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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-04 · Heft 31 (4.8.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Der Direktor der Kölner Fachschule, Professor. Dr. Romberg, beglückwünschte den Verein zu diesem herrlichen Gebäude, das Zeugniß ablege von idealem Sinne und den Beweis liefere, daß das Handwerk trotz aller durch Erfindungen der Neuzeit und maschinellen Betrieb vielen Gewerben erwachsene Schwierigkeiten noch immer einen goldenen Boden habe. Ein Choral beschloß die Feier, worauf eine Besichtigung des Baues unter Führung und Erläuterung des Herrn Regierungsbauinspektors Mareuse stattfand. Alle anwesenden Herren bewunderten die weitgehendsten Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Einrichtungen des Baues. Nachmittags 4 Uhr fand in den Räumen der Rheinlandloge ein Festessen statt. 8. Stuttgart, 25. Juli. Herr Ahlwardt hat fich gestern hier produzirt und eine seiner bekannten Radaureden gehalten. Es muß dem Rektor aller Deutschen im Norden recht „sengerich" gehen, wie der Berliner sagt, denn er verkündete am Schluß seiner Rede, daß er den Schwerpunkt seiner agitatorischen Thätigkeit nach dem Süden verlegen werde. Die Schwaben sollen wieder die Reichsfturmfahne der Bundschuh- Bewegung vorantragen. Man wird dem Erscheinen des politischen Hanswurstes aus der Bühne mit stiller Heiterkeit entgegensehen dürfen. Bemerkenswerth war auch noch seine Mittheilung, die Juden hätten ihn für 360 000 M. kaufen wollen; das hat der edle Mann, der Deutschland partout retten will, natürlich abgelehnt. Dafür gebührt ihm der Dank des Vaterlandes. Es ist übrigens kaum begreiflich, daß die Juden für so minderwerthige Objekte, wie Herr Ahlwardt eines ist, einen solchen Haufen Geld zahlen sollten. Aber fie haben's ja — wird der Herr Rektor sagen. v. Straßburg i. E., 28. Juli. Dr. Leo Arons in Berlin, der jetzt so viel von fich reden macht, ist hier ebenfalls mehrere Jahre an der Universität als Privatdozent thätig gewesen, und es wird von Interesse sein, zu hören, wie er sich neben seiner Thätigkeit als Gelehrter in sozialer Beziehung der vielfach mit Sorgen geplagten Menschheit nützlich zu machen gesucht hat. Hier war es das stille Wohlthun, das zuerst aufmerksam auf den Mann gemacht hat, dessen wohlthätige Handlungen seinen intimsten Freunden jedoch erst bekannt geworden sind, als seine Berufung nach Berlin bereits erfolgt war. Ganz im Geheimen suchte Arons hier die Wohnungen der Armen und speziell armer alter Wittwen, jüdischer wie christlicher, auf, um selbst zu sehen, zu hören und dann zu entscheiden, wie der Armuth zu helfen sei, namentlich durch regelmäßige, dauernde Beiträge zur Lebensführung, wobei er es niemals unterlassen hat, den sogenannten verschämten Armen seine Unterstützungen selbst in die Wohnungen zu tragen. Bei seiner Abreise nach Berlin übergab er einem Freunde seine hiefigen Armen mit den Worten: „Diese Leute find ja unschuldig an meiner Berufung nach Berlin, sie sollen nach wie vor, so lange sie leben, ihre Unterstützungen erhalten, nur bitte ich, daß Sie dieser und jener Frau das Geld regelmäßig selbst übergeben." So hat Dr. Arons hier gewirkt, und es bleibt keinem Zweifel unterworfen, daß nur die innigste Theilnahme mit dem Schicksal der leidenden Menschheit und das oft große soziale Elend den Mann bestimmt haben, mit seinem Wissen und Können sich der Sozialdemokratie, zum großen Leidwesen seiner vielen Freunde, öffentlich zur Verfügung zu stellen. Schwei;. o. St. Moritz, 27. Juli. Am 25. d. M. hatte der rühmlichst bekannte Dozent am Berliner Rabbinerseminar, der gelehrte Herr Dr. A. Berliner die Ehre einer fast einstündigen Audienz bei dem hier zur Kur weilenden Großherzog von Baden. Wir erfahren darüber folgende interessante Einzelheiten aus authentischer Quelle: Der hohe Herr hatte die „Geschichte der Juden in Rom" von Dr. Berliner mit herzlichem Dank angenommen und den Autor um die Details seiner Forschungen und Reisen mit sichtlichem Interesse befragt. Insbesondere interesstrte es den Großherzog, ob die Richtung der Forschungen Berliners die gleiche sei wie die des sel. Georg Ebers. Und mit nicht geringerem Interesse folgte er den Schilderungen aus dem jüdischen Leben in Italien, vor allem in Livorno und Rom. Bon besonderer Bedeutung war aber die Audienz durch die Aeußerungen des Fürsten über die schwebenden Zeitfragen. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Aeußerungen nicht wörtlich publizirt werden können; aber so viel darf wohl, ohne die Diskretion zu verletzen, gesagt werden, daß der Großherzog, dessen Humanität und Toleranz ja bekannt sind, mit hoher Anerkennung von den Juden in Deutschland sprach, insbesondere 3 •-- I van denen in Baden, die seiner besonderen Fürsorge sich erfreuen, daß | er die Bedrückungen und Leiden unserer Glaubensbrüder in den Ländern I des Ostens lebhaft beklagte, und daß er das Treiben der Partei, die Z den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben, mit voller Schärfe verur- ‘ j theilte. „Sie wird nicht mehr schaden, denn fie hört auf und ver- Z schwindet!" So lautete der Spruch des hohen Herrn über jene Be- J wegung. Dann erkundigte fich der Großherzog noch nach den Berliner 1 Gemeindeverhältnissen, erzählte von seinem Besuch in der Synagoge in I Amsterdam, ließ sich von Herrn Dr. Berliner die besonderen Verhältß nisse der jüdischen Separatgemeinden in Berlin und Karlsruhe, der ii jüdischen Hochschulen und Seminarien eingehend schildern. Bon großem 4 Interesse waren namentlich die Aeußerungen des Fürsten über den I Zionismus, da man ihn ja bekanntlich als einen besonderen Gönner dieser Bewegung auszugeben versucht hat. Aber es ging aus diesen | Aeußerungen mit voller Klarheit die Thatsache hervor, daß der Großi Herzog die Frage einzig und allein im Sinne der Kolonisation Palästinas | als einer Zufluchtsstätte für die unglücklichen Juden des Ostens auf- J zufassen geneigt war. Nach mehr als ^ständiger Unterhaltung ver- | abschiedete fich der Großherzog von Herrn Dr. Berliner in der gütigsten und leutseligsten Weise. So ist auch diese Audienz ein neues Zeugniß für den humanen und edlen Sinn des badischen Fürsten, den die Vorsehung noch lange erhalten möge zum Heile seines und des gesummten 4' deutschen Vaterlandes! i 1 Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 31. Juli. GemeinderathS- und Stadtraths- $ sitzungen find während der Ferien fistirt, allein auch in ihren Sommer- } frischen haben die würdigen Herren keine Ruhe, da die Arbeiter jede i Gelegenheit wahrnehmen, den Stadtvätern, die fich gar so sehr des :j Volkes annehmen, ihre Huldigung darzubringen. In welcher Weise dies 5 geschieht, illustrirt trefflich die Thatsache, daß die Befitzerin der Villa in Kalksburg, in der Strobach Sommeraufenthalt genommen, die Abflcht 4 hegt, dem Bizebürgermeister zu kündigen, da sich die Demonstrationen i gegen denselben arg fühlbar machen; auch Dr. Lueger entging vor j > einigen Tagen mit knapper Noth und nur durch rasches Davonfahren j unliebsamen Auftritten. — Der wegen Mitschuld an dem Prozesse in | der Polnaer Mordaffäre verhaftete Berthold Fried hat einen vollständigen Alibibeweis erbracht und ist aus der Haft entlassen worden. | — Vor Kurzem ist in dem böhmischen Städtchen Diwischau der dortige jüdische Gemeindearzt Jacob Grünberg im Alter von 88 Jahren j gestorben. Seit seinem 25. Lebensjahre versah er bis fast zu seinem j Tode ununterbrochen den ärztlichen Dienst in der Gemeinde und deren j Umgebung. Er war mit dem goldenen und silbernen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet und Ehrenbürger der Stadt. Sein Leichenbegängniß gab Zeugniß von der außergewöhnlichen Verehrung, deren sich dieser Arzt bei der dortigen Bevölkerung erfreute. Den Leichenzug eröffnete die katholische Schuljugend mit dem gesammten Lehrkörper, dann folgten die Zünfte mit trauerumflorten Fahnen, Veteranen, Feuerwehren des Ortes und Umgebung, die katholische Geistlichkeit, die Stadtvertretung und die gesammte Bevölkerung ohne Unterschied der Religion. — Herr Professor Dr. H. Müller macht uns darauf aufmerksam, daß nur der erste Theil der „Südarabischen Expedition der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien", das Vordringen in Südarabien über AzzLn, unbefriedigend verlaufen und die archäologische Ausbeute zwar nicht belanglos, so doch hinter den Erwartungen zurück-; geblieben ist, daß aber die linguistische Arbeit, bestehend in der Auf- | nähme der Mahra- und Socotrasprache, sowie die Durchforschung der Insel Socotra in topographischer, geologischer und biologischer Hinficht, wie nicht minder der Besuch des Weihrauchlandes an der Mahraküste zu bedeutenden wissenschaftlichen Resultaten geführt haben. Nicht zu vergessen ist auch die von Professor Müller unter Führung Mr. Burys | nach Ansab-Schabwa entsendete Expedition, die in ihren Erfolgen weit i glücklicher war als der erste Theil der Expedition. — Der Ministerpräsident hat die Herren Karl Perl und Heinrich Winternitz zu Ingenieuren für den Staatsbaudienst ernannt. 6. Budapest, 25. Juli. