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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-06 · Heft 40 (6.10.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang, Nr. 40. ♦ Äerlin, 6. Oktober I89i> Tfieitäc*e zur „Mtgemeinen Zeitung des IuöenLhurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 4. Oktober. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes theilt uns Folgendes mit: Der D.-J. G.-B. ist bereits bei den Höchstelt Staatsbehörden gegen die seitens einiger Lokalverwaltungen beliebte Verlegung.der M es seit und Jahrniärkte ailf hohe jüdische Feiertage vorstellig geworden. Volt verschiedenen Seiten wird uils bemerkt, daß diese für zahlreiche jüdische Geschäftsleute so beschwerliche' Anordnung sehr häufig nur darauf beruht, daß den betreffenden Kommnualbehördeu die Daten der jüdischen Feste riicht gegewärtig sind. Wir bitten deshalb die verehrlicheit Vorstände der jüdischen Geuieillden, dafür Sorge zu tragell, daß die Kommunalverwaltungen rechtzeitig, und mit Hinweis auf die etwa -anzuberaumenden Messen oder 'Jahrmärkte von den Daten unserer höchsteit Feiertage unterrichtet werden. Wir sind überzeligt, daß in den weitaus meisten Fällen den religiösen Interessen unserer Glaubensgenoffenschast Rechnung getragell werden wird. 22 Berlin, 2. Oktober. Am 28. v. M. ist hier der Sanitätsrath Dr. Hermalln Blaschko im 74. Lebensjahre plötzlich gestorben. Dr. Blaschko zählte zu den bekannteren Aerzten Berlins. Er verdankt dies einmal seinem lebhaften Interesse für die Verhältnisse des ärztlichen Standes. Ohne im ärztlichen Vereinsleben hervorzutreten, wirkte er eifrig, vornehmlich in der medizinischen Standespresse, für die Hebung der wirthfchaftlichen Lage der Aerzte. Sodann ist Dr. Blaschko auch vielfach wissenschaftlich hervorgetreten. Vor allem illteressirte ihn die Gesundheitspflege. Er genoß in der Zeit, ehe die Hygiene zu einem anerkannten akademischell Lehrgegenstande lvlirde, einen Ruf als Hygieniker. U. a. zählte er zu den Mitarbeitern der Eulenburgffchen Encyklopädie der Hygiene. Von seinen Einzelstudien sind die Untersuchungelt über die Wirkuilgelt des Arbeitens au der Nähmaschine auf beit weiblichen Körper, über die Nothwendigkeit eines Reichsseuchengesetzes, über Vanilleeisvergiftuug, über das Apothekenwesen, über Diphtheriebehandlung zu menneu. Einzelile Studien Blaschkos aus älterer Zeit betreffen Einzelheiten aus der Nervenheilkunde und aus der Lehre von der Anwendung der Elektrizität in der Medizin. Blaschko, der aus Nawitsch in der Provinz Posen stamnite, machte seine medizinischen Studien in Berlin. Arzt wurde Blaschko 1852. Er übte die Praxis zuerst in Freienwalde und daun seit einem Vierteljahrhundert hier aus und widmete sich neben seiner Praxis auch vielfach gemeinnützigen Interessen, so namentlich den Berliner Volksküchen. Er gehörte dem Vorstand seit mehr als 25 Jahren als ärztlicher Beirath des Vereins, als Kassenkurator, dann als Schriftführer von 1878 bis 1891 und von da an als zweiter Vorsitzender an. Die Beisetzung fand gestern Vormittag aus dem Friedhof in Weißensee statt. Eine große Schaar von Freunden und Bekannten gaben dem so jäh Dahingeschiedenen, der überall nicht nur als Arzt, sondern auch wegen seiner persönlichen Eigenschaften die größte Achtung und Verehrung genoß, das letzte Geleit. Unzählige Kränze, u. a. von dem R.awitscher Hilfsvereiu, dessen Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Verblichene war, deckten die Bahre. Auf Wunsch des Verstorbenen .wurde keine Trauerrede gehalten. Friede seiner Asche! 22 Berlin, 3. Oktober. Das Lehrprogramm der Humboldt- Akademie, dieser ausgezeichneten Volkshochschule, die nun schon seit 21 Jahren eine so gedeihliche Wirksamkeit entfaltet, enthält auch diesmal den im vorigen Jahre ungünstiger Verhältnisse wegen nicht zu Stande gekommenen Vortragscyklus: Die Litteratur des Alten Testaments, den Lic. theolog. Dr. Wilh. Staerk abhalten wird, und zwar an jedem Donnerstag 8—9 Uhr. Beginn 12. Oktober. Das Programm ist folgendes: 1. Neste alter Volksdichtung. 2. Poesie und Prosa unter den ersten Königen. 3. Das klassische Zeitalter der israelitischen Litteratur: a) Die Heldensagen. — Historische Prosa. — Das älteste geschriebene Recht. — Das jahwistische und elochistische Geschichtswerk. — Poetisches. — Die ältesten schriftstellernden Propheten, b) Die Blüthe des Prophetismus und die jahwistisch-deuteronomische Geschichtsschreibung. 