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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-09-29 · Heft 39 (29.9.1899) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 39 (29.9.1899)
Date
1899-09-29
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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Keiner, er hat das Recht zu sehr auf seiner Seite, aber auch nur bei Männern. Die Weiber geben mir Recht." Fromet Gugenheim war die liebevollste Gattin und zärtlichste Mutter; sie überlebte ihren berühmten Gatten sechsundzwanzig Jahre. Im Alter war sie nach der Versicherung des sel. Alexander Mendelssohn, ihres Enkels, wenig liebenswürdig, „beständig keifend". Zum Schluß noch ein Wort über den» oft genannten Joseph Mayer, mit dem Moses Mendelssohn bis zu seinem Tode eine theils geschäftliche, theils freundschaftliche Korrespondenz unterhielt. Er besorgte für ihn und für Andere gegen Provision verschiedene Kommissionen und betrieb nebenbei Heirathsvermiltelungeu. Da Mendelssohn sich für seinen Freund mehrere Male ins Mittel legen mußte, so glaubte man, er selbst befasse sich mit Heirathsvermittelungen. Einmal kam eine solche Affäre zu einem Prozeß, der von dem Berliner Rabdinat entschieden wurde, aber nicht vortheilhaft für Joseph Mayer. „Ich habe aber dennoch zwanzig Thaler in Louisd'or für Sie verlangt," schreibt er ihm im August 1775. „Rechtmäßig hätten Ihnen wohl sieben Thaler mehr gebührt, allein R. Joseph Rintel und R. Moses Ries haben in Königsberg mehr genommen, als ihnen gebührte, und lachen uns aus. Jndeffen haben Sie sich auf nicht mehr als auf zwanzig Thaler Rechnung gemacht." Mendelssohn schätzte den biederen, mit vielen guten Eigenschaften geschmückten R. Jospe außerordentlich. Man lese nur die Zeilen, welche er am Vorabend des Hüttenfestes 1782 an ihn richtete: „... Der Allgütige erhalte Sie noch lange Jahre bei Ihren Kräften. Wie ich aus Ihrem Schreiben ersehe, hat weder Ihr Gesicht noch Ihre Handgeschicklichkeit im Schreiben das Mindeste sich verändert. Wie Wenige, die Tonnen Goldes besitzen, haben dieses Glück von Gott! Etwas leichter sollte Ihnen Ihr Unterhalt werden, dies wäre freilich zu wünschen, und wollte Gott! ich könnte vieles dazu beitragen. Am Fuße dieses befindet sich eine kleine Assignation an Herrn Ascher Getting auf 20 Mark Bco., die Sie Vinn fl"’1) mit Vergnügen zu verzehren belieben, NüV -st« Jvm Seine Frau konnte nicht mitschreiben; „sie war sehr beschäftigt mit Kuchenbacken". Lesefruchte. Bon Professor Dr. 8. Geiger. Sn dem Buche „Aus dem Nachlaß von Karl Mathy, herausgegeben von L. Mathy, Leipzig 1898" findet sich Seite 124 f. der folgende Aufruf vom 8. März 1848, der in einer damaligen Zeitung erschienen und der jetzt nach einem halben Jahrhundert, das seitdem vergangen ist, noch fast als aktuell angesprochen werden möchte. „Mit tiefem Schmerze, welchen alle wahren Freunde der Volksfreiheit und des Vaterlandes theilen, vernehmen wir die Nachricht, daß die Tage, welche die Herzen aller wackeren Bürger mit hehrer Begeisterung erfüllen, die Tage, welche unser ganzes Volk erlösen sollen von dem Druck der Knechtschaft von Jahrzehnten, ja von Jahrhunderten, entweiht werden sollten durch blinde Zerstörungswuth und Gefährdung der Personen und des Eigenthums unserer Mitbürger mosaischen Glaubens, daß das leuchtende Panier der Freiheit besudelt werden soll durch schmähliche Exzeffe. Die Feinde der bürgerlichen Freiheit, die Gegner der freien Entwickelung unseres Volkes, die Volksfeinde, welche den alten Zustand der Unterdrückung gern zurückgeftthrt sähen, sie werden sich schadenfroh