Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1899)
- Date
- 1899-09-22
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228350--55797-3292037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^!d-VP^WMVW^«WMWWWWAMM»WW«M«MMWWWWM^^ 450 3. Februar 1672, in der sie einen Begräbnißplatz erwarb, erwähnt. Sie hatte die Verpflichtung übernommen, die Tobten zu beerdigen, wogegen ihr die dadurch entstehenden Einnahmen überwiesen wurden. Diese Einnahmen waren so bedeutend, daß sie dadurch zu einem ansehnlichen Vermögen gelangte, welches sie dazu verwandte, Wohlthätigkeitsinstitute ins Leben zu rufen. So entstand das jüdische Krankenhaus in der Oranienburgerstraße 9 und später die jüdische Altersversorgungsanstalt Große Hamburgerstrabe 26. So kann die Altersversorgungsanstalt die Beerdigungsanstalt als ihre Mutter betrachten, welche auch fernerhin für ihre Tochter sorgte, indem sie ihr die Einnahmen aus den Büchsengeldern (mit Ausnahme der 2äoksu8-Büchsen) überwies. Klein und unscheinbar war der Beginn der Anstalt. Wenige 7 Zimmer im alten Krankenhause genügten, um die acht Hospitanten des ersten Jahres aufzunehmen, jedoch bald stellte sich die Nothwendigkeit heraus, daß die Altersversorgungsanstalt auf eigenem Grund und Boden stehen müfle, um sich fort und fort zu entwickeln. So beschloß die Beerdigungsanstalt, ihrer Tochter aus ihren Mitteln ein eigenes Haus zu bauen, zu deflen Herstellung auch die städtischen Behörden von Berlin 2000 Thalcr beisteuerten. Am 28. Juli 1844: wurde das neue Gebäude eingeweiht. Vorher hatte sich die Beerdigungsanstalt mit den Gemeindebehörden auseinandergesetzt. Dieselben übernahmen den ganzen" Grundbesitz der Beerdigungsanstalt, wogegen sich die Gemeinde verpflichtete, jährlich 2000 Thaler für die Erhaltung der Altersversorgungsanstalt zu zahlen. Fünfzehn Jahre hatte diese Anstalt die Gastfreundschaft des Krankenhauses in Anspruch genommen, als sie ihr eigenes Heim bezog. Hiermit war ihr aber nicht ein endgiltiges Ziel gesteckt. Im Jahre 1867 stellte sich die Nothwendigkeit heraus, dem ersten Urbau einen Anbau hinzuzufügen. Derselbewurde durch Baumeister Strauchfüreine Bausumme von 16700 Thalern ausgeführt und am 29. November 1868 übergeben. Jetzt ging es aber fchnell vorwärts, und bald war> ein neuer Anbau erforderlich. Da fand sich in Herrn Adolph Reichenheim ein Retter in der Noth, der zum zweiten Erweiterungs-, bau 30000 Thaler spendete. Dieser zweite Anbau wurde am 7. April 1874 eröffnet. Im September 1879 beim fünfzigjährigen Bestehen der Anstalt fand eine Jubelfeier statt. Aus der bei dieser Gelegenheit herausgegebenen Festschrift entnehmen wir, daß bis dahin 206 Hospitaliten durch die Anstalt gegangen, daß ein Bestand von 23 Männern und 67 Frauen, zusammen 90 Hospitaliten, vorhanden war, daß die Anstalt bis dahin im Ganzen 1478 285,84 M., Einnahmen und 1001405,33 M. Ausgaben hatte und einen Vermögensbestand von 476 880,51 M. besaß. Die alte Anstalt, welche schon zwei Anbauten erhalten, war in allen Theilen vollständig besetzt, den kleinen bei der Anstalt befindlichen Garten wollte man nicht gern opfern, so stand man rathlos da, auf welche Weise eine Erweiterung der Anstalt möglich sei. Da faßte das Moritz Manheimer'sche Ehepaar am Tage feiner; silbernen Hochzeit, dem 2. Dezember 1880, den hochherzigen Entschluß, für eigene Rechnung eine zweite Anstalt zu bauen, wozu die Gemeindebehörden mit einigem Widerstreben den Platz an der Front des Friedhofes Schönhauser Allee hergaben, der nicht für Beerdigungen benutzt werden durfte. Die Opposition gegen den Platz wurde dadurch begründet, daß es nicht human sei, den alten Leuten die Aussicht auf den Friedhof zu verschaffen. Aber gerade die Wahl dieses Platzes verschaffte der