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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-06 · Heft 40 (6.10.1899) · p. Seite 472

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
Seite 472 (sequence 4)
Language
German
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- 472 - so viel bekannt ist, in Kai-Fung-Foo. Dort befinden sich noch die Ruinen eitler Synagoge. Sie haben aber seit Beginn des 19. Jahrhunderts keinen Rabbiner mehr, imb ihre Gesetzesrolle ging verloren. Sie leben in äußerster Armnth und bilden zusammen.sieben Fanrillen. Hoffentlich lvird die Anglo Jewish Association sich bemüher;, die Wahrheit dieser Angaben zu prüfen und eventuell Hilfe zu bringen. Aus der Berliner Gemeinde. S. Berlin, 1. Oktober. der letzten Repräsentarltenversammlung flaut), wie unseren Lesern erinnerlich fein lvird, die Mittheilung eine§ Erlasses des Provinzial-Schulkollegium s, betreffend den Religionsunterricht der jüdischen Kinder, zur Debatte. Der Referent, Professor Blaschke, setzte die Vertagung dieser Vorlage durch, um erst zur Vermeidung von Unklarheiten und Mißverständnissen eine Vervielfältigung dieses Erlasses für sämmtliche Mitglieder der Versammlung anfertigen zu lassen. Der sehr interessante Erlaß, beit das königliche Proviuzial-Schnlkollegium an das königliche Polizeipräsidium behufs Mittheilung ait den Vorstand der Shnagogengemeinde gesandt hat, liegt llunmehr vor und hat folgenden Wortlaut: „Berlin, den 28. Juli 1899. Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 24. August v. Js., betreffend den Religionsullterrichtderjüdischen Schulkinder, benachrichtigen lvir Elv. Hochwohlgeboren hierdurch, daß der Herr Minister der geistlichen. Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten durch Erlaß voni 6. Mai d. Js. angeordnet hat, es solle von der Festsetzung von Schulversäumuißstraflisten gegen die Eltern und Bornlüuder derjenigen jüdischen Kinder, welche einen Religionsunterricht nicht erhalten, einstweilen abgesehen werden. Diese Elltscheidullg des Herrn Ministers fußt zum Theil auf neueren Erhebungen, die wir selbst veranstaltet haben, und deren Ergebnisse lvir in den beiden Anlagen A und B rnittheilen. Alllag^ A giebt eine Vergleichung zwischen dem Winter 1897/98 und dem letztverflosseneil Winter und zeigt, daß in diesem gegerl das Vorjahr bei allen verschiedenen Kategorien von Schulerl eine Verbesserung eingetreten ist, die immerhin im Wesentlichen als eine Folge des Erlasses des Herrri Ministers der geistlichen Angelegenheiten vom 11. Februar i 1897 beziehungslveise der Einwirkullg des Vorstalldes der Synagogen-! gemeinde auf die Eltern der jüdischen Kinder wird angesehen werden j dürfen. In der Anlage B haben wir für den letztverflossenen Winter die Killder itadb ben Schulklassen trerlnen, nämlich den älteren Jahrgängen die drei untersten, also an beit höheren Lehranstalten die Vorschnl-- klaffen, an deu Gemeindeschlilen die Klassen 5 und 6, gegenüber stellen lassen. Sie läßt ersehen, daß in beu älteren Jahrgängeil der Prozentsatz der Killder ohne Religionsunterricht überall sehr viel geringer ist als in den jüngeren, daß ferner in den, älteren Jahrgängen bei allell öfferltlichen Schulen die Zahlen ganz erträglich, theilweise sogar günstige sind, und nur die Privatschulen durchweg hohe Prozentsätze ausweisen. Man wird nicht unlhin können, aus dem niedrigen Prozentsatz der älteren Jahrgänge auf den öffentlichen Anstalten den Schluß 31t w ziehen, daß es nicht lediglich Gleichgiltigkeit der Eltern ist, welche sie zur Zurückhaltung der jüngerell Jahrgänge bestimmt, vielmehr alldere Gründe, die in der