Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1899)
- Date
- 1899-08-11
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 377 reichten Buche die nachgesuchte Genehmigung versagt habe, da „das Lesebuch von Heinecke auch in seiner jetzigen Gestalt für den Schulgebrauch nicht zugelassen ist". Nach längerer Debatte beschließt die Versammlung, daß der Vertreter der Stadt Bochum im Abgeordnetenhause, Herr Geheimrath Dr. Schulz, der seine Bereitwilligkeit hierzu erklärt hat, gebeten werde, in der Lesebuchfrage mit dem Herrn Minister zu verhandeln, um eine schleunige Erledigung der Angelegenheit herbeizuführen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung, Rechenschaftsbericht des Rendanten, Ertheilung der Decharge, ergreift der Vorsitzende das Wort, um eine genaue Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Verbandes im Jahre 1898/99 zu geben. Die ersteren beliefen sich einschließlich des am Schluffe des Jahres 1897/98 vorhandenen Kassenbestandes auf 3207,40 Mark, die letzteren hingegen auf 3125,08 Mark, so daß am Schlüsse von 1698/99 ein Kassenbestand von 82,32 Mark verbleibt. Die Herren L. Junkermann- und G. Posner- Bielefeld haben die Bücher revidirt und für richtig befunden; es wird daher die Decharge einstimmig ausgesprochen. Die seitherigen Revisoren werden auch für das folgende Jahr wiedergewählt. Zu Punkt 3 der Tagesordnung, Asylangelegenheiten, liegt ein gedruckter Bericht vor. Derselbe wird dahin ergänzt, daß die Gesammtsumme der bis heute gezeichneten Beiträge gegen 117 000 Mark beträgt. Da sich viele außerhalb des Aktionskomitees Stehende in hervorragender Weise an den Sammlungen betheiligt haben, wird beschlossen, denselben generell den Dank der Versammlung auszusprechen. Da Herr Herz- Essen sich persönlich für die Zuwendung von mindestens Mark 500 seitens einzelner Mitglieder der Synagogengemeinde Essen verbürgt hat, wird er mit einer Stimme zu den Berathungen über die Asylangelegenheit zugelassen. Vor Eintritt in die Berathung des Punktes 3b der Tagesordnung wurde nach längerer Debatte ein Antrag Dortmund, vertreten durch Herrn Elias-Dortmund, mit 42 gegen 7 Stimmen angenommen: „In das Statut des israelitischen Altersheims in Westfalen ist die Bestimmung aufzunehmen, daß 1. das Mersheim insofern in dauernder Verbindung mit dem Verbände der Synagogengemeinden Westfalens bleibt, als letzterem das Recht zusteht, mindestens zwei Mitglieder des Ausschusses, unter denen sich der jeweilige Vorsitzende desselben befinden mllß, in das Kuratorium zu delegiren; 2. die ordentliche Generalversammlung des zu schaffenden Altersheims stets im Anschluß an den ordentlichen Gemeindetag des Verbandes stattzufinden hat." Hierauf wurde über Punkt 3b der Tagesordnung verhandelt und nach längerer Debatte der Antrag des Aktionskomitees, die Synagogengemeinden der Kreise Essen, Mülheim a. d. Ruhr, Duisburg, Oberhausen und Ruhrort an das Asyl anzuschließen, einstimmig angenommen. Es gelangte nunmehr Punkt 3e der Tagesordnung, Erledigung der Grundstücksfrage, zur Berathung. Das Komitee hatte diesbezügliche Angebote aus Münster, Hamm, Borgholzhausen, Herford, Soest und Unna-Königsborn erhalten und dieselben eingehend geprüft. Der Referent, Herr Liebenfeld-Bochum, empfiehlt in längeren, erschöpfenden Ausführungen den Ankauf eines Grundstücks in Unna-Königsborn in Größe von ca. 1900 Ruthen zum Preise von Mark 18 200. Das Grundstück, welches bereits einige Herren des Komitees für eigene Rechnung angekauft hatten, um es für das Asyl zur Verfügung zu halten, entspricht in jeder Beziehung den weitgehendsten Anforderungen. Der Preis erscheint überaus niedrig. Nach längerer Debatte wurde mit sämmtlichen abgegebenen 53 Stimmen der Ankauf des Grundstücks in Unna-Königsborn in folgender von Herrn Rechtsanwalt Dr. Frankenstein-Bielefeld vorgeschlagenen Form beschlossen: „Die Versammlung bevollmächtigt das Aktionskomitee, aus den für das zu gründende Altersheim gesammelten Beiträgen an Herrn Frieve- Dortmund den Kaufpreis für das in Unna-Königsborn zu erwerbende Grundstück mit Mark 18 200 zu zahlen gegen die Verpflichtung des Herrn Friede, die Auflassung des Grundstücks nach Gründung des Asyls, d. h. nach erfolgter rechtsgiltiger Organisation desselben, an das Altersheim herbeizuführen." Das Aktionskomitee wird ferner ermächtigt, das zur Herstellung eines Zufuhrweges nach dem Grundstücke von der Massener Chaussee nothwendige Kapital gegebenen Falles zur Verfügung zu stellen. Einstimmig wird endlich folgender Antrag des Ausschusses, begründet