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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-06 · Heft 40 (6.10.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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De»» ersten Toast auf de»» J»»bilar »tnb dessen Ehegattin, welche eine Tochter des verstorbenen, »veit und breit bekannte»» Rekkürs Cohn ist. brachte der dein Hause Loewenberg nahe stehende Herr Adolph Cohn ans. Er erwähnte, wie der Beruf des Lehrers dorueuvoll sei, und dc^ß alle Attstreugungen oft nur leerer Wahn seien. Mehr Klassenka»»»pf »vie Klassenbegeisterung trete zur Schau! Die Petitionen der Lehrer zeigen ja, daß der Beruf mehr stilvoll —als gehaltvoll sich zeigt. Obivohl der Lehrer mehr als eine Bank für sich habe, so ho»»orire doch Keiner etwas vo»» ih»n. Uud »venu nur» trotz redlichen Fleißes die Schiiler nichts lernen »vollen, uud der Lehrer auDrnfen müsse: Varus, Barns, gieb »uir meine Lektione»» wieder, wie must das die Seele berühre»»! Aber der Lehrer fragt nicht nach äußeren» Loh»»e, mit Begeisterung lebe, strebe und »virke er für die J»»ge»»d, und das gestundete Leben führe doch zu hohen» Alter. Er brachte auf einen guten Lebe»»sabeud den» J»»bilar und seiner trefflichen Ge»nahli»», die ja auch praktische Lehrerin »var, sein Hoch aus. Möchte das Pensionat, den» Beide Vorsteher», so blühe»», daß sie beide auch oh»»e „Pension" anger»ehu» den Lebeusabend beschließe»». Es »vechselten n»»rr der Rede»» viele, einzelne Briefe »vurden verlese»», »vie der des Herr»» Rabbi»»er Dr. Uugerleider und mancher »»amhaften Gelehrten, die in der Ferne »veilen. Möge dem Jubilar auch weiter Sege»» erblühen! Kn. Myslowitz, 29. September. In der am Siruchos Thora- Abend stattgehabter» Versauunlung des Talruud-Thora-Vereirrs »v»»rde beschlösse»», den Vereii» r»en zu organisireu. Es sollen »vühre»»d des kou»»ner»de»» Winters »nehrere litterarische Vorträge abgehalten »verde»». Herr Dr. »ned. Bluu»e»»feld hat sich in liebei»s»vürdigster Weise bereit erklärt, den ersten derselben zu halten. Rabbirrer Dr. Norder», »velcher de»»» Verein beigetreten, »vird voraussichtlich in Kürze der Vorsitz Übertrager» »verden. Vorträge reu» talmudiscken Inhalts sollen »»ach »vie vor jede»» Freitag Abend gehalten »verden. Der Gemeindevorstaird dürfte dem Verein für diesen Zweck einen geeigneter» Raum zur Verfügu»»g stelle»», da das alte Bet Harnedrasch baufällig urrd irr» Winter gar nicht »»»ehr be»»utzbar resp. be»voh»»bar ist. 0. Hit»»rburg, 28. September. Der Bericht des Alten Hauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde für die Jahre 1896—1898 ist für die Weiterentwickelung des Instituts vor» eingreifendster Bedeutung, da am 3. November mit dein bereits längst geplanten Erweiteruugsbau begorurer» »»nrrde. Für die Ausführung des Baues forvie die r»e.u anzuschaffeude iu»»ere Einrichtung des neuen Gebä»»des sir»d ca. 100 000 Mark erforderlich. Die Zahl der innerhalb der letzten drei Jahre in der Anstalt befindlichen Pfleglinge betrug Ende des Jahres 1896 21, hiervon 11 »nä»»r»liche und 10 »veibliche; 1897 21, hiervon 10 mänuliche und 11 »veibliche; 1898 22, hiervoi» 11 männliche und 11 »veibliche. Soweit nicht durch das Ableber» ei»»es Pflegli»»gs, »vie im Dezember 1896 und Dezember 1897, zeitweilig eine Vakanz stattsand, »vare»» mit