Anstalt zahlreiche neue Mitglieder und Freunde, denn die vielen Besucher des Friedhofes, welche bei dieser Gelegenheit ' auch die musterhafte Einrichtung und Leitung der Anstalt sahen, erweiterten die Mittel in so reichem Maße, daß bald Anbau auf Anbau erfolgen mußte, weil der Begehr, in die Anstalt ausgenommen zu werden, mit jedem Jahre wuchs. ' Die zweite Anstalt, welche nach ihren Begründern die Manheimer'sche genannt wurde, ist nach den Entwürfen des Profeffor Schwatlow von dem Maurermeister Freimank erbaut worden, und wurde am 11. November 1883 der Mittelbau desselben feierlich eingeweiht. Schon am 1. Oktober 1888 erfolgte die Uebergabe des ersten, am 1. April 1892 die des zweiten Anbaues, und war jetzt die Manheimer'sche Anstalt in der Lage, 100 Hospitaliten aufzunehmen. Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Nur wenige Jahre genügten, um auch diese Anstalt vollständig zu besetzen, und so mußte man denn schließlich auch den Garten der alten Anstalt bebauen, wozu Herr Moritz Simon das namhafte Geschenk von 100000 M. machte. Hiervon wurde der dritte Anbau der alten Anstalt hergestellt, der 31 Hospitaliten Platz gewährt. Zum Ersatz für den Garten wurden die freien Stellen des alten Friedhofes in Gartenanlagen umgewandelt. Welchen Fortschritt in den 20 Jahren seit der 50jährigen Jubelfeier! Damals faßte die Anstalt 90 Personen, jetzt finden 238 Personen darin Platz; damals war die Zahl der Aufgenommenen 206, jetzt sind es 676 Hospitaliten. Diese Zahlen sprechen deutlich genug, welche Wohlthat den alten Leuten durch eine Aufnahme in die Anstalt erwiesen wird, und daß sie das Vertrauen, das die vielen Wohlthäter in sie gesetzt haben, vollständig gerechtfertigt hat. Wiederum steht die jüdische Altersversorgungsanstalt vor einem neuen Wendepunkt ihrer Wirksamkeit. Alle Zimmer beider Anstalten sind vollständig besetzt. Die städtischen Behörden Berlins, welche schon im Jahre 1844 zum Urbau der Anstalt 2000 Thaler bewilligt, haben der Anstalt einen schönen Bauplatz von 6500 qm Flächeninhalt geschenkt, auf dem eine dritte Anstalt erbaut und mit Hospitaliten belegt werden soll. Hierzu ist das dringende Bedürfniß vorhanden, denn auf der Aufnahmeliste stehen 84 Namen, darunter 12 Ehepaare, 34 Wittwen, 18 Wittwer und 8 unvermählt Gebliebene, welche sehnsüchtig darauf harren, in die Anstalt einzutreten. Dazu wird viel Geld gebraucht, denn der Bau eines Hauses für 100 Hospitaliten ist auf 300000 M. zu veranschlagen und die jährliche Erhaltung eines Hospitaliten auf 500 M. Wir wünschen der Altersversorgungsanstalt zu ihrem siebzigsten Geburtstage, daß ihr die bisherigen Freunde treu bleiben, und sie von Jahr zu Jahr neue Freunde finden möge, die mit warmem Herzen und offener Hand für die Bestrebungen der Anstalt eintreten, dem hilflosen Alter für den Lebensabend eine freundliche Zufluchtsstätte zu bereiten, auf daß dieses segensreich wirkende Institut auch ferner wachse, blühe und gedeihe. Bericht über die Jahresversammlung der israel. Lehrer des ehemaligen Herzogthnms „Nassau" zu Wiesbaden am 4. Juni. uf Einladung unseres Vorsitzenden versammelten sich die Lehrer unseres Vereins in der schönen Badestadt „Wiesbaden". Der verehrliche Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in liebenswürdiger Weise das Gemeindelokal zur Abhaltung der Versammlung zur Verfügung gestellt. Anwesend waren 22 Mitglieder des Vereins, die Herren Bezirksrabbiner Dr. Dr. Landau-Weilburg, Silberstein-Wiesbaden und Weingarten - Ems. Vom Vorstand der Wiesbadener Kultusgemeinde erschienen die Herren Vorsteher Simon Heß, Vorstandsmitglied Rendant Strauß, Liebmann und Hirsch; die beiden letzten Herren waren zu ihrem Bedauern nicht in der Lage, den Verhandlungen ganz beizuwohnen,