4. Die Litteratur des Judenthums: Prophetie und Poesie im Exil. — Die Arbeit der Juristen. — Der Ausgang der Prophetie itnb die große jüdische Kircheugeschichte Ezras. — Chronik und Midraschlitteratur. — Religiöse und weltliche Poesie. — Didaktik. — Die Allsäuge der Apokalyptik. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir konstatiren. daß innerhalb des verflossenen Jahres die Anstalt einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat. Es wurden in den drei Lehrguartalen 1898/99 in beit fünf Lehrstätten Berlins zusammen 241 Vortragscykleu und Unterrichtskurse abgehalten uild von 7388 eingeschriebeneu (ständigen) Hörern besucht— gegen zusammen 206 Vortragscyklen re. mit 5798 Hörern iut Jahre 1897/98 (177 Vortragscyklett rc. mit 5117 Hörern im Jahre 1896/97), sollach im letzten Jahre eine Zunahme voll 35 Cyktell nub 1590 Hörern. Im Vorstall de befillden sich außer denl Landesdirektor a. D. H. Rickert als Vorsitzendem u. a. noch die Herren: Justizrath Dr. E. Friedeiuallll, Syndikus. Kaufnialln Siegs. Sobernheim, Schatzmeister. Dr. Max Hirsch, Generalsekretär. Sailitätsrath Dr. S. Ehreuhaus. Dr. Th. S. Flatau. Jnstizrath Dr. I. Goldschnlidt. Kaufmaull Herrn. Hansen. Dr. Maxirililiau Klein. Prof. Dr. P. Sorauer. *** Berlin, 2. Oktober. Der Verein „Esra" versendet soebell einen ausführlichen Bericht über feine Thätigkeit lvährelld des Zeitraumes vom 1. Januar 1896 bis zum 31. Dezember 1898. Wie aus dem Bericht zu ersehell ist, hat der Verein geradezll gläuzerrde Fortschritte zu verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 2166 am 1. Januar 1896 auf 3900; die Zahl der jüdischen Genreiildeu, arrs denen Mitglieder deur „Esra" angehören, beträgt gegemvärtig 265. Der Verein, der im Jahre 1884 alls kleinen Anfällgell hervorgegailgell ist, hat nunmehr in fast ganz Delltschlaud festen Fuß gefaßt. In Posen. Schlesien. Westprenßen. Polnmerll, Rheilltalld, Westfalen, überall besteheu Lokalkoniitees, überall macht sich das Jllteresse für die Zlvecke des Vereills, die ackerballtreibenden Jllden in Palästilla und Syrien zu unterstützen, bemerkbar. Jll letzter Zeit sind, dank der rührigen Thätigkeit des Herrn I. Turoff, auch in einigen Großgemeiildeil Bmerus, lvie z. B. in München und Bamberg, und in Frankfurt a. M. Lokalkomitees begründet worden. Denl Wachsthum feiner Mitgliederzahl entsprechend, habeil auch die Eiilllahmen des Vereills „Esra" eine wesentliche Steigerullg erfahren. Dieselben betrugeil 1896: 6718 Mk., 1897: 7062 Mk.. 1898: 10 498 Mk. Wie erfreulich diese Fortschritte auch sind, so sind doch die Einnahmen nicht ausreichend genug, um selbstständig iil der Kolonisation Palästinas irgend eine rleuilellswerthe Aktion eillleiten zu können. Deshalb hat der „Esra" schon im Jahre 1894 Anschluß an Vereine gleicher Richtung gesucht, und ist ans dessen Betreiben in Paris ein Centralkomitee der Chovewe Zion geschaffen worden, das frelllldliche Beziehullgen sowohl zu der Verwaltullg der Rothschildffcheu Kolouieil als allch zu der Jewish Colonisatiou Association unterhält. Der Bericht enthält auch eine genaue U ebersicht über den Bestand der Kolonien im heiligen Lande, die voll Herrn W. Bambus herrührt, der sich eigens zu biefeiu Zlvecke im April und Mai dieses Jahres in Palästina aufgehalten hat. L/D Berlin, 2. Oktober. Am 1. Oktober feierte der in pädagogischen und philologischen Kreisen bekannte uild allgenlein geachtete Herr Dr. W. Loewellberg seinen siebzigsten Geburtstag. Nachdem durch Schüler die Oeffeutlichkeit hiervon Kellutlliß gewoulleu, gestaltete sich dieser Tag zu eineul wahrhaft feierlichen ulld bedeutuugsvolleit für den Jubilar. Schon am Morgen brachten die Telegrapheubotelt aus allell Weltgegendell Draht-Glückwünsche der zahlreichen Schüler, kostbare Allgebinde liefen unnnterbvocf)en ein. Wir sind nicht in der Lage, all die Deputirten namhaft zu niachen, die 311 Ehren des Tages erschienen. Am stärksten waren die Berufsgenossen vertreten, aber allch angesehene Journalisten, Aerzte, Anwälte, hervorragende Jlldllstrielle und Kaufleute fehlten au diesem Tage nicht. Zu einem Mahle hatten sich Schüler, Freunde und Gönner im Hanse des Jubilars vereinigt.

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