der Gelammtzahl 22 sämmtliche verfügbare»» Räume während der ganze»» Zeit besetzt. Die Gesanüntkosten betrugen in» Jahre 1896 15 844,35 M.. »»»ithiu pro Pflegling 736.95 M.; 1897 15 208.86 M., mithin pro Pflegling 707.39 M.; 1898 15 525,66 M., rnithin pro Pflegling 705,71 M. Der in» Jahre 1889 errichtete Baufonds betrug E»»de des Jahres 1898 67 224,95. Die Zahl der jährlichen Kontribne»»ten betrug Ende 1898 516 mit 4787,37 M. Jahresbeiträge»». Leider hat die Anstalt ii» Herr»» Wilhel»»» Deitelzweig, welcher a»u 8. September 1897 verstorbe»» ist, den Vertust ei»»es Ehrenmitgliedes zu beklage»». Der Vorstand des Altenhauses besteht aus den Herren: Levin Lion. Vorsitzender; Alfred Levy, stellvertretender Vorsitzender; Max Barrer. Kassirer; Dr. Max H. Cohen. Schriftführer; Joseph Levy, Inspektor; Ernst Lieber»i»au»», N. N. Meyer, Kvntrolerrre; S. Weil, Inspektor. Als Ehre»»da»neu s»u»giren in der Anstalt: Frau Clara Bauer, geb. Ollendorff. Fränlei»» Henny Deitelzlveig, Fra»» Friederike Michael, geb. Kauer. Die Eittnahmen betrugen 29 220 M.. die Ausgaben 19 289 M. Das Gesa»tti»»tvermögen der Anstalt beläuft sich auf 489 809 M. Der Vorstand richtet an alle »vohlthätige»» Männer nuferer Gemeinde einen warmen Appell, die Anstalt »virksau» z»» unterstützen, da d»»rch de»» Neuba»» auch der Kapitalfonds ir» Anspruch genou»»ne»» »verden n»ußte. A Brrrgsteinfttrt, 1. Oktober. Unsere Ge»»»einde hatte gester»» Gelegenheit. ei»»e»n ihrer ansgezeich»»etsten Mitglieder, ihre»»» Vorsteher Herrn Josef Marcus, für dessen »»»»»sichtige uud hi»»gebende Thätigkeit im Dienste der Gernei»»de aus Anlaß seines 80. Geb»»rtstages wohlverdie»»te»» Da»»k abzustatte»». Seit 18 Jahren steht der Jubilar är» MMZNKWNMWWWWDU^W^MM^DWM^k^ der Spitze unserer Gemeinde; in wie großen» Maße er sich während dieser Zeit die Liebe und Anerkeurrung erworben hat, davon gaben der feierliche Festgottesdier»A die zahlreiche»»- Blumenspender» u»»d die große Zahl, der Glückwünsche beredten Ausdruck. Ger»» »»ahm die Gemeinde die Gelege»»heit wahr, ihrem bewährten Leiter in feierlicher Form, durch eine Deputation, die herzlichste»» Glückwü»»sche darzubringen imb zugleich als sichtbares Zeiche»» der allge,»»ei»»en Anerkerrrluntz ei»ren silber»»en Pokal Namens der Gerneinde überreiche»» z»i lassen.- Der Sy»»agogenchor ehrte den Jubilar mit Gesang und durch Ueberreichuug ei»»er knnstvoll gearbeitete»» Adresse. Frisch und rüstig be»vegte sich der allbeliebte Herr, der. neberlbei be»»»erkt, seit dessen Entstehen ein treuer Leser Ihres Blattes ist, in feiner Umgebung und hatte für Jeden ei»» freundliches Wort. Möge es dem Jubilar, der auch seit 18 Jahren hier als Stadtverordneter sege»»sreich »virkt. vergö»»»»t sein, »roch recht lange in voller Kraft seines Amtes zum Besten der Gerneinde z»r »valten. o. München, 29. September. Das hiesige antisemitische „Deutsche Volksblatt" brachte an» 3. d. M. folgende Notiz: „Münchener I»» d e»» s a m »n e l»» für das Dreyfus - Syndikat! Bekanntlich ka»»» vor dem Kriegsgericht u» Neunes auch die Behauptung zur Sprache, daß aus dem Auslände, namentlich a»»s Deutschla»»d, der»» Verräther-Syndikat große Geldmittel zugeslossen sind. Diese Sache »vird von de»» Dreyfusards jetzt mit frecher Stirn abgeleugnet. A»»gesichts dieses Uu»sta»»des koustatire»» »vir, daß uns schon