Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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*&?***+#-^ ^^-•'- f "••'-' -' . 63. Zchrgang. Nr. 33. Nerlin, 18. August 1899. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. £2 Berlin, 14. August. In der am 10. d. unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner stattgehabten Sitzung der städtischen Schuldeputation wurde über das Resultat der Verhandlungen mit dem Provinzial-Schulkollegium wegen der Frage der jüdischen Lehrerinnen Bericht erstattet, indessen aber ist hierüber noch kein Beschluß gefaßt worden. Ueber das Resultat der Verhandlungen ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Daraus schlossen die antisemitischen Blätter, daß das Ergebniß derselben den Wünschen des städtischen Kollegiums nicht entsprochen hätte. Wir fürchten fast, daß sie ausnahmsweise einmal Recht haben. £2 Berlin, 15. August. Der Bericht des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur an der Universität zu Berlin über die drei letzten Semester bietet ein erfreuliches Bild reger geistiger Thätigkeit. Der Bericht enthält zunächst den Rückblick auf das Stiftungsfest und eine schöne Rede des Herrn Zahnarztes Lipschitz zur Fahnenweihe des Vereins. Ueber die geistige Thätigkeit erfahren wir Folgendes: Es wurden in den letzten drei Semestern folgende Vorträge gehalten: Wintersemester 1897/98. Kand. med. Moses: Die Heilkunde in Bibel und Talmud. A. H. Kaud. phil. Cohen: Herder und das Judenthum. A. H. Zahnarzt Lipschitz: David Cassel über jüdische Hospitäler (Referat). Stud. jur. Jacobsohn: Die Humanität im Alten Testament. A. H. Dr. Warschauer: Die Religionsgeschichte des israelitischen Volkes bis zur Makkabäerzeit. A. H. Dr. Lucas« Sefer Chassidim. Stud. phil. Galliner: Das Buch Jona. Stud. med. Neumann: Tacitus über die Juden. Stud. jur. Levy: Geld- und Handelsgeschäfte der Juden im Mittelalter. Stud. rer. techn. Wittenberg: Die Musik bei den Juden. Sommersemester 1898: Stud. phil. Galliner: Ueber das erste Kapitel der Genesis. Stud. rer. techn. Wittenberg: Die Mathematik in Elia Misrachis Sefer Hamispar. Stud. phil. Galliner: Schleidens Schrift: Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter. Stud. med. dent. Rosenstrauch: Ueber Weissagung bei den Juden. Stud. pharm. Nathan: Die echten hebräischen Melodien. Dr.phil. Kellermann a. G.: Midrasch und orientalische Sage. Wintersemester 1898/99: A. H. Dr. Lueas: Die Epochen der biblischen mittelalterlichen Kritik bei Christen und Juden. Stud. phil. Galliner: L. Geiger: Briefwechsel Sachs-Veit (Referat). Stud. med. Salomon: Die Samaritaner: Lehre, Bräuche und Feste. Stud. med. dent. Neumann: Der schwarze Tod und die Judenverfolgungen. A. H. Dr. Kalischer: Jüdische Wanderredner im 18. Jahrhundert. Stud. jur. Badt: Die Judenemanzipation. Dozent Dr. Schreiner: Das Verhältniß des Judenthums zu den anderen Weltreligionen. — Die religiösen Ideen des Judenthums. Dr. phil. Kellermann: Der Begriff der Entwickelung in der Geschichte und seine Anwendung auf die Geschichte des Judenthums. Stud. jur. Badt: Der Bann im Judenthum. Dozent Dr. Schreiner: Die religiösen Einrichtungen des Judenthums. Der Verein zählt jetzt 47 alte Herren, 19 aktive und 8 auswärtige aktive Mitglieder. Wir wünschen ihm auch ferner gute Erfolge in seiner wahrhaft gedeihlichen Wirksamkeit. S2 Berlin, 15. August. Wir haben in Nummer 24 und 25 in einem längern Artikel die Verdienste der Juden um die Berliner Konfektion ausführlich besprochen. In diesem Aufsatze war auch davon die Rede, daß die Begründer der Sammetfabrikation in Preußen Juden waren. Im Anschlüsse hieran bringt jetzt die „V. Z." folgende interessante Ergänzungen: Die Samwetmanufaktur von David Hirsch war bereits unter König Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1731 begründet worden. David Hirsch erhielt laut Kabinetsordre vom 27. Januar 1731 für sich und seine Kinder ein Privilegium, auf zwölf Jahre, „daß außer seiner Sammetmanufaktur in den Königlichen Landen niemanden erlaubet sein solle, Sammt machen zu lassen." Zu Gunsten