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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-09-22 · Heft 38 (22.9.1899) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 „Guten Tag. guter Mann," sagte er/' „Wo habt Ihr Euch so arg zugerichtet?" Da erst sah der Müller, was er aus Gawrilo gemacht hatte. Anstatt ihm seinen Lohn zu zahlen, gab er ihm immer nur Schnaps. Gawrilo fragte, wer er sei, und der Teufel stellte sich ihm als solcher vor, und als Gawrilo fragte, was denn die Locken an den Backen heißen, sagte er, er sei ein Judenteufel, und zwar derselbe, der Jankel im vorigen Jahr geholt hatte. Wen wollt Ihr denn nun holen? Mich etwa? Das sollte Euch schlecht bekommen, fürwahrl Ihr kennt meine Kehle noch nicht, ich würde so losschreien, daß Ihr genug haben solltet. Aber was könnte ich Euch auch nützen? Vielleicht den Müller? Den will ich Euch rufen. Aber nein, wer sollte denn da bei uns schenken?" — „Ach, so hat er also eine Schenke?" — „Zwei sogar! Eine auf dem Dorfe, die andere unterwegs." — „Thut er Dir etwa darum leid?" — „Ach. wo nicht gar! Er kann mir lange nicht leid thun. Er hält mich für gar zu dumm, aber ich weiß, warum er mich verheirathen will. Wie damals, als Ihr Jankel holtet, der Müller sich der Schenke angenommen, so wäre auch heute Ersatz für den Müller, wenn Ihr ihn holen wolltet. Jetzt bin ich schläfrig und muß gehen und muß mich schlafen legen!" Er machte mit Mühe die Mühlenthür auf, stürzte hinein und fing bald zu schnarchen an. Der Teufel nickte verschmitzt dem Jankel zu und sagte: * „Es scheint, Du hast Recht!" (Fortsetzung folgt.) Fitterarische Mittheilungen. — Der unermüdliche Vorkämpfer für unsere gute Sache, Herr Gustav Levinste in, hat wiederum eine Broschüre herausgegeben unter dem Titel: „Warum die Juden nicht Christen werden können", als Antwort auf den offenen Brief, den Pastor Gebhardt in der Zeitschrift: „Der Protestant" gegen ihn wegen seiner Schrift über die Judentaufen gerichtet hat. Auch diese neue Arbeit des glaubenseifrigen und sachkundigen Verfassers zeugt von einer innigen Vertiefung in die religiösen Anschauungen des Judenthums, die Herr Levinstein mit großem Eifer und in sehr geschickter Weise zu vertreten weiß. Der Standpunkt des Judenthums wird klar und entschieden im Gegensatz zur Tochterreligion ausgesprochen, ohne daß aber auch nur irgend ein verletzendes Wort gegen die letztere gebraucht wird. Herr Levinstein schöpft seine Argumente aus der Geschichte, aus der Theologie und aus der praktischen Erfahrung. Seine Darstellung ist klar und übersichtlich, schwungvoll und poetisch. Die Zusammenfassung der religiösen Anschauungen des Judenthums nach Art von Glaubensartikeln, die am Schluffe folgt, ist geradezu vortrefflich und wird sicher in vorurtheilslofen Kreisen auch außerhalb unserer Glaubensgemeinde tiefen Eindruck Hervorbringen. Wir wünschten, daß das Beispiel des Autors der kleinen Schrift aneifernd wirken und Biele aus unserer Mitte, die nicht Theologen von Beruf sind, zur Bertheidigung unserer höchsten Güter erwecken möge. Sprechfaul. Sehr geehrte Redaktion! ELaben Sie besten Dank, daß Sie rühmlich abweichen von der üblichendoch nicht löblichen Gepflogenheit mancher „löblichen" Redaktionen, die jede unbequeme, gegnerische Veröffentlichung grundsätzlich todtschweigen in der irrigen Annahme: „Quod non est in actis, non est in mundo. * Daß „ein unparteiisches Organ für alles jüdisches Interesse" für die „Deutsch-nationalen Dithyramben" — so werden die Darlegungen des Verfassers von „Deutschnational" daselbst bezeichnet — freilich keinen Enthusiasmus zeigt, mag wohl in der Ordnung sein. Zwei Punkte hingegen in dem Artikel Nummer 33 Ihres geschätzten Blattes find nicht ganz in Ordnung, und ich darf Sie wohl ganz ergebenst darum bitten, zu ihrer Richtigstellung mir, dem Verleger genannter Schrift, das Wort zu gestatten: 1. Der Verfasser