seit lä»»ger bekannt ist, daß »»jcht blos in Baiern überha»»pt. sondern speziell auch i»» München für de»» Dreyfus-Prozeß unter den Inder» Geld gesa»»»»nelt »vurde. Hat der hiesige Z»veigverei»» der Alliance Israelite Universelle de»» Muth, diese Thatsache abzuleugnen?" Am 17. d. M. mußte das Blatt folgerrde Berichtigung bringen: „Auf Grund des § 11 des Gesetzes über die Presse von» 7. Mai 1874 werde»» Sie hiermit veranlaßt, r»achsteher»de Berichtigung aufzttuehmeu. I»» Nr. 36 des „Deutschen Volksblattes" vom Sonntag den 3. September 1899 konstatireu Sie in einem Artikel: „Münchener Juden saunuel»» für das Dreyfus-Shndikat", es sei Jh»»en schor» seit lär»gerer Zeit bekannt, daß »»icht blos in Baiern überhaupt, soridern speziell auch in München für den Dreyfus- Prozeß unter den J»»den gesamnrelt »vürde. Wir erklären hiermit ausdrücklich, daß diese Ihre Beha»»ptur»geu vollstärrdig umvahr sind. Alliance Israelite Universelle (Zweigvereiu Mü»»chen). Der Vorstand: i. V. D». Eugen Merzbacher. — Was thut mtn aber das Autifemitenblatt? Es hält belveislos seine früheren Behauptungen aufrecht! Und"mit solche»» Leuten muß »»»an sich Herumschlagei»! Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 2. Oktober. Den Proteste»» gege»». die versteckten Angriffe der Antisemiten, die de»» Mord in Po lna zu»n Ritualurord stempeln wollte»», habe»» sich bereits mehrere ar»dere Gemeinden angeschlossen; auch der Rabbinerverband von Böh»ner», der Gemeindebnnd der israelitischen Kult»rsge»»»ei»»den Böhurens, der Centralverein z»»r Pflege der jüdischen Angelegenheiten in Prag, die Rabbinate der jüdischen Gemeinde»» in Prag u»»d in Leu»berg haben au das k. k. Ministerpräsidium u»»d au das Justizministerium, einen Protest gerichtet. — In» Gemeiuderath vo»» Graz gab es kürzlich eine Debatte wegen des Schächteus. Ueber die Angelegenheit des Schächte»»s referirte Herr Geureinderath Gerl. Der Referent sagte, daß bereits in den Jahren 1894 und 1895 alle Schritte gethan »vrrrde»», »velche geschehe»» konnten. Der Beschluß, das Schachten abzuschaffen, »vurde damals von der Regieru»»g sistirt. .Die Sektion bearrtragte, beim Wiederznsarnmentritt des Reichsrathes ai» diesen eine Eingabe wegen Abschaffung des Schächteus zy richten. Herr Feichtinger beantragte,, die sofortige Artshebung des Mchächtens z»» beschließen. Der Sektionsantrag wurde angenonrmer». — Bei dem in München tagende»» Na tnrfor scherkor» greß »vurde auch einer Erfindung des hiesigen Antisemiten Er»»st S ch»»e i d e r erwähnt, u»»d z»var »v»rrde der von ihm erfrrndenePendel als geradezu frevelhaft und allen Regel»» der Präzisionsmechanik Hohl» sprechendbezeich»»et. — Aus Chr»»dirn »vird der „N. Fr. Pr." berichtet: „Es dürste für den »veite»» Kreis Ihrer Leser vor» Interesse sein, d»»rch einen Vorfall zu erfahren, »velche Folgen das Kutte»»berger Urtheil und die diesem vorangegangene Verhandlung nach sich ziehen. Dazu tragen allerdiirgs r»»ar»che unserer Behörden bei, die durch ihr Verhalte»» de»» „Ritualmord" gewissermaßen a»ierker»»»e»». Es geschah uä»»,lich Folgendes: Ju Nasseburg, in der Nähe von Chrudiu», zeigte das bei der Familie M. bedie»»stete Mädchen bei der Behörde an, daß seine Dienstgeber täglich vor dem Frühstück Blut genießen, desser» Herkur»st sie

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