Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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63. Jahrgang. . Nr. 37. Berlin, 1ö. September 1899. Weikcrge zurr „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Dvatschland. 22 Berlin, 11. September. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums versendet das Berjeichniß der im Wintersemester 1899/1900 zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talm. stat.: (Jeruschalmi und Babli) P’sachim Kap. II. (Fortsetzung), 4 Stunden, Montags und Donnerstags 9—11 Uhr. 2. Talmud Babli stat.: Hullin Kap. VII. (Fortsetzung) priv., 4 Stunden/ Mittwochs und Sonnabends 2—4 Uhr. 3 Talmud Babli cursorisch: Baba Mesi'a, Kap. V, 4 Stünden, Sonntags und Mittwochs 8-^10 Uhr. 4. Jore De’a (Tur und Schulchan Aruch) XL—L, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 11—12 Uhr. 5. Bben ha-’ezer Hil. Gittin (Fortsetzung), 1 Stunde, Montags 12—1 Uhr. 6. Mischne Tora, III. Buch (Fortsetzung), 2 Stunden, Dienstags und Freitags 12—1 Uhr. 7. Der jüdische Kalender, 1 Stunde, Donnerstags 12— 1 Uhr. Dr. Maybaum wird lesen: 1. Lektüre des Bereschith rabba, 1 Stunde, Dienstags 6—9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 6—10 Uhr. Dr. Schreiner wird lesen: 1-. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 10—12 Uhr. 2. Erklärung des Buches Ezechiel, 2 Stunden, "Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 8. Einleitung in die semitische "Religionsgeschichte, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11—12 Uhr. 4. Erklärung des More Nebuchim des Maimonides, 2 Stunden, Mittwochs 11—1 Uhr. 5. Geschichte der Juden, 2 Stunden, Sonntags 12—1 und Mittwochs 10—11 Uhr. 6. Historische Uebungen, 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr. Die Eröffnung des Wintersemesters findetam 10. Oktober um 11 Uhr Vormittags statt. Berlin, 10. September. Dem Maurermeister Marcus Adler wurde in diesen Tagen seitens des Vorstehers des XII. Stadtbezirks (Dorotheenstadt) Herrn Druhm im Namen des Berliner Magistrats und der Stadtverordneten eine kostbar ausgestattete Adresse überreicht, in der diese Körperschaften Herrn Adler anläßlich seiner 25 jährigen ununterbrochenen Thätigkeit im ehrenamtlichen Dienste der Stadt Berlin/ zunächst als Mitglied der 18. Einschätzungskommission, gegenwärtig als Abschätzungsverordneter und stellvertretender Bezirksvorsteher, ihren wärmsten Dank sowie für sein ferneres Leben die herzlichsten Glückwünsche aussprechen. An die feierliche Ueberreichung der Adresse schlossen sich die Glückwünsche noch anderer Korporationen; u. A. sprachen Herr Buchdruckereibefitzer R. Voll als Senior der. Ehrenbeamten der Dorotheenstadt und Herr Obermeister P. Heinrich Namens des Dorotheenstädtischen Bezirksvereins, in welchem Herr Marcus Adler seit über 80 Jahren als Vorstandsmitglied mit dem. gleichen Eifer wie in.allen anderen von ihm verwalteten Ehrenämtern fungirt. ' X. Berlin, 11. September. Soweit wir zu hören Gelegenheit hatten, sind sowohl die von der Gemeinde eingerichteten rvie die sogenannten „fliegenden" Gottesdienste in diesem Jahre gut besucht würden. Wie nothwendig eine Verminderung der letzteren — da wir eine völlige Beseitigung wohl niemals erleben werden — und wie erforderlich es deshalb ist, daß die Gemeinde noch weitere Veranstaltungen treffe, möge folgende Thatsache zeigen, die erfreulicherweise nicht in jedem Jahre zu verzeichnen ist. Einem Privatunternehmer Hatte unsere Synagogennoth gar arg das Herz bedrückt, und so annoncirte er in dem für religiöse Angelegenheiten recht günstigen Nordosten unserer Stadt gleich zwei Festgottesdienste. In seiner Voraussetzung hatte er sich nicht getäuscht^ die Plätze wurden gut verkauft, die Ausgaben für Reklame und den Druck der Karten waren gering, und er konnte eine Einnahme von 1600 M. verzeichnen. Das einzige, was er zu thun verabsäumt hatte, war, — die Säle, für welche er die Plätze verkauft hatte, zu miethen und für einen Gottesdienst Sorge zu tragen. Mit seiner Beule hatte er sich vorher in Sicherheit gebracht. -Dieses^traurige Vorkommnis, welches bis jetzt Gott sei Dank vereinzelt