Sache selbst liegen, stark rnitwirken müssen, sei es die Furcht vor Ueberanstrengullg der Killder durch die besonderen . Schlllwege, sei es die Unznträglichkeit, die sich da ergiebt, wo wegen der geringeren Zahl der jüdischen Kinder die Schüler weit auseinanderliegerlder Jahrgänge zusannnell unterrichtet werdell, indem alsdann die kleineren bei dew Betrieb des Hebräischen (Lernen hebräischer Gebete rc.) zugegell sein müssen, ohne doch darall theilnehmen zu kölmell. Dem gegenüber wird es als Pflicht der betheiligten Stellen erscheinen. darauf hinzuwirken, daß die Einrichtungell für den Neligionsnnterricht der fleiuen Kinder thunlichst vervottkonlmnet werdell, tu welcher Hillsicht lvir auf unser Schreiben vom 16. Juni v. Js. Beztlg nehmen. Wir sind nach wie vor der Meinung, daß es in erster Linie Sache des Vorstalldes der Synagogellgeiueillde ist, dieser Sorge seine Anfmerksalllkeit zuzulvenden. Hub ebenso wird er seinen Einfluß bei Eltern und Vormündertl geltend zu ntachen habell, unt etwaige urrbegründete Bedenken oder Vorurtheile der jüdischen Eltern gegen die vorhandenen Einrichtungen 31t zerstrenen. Jll letzterer Beziehung denken wir insbesondere all die Eltern derjenigen Kinder, welche Privatschülen besuchen. Bisher liegen, wie schon bemerkt, die Verhältnisse bei ben Privatschülen für beide Geschlechter recht ungünstig, auch in den älteren Jahrgängen, währelld doch die Kreise, aus denen diese Schulen besucht werdell, dieselben finb, aus bellen auch die öffentlichetl höheren Anstalten ihre Schüler erhalten. Eilte Einwirkllug auf die Eltern müßte hier bessere Erfolge auflveisen können, als bisher erzielt worden sind. Indem wir anliegettd die in diesem Frühjahr.neu aufgestellten Verzeichnisse der jüdischen Killder ohne Religionsunterricht an höheren Lehranstaltetl. höheren Mädchenschulen. Gemeindeschulen mtb Privatschulen behufs Mittheilung dem Vorstand der Synagogengemeinde übersenden, ersuchett wir int Aufträge des Herrn Ministers der geist-! liehen Angelegenheiten, gleichzeitig dem Vorstand auch Kenntniß von! den Anlagen A und B zu geben und seine besotldere Aufmerksamkeit! eilterseits für den Unterricht der kteinstetl Killder, atldererseits für die Privatschülen in Anspruch zu nehmen." Anlage A Uebersicht über die schulpflichtigen jüdischen Kinder in Berlin, welche, ergangener Aufforderung ungeachtet, weder den von der Synagogen-Gemeinde eingerichteten Religionsunterricht besuchen, noch auch anderen Religionsunterricht erhalten. Vergleich zwischen den Jahren 1897/98 und 1898/99.; ... ... ■ .\. Gesammtzahl Davonhabenwederjüdischen Lauder schulpflichtigen jüdischen noch anderen Prozentsatz fende i I A rt der S ch u le n! Schüler Religionsunterricht erhalten Knaben | Mädchen Knaben Mädchen Knaben Mädchen Nr. i Winter > Winter I Winter > Winter Winter Winter Winter Winter Winter 1 Winter Winter! I Winter 1897/98! 1898/99 I 1897/98 11898/99 1897/98 1898/99 1897/98 1898/99 1897/98 1 1898/99 1897/98 | 1898/99 1 J 2 3! 4! 5 1 6 7 8 9 10! 11 i 12 1 13 1 14 1 : Höhere Lehranstalten in Berlin und Prinz 1 j I | Heinrich-Gymnasium in Schöneberg . . . 3043! 3-100 — 133 108 — 4,37! 3,48 — — 2 ä:! Oeffentliche höhere Mädchen-Schulen .... — — 1704 1725 — — 380 309 ~ 1 — 22,30 17.87 3 I Städtische Gemeinde-Schulen. 1739 1786 1837 1827 -196 167 143 115 1 11,27 9,33 7,78 6.29 4! Jüdische Schulen.. . 612 603 378 385 — — -; — I — — — 5! Privat-Schulen. 344 344 2011 1960 78 72! j 320 1 220 21,22 j 20,93 15.91 | 11,22 1 Gesammtzahl . . . 5738 j 5833 5930 5897 402 | 347 { 843 644 7,00 | 5,95 114,21; 10,92

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