Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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r— -7"'r."1 ^wr^r*'^r**fi*'r''''W’Tvv* >.>LV^>i^.D,iW!>.l - 444ganzen Reihe von Jahren kann ich nur einen Fall konstatiren, daß eine christliche Dame der jüdischen Altersversorgungsanstalt namhafte Geschenke machte, und diese Dame war — die hochselige. Kaisers Augusta. Nach Einsendung des Jahresberichts erhielt die Anstalt aus dem Kabinet der Kaiserin regelmäßig ein Geschenk von 500 Mark.' Bei der 50jährigen Jubiläumsfeier sandte die Kaiserin das Bild des Kaisers mit nachstehendem Schreiben: „Ich freue Mich, zu dem fünfzigjährigen Bestehen einer Anstalt Glück wünschen zu können, deren Werth Ich durch persönliche Kenntniß schätze, und die berufen ist, auch in ferneren Zeiten segensreich für die Mitbürger Berlins zu wirken. Ich übersende der Anstalt beifolgend das Bild des Kaisers. Baden-Baden, 3. Oktober 1879. Augusta. An den Vorstand der Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde Berlin." Bei Einweihung der neuen Anstalt Schönhauser Allee übersandte sie das Doppelbild des Kaiserpaares, und selbst in ihrem Testament bedachte sie die Anstalt mit einem Kapital von 4000 Mark. Aber nicht nur diese materiellen Beweise der kaiserlichen Huld erfreuten die Anstalt. Schon im hohen Alter stehend und von schwerer Krankheit heimgesucht, ließ sie sich nicht abhalten, am 2. Mai 1878 der jüdischen Altersversorgungsanstalt ihren Besuch abzustatten. Welch ein Festtag für die Anstalt! „Die Kaiserin kommt!" so hieß es an diesem Tage, und eine freudige Erregung ging durch das ganze Haus. Di« sprichwörtlich gewordene Reinlichkeit wurde noch um einige Grade erhöht und ein jedes Zimmer nochmals einer gründlichen Revision unterworfen. Die alte Garde (unter 60 Jahren wird Niemand ausgenommen) suchte ihre schönsten Hauben, ihre besten Kleider hervor und schmückte ihre Zimmer mit den sorgsam bewahrten Kostbarkeiten längstvergangener. Zeiten. Da die Majorität der Hospitaliten aus Damen besteht, so ist es kein Wunder, daß die lange Fensterfront der Anstalt mit allen möglichen und unmöglichen Fagotts von Hauben garnirt ist. Außer dem üblichen schwarzen Frack und der weißen Halsbinde der Vorstandsherren sieht man nichts Ungewöhnliches in und an der Anstalt. Keine Dekorationen und Guirlanden sollen etwaige Schäden verdecken, alle Zimmer sind geöffnet, damit die Kaiserin ein jedes betreten kann das ihr beliebt. Die gewöhnliche DonnerstagSkost, Brühsuppe, Suppenfleisch, Mohrrüben und Kartoffeln, gießt es auch heute. » Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. Es schlägt 1 Uhr, und die Kaiserin erscheint in der Begleitung der Palastdame Gräfin von Hake. Der schon vorher eingetroffene Kammerherr von Ende eilt zum Wagen und ist der Kaiserin beim Aussteigen behilflich. Auf dem Flur wird die Kaiserin von den Herren des Vorstandes empfangen, welche die hohe Frau nach dem Sitzungszimmer führen, wo sie von den Ehrendamen ehrfurchtsvoll begrüßt wird. War schon der Eindruck, den die Kaiserin auf Vorsteher und Ehrendamen machte, ein bedeutender, so war er geradezu überwältigend bei den alten Hospitaliten, welche die hohe Frau in ihren Zimmern aufsuchte. Hier freute sich die Kaiserin, daß man zwei Lehrerinnen, die ihr mühevolles Amt 28 Jahre ausgeübt, ein freundliches Asyl geboten, dort erzählte ihr eine 92 jährige Frau, daß sie mit der Königin Luise in derselben Stadt geboren und sie in ihrer Jugend häufig gesprochen. Hier begrüßte sie einen Altersgenossen des Kaisers, dort einen Veteranen aus den Freiheitskriegen von 1813—15. Dann weigerte sie sich, daß man ihr Kleid küsse, und reichte die Hand zum Kufle. In der Küche kostete sie Las Cffen und äußerte: „Die Speisen schmecken, mir so vorzüglich, daß ich sie nicht nur kosten^ sondern auch effen werde." .: . : Als die Kaiserin die kleine Haussynagoge betrat, und sie der im Hause , lebeüde. 