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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-06 · Heft 40 (6.10.1899) · p. Seite 479

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
Seite 479 (sequence 11)
Language
German
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„Dank schön, ich,brauche Keine," entgegnete David rasch. Sugerman hiebt im Essen inne. „Eie brauchen Keine," rief er. „Aber Sie sind ja deswegen z»! mir gekommen." „Ich — ich weiß," stammelte David/ „aber ich — ich Hab's mir überlegt." »Zu Ihnen müßte man Hill els Geduld haben," rief Sugerman. „Aber meine Mühe müssen Sie mir doch bezahlen; man darf einen Auftrag nicht so in der Mitte rückgängig machen. Nein, nein, Lea Vollowitsch können Sie uzen, so viel Sie wollen,, aber mich werden Sie nicht an der Nase herumführen." (Forts, folgt.) Jom Kipur. Ein kleinrussisches Märchen. Frei nach Wladimir Aorolenko. Von Marya Rosenberg. VI. f er Teufel wurde aufmerksam, denn er schien, dem Ziele näher zu kommen, und wedelte vor Vergnügen mit seinem Schwänze, bis Harko, der dies merkte, ihm wieder eine dichte Rauchwolke ins Gesicht pustete. Der Harko, der ihm dabei auf den Schwanz trat, merkte mm erst, da der.Teufel laut aufschrie, daß er es niit demselben Hapun zu thun hatte, der Jankel im vorigen Jahre fortholte, nnd er fragte ihn, ob er wirklich derselbe sei. Nachdem der Hapnn ihm dies bestätigte, wurde er sich nun klar, daß die Rache wohl jetzt an den Müller gekommen sein mag. Der Hapun wollte nun wissen, was Harko dazu sagen würde, wenn es so kommen sollte. Dieser sagte: „Meinetwegen nimm ihn. Ich zahle es nicht. Ich bin ein armer Mann, fetze mich hinter den Schenktisch mit meiner Pfeife und warte auf den Dritten." Der Teufel lachte laut auf, daß es schallte, und Harko nahm seine Stiefel und ging, und als er an dein Wachholder vorbei kam, hörte der Müller, der vor Angst schon halb tobt war, wie er vor sich hinbrummte: „So ist's denn, er holt so den Einen nach dem Anderen, jetzt ist meine Hütte am Wege, und der Nachlaß fällt nun mir zu! Jetzt werde ich nicht mehr Harko heißen, sondern Haritou Jwanowitsch Tregubow. Aber ein Narr bin ich nicht. Keine Kraft der Welt lockt mich Nachts auf den Zaun hinaus." Und er ging den Hügel hinauf. Der Müller aber verzagte, denn wer sollte ihm nun helfen, da Alle gegen ihn zu sein schienen, und er so verlassen dastand. Alles still umher, nur die Frösche quakten im Sumpfe, und die Eule uhute, wie Unglück prophezeiend. Der Mond versteckte sich in den Wolken. Was sollte aus ihm, dem Armen, werden? Er-geht in den Wald, und auf der Hecke sieht er den Teufel sitzen, der sein höllisches Gelächter anstimmte, von dem die alte Mühle in ihren Fugen erzitterte. Alles wachte auf im Walde und im Wasser von diesem teuflischen Lachen. Der Jude holte sich inzwischen die vom Teufel wieder abgelegten Kleider, packte sein Bündel, und ohne nochmals seiner Verluste zu erwähnen, nahm er raschen Schrittes, sein Bündel auf der Schulterden Weg zum Dorfe zurück. Er hatte nun seine Wette glänzend gewonnen, nnd nichts konnte ihn noch zurückhalten. Der Müller lief auf seine Mühle zu und wollte schnell ein Licht anstecken, um nicht solche Angst auszustehen; er war gerade im Begriff, den Gesellen zu wecken, als er laut aufschrie, nnd denkt Euch, gerade so jammervoll, wie sonst die Juden es in ihren Schulen zu