeizuführen und das Entdeckerglück Spanieus an seine Caravellen zu heften. Am 20. Mai 1498 waren die Schiffe Vasco de Gamas au der Küste von Malabar im Hafen von Calient angelangt. Portugal war damit an das Ziel aller Wünsche, zu jener fabelhaften Quelle aller Reichthümer, znm Vororte des ganzen ostiudischen Gewürz- Handels vorgedrnngeu. Am 9. März 1500 war unter de:n Oberbefehl des Pedralvarez Cabräl ein neues Geschwader nach dem Wunderlande vom Hafen von Lissabon altsgeschickt worden, und schon am 5. März 1501 wurde eine weitere Expedition unter Führung Joas de Nova's dahin abgesandt. Immer kühner stiegen die Erwartungen, innner mächtiger wuchs der Uilteruehmungsgeist. Eine neue portugiesische Weltmacht sollte im Osten entstehen; am 10. Februar 1502 brach Vasco de Gama mit einer großen Flotte zur zweiten Fahrt nach Calicut auf. Mit Schrecken vernahm man in Venedig die Kunde von diesen Unternehlnungen. Der Gewürzhandel, der bis dahin von Arabern nach Aegypten betrieben und von da ans durch die Schiffe der venezianischen Republik nach Europa geleitet wurde, drohte auf. einmal gänzlich in die Hände der Portugiesen zu fallen'. Die Spezierie oder Epiceries, die Gewürzarten des Morgenlandes, die Schütze der Molukken: Pfeffer, Zinunt, Näglein, Ingwer, Muskatnuß u. a., sollten auf einmal zu unerhört billigen Preisen vom Hafen voll Lissabon aus in den Handel kommen. Den Portugiesen hatten sich auch srernde Kallfleute angeschlossen. Deutsches Kapital, wie die großen Augsburger Handelshäuser der Welser und Völkliu, genuesische und ftorentillische Kaufleute^) hatten den großen Allgenblick währgenommen, nur Venedig, das unmittelbar und in seinem vitalsten Interesse bedacht war. stand grollend aur Seite. Da hielt Abravanel den Zeitpunkt für gekommen, seine Verbindungen beachten, der in einem Gedichte zur Hochzeit des Inda ben Isak Abravanel mit einer Tochter des Hanfes Benvenisti die beiden Familienncnnen in hebräische Worte zertheilt: Qfi was für Abarbanel zn sprechen scheint; siehe Israelitische Letterbode IM, 101. 3) Soph n s Auge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen p. 1741.