Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ein solches Buch davon zu machen, würde unnöthig sein; denn kein Mensch wird solches kaufen." Nach Biester, der diesen Erlaß 1804 in seiner „Neuen Berliner Monatsschrift" vollständig abgedruckt hat, ist der ungnädige Bescheid darauf zurückzuführen, daß Bloch zur Förderung seines Vorhabens eine Menge der verschiedensten Gesuche zu jener Bitte um die Fischverzeichnisse hinzugesügt hatte. Doch geht aus mehreren Stellen der Bloch'schen Werke hervor, daß der König sich später wilR fahriger zeigte, und Peters hat denn auch eine Verfügung vom 13. November 1781 nachgewiesen, die den Wünschen des eifrigen Ichthyologen^ entsprach. Hat ihm doch Friedrich später sogar die Erlaubniß ertheilt, sich von den sorglich gehegten Sterleten aus dem Mühlenteich bei Küstrin einige ausfischen zu lassen. Die spöttische Frage am Schluß des unechten- Schreibens: „Will Er etwa die Gräten zählen?" soll allerdings mündlich gefallen sein; in der Familie eines mit Bloch befreundeten Mannes ist. sie wenigstens überliefert worden. Hieraus könne, meint Peters, die utu: echte Kabinetsordre allmälig entstanden sein. Jedenfalls hat sich aber, der alte Fritz eines Besseren belehren lassen und dann das rühmliche Werk deutschen Gelehrtenfleißes wohlwollend unterstützt. K. Aus Westpreußen, im August. Der langjährige Rabbiner der Synagogengemeinde in Könitz, Dr. Grabowski, ist als Rabbiner an die Synagogengemeinde in Barmen berufen worden und tritt sein neues Amt am 1. Oktober cr. an. Die Gemeinde sieht ihren Seelsorger, welcher sich sowohl an seiner Wirkungsstätte Könitz als auch in denjenigen eines Rabbiners entbehrenden Gemeinden, wo Dr. Grabowski oft religiöse Funktionen eines Predigers bei Casualfällen zu versehen hatte, eines guten Rufes erfreute, sehr ungern scheiden. — Im Juli' wurde der Kantor Littfak aus Ratzebuhr (Pommern) wegen Meineides angeklagt, verhaftet und in das Gefängniß in Könitz eingeliefert/ In der letzten Schwurgerichtsperiode mußte die Verhandlung gegen Littfak wegeil Ausbleibens eines Hauptzeugen vertagt werden. Am 31. v. M. ist nunmehr Littfak auf Anordnung des Oberstaatsanwalts/ auf freien Fuß gesetzt worden, da sich seine völlige Unschuld herausstellte? — Der Uhrmacher Callmann in Briefen rettete am 2. d. M. einen Herrn Jacobs aus Barmen, welcher nach dort gekommen war, um den ersten Hauptgewinn der Briesener Pferde-Lotterie abzuholen, vom Tode des Ertrinkens. — Ein Ferienkolonist Namens Tobias, der mit 40' anderen Kolonisten aus Berlin in Zempelburg seit Wochen weilt, istleider beim Baden in der Badeanstalt im Zempelburger See ertrunken. Der die 40 jüdischen Ferienkolonisten beaufsichtigende dortige Lehrer/' Herr Levy, hatte die Knaben zu gemeinschaftlichem Gange nach dem Badehause bestellt. Einige Knaben waren jedoch schon früher ohne Wissen des Lehrers in die Badeanstalt geeilt und badeten dort, ohne die Ankunft des Lehrers abzuwarten. Der Bedauernswerthe war auf das in dem See hinausragende Brett zum Abspringen getreten, als die hinter ihm nicht' fest geschlossene Thür sich durch den Wind öffnete und dem Knaben einen Stoß versetzte, so daß er hinabgeworfen wurde. Er versank sofort in der sehr bedeutenden Tiefe und fand seinen Tod. Seine Leiche konnte erst nach langem Suchen von Fischern gefunden werden. — In der Synagoge zu Schmalleningken ist in der Nacht zum 25. v. M. ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Der Dieb, der anscheinend mit den Oertlichfeiten genau vertraut sein muß, erbrach und beraubte die Sammelbüchse, die immer nur nach einer Reihe von Jahren geöffnet wird, und in der sich anscheinend ein größerer Betrag befunden hat. Ferner stahl der Dieb eine äußerst werthvolle silberne Jad. Bon dem Diebe ist keine Spur vor-' Händen. — Von den Berliner Vereinen für Ferienkolonien sind nach dem kleinen Orte Krojanke zehn jüdische Kinder, fünf Knaben und fünf Mädchen, zur Sommerpflege geschickt worden, welche bei dortigen israelitischen Familien liebevolle Aufnahme gefunden haben. — Kürzlich feierte der Kantor und Schächter Herr N. Epstein in Bromberg das Fest des 25jährigen Amtsjubiläums. Im Laufe des Vormittags erschien eine Deputation der Synagogengemeinde, um den Jubilar zu beglückwünschen, und überreichte ihm ein Sparkassenbuch mit einem namhaften Betrage. Noch viele Gratulanten aus der Gemeinde und eine große Anzahl Glückwünschschreiben und Telegramme von Amtsgenossen und Freunden erfreuten den treuen Beamten Ein fröhliches Beisammensein beschloß das schöne Fest. R. Pr. Friedland, 10. August. Ein großer Festtag war der 31. v. M. für die hiesige Synagogengemeinde. Es erfolgte an diesem Tage, wie schon Ihr Korrespondent aus Westpreußen berichtete, die Grundsteinlegung der neuen Synagoge, wofür endlich nach jahrelanger Bemühung ein geeigneter Platz gefunden war. Präzis 10 Uhr begann in geordnetem Zuge, woran sich die ganze Gemeinde betheiligte, unter Borantritt der Schuljugend, einschließlich der jetzt, hier weilenden Ferienkolonisten, und zehn weißgekleideter Ehrenjungfrauen der Abmarsch vom Hause des Herrn Kantors Rapp. Am Festplatze angelangt, wurde von der Schuljugend der Choral: „Will Gott das Haus nicht hilfreich bauen" angestimmt, worauf Herr Rabbiner Dr. Grabowski-Konitz die Rednerbühne bestieg, um das Wort zur Festrede zu nehmen, die einen ergreifenden und erhebenden Eindruck auf alle Gemüther machte. Nach Beendigung dieser Rede erscholl das Lied: „Lobet Gott der Schaaren", komponirt von Lewandowski, dem alsdann die Vorlesung der Urkunde, die üblichen Hammerschläge unter Hersagen von sinnreichen Sprüchen, ein ebenfalls mit großem Beifall aufgenommenes Schlußwort und Gebet von genanntem Herrn Kantor und das „Hallelujah", komponirt von Liebling, folgten. Die ganze Feier, welcher die Korporationen der Stadt, die Geistlichen beider Konfessionen, die Schuldirektoren mit ihren Lehrern und sonstige Honoratioren sowie eine sehr große Anzahl Bürger beiwohnten, machte sichtbar auf Jeden den günstigsten Eindruck. Al. Hamburg, 14. August. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferienkolonien) konnte auch in diesem Jahre 90 Kindern den Genuß und die Erholung eines Landaufenthaltes gewähren. Während 30 Kinder laut ärztlicher Vorschrift zur Stärkung der Gesundheit ein Soolbad aufsuchten, nahmen die übrigen 60 ihren Aufenthalt in Marienthal hinter Wandsbek. Das dort befindliche, zur Zeit freistehende Hotel wurde von dem Eigentümer in anerkennenswerther Weise der Verwaltung zur Wohnung für die Kinder zur freien Verfügung gestellt. Die hohen, luftigen Räume des Hauses sowie namentlich der herrliche Park sowie das naheliegende Wandsbeker Gehölz eigneten sich ganz besonders zum Erholungsort für schwache Kinder. Die Kinder standen während ihres Aufenthalts unter Aufsicht geeigneter Lehrkräfte, die Verpflegung geschah in ritueller Weise, jedoch genau nach ärztlicher Vorschrift. Das Resultat des diesjährigen Aufenthaltes war ein besonders günstiges. Die schöne Waldluft übte einen güten Einfluß auf die geschwächte Gesundheit der Kleinen. Freitag Nachmittag traf die jugendliche Schaar nach einem Aufenthalt von vier Wochen wieder in Hamburg ein; ihr gesundes, kräftiges Aussehen zeugte davon, daß sich während der vier Wochen ihr Körper bedeutend gestärkt hatte. Leider konnte auch in diesem Jahre eine größere Anzahl Kinder nicht berücksichtigt werden, da die der Verwaltung zur Verfügung gestandenen Geldmittel vollständig erschöpft waren. Bemerkt sei noch, daß der Verein die Absicht hat, mit Unterstützung einflußreicher Gemeindemitglieder ein eigenes Kinderheim in Cuxhaven zu errichten. — Der hier kürzlich verstorbene Bankier Philipp Fürst hat dem Altenhause sowie anderen wohlthätigen Stiftungen unserer Gemeinde die Summe von 10000 Mk. vermacht. O Köln, 13. August. Das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache unserer Gemeinde veröffentlicht seinen Bericht über das Jahr 1898. Die Zahl der Kranken belief sich auf 484 gegen 416 im Jahre 1897/98, die Zahl der Altersschwachen auf 39 gegen 37. Die für die Kranken geleisteten Berpflegungstage beziffern sich auf 10 337, die für die Altersschwachen auf 11195, also im Ganzen 21532. In der Poliklinik der Anstalt wurden 5583 Patienten behandelt. Obwohl der Vorstand bei der Aufnahme Altersschwacher in erster Reihe die Dürftigkeit und Würdigkeit berücksichtigt und daher zahlungsfähige Pensionäre mit eigenem Zimmer gar nicht mehr aufnimmt, konnte er doch auch einer größeren Zahl armer alter, würdiger Leute aus kleinen Landorten wegen Raummangels die Thore der Anstalt nicht öffnen. Die bei der Gründung der Anstalt vorgesehene Zahl der Plätze für Altersschwache ist seit Langem verdoppelt; aber eine weitere Vermehrung ist bei den jetzigen Raum- und Finanzverhältnissen unmöglich. Infolge der Gründung des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Köln" wurde der Vertrag mit dem Frankfurter Verein gelöst und dem erstgenannten die Krankenpflege in der Anstalt übertragen. Die langjährige verdiente Schwester-Oberin Frieda Brüll und deren bewährte Vertreterin Schwester Julie Strauß blieben aber durch Uebertritt in den neuen Verein der Anstalt erhalten. Mit diesen theilen sich vorläufig noch 5 Schwestern in die Pflege. Wie der Rechnungsabschluß zeigt, ergiebt sich wiederum für dieses Jahr ein beträchtlicher Fehlbetrag, bedingt durch die ge-