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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-11 · Heft 32 (11.8.1899) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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382 zeigt er sich als ein begeisterter Anhänger der Accentwissenschaft, in deren Geheimnisse er durch Aufsuchen von Parallelen und ausführliche Vergleiche eindringt. Wenn »ns Luzzatto nun mit der eigenthümlichen, regelmäßig wiederlehrenden Erscheinung bekannt macht, daß überall da, wo auf ‘■geilte indirekte Rebe folgt, dies durch verhältnißmäßig schwache Trennung derselben von "1&8 ausgedrückt wird (Exod. 12, 3 Athnach nicht unter sondern unter nH), wenn er in Gen. 50, 16 ans bem starke» Trenner ans erkennt, daß die Botschaft an Josef nicht direkt von den Brüdern, sonder» mit Hilfe eines Vermittlers gerichtet wurde, wenn er Gen. 18, 24 aus dem verbindenden Accent auf TlBDfi schließt, daß auch das Versglied als Fragesatz von abhängig ist, so sind uns diese Aufschlüsse unverhoffte und um so willkommenere Fingerzeige eines Erkläruugsweges, dessen vernünftige und aufmerksame Benutzung uns noch zahlreiche exegetische und hermeueutische Winke verspricht. Wir erkennen in den Accenten »nd ihren trennenden und verbindenden Abstufungen einen geheimnißvollen, aber vernunftgemäßen Kommentar zur heiligen Schrift. *) Allein andererseits beweisen uns solche in den Accenten ausgedrücktcn Erklärungen, daß eben die Accente diesen Erklärungen zu liebe dem biblischen Texte beigegeben worden sind. Zufall kann es nicht sein, daß wir diese Erklärungen in ihnen finden, andererseits sind sie unwiderleglich in ihnen enthalten, also mußten sie von einem oder mehreren Schriftverständigen hinzugesetzt worden sein. Ja, ich behaupte sogar: Wenn wir die hermeueutische Bedeutung der Accente nicht überkommen Hütten, so hätte die bloße musikalische für das Schriftverständniß häufig sehr wenig Werth gehabt, ja manchmal das Verständniß geradezu i» die Irre geführt oder gar Widersinn hervorgerufen. Wer je im ersten Buch Mosis, Kap. 30, Vers 35, die Worte CWiin tibi 817171 BVB *1B,1 nach den beisteheuden Accenten recitirt hat, wird mir zustimmen. Ich glaube, es muß für jeden Einsichtigen, der die Entwickelung sprachlicher Erscheinungen verfolgt hat, klar sei», daß meine Ansicht die einzig richtige ist, daß ursprünglich die Accente mit der musikalischen Rccitation gar nichts zu thun halten, daß sie vielmehr später erst in der bereits angedenteten Weise einem schon vorher gangbaren Melodiensystem (ja sogar mehreren!) untergelegt worden sind. Hermeueutische Feinheiten, die deutlich in den Accenten ansgedrückt sind, und die im Sprachgesang nie zum Ausdruck gebracht werden konnten, weil er sich mit der Klarlegung einfacher syntaktischer Verhältnisse seiner Natur nach begnügen muß, zeigen uns deutlich den Weg, den die geschichtliche Entwickelung der biblischen Accentuatio» gegangen ist. (Schluß folgt.) 0 Wir fügen noch einige interessante Punkte bei: Von zwei aufeinanderfolgenden verbindenden Accenten verbindet der erste stets die enger zusammengehörenden Worte, ebenso aber hat von zwei aufeinanderfolgenden Trennern der erste mehr Kraft als der zweite. Eine Parenthese ist stets von zwei Trennern umschlossen, deren zweiter stärker ist als der erste. Werden inhaltlich gleiche Worte in kurzen Zwischenräumen wiederholt, so stehen beim zweiten Male stärker trennende Accente. Vgl. auch II. Sam. 22, 8, wo die Accente nach dem Kethib gesetzt sind und nicht nach dem Keri! EUILLETON Air Abtrünnige. Eine Erzählung von Paula Faber. XVII. nphael, ich glaube, ich habe Ina mit den beiden Kleinen gestern in einem Wagen hier vorbeifahren sehen!" „Das ist wohl möglich, Mutter!" Die zwei lveiteren Jahre, die inzwischen verstrichen waren, hatten den Mann, der diese Worte kurz, beinahe abweisend herausstieß, gewaltig mitgenommen. Mit achtunddreißig Jahren völlig ergraut, machte er in seiner matten, gebeugten Haltung fast einen älteren Eindruck als seine kerzengerade vor ihm stehende Mutter. „Nun, und?" fragte sie scharf. „Gestern war Sonnabend!" „Die Kinder werden müde gewesen sein, und Ina wird es vergessen haben, daß sie gestern nicht fahren durfte," entgegnete er unruhig. „Mich dünkt, sie vergißt dergleichen in letzter Zeit recht häufig." „Und wenn sie es thut?" sagte er ungeduldig. „Wer denkt immer an alles? Ich werde übrigens mit ihr reden. Aber das sage ich Dir auch, Mutter, für all und jedes kann ich schließlich nicht auskoinmen. Die Kinder wachsen Hera», es wird immer schwerer, jegliches so zu halten, wie Du es verlangst. Bekümmere Dich doch nicht darum." „Ich gebe mir Mühe genug, nichts zu sehen, was ich nicht sehen soll!" Ihre Stimme llang bitter. „Wenn aber Deine Frau unmittelbar an meinen Fenstern vorüberfährt —" „Wie gesagt, Mutter, ich will Ina dieserhälb zur Rechenschaft ziehen. Aber glaub' mir, für Dich, für Deine Ruhe, wäre es besser, Du stelltest Deine Ansprüche etwas niedriger. Es hilft zum Schluß doch nichts. Du kannst das Rad der Zeit doch nicht rückwärts drehen." „Du bist ja heute außerordentlich belesen in schönen Phrasen," gab sie mit noch gesteigerter Bitterkeit zurück. „Willst Du mir nicht noch mit mehr dergleichen aufwarten? Etwa, „den Stein, den man nicht heben kann, den läßt man liegen"?" „Nein," versetzte er so heftig, wie sic ihn noch nie hatte sprechen hören, „das brauche ich nicht. Daß Du diesen Satz ohne mich kennst, hast Du bewiesen. Du hast den betreffenden Stein des Anstoßes seit dreizehn Jahren so liegen lasten, als habe er nie für Dich existirt." Sie war, >vie stets bei einer unerwarteten Anspielung auf ihre Tochter, znsannnengezuckt. Dann erwiederte sie mit ihrer gewohnten kühlen Gemestenheit: „Erlaube, daß ich Dir meine Verwunderung über den Ton, den Du anzuschlagen beliebst, ausdrücke. Ich bin nicht gewohnt, daß man mir auf diese Weise begegnet. Du scheinst mir sehr nervös zu sein." „Verzeih', Mutter, wenn ich mir eüvas zu Schulden komme» ließ. Aber ich bin wirklich, wie Du sagst, nervös, oder nein, mehr, beinahe aufgerieben in dem Bemühen, als Schutzwand zwischen Dir und den jüngeren Generationen zu stehen. Von Jahr zu Jahr wird's schlimmer. Und sieh, so lange ich da bin, wird die Sache wohl znsammenhalteu. Wenn mir aber einmal etwas znstoßen sollte —" „Raphael, Du bist krank; was fehlt Dir?" rief sie erschreckt, in der augenblicklichen Besorgniß alles andere vergessend. „Gar nichts als Ruhe," sagte er müde. „Aber höre, Mutier, da wir einmal offen gegen einander sind, kannst Du nicht in der That

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