die Hände reiben lind frohlocken, sie werden solche Exzeffe anregen, schüren, herausbeschwören, um dann ausrufen zu können: Seht, das Volk ist nicht würdig der Freiheit; denn ein Volk, das wahrhaft frei ist, mißbraucht die Freiheit nicht, um des Anderen Freude und Glück zu vernichten. Mitbürger, wir wiffen, daß wir in eurer aller Sinne sprechen, wenn wir euch zurufen: Es ist eine heilige Pflicht eines jeden Ehrenmannes, der nicht mit dem Namen der Freiheit schnödes Spiel treibt, der nicht ihren Nanien zur Befriedigung anderer Leidenschafteir mißbrauchen will, es ist eine heilige Pflicht aller wahren Volks- und Freiheitsfreunbe, mit aller Energie solch frevelhaftem Beginnen entgegen zu treten. Nur Diener der Reaktion oder von ihnen Irregeleitete vermögen zu Judenverfolgungen die Hand zu bieten, wie sie nie ein freies Land, wohl aber der Despotismus kannte. Wir Unterzeichneten Abgeordneten fordern in unserem und aller unserer Kollegen Namen, im Nanien Aller, die es treu und redlich mit dem Volke und seiner Freiheit meinen, auf, durch Belehrung, Wort und That, mit aller Kraft und Energie dahin zu wirken, daß solche Entweihungen der Tage der Freiheit unterbleiben und nicht des Volkes Namen und Ehre geschändet werden durch Frevel und Unthaten. Mannheim, den 8. März 1848. Dr. Hecker, Helmreich, von Jtzstein, von Soirson, L. Weller, M. Sachs, Karl Mathy, Fr. Bassermann." * Eine größere, als Heidelberger Dissertation erschienene Abhandlung von Herbert Carrington ans New-Haven, „Die Figur der Juden in der dramatischenLitteratur desXVIII.Jahrhunderts" (Heidelberg. Buchdruckerei von Karl Pseffer. Heidelberger Tageblatt); führt uns ins 18. Jahrhundert. Der allgemein gebildete Leser wird bei diesem Titel hauptsächlich an die beiden Stücke Lessings „Die Juden" und „Nathan der Weise" denken, aus der Uebergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert an Cumberlands auch in Deutschland übersetzten und nachgeahmten „Juden" und aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts an die berüchtigte Posse „Unser Verkehr", die nach einer Notiz Treitschkes dem vielgenannten „Seffa" abgesprochen wurde. Jndeß mit den angeführten Dramen ist das Thema keineswegs erschöpft, vielmehr hat der Verfaffer 73 solcher Dramen von 1754 bis 1827 seiner Untersuchung zu Grunde gelegt. Unter diesen Dramendichtern sind Kotzebue und Julius von Voß wohl Diejenigen, die am häufigsten und im Allgemeinen Nicht ungünstig über Juden gesprochen haben. Vollständig ist diese Liste übrigens keineswegs. Es ist z. B. auffällig, daß Goethe (Jahrmarktsfest von Plundersweilern) nicht erwähnt wird, und auch sonst ließen sich gar manch Nachträge liefern; von einem judenfreundlichen österreichischen Drama habe ich in einem früheren Jahrgange dieser Zeitschrift berichtet. Trotzdem ist die Arbeit fleißig, nur zwei Hauptausstellungeu laßen sich dagegen machen. Die eine ist, daß von ein und demselben Drama an sehr verschiedenen Stellen gesprochen wird; die andere, daß der chronologische und man könnte auch sagen geographische Standpunkt zu wenig gewahrt wird. Was das Erste betrifft, so muß man bedenken, daß zwischen 1754 und 1827, den beiden Endpunkten der Darstellung, die Zeit der Aufklärung, der Revolution, der Befreiungskriege liegt. Es wäre die Aufgabe des Historikers gewesen, den Einfluß dieser Zeiten und der in ihnen lebendigen Ideen auf die Dichter und ihre Anschauungen darzustellen. Auch der ziveite, der geographische Standpunkt, wäre zu berücksichtigen gewesen. Bewohner großer i) Die kommenden Festtage.

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