Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- Seite 420 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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u»d liebenswürdigen Menschen zubrnchte. Einen Gletscher habe ich nicht bestiegen, nicht einmal auf den lleinsten Piz habe ich mich gewagt. Aber ich habe mich doch mit all diesen lieben und netten Menschen auf einer Höhe zusammengefunden, wo die freien Lüfte wehen, wo alles Trennende verschwindet, und auf der wir alle als Bekenner des einen und einigenden weltgeschichtlichen Glaubens uns in inniger Treue zusammenfanden, der auf dem kleinsten der Berge gegeben wurde, der aber nunmehr doch alle Gletscher der Erde überstrahlt. 6. K. Frtterarische Mittheilrmgen. Das Year Book of the Central-Conference of American Rabbis, ffllar) u. Kreidler, Cincinnati O., Jahrbuch der Central-Konferenz amerikanischer Rabbiner, für 1899 ist dank der Energie des Herrn Sekretärs Professor Dr. Deutsch soeben erschienen. Es ist ein Quartband von 218 Seiten, gut ausgestattet. Der Inhalt besteht aus den Protokollen der Verhandlungen, aus Vorträgen, Abhandlungen und Reden und einem Verzeichniß der Mitglieder der Konferenz. Das Jahrbuch bietet im Protokoll sehr viel Interessantes und Belehrendes in seinem literarischen Theil. Es ist ein Gedenkstein auf dem Wege der Entwickelung des Judenthums in Amerika und wird jedenfalls für den künftigen Geschichtsschreiber werthvolles Material liefern. Von den Verhandlungen dürften namentlich die über die Encyklopädie des Judenthums, von den Vorträgen die von Rev. Dr. Krauskopf, von Rev. Dr. Berkowitz über den Zionismus und von Rev. Calisch über die Betheiligung der Rabbiner an den wohlthätigen Gemeindeinstitutionen von großem Interesse sein. Die Porträts der achtundfünfzig anwesenden Rabbiner sind dem Titelblatt vorgesetzt. Den Mittelpunkt bildet natürlich die Schilderung der Feier zu Ehren des würdigen Nestors der amerikanischen Rabbiner, Dr. Isaak M. Wise, zu dessen achtzigstem Geburtstag. Spvertzscrai. Geehrter Herr Redakteur! (0) uf die Veröffentlichung des Rabbiners Herrn Dr. Maybaum in dieser Zeitung erwiedert der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Koblenz das Folgende: Es ist wahr, daß Herr Dr. Maybaum, ab Karlsbad, den Brief geschrieben. Der Vorstand konnte sich vorerst nicht entschließen, aus Rücksicht auf Herrn Dr. Singer und Familie, eine wahrheitsgetreue Schilderung der Kündigungsgründe schriftlich mitzutheilen. Später wurde die Beantwortung des Briefes im Drange der Geschäfte, ohne Absicht, vergessen. Der Vorstand bedauert, daß er durch die Provokation des Dr. Maybaum nunmehr genöthigt ist, alle Rücksichten fallen zu lassen, umsomehr, als Herr Dr. Maybaum die vorherige schriftliche Aufforderung des Vorstandes, seinen beleidigenden Artikel, mit dem sich eventuell noch das Gericht befassen wird, zurückzunehmen, unbeachtet ließ. Ist es vielleicht auch nur ein „Taktfehler", wenn der Rabbiner den über 32 Jahre hier im Amte befindlichen Lehrer und Kantor im Schulzimmer ohrfeigt und ihm den Spazi.erstock zerbricht?J) Noch mit viel gravirenderen „Taktfehlern" könnte der Vorstand aufwarten, allein, es unterbleibe lieber. 2) Es ist fast die einstimmige Anficht der ganzen Gemeinde,* 2 3) daß Herr Dr. Singer hier alle Rücksichten, selbst die für 5) Nach meiner Information wird das von Dr. Singer in Abrede gestellt. Maybaum. 2) Warum denn? Sie erklären ja, alle Rücksichten fallen zu lassen? Diese Methode, etwas Schreckliches anzudeuten, während die beiden Rabbiner, welche in Koblenz vermitteln wollten, mir berichten, daß gegen Dr. Singer nichts anderes als obige Anklage vorliege, ist bei allen Niedlichen gerichtet. M. 3) Das entspricht wiederum nicht der Wahrheit. Nach meiner Information steht die frühere Verwaltung, welche die gebildeteren Elemente der Gemeinde umfaßte, auf Seite Dr. Singers. Nur der neue König und sein Anhang gehören zu den Feinden Dr. Singers. M. seine eigene Existenz, bei Seite setzte. — Was die erwähnten Verhältnisse aus viel früherer Zeit hier betrifft, wo noch kein Mitglied des jetzigen Vorstandes hier wohnte, nun, eines Mannes Rede ist keine Rede, man soll ste hören alle Beede.4 *) Eine geradezu unverständliche Grausamkeit von Seiten des Herrn Dr. Maybaum und anderer Amtsgenoffen ist es aber, die krampfhaftesten Anstrengungen zu machen, den armen Dr. Singer in diesem steinigten Boden zu belassen, um sich möglichst festzuwurzeln. Sicherlich ist die Gemeindeverwaltung nicht verpflichtet, jedem Unberufenen^) Aufklärung über die Gründe des Vorstandes, die Kündigung des Rabbiners Dr. Singer betreffend, zu geben, und wird auch Herr Dr. Maybaum sicherlich seiner Pflicht genügen, wenn er sich nur um seine und die Angelegenheiten seiner Gemeinde kümmert. Sollten wir durch den Boykottartikel des Herrn Dr. Maybaum in der That keinen Rabbiner bekommen, nun, wir sind hier am schönen Rhein in der angenehmen Lage, auch ohne einen solchen recht glücklich zu leben3), und nach den Erfahrungen, die wir gemacht, könnte ich der Gemeinde aus vollem Herzen zurufen:!-[*? 21121 'pE'K Der Vorsitzende des Synagogenvorstandes: Raphael Loeb. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ausführungen des Herrn Dr. Rahmer-Magdeburg bezüglich des Protokolls der Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands in Nr. 34 Ihres geschätzten Blattes veranlassen mich als Schriftführer zu folgender Berichtigung, die Sie gefl. in Ihre Zeitung aufnehmen wollen. Der Satz: „Die Alten hätten den Tag, an dem die griechische Bibelübersetzung entstanden, als Fasttag begangen (der Ausdruck „Festtag" ist ein Versehen des Setzers, nicht ein solches der Schriftführer), kennzeichnet allein schon zur Genüge die ganze Schärfe, mit der Herr Dr. Rahmer sich gegen das Bibellesen sowohl als auch in einer Abschweifung vom Thema gegen die Verwendung des Deutschen beim Gebete sich ausgesprochen hat, so daß z. B. Kollege Steinhardt-Magdeburg sich veranlaßt sah, Herrn Dr. Rahmer darauf hinzuweisen, daß derselbe doch von der Kanzel herab sich über diesen Gegenstand ganz anders auszusprechen pflege. Es dürfte wohl kaum einen Besucher der Konferenz geben, der nicht die Auffassung der Schriftführer theilte, daß Herr Dr. Rahmer sich als Gegner des Bibellesens bekannte; gaben doch am Abend allgemein die Kollegen ihrer Verwunderung über die Ansichten des Herrn Dr. Rahmer Ausdruck. Herr Dr. Rahmer, der in der Debatte über den Tachau'schen Bortrag als erster Redner auftrat, sagte einleitend wörtlich: „Ich habe zwar das Tachau'sche Buch in meiner Schule eingeführt, ich muß mich jedoch als Gegner des Bibellesens bekennen." Wenn Herr Dr. Rahmer nachträglich seine Ansicht über diesen Gegenstand geändert hat, so ist das jedenfalls nicht die Schuld der Schriftführer. Mit vorzüglicher Hochachtung Halberstadt, 27. August. Nathan Stern, Lehrer. Qjjn Nummer 34 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" macht Herr £35 Dr. Rahmer auf die Uebersetzung des rHnfcft (3. B. M. 23, 11 und 15) in dem so oft besprochenen Biblischen Lesebuch von Tachau aufmerksam. Aber das ist nicht die einzige sadduzäisch-karäische oder christliche Uebertragung in diesem Werke. Seite 104, 2. B. 13, 9 und 16 finden wir: „Und es sei dir wie ein Wahrzeichen an deiner Hand und wie ein Gedenkzeichen an deiner Stirn." Der reifere Schüler wird aus dieser Uebersetzung das Beseitigen des j^L?1'Gebotes zeitig genug lernen. Heißt es denn im Text filNtbüD oder JVOtSd* Wenn auch Raschbam im Namen Einiger diese Stelle ähnlich zu erklären sucht, so fragt Jbn Esra spöttisch darauf: Ist denn die Thora mit den Sprüchen Salomos zu vergleichen? Einem Lesebuch für jüdische Schüler sollte keine Kautzsche Bibelübersetzung zu Grunde gelegt werden; Sachs und Zunz genügen uns vollständig. Osterode, Ostpreußen, Elul 5659. I. Sturmann. 4) Bitte! 6) Der Vorsitzende des Rabbiner-Verbandes in Deutschland ist aber kein „Unberufener". M °) Diese Aeußerung ist wieder so recht bezeichnend für den Geist der jetzigen Koblenzer Gemeindeverwaltung, um die kein Rabbiner in Koblenz, er sei, wer er wolle, zu beneiden ist. M. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.