thun pflegendenn der Teufel kreiste und wirbelte bereits über dem Dach der Mühle, schlug ans Fenster mit den.Flügelu, denn er wußte nicht, wie er in die Kammer hinein könnte, um den Leckerbissen endlich zu erwischen. Plötzlich schst! . . . fällt etwas auf die Diele, und bald fliegt es in die Höhe. Der Hapun kam durch den Kamin, und der Müller fühlt ihn entsetzt auf seinem Rücken, und wie er von seinen Krallen gewürgt wird. Dann hört er noch einmal den Laut schst! Ihm wird finster vor den Augen, er fühlt, daß er vom Teufel durch den Kamin fortgeschleppt wird. Alles kracht, der Ruß fliegt in die Höhe, der Thon fällt herab, und plötzlich sieht der Müller sich hoch über der Mühle, die ihm so klein wie eine Fliege erscheint. Im Teich sieht er die verkehrte Abspiegelung des Himmelsund der Sterne, und er sieht seine Schenke und all sein Hab und Gut für immer entschwinden. Und feine christliche mitleidige Seele, die dein Teufel zürnst: „Laß ab, er gehört mir!" Keiner nimmt sich seiner an. Unter ihm schläft die Mühle, und aus dem Teichgraben erscheint ihm das bärtige Gesicht seines ertrunkenen Vaters Omelkv mit aufgedunsenen Backen und gläsernen Augen. Weiter sieht er den Juden den Berg hinaufsteigen mit seinem großen Bündel, und mitten auf dem Berge Harko, der die Hand vor die Augen hält, um besser dem Entfliegenden folgen zu können. An die Befreiung seines Brodherrn scheint er nicht im Entferntesten zu denken, denn nun fällt der ganze reiche Umsatz von der Schenke auf ihn. Auch sieht der Müller die Schaar von Mädchen, die den betrunkenen Apanas eingeholt hatten, der, wenn auch sonst eine gute Seele, aber so betrunken ist, daß er nicht im Stande ist, die erlösenden Worte : „Laß ab, er gehört mir!" dem Teufel zuzurufen. Weiter sieht er das Dorf vor seinen Augen vorbeiziehen, Alles schläft in den Hütten, nur Prisa sitzt mit ihrer Tochter, nnd eng an einander geschmiegt, weinen sie Beide bitterlich. Weshalb? Wohl weil der Müller sie morgen aus ihrer Hütte herausiverfen wird. Das Herz stockt dem Müller. Die sollen ihn doch wenigstens nicht verfluchen, denkt er, und Muth schöpfend, ruft er ihnen zu: „So weine doch nicht, Hela, Du Arme! Ich erlasse Euch die Schuld samint Zinsen; ich bin jetzt ärmer als Ihr, denn der Unreine, der Teufel, hat nnch in seiner Gewalt." Ein liebend Mädchenherz macht feinhörig, denn wie könnte denn das Mädel von solcher Entfernung sonst das alles' vernehmen, und doch hob. sie ihre schönen Angen gen Himmel. „Seid gegrüßt ihr schwarzen Augensterne!" rief der Müller, und siehe da, das Mädchen hebt die Brust, athmet tief auf und ruft aus Leibeskräften: „Laß ab. Verfluchter, er gehört mir!" Der Teufel erbebt, öffnet seine Krallen wie auf ein Zauberwort und läßt den Müller los, der sich leicht wie eine Feder auf die Erde herabläßt. Bald ist der Teufel ihm nachgeflogen und hat ihn wieder gepackt. Da wiederholt Hela den Ruf, und er läßt ihn wieder los. Bis zum dritten Male wiederholte sich dieses Manöver, endlich sieht sich der Müller schon nahe dem Dorfe; er erkennt die Mühle und — Tar—rach! fällt er «ns den weichen Sumpfmorast. Er erhebt sich rasch, läuft an der Mühle über den schlafenden Gawrilo hinweg und erreicht barfuß in fliegender Hast, vor dem ihm nachfolgenden Teufel sich rettend, die letzte der Hütten am Wege. Er fliegt

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