Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1899)
- Date
- 1899-09-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Marienwerder an die jüdische Elementarschnle zu Deutsch-Krone versetzt worden. — Zum Kultusvorsteher in Wreschen ist Kaufmann Sigismund Pollak daselbst gewählt worden. Im Alter von 86 Jahren starb am 28. August der Kaufmann Joseph Fränkel in Schönlanbe. Derselbe gehörte zu den Begründern des Getreidehandels daselbst. — Der durch seinen Wohlthätigkeitssinn bekannte Armenrath Julias Wolffsohn in Posen feierte neulich seinen 70. Geburtstag. — Der israelitische Wohlthätigkeitsverein „Malbisch Aromim" in Wronke hat der Synagoge daselbst eine neue Thorarolle geschenkt. Dieselbe wurde neulich in feierlicher Weise eingeweiht. — Die Synagoge in Ko sch min ist vollständig renovirt worden. — Die in Zempelburg neuerbaute Synagoge ist am 29. August eingeweiht worden. x. Beuthen (O.-S.), 15. September. In seiner am zweiten Neujahrsfesttage gehaltenen Predigt legte Herr Rabbiner Dr. Kopfstein in herzerhebenden Worten die Nothwendigkeit dar, ein A l t e r s h e i m f ü r b e d ü r f t i ge Greise hier zu errichten. Diese Anregung fand lebhaften Anklang in der Gemeinde, und die zahlreich einlaufenden Gaben legen Zeugniß ab von dem jederzeit opferbereiten Sinne unserer Gemeinde, wo es stch um Förderung und Errichtung von Werken wahrer Wohlthätigkeit handelt. Mit einer Spende von 10 000 Mark eröffnete der hiesige Kaufmann Herr Max Rawack die Sammlung, gleichzeitig auch als Erinnerung an den hiesigen Ort, welchen er nach jahrelangem segensreichen Schaffen am 1. Oktober verläßt, um sein Domizil nach Breslau zu verlegen. Nur ungern sieht die Gemeinde diesen Herrn aus ihrer Mitte scheiden, der mit zartem Sinn, gutem Herzen und offener Hand jederzeit Gutes und Edles zu unterstützen bereit war. Unsere innigsten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen begleiten ihn an seinen neuen Wirkungsort. 1. Stettin, 17. September. Zwei Einrichtungen in unserer Gemeinde, die Vorstand und Repräsentanten beschlossen, haben jetzt die Genehmigung der Regierung gefunden und werden mit dem nächsten Jahre in Wirksamkeit treten. Bei den Wahlen zum Repräsentanten- Kollegium mußte jeder Wähler öffentlich und mündlich zu Protokoll erklären, wem er seine Stimme geben will. Wie zeitraubend und unangenehm dieses ist, kann nur Der voll und ganz ermessen, der z. B. die letzte Wahl vor 2 Jahren mitgemacht hat, denn erstlich mußte man „eingekeilt in fürchterliche Enge" geduldig warten, bis alle Vordermänner abgefertigt waren, und dann war und ist es mehr als unangenehm, stch dahin kontrolirt zu sehen, wen man wählt. Nicht Jeder ist unabhängig genug dazu, es sind Rücksichten verschiedener Art, — gesellschaftliche, pekuniäre rc. — die doch Mancher zu nehmen hat, und so blieben Viele der Wahl fern. Jetzt ist nun die geheime Wahl durch Stimmzettel eingeführt, und wir hoffen, daß sich dieselbe bewähren wird. Die zweite und vielleicht noch wichtigere Einführung betrifft die Aufbringung der Steuern. Bisher geschah die Veranlagung der einzelnen Censiten durch eine Abschätzungs-Kommission, jetzt wird ein gleichmäßiger Zuschlag zur Staatssteuer erhoben, und fallen somit alle Reklamationen fort. Doch waren dieselben bisher nie bedeutend, in den letzten Jahren betrugen dieselben 1—1% pCt., es kann dieses wohl als Beweis dafür gelten, daß die Kommission mit der größten Gewissenhaftigkeit ihres Amtes gewaltet hat. Mögen beide Einrichtungen unserer Gemeinde zum Segen gereichm. W. Schwerin a. W., 17. September. Am 16. d. M. ging ein Mann in unserer Gemeinde zur ewigen Ruhe ein, der es wohl verdient, daß man seiner in Achtung und Ehre gedenkt. Herr Aron Liebreich, der 40 Jahre das Amt eines Dajan in unserer Gemeinde bekleidete, hier am Orte 57 Jahre lebte, war einer jener Männer, die sich nur dem Studium der Lehre hingeben, die für die Welt wenig eingenommen find. Für Liebreich gab es nur eines: Gotteswort, Gotteslehre, Gottesdienst. Bei ihm fand man wahre, innige Frömmigkeit. Ohne Kampf ist er hinübergeschlummert in eine bessere Welt, Frieden auf seinem Antlitz. Möge ihm die Erde leicht sein. Frankfurt a. M^, 17. September. Die Leser d. Bl. erinnern sich noch des Aufsatzes von Justizrath Holdheim und der daran sich knüpfenden Polemik über die Forderungen unserer Orthodoxie in Betreff der Sonntagsruhe. Nun fand am 6. d. M. hier unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Sänger die von verschiedenen Körperschaften in den Saal des Kaufmännischen Vereins einberufene Versammlung statt behufs Stellungnahme zu der Einführung der völligen Sonntagsruhe zunächst in den Fabrik-, Bank- und Engrosgeschäften sowie Komtoren überhaupt. Dr. Ph. Stein behandelte die sozialpolitische Seite des Themas, während Dr. H. Fulda die hygienische Seite erörterte. In der Debatte meinte Wolf, daß für die städtischen Behörden heute nur zwei Fragen in Betracht kommen: 1. Die Konkurrenz der Nachbarstädte und 2., was die orthodox-jüdischen Firmen dazu sagen. Was diese betreffe, so haben sich von den 148 orthodox-jüdischen Firmen nur 60 für die Ausnahme erklärt, die Mehrheit, aus über 80 Firmen bestehend, habe ihre Zustimmung zu der Ausnahme verweigert. Die Stadt habe die Interessenten gefragt, sie habe auch Antwort erhalten, und wenn sie nicht den Borwurf auf sich laden wolle, es sei ihr bei der Erhebung nicht ernst gewesen, so müsse sie nach dem Ergebniß die völlige Sonntagsruhe einführen. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die heutige, in den Saal des kaufmännischen Vereins einberufene zahlreich besuchte öffentliche Versammlung, an der sich außer den kaufmännischen Vereinen auch die Gesellschaft für ethische Kultur, der Verein für öffentliche Gesundheitspflege, der Verein zum Wohle der schulentlassenen Jugend sowie das Institut für Gemeinwohl betheiligten, erklärt: Aus ethischen und hygienischen, aus volkswirthschaftlichen und sozialpolitischen Gründen liegt die völlige Sonntagsruhe für alle kaufmännischen Geschäfte sowohl im Interesse der selbständigen Geschäftsleute als ihrer Angestellten. Die Versammlung beschließt daher, den städtischen Behörden als ersten Schritt nach diesem Ziele zunächst die Einführung der völligen Sonntagsruhe für Fabrik-, Bank- und Engrosgeschäfte wie für Komtore überhaupt angelegentlichst zu empfehlen." Z Bamberg, im September. Da die israelitische Kultusgemeinde in den letzten Jahren sich stark vermehrte, reicht während der hohen Feiertage die Synagoge nicht mehr aus. Es wird daher seit Jahren in einem großen Saal ein Separatgottesdienst abgehalten, und ist von Seiten der Gemeinde die Einrichtung so getroffen, daß am ersten Neujahrstag der Rabbiner in der Synagoge und am zweiten Tag im Betsaal Predigt abhält. Nun hatte aber am ersten Neujahrstage Herr Rabbiner Dr. Eckstein in der Synagoge eine derart ergreifende Predigt gehalten, daß von Seite der Gemeinde an ihn das gewiß nicht oft vorkommende Ersuchen gestellt wurde, diese Predigt im Betsaal zu wiederholen. Zur allgemeinen Freude der Betsaalbesucher gab auch Herr Dr. Eckstein diesem Ersuchen Folge, und auch dort fand die Rede allgemeinen Beifall. Gestrrrrich - Ungarn. □ Wien, 18. September. Im 67. Lebensjahre ist hier der berühmte Gelehrte Universitätsprofessor Dr. Karl Störk verschieden. Derselbe hat ein hervorragendes Verdienst um die Ausbildung seiner Sonderwissenschaft, der Lehre von den Hals- und Nasenkrankheiten. Er war einer der Ersten, die sich mit diesem Wissenszweig eingehend beschäftigten. Störk, 1832 als der Sohn eines Arztes zu Ofen geboren, studirte in Pest und vornehmlich in Wien. 1858 zum Doktor promovirt, wurde er Hilfsarzt am Allgemeinen Wiener Krankenhause. Bereits während seiner Assistentenzeit begann er in der Laryngoskopie zu unterrichten. 1864 wurde er als Privatdozent zugelassen. 1875 erhielt er eine außerordentliche Professur. Zuletzt war er ordentlicher Professor. Das Leichenbegängniß fand am 15. d. M., Vormittags, auf dem israelitischen Friedhofe unter imposanter Betheiligung medizinischer und anderer Gesellschaftskreise statt. Die in Wien weilenden ehemaligen und gegenwärtigen Schüler des verblichenen Gelehrten waren vollzählig erschienen. Am offenen Grabe würdigte zunächst Prodeean Obersanitätsrath Professor Dr. Gruber in glänzenden Worten den großen Verlust, den die Fakultät durch den Tod eines ihrer besten und verdienstvollsten Mitglieder erlitten habe — eines bahnbrechenden Meisters auf dem Gebiete der Wissenschaft. Namens der Fachkollegen ergriff Professor Dr. Chiari das Wort, um der tiefen Trauer Ausdruck zu geben, von welcher die ganze medizinische Welt ergriffen sei. Mit ihr trauern Tausende von Menschen, denen Karl Störk durch sein Wissen, seine operative Geschicklichkeit Hilfe und Heilung gebracht habe. Sodann sprach der Präsident der Gesellschaft der Aerzte, Hofrath Chrobak, Namens dieser Körperschaft, der in wirksamer Rede den Gelehrten und den Menschen Störk schilderte. Redner schloß: „Karl Störk! Du warst eine redliche, gute und treue Natur, und Dein Andenken wollen wir ebenso treu in unserer Seele bewahren!" Zum Schluffe entbot der derzeitige erste Assistent der verwaisten Klinik, Dr. Ebstein, dem verehrten Lehrer und m