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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-25 · Heft 34 (25.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Ar. 34. ^Lerlin, 25. August 1899. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenlHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. S£g Berlin, 20. August. Wie die „Preußische Lehrerzeitung" schreibt, ist am 6. v. M. ein Erlaß des Ministers der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten in der Angelegenheit des einjährig-freiwilligen Militärdienstes derjenigen preußischen Volksschullehrer ergangen, welche auf anderen als staatlichen Schullehrerseminarien ausgebildet und geprüft worden sind. Wiederholt tauchte in den interessirten Kreisen die Befürchtung auf, als ob die jüdischen Lehrerbildungsanstalten von dem Rechte, dem Entlassungszeugniß ihrer Zöglinge den Befähigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst anzufügen, ausgeschlossen werden sollten. Durch diesen Umstand würden nicht nur diese Anstalten degradirt, sondern auch die von ihnen vorgebildeten. Lehrer nicht als vollwerthig angesehen werden. Nach einer früheren Mittheilung hat der Kultusminister auf eine dahin gerichtete Eingabe erwiedert, daß er vorläufig nicht in der Lage sei, den jüdischen Lehrerseminarien dieselbe Berechtigung wie den staatlichen zuzuerkennen, Dagegen waren Stimmen und Zuschriften von den jüdischen Seminarien in Kassel und Hannover bekannt geworden, daß auf Grund der bisherigen Rechte dieser Anstalten die Zöglinge dieser Anstalten nur „ein Jahr" zu dienen brauchen. — Um Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, nahm der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche die Sache in die Hand und fragte zunächst bei den Leitern der jüdischen Lehrerseminarien in Berlin, Hannover, Kassel und Münster an, ob sie in dieser Angelegenheit bereits bei den Behörden Schritte gethan, welche ^Erfolge fie erzielt hätten, und ob sie die Auffassung des Landrabbiners Dr. Gronemann in Hannover (heilten, daß die in den jüdischen Seminarien ausgebildeten Lehrer gleiche Rechte mit ihren in staatlichen Anstalten ausgebildeten Kollegen hätten. Doch Herr Dr. Gronemann spreche nur davon, daß jüdische Lehrer nur „ein Jahr" zu dienen brauchten (auf Grund eines Erlasses des Kriegsministers). Auf Grund eines Erlasses des Reichskanzlers jedoch erhalten jüdische Lehrer selbst dann nicht die Qualifikation zum einjährig-freiwilligen Militärdienst, wenn sie an einem staatlichen, d. h. im vorliegenden Falle an einem christlichen Seminar zwar ihre Prüfung ablegen, auf diesem aber nicht vorgebildet worden sind. — Um diesem unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen, wandte der vorgenamrte Verbandsvorstand sich am 8. Juni d. I. mit einem Gesuch an den Kultusminister, auf welches am 6. Juli d. I. folgender Bescheid einging: Berlin, den 6. Juli 1899. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. II. III. 6. Nr. 1893. Auf die Eingabe vom 8. Juni d. I. erwiedere ich dem Vorstand, daß es bei der bisherigen Einrichtung, nach welcher ausschließlich die staatlichen Lehrerseminarien berechtigt sind, ihren Zöglingen nach bestandener Abgangsprüfung die wissenschaftliche Befähigung zur Erlangung der Berechtigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst zuzuerkennen, sein Bewenden behalten muß. gez. Bosse. Durch diesen Bescheid ist in die Angelegenheit endlich die erwünschte Klarheit gekommen und der Vorstand des jüdischen Lehrerverbandes wird sich nunmehr an den Reichskanzler in dieser Angelegenheit wenden. B. Berlin, 23. August. Die „Neue Preußische Zeitung", gewöhnlich „Kreuzzeitung" genannt, veröffentlichte am 16. d. M. einen großen Leitartikel über „Judentaufen im 19. Jahrhundert". Dieser Artikel fußt auf der Arbeit des Pastors de le Noi, der eine statistische Uebersicht über diese Frage veröffentlicht hat, die wir bereits ausführlich besprochen haben. Nach diesen Aufstellungen verliert das Judenthum alljährlich an die Christenheit ca. 5280 Personen, und zwar durch Uebertritte an die evangelische Kirche 1450, an die katholische Kirche 1250, an die griechische Kirche 1100, endlich durch Mischehen 1450 Personen. Sehr bemerkenswerth ist nun aber, was die „Kreuzzeitung" diesen