durch Herrn. Freund-Dortmund, angenommen: „Der Ausschuß beantragt, die Generalversammlung wolle beschließen: das Asylkomitee soll zu allen seinen Sitzungen und zu allen Sitzungen seiner Subkommissionen den geschäftsführenden Ausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens einladen, von allen Protokollen dieser Sitzungen dem genannten Ausschuß Abschrift zukommen und alle Veröffentlichungen des Asykomitees von dem Vorsitzenden des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens mit vollziehen lassen. — Der von der Generalversammlung zn Herford laut Protokoll vom 12. Juni 1898 gefaßte Beschluß, daß der Ausschuß des Verbandes, sobald die Summe von M. 100 000 erreicht ist, eine Generalversammlung einberufen soll, wird dahin deklarirt, daß die Einberufung einer Generalversammlung auch in Zukunft bis zur erfolgten Wahl eines Kuratoriums durch den Ausschuß des Verbandes erfolgen soll." Darauf wird folgende Resolution Bochum einstimmig angenommen. „Da die in Aussicht genommene Gründung eines Asylvereins erst nach dem Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuches, also nach dem 1. Januar 1900, möglich ist, beschließt die Versammlung: das Asylkomitee setzt seine Thätigkeit zur Herbeischaffung von Geldmitteln fort, sorgt für Fertigstellung des Statutenentwurfs, erledigt soweit wie möglich die Konzesstonsfrage und fordert Entwürfe für den Bauplan ein. Der Statutenentwurf ist so frühzeitig fertig zu stellen, daß er spätestens am 1. November d. I. zur Kritik an die Gemeinden versandt werden kann. Sobald wie möglich wird eine Generalversammlung der Gemeinden berufen, in der durch Annahme des Statuts und Wahl des Kuratoriums die Gründung des Asylvereins erfolgt." Während der Verhandlungen über die Asylangelegenheit war in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters von Gelsenkirchen Herr Bürgermeister Breitenbach erschienen, welcher an die.Versammlung herzliche Worte der Begrüßung richtete und den Verbandsbestrebungen sowie den heutigen Verhandlungen guten Erfolg wünschte. Der Vorsitzende sprach Herrn Bürgermeister Breitenbach den Dank der Versammlung für seine freundlichen Worte aus. An den weiteren Verhandlungen nahm der Herr Bürgermeister mit sichtlichem Interesse Theil. Nunmehr giebt der Vorsitzende der Versammlung von mehreren inzwischen eingegangenen Begrüßungstelegrammen Kenntniß. Punkt 4 der Tagesordnung, Beamten-Pensionskasse des Verbandes. Nach dem von dem Vorsitzenden erstatteten Berichte beläuft sich das Vermögen der Kasse gegenwärtig auf Mark 4929,60. Die zu 4b vorliegenden Anträge Witten, Dortmund und Rothschild-Dortmund betreffs Abänderung der Statuten werden kombinirt, jedoch im weiteren Verlaufe der Verhandlungen von den Antragstellern zurückgezogen, nachdem der Ausschuß die Erklärung abgegeben hatte, daß er die von dem Gemeindetage in Herford einstimmig angenommene Deklaration zu den §8 12,1 und 24 des Statuts, welche dem Herrn Oberprästdenten gleichzeitig mit dem Statut zur Genehmigung eingereicht worden war, durch den Druck vervielfältigen und als Anhang des Statuts den Interessenten zugehen lassen werde. Punkt 4 e, Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes an Stelle des ausscheidenden Herrn Carl Frankenstein-Bielefeld, wird mit Punkt 5 der Tagesordnung, Neuwahl eines Ausschußmitgliedes an Stelle des verstorbenen Herrn Wolff Schönbeck-Nieheim, durch die einstimmige Wahl des Herrn Rechtsanwalts Dr. Frankenstein-Bielefeld für beide Aemter erledigt. Ad 6 der Tagesordnung wird der Anschluß der lippeschen Gemeinde Oerlinghausen an den Verband einstimmig genehmigt. Punkt 7 der Tagesordnung, Antrag Freund-Dortmund betreffs Unterstützung des Vereins „Esra" in Berlin seitens der Verbandsgemeinden. Herr Flörsheim-Dortmund begründet den Antrag in formvollendeter, mit lebhaftem Beifall aufgenommener Rede. Die Versammlung beschließt einstimmig: „In Anbetracht, daß der Verein „Esra" durch Ansiedelung von Juden als Ackerbauer in Palästina und Syrien an der "sozialen und wirthschastlichen Hebung zahlreicher vertriebener Glaubensgenossen mit Erfolg arbeitet, empfiehlt der Gemeindetag den Verbandsgemeinden, die Förderung der Ziele des Vereins „Esra" in den Kreis ihrer Wohlthätigkeitsbestrebungen aufzunehmen." Die Rede des Herrn Flörsheim über die Bestrebungen und Leistungen des genannten Vereins soll durch den Druck vervielfältigt und den Verbandsgemeinden zugestellt werden. Punkt 8, Wahl des Ortes für den nächsten Berbandstag. Auf Grund einer Einladung des Herrn I. Ostwald-Witten Namens der