88jährige Rabbiner Mendelssohn, um die Erlaubniß bat, den Segen über sie aussprechen zu dürfen, den die jüdische Religion vorschreibt, wenn ein gekröntes Haupt die Schwelle eines jüdischen Hauses überschreitet, was ihm gewährt wurde, gab ihr die zarte Rücksicht für die Gebräuche einer fremden Religion die Worte ein, daß. sich die Herren beim Betreten der Synagoge' bedecken.mögen. Nachdem die Kaiserin ungefähr ritte Stunde in der Anstalt verweilt hatte, fuhr sie davon, begleitet von Len Segenswünschen des ganzen Hauses. Die Erinnerung au jene Stunde bleibt aber sicher Allen unvergeßlich, die sie miterlebt haben. Fitterarischr MittheUungen. »Lek ach. Tob“, ein Handbuch für praktische Schächter, von Prediger und Kantor Heinrich S. Gelbart in Labes in Pommern. Herr Gelbart, der schon durch die Veröffentlichung des „Tikim L’dowid“ als fleißiger, ehrlicher und pflichttreuer Beamter vortheilhaft bekannt ist, hat mit der Herausgabe des;,Lekach Tob“ einen ganz neuen Weg eröffnet, der, wenn die praktischen Schächter ihn mit derselben ehrlichen Pflichttreue betreten würden, wie der Verfasser ihn gebahnt, ihnen, namentlich bei der jetzigen traurigen Strömung, sehr viel Unangenehmes ersparen dürfte.. Denn wie oft leidet nicht nur das Ansehen des ausübenden Beamten, sondern das der ganzen Korporation, die diesen mit solch wichtigen Agenden betraut, wenn er nach der Untersuchung des Rindes dasselbe für vollkommen koscher erklärt, und gleich darauf der amtirende Fleischbeschauer das ganze Vieh verwirft. Diesem Uebelstande so viel als möglich abzuhelfen, sagt der Verfasser in seinem Vorwort, sei sein ehrliches Bestreben. Er will nämlich kraft seiner in langjähriger Arbeit gesammelten Erfahrungen dem Schächter ein treuer Rathgeber und belehrender Führer in allen unklaren Fällen sein, er will den Schochet mit den häufigst vorkommenden Krankheiten bei den Thieren und ihren Kennzeichen, wie Milzbrand, Tuberkulose, fieberhafte Erscheinungen, Rindfinne, Darmentzündungen u. s. w., vertraut machen, was er in der That in 44 Abschnitten ausführlich unternimmt. Im Schlußwort spricht der Verfasser in wahrhaft beherzigenswerther Weise zu seinen Fachgenossen. Sein Merkchen, welches ich einem jeden Interessenten auf das Wärmste empfehle, und das in Frankfurt a. M. bei Rothschild, in Krakau bei A. Faust für 2 Mark erhältlich, ist sehr populär und der Fassungskraft eines Jeden angemessen geschrieben. Religionslehrer Landau. Sprertzsaat. Geehrter Herr! Hkn Nummer 36 Ihrer werthen Zeitung ist ein Brief des Herrn Dr. Ziegler-Karlsbad betreffend Jüdische Abreißkalender, welche bis jetzt bei Juden fehlen. Ich mache hiermit aufmerksam, daß ein solcher schon existirt, meines Wissens seit 6 Jahren; er wird in Warschau herausgegeben von Herrn Ephraim Roskin und enthält den Russischen, deutschen, jüdischen und mohamedanischen Kaleüder mit allen Nöthigen Bemerkungen, außerdem zu jedem Tage chronologische Bemerkungen aus der jüdischen Geschichte. Achtungsvoll Königsberg i. Pr., 10. September. ' , M. .L. Sam.bnrsky. > Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. * Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.