Ziffern hinzufügt: „Danach würden allerdings die nach sehr niedriger Schätzung gewonnenen 224 000 Judentaufen dieses Jahrhunderts eine achtungswerthe Zahl darstellen. Wir wollen aber nicht vergessen, hinzuzufügen: auch nur eine Zahl. Was das Judenthum än ihnen verloren hat, wissen wir, was die christliche Kirche an ihnen gewonnen hat, das wissen wir nicht; denn die Apostel pflegten die Taufe ernster zu'nehmen, als es heutzutage leider oft genug mit den Judentaufen der Fall ist." Wir können uns der Auffassung der „Kreuzzeitung" in diesem Falle nur anschließen, daß die gegenwärtig geübte Praxis von den Täuflingen sehr wenig verlangt, nur einen Eid, den sehr Viele leisten, obwohl sie sich bewußt find, um weltlicher Vortheile halber einen falschen Eid zu schwören. So lange aber auf den Uebertritt zum Christenthum allerhand Prämien stehen, so lange wird die „Kreuzzeitung" Grund genug haben, daran zu zweifeln, daß diese Uebertritte aus ernsthafter Ueberzeugung erfolgt find. Man helfe uns zur Erlangung vollkommener Gleichberechtigung in Staat und Gesellschaft, kommen dann noch so viele Judentaufen vor, dann mag man daraus die gewünschten Schlüsse ziehen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann davon keine Rede sein. ^2 Berlin, 21. August. Das Kuratorium des Berliner Rabbinerseminars hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des Rabbiners Dr. Hildesheimer s. A. den Dozenten an derselben Anstalt Herrn Dr. David Hoffmann bis auf Weiteres zum Rektor gewählt. Außerdem wurde beschlossen, eine dritte Talmud-Klasse einzurichten und hierfür eine besondere Lehrkraft zu engagiren. Die Aenderung der Statuten des Instituts wurde einer Kommission übertragen. Dem Kuratorium gehören an die Herren Rabbiner Dr. Äuerbach-Halberstadt, Cohn-Kattowitz, Feilchenfeld-Posen, Hirsch-Hamburg, ferner die Herren Benjamin Hirsch-Halberstadt, S. Fränkel-München, H. Gumpertz-Hamburg, C. Knoller-Berlin, Direktor S. I. Leszynsky-Berlin, G. Marx- Königsberg und L. Mainz-Frankfurt a. M. 0. Berlin, 23. August. Bis jetzt befand sich die Synagoge der Gemeinde des Israelitischen Religionsvereins der Oranienburger Vorstadt „Ohel Jizchak" in der Chauffeestraße 42, da jedoch der Raum zu klein wurde, um alle diejenigen Bewohner der Gegend, die das Gotteshaus besuchen wollten, zu fassen, ist es dem Vorstand des Vereins nach vieler Mühe gelungen, eine neue Synagoge in der Liesenstraße 3 zu erbauen, deren Einweihung am 27. d. M., Nachmittags 372 Uhr, stattfindet. Herr Baumeister C. Köppen, der bereits mehrere Gotteshäuser gebaut, hat auch hier seine bewährte Hand ans Werk gelegt und dadurch der Synagoge ein schönes Aussehen verliehen. Ein besonderes Verdienst hat sich Herr Glasermeister B. Jachmann erworben, welcher für die architektonisch angefertigten Glaserarbeiten mit ganz besonderem Fleiß gesorgt hat. Derselbe hat in rastloser Arbeit ein schönes Werk geschaffen. Den Arbeiten der erwähnten Herren schließt sich in anerkennenswerther Weise.die des Herrn Tischlermeisters G. Schild an. Ganz besonders hat sich Herr Landschaftsmaler Julius Bodenstein für das Innere der Synagoge interessirt, indem er in einem proportionalen Verhältniß zur architektonischen Schönheit des Gebäudes das Innere künstlerisch geschmückt hat. c/s> Berlin, 21. August. So oft irgend ein Narr oder Gassenjunge einem Antisemiten einen groben oder albernen anonymen Brief schreibt, erhebt sich in der antisemitischen Presse sofort ein großer Lärm über „jüdische Frechheit" und dergleichen. So erst in dieser Woche, als die Gattin des ehemaligen Antisemitenführers Dr. Heinrici in so entsetzlicher Weise durch einen Sturz ums Leben gekommen ist, und ein hiesiges Antisemitenblatt eine Karte aus Stettin publizirte, die dieses traurige Ereigniß in roher Weise feierte. Wenn nun solche Karten wirklich von Juden herrühren, was wir noch immer nicht glauben können, so dürfen wir wohl sagen, daß diese — bei den Antisemiten selbst in die Schule gegangen sind. Denn was sie seit Beginn jener Bewegung gerade auf diesem Gebiete geleistet, das entzieht sich jeder Schilderung. Und feit kurzer Zeit kann man wieder die Beobachtung machen, daß an Jedermann zugänglichen, besonders an übelriechenden

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