ist längst nicht mehr Student und auch nicht mehr „jugendlicher Autor", er ist ,„schon einmal dagewesen" vor 12 Jahren mit seinem „Friedensgruß an die deutsche Nation". Dem dort niedergelegten, von kräftigem nationalen und patriotischen Empfinden getragenen Gedanken schrieb damals die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", bei rechter Beherzigung desselben, die Kraft zu, den Anfang vom Ende des Antisemitismus herbeiführen zu können. Der schwungvolle Stil des jüngeren Ben Akiba erinnert an das Feuer der Jugend, aber er ist frei von leidenschaftlicher, ätzender, verletzender Polemik, und die Darstellung verräth nirgends Unreife und ungesunde Schwärmerei, die Kennzeichen holder Jugendeselei. Aber glücklich, wer aus den Stürmen des Lebens etwas von den goldenen Jugendidealen gerettet, daß er frisch und fröhlich und „zeitlebens ein Student" bleibt. 2. Verfasser soll von einem christlichen Professor den in Ihrer geschätzten Zeitung abgedruckten Brief auf seine Schrift als Antwort erhalten haben, und in diesem Schreiben soll eine entschiedene Zurückweisung der „deutsch-nationalen Dithyramben" des Autors liegen. Hier liegt ein kleiner Jrrthum vor, den man als einen durchaus verzeihlichen redaktionellen lapsus calami betrachten kann. Derselbe ist leicht zu korrigiren, wenn man auf den Eingang des Briefes achtet, wo nur von dem „angedeuteten Inhalt" des Schriftchens die Rede ist. Der Brief des Professors, es ist Herr Geheimrath Dr. Wilhelm Förster, der bekannte Begründer der deutschen Gesellschaften für ethische Kultur und Verfasser der Broschüre „Zur Ethik des Nationalismus und der Judenfrage", ist eine Antwort auf ein Schreiben, worin eben die kurze Andeutung von dem Inhalt des soeben vollendeten Manuskriptes von „Deutschnational" gemacht wird, und datirt vom 27. Januar cr. Erst Mitte Mai erschien die Flugschrift, die in einem Nachtrag den Brief von Professor Förster, in kritischer Beleuchtung, mit veröffentlichte. Nach Lektüre des Schriftchens schrieb der Gelehrte meinem Autor unterm 3. Juli einen zweiten Brief, worin es am Schlüsse wörtlich heißt: Im Uebrigen habe ich für Ihren Standpunkt und besonders für den moralischen Muth Ihres ganzen Auftretens die vollste Achtung." Diese Erklärung, die dem gegnerischen Standpunkt volle Gerechtigkeit zu Theil werden läßt, ohne daß hierdurch der ursprüngliche eigene Standpunkt etwas von seiner antiken Erhabenheit und Schönheit einbüßt, macht dem Manne der Wissenschaft, der der Wahrheit überall die Ehre giebt, selber Ehre, sie ist aber auch ein ehrendes Zeugniß Dem, der die Stichhaltigkeit seiner Beweisgründe für die neuen, zum Heile des gemeinsamen Vaterlandes führenden Ideen anerkannt steht und . daraus neue Zuversicht schöpft zu dem Siege der trotz aller Hemmnisse und Hindernisse unaufhaltsam fortschreitenden Emporentwickelung. Leipzig, 24. August Hochachtungsvoll ergebenst Paul Schimmelwitz. Sehr geehrter Herr Redakteur! C&\xe gegen die Besiedelung Cyperns durch die Juden erörterten Bedenken in der vorigen Nummer find auch in mir wach geworden. Aber die Parallele mit Palästina kann bei unbefangener Beurtheilung der Sachlage nicht zu Gunsten des heiligen Landes ausfallen. Es wurde hervorgehoben, daß Palästina mehr Chancen bietet. Verschwiegen wurde nur, daß der Sultan gegen die Neueinwanderung von Juden sich mit allen Kräften sträubt und vorausstchtlich nie eine ausgedehnte Immigration in Palästina dulden wird. Das ist doch des Pudels Kern. Würden eifrige Zionisten sonst an Cypern denken? Zweitens: Die Frage, wem man den Vorzug giebt, wenn man die Wahl zwischen türkischer und englischer Verwaltung hat, kann flch wohl Jeder selbst beantworten. Jedenfalls ist ein Sperling in der Hand mehr werth als zehn aus dem Dache. Ergebenst Bernhard Traubenberg. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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