dieser Potsdamer Sammetmanufaktur wurden bereits in den Jahren 1737 und 1741 Einfuhrverbote für fremden Sammet in der Mark und Pommern veröffentlicht, jedoch mit Ausnahme der beiden Haupthandelsplätze Berlin und Frankfurt; den Juden ward allgemein verboten, andere als Potsdamer Sammete zu führen. Im Jahre 1745 wird durch Kabinetsordre vom 23. Februar zu Gunsten der Potsdamer Sammetfabrik ein erneutes Verbot bezw. eine hohe Jmpostirung des fremden Sammets erlassen. Die Einführung aller ausländischen Sammete und Velve znm „einländischen" Debit unterlag hinfort einem Import von 1 Thlr. pro Elle. Bis zum 10. April 1746 ist bereits eine neue Entscheidung des Königs ergangen, welche die Einfuhr fremden Sammets für die mittleren Provinzen des Staates überhaupt gänzlich verbot. Am 14. Juli 1746 erfolgte die Ausstellung eines Privilegiums für den Hoflieferanten Christian Friedrich Blume zur Anlegung einer Sammetfabrik in Berlin mit der ausdrücklichen Bemerkung: „Die Blumesche Fabrik in Berlin soll der Potsdamer Sammetfabrik des David Hirsch weder durch Debouchirung von Arbeitern noch hinsichtlich des Absatzes irgend welchen Abbruch thun." Beide Manufakturen, die zu Potsdam und zu Berlin, machten sich in der Folgezeit das Leben sauer, so daß der König wiederholt eingreifen mußte. Beide klagten iu der Folgezeit auch über ungenügenden Absatz, so daß der König unter dem 31. August 1749 wiederum eine Kabinetsordre zur Ergreifung von Maßregeln zur Bekämpfung des Schmuggels mit fremdem Sammet und zur Beförderung des Absatzes der inländischen Fabriken erließ. Die Blumesche Sammetfabrik wurde im Jahre 1765 von Gotzkowsky mit Genehmigung des Königs an Moses Ries verkauft. Stark im Niedergange begriffen, übernahm sieim Jahre 1785 Israel Markus, der sich mit dem Schutzjuden von Halle affoziixt hatte. Unter demselben Israel Markus ging die Fabrik im Jahre 1804 ein. „Auf dieser Fabrik", so schrieb der Geheime Finanzrath Kahle am 21. Oktober 1804, „scheint ein Fluch zu liegen. Alle die außerordentlichen Unterstützungen, die der Staat den Borbesitzern, Joh. Ernst Gotzkowsky, Moses Ries, der Kompagnie Israel Markus und von Halle, dem Israel Markus und zuletzt dessen Erben angedeihen ließ und die unmittelbare Sorgfalt, die Friedrich II. selbst darauf verwendet hat, sind ohne Erfolg verschwendet." £2 Berlin, 14. August. Wir haben in der vorletzten Nummer anläßlich des hundertsten Geburtstages von dem berühmten Berliner Fischkundigen Dr. Marcus Elieser Bloch gesprochen und erwähnt, daß er sich bei seinem Werke über die deutschen Fische der Unterstützung der Behörden zu erfreuen hatte. Hierüber giebt es eine merkwürdige Ueberlieferung. Wie u. a. der Münchener Zoologe v. Siebold in seinem Buche über die Süßwasserfische von Mitteleuropa (1863) anführt, habe nämlich Bloch auf seine Bitte um Mittheilungen der Kammern über die in ihren Bezirken befindlichen Fische, allenfalls auch um ein Exemplar der selteneren Sorten, folgenden eigenhändigen Bescheid Friedrichs des Großen erhalten: „Daß Er sich mit den Fischen beschäftigt, ist mir lieb; was Er von meinen Landräthen verlangt, ist dummes Zeug; was vor Fische in der Mark sind, das weiß ich, es sind Karpfen, Zander, Barsche und Aale; will Er etwa die Gräten zählen?" Der Berliner Akademiker und Professor der Zoologie Peters hat sich die Mühe genommen, der Sache auf den Grund zu gehen und über die Ergebnisse 1863 in der Akademie berichtet. Danach ist jenes drastische Schreiben in den Berliner Archiven, trotz der gegentheiligen Behauptung Siebolds, nicht zu finden, sondern nur ein anderes — freilich auch auf Ablehnung hinauslaufendes — vom 27. März 1781, worin es heißt, es sei unnöthig, von den Kammern eine Liste der Fische einzufordern; „denn das wissen sie schon allerweges, was es hier im Lande für Fische giebt. Das sind auch durchgehends dieselben Arten von Fischen; ausgenommen im Glazischen, da ist eine Art, die man Kaulen nennt, oder rvi? sie sonst heißen, die hat man weiter nicht; sonsten aber sind hier durchgehends einerlei Fische, die man alle weiß und kennt. Und darum