dasteht, möge dem Publikum zur Warnung dienen, Plätze für die Festtage zu kaufen, ohne sich vorher nach dem Unternehmer erkundigt zu haben, der Gemeindeverwaltung zum Sporn, die Anzahl der Gottesdienste, die unter ihrer Leitung stehen, zu vermehren. — Als fernerer Mißstand, der in diesem Jahre mehr denn je zu Tage getreten ist, seien hier die kurz vor den Festtagen in den Tagesblättern veröffentlichten Verkaufsanzeigen von Synagogenplätzen erwähnt. Es werden stets nur theuere Plätze von 15—20 M. aufwärts angeboten, und als Verkäufer geriren sich meist Leute, bei denen man mit' einiger Sicherheit voraussetzen darf, daß die Plätze nicht zu eigener Benutzung gekauft worden sind. Man darf ferner mit Bestimmtheit annehmen, daß die Inhaber der besseren Plätze, die diese weiter zu geben genöthigt sind, in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreise reichlich Gelegenheit züm Verkauf der Billets haben, ohne auf den Weg der Annonce angewiesen zu sein. Es liegt somit die begründete Verm'uthung nahe, daß sich hinter diesen Annoncen, die bisweilen ganze Spalten füllen, ein unwürdiger Handel verbirgt. Die Gemeindeverwaltung möchten wir hierdurch anregen, ihr Augenmerk auch auf diesen Punkt einmal richten und ihre Maßregeln danach treffen zu wollen. £2 Berlin, im September. Daß die deutschen antisemitischen Zeitungen trotz aller Erklärungen der deutschen- Reichsregierung Dreyfus feindlich sind, weil er Jude ist, ist bekannt. Aber ein Beispiel von der Tonart dieser Organe ist doch nicht unangebracht. Ein hiesiges antisemitisches Blatt schreibt: „Aberder „edle Dulder von der Teufelsinsel" meint wohl, nachdem ihm zu Gunsten ein französischer Generalstabsoffizier (Henry) „selbstgemordet worden", nachdem ihm zu liebe ein Präsident der Republik „vom Schlage gerührt" worden ist, nachdem ihm zu liebe der gefährliche Zeuge du Paty de Clam plötzlich „erkrankt" worden ist, brauche es für ihn nichts weiter als die bloße Betheuerung seiger blührieselweißen Unschuld, alles andere werde sich von selbst machen." Die große Politik der kleinen Antisemitenblätter ist überhaupt sehr komisch. So hat die „Deutsche Reform" jetzt den wahren Grund der Transvaalkrisis entdeckt. Sie schreibt nämlich, daß der ganze Krieg in Südafrika nur ein Manöver der Börsenjuden sei. Diese wollen Transvaal ausbeuten, da die Buren sich aber nicht auswuchern lassen wollen, so hat die Klique der jüdischen Börsenjobber gegen baar Geld den Prinzen von Wales gewonnen, England gegen die Buren loszulassen, und Cha.mberlain ist durch einen Antheil an der Beute für die Eroberung Transvaals gewonnen worden. „Die englischen Kanonen sollen zur höheren Ehre des jüdischen Geldsacks knallen. So will es der Stamm Nimm." Nun wissen wir es ganz genau! X. Aus Westpreufien, im September. Eine junge Dame aus Danzig, Fräulein Goldmann, hat in Zürich mit größer Auszeichnung die Doktorprüfung für Geschichte, Nationalökonomie und Geschichte der Philosophie bestanden, nachdem sie einige Zeit an der dortigen Universität und fünf Semester in Leipzig studirt hatte. Ihre Doktordissertativn behandelt die „Danziger.Verfaffungskämpfe unter polnischer Herrschaft". — Am 14. v. M.. beging das Kaufmann- Leiser Behrendt'sche Ehepaar in Heilsberg das Fest der goldenen Hochzeit, womit das 50jährige Bürgerjubiläum des Herrn Behrendt zusammenfiel. Aus diesem Anlaß hatten sich Deputationen des Magistrats und der Stadtverordneten in die Wohnung des Jubelpaares begeben, um ihm die Glückwünsche der Bürgerschaft zu überbringen. — In Weh lau ist Herr -Stadtverordneter Levit zum Stadtverordnetenvorsteher und in Lautenburg der Fabrikbesitzer Max Neumann von den Stadtverordneten zum Vorsitzenden der Baukommission gewählt worden. — In Jastro w ist die Einfriedigung des jüdischen Friedhofes dadurch in Brand gerathen, indem das durch Funken aus einer Lokomotive an mehreren Stellen der Böschung entstandene Feuer sich bei der großen Dürre mit großer Schnelligkeit fortpflanzte und die Einfriedigung erfaßte, welche bald in Flammen stand. Durch die Feuerwehr wurde das Feuer gelöscht, wodurch weiterer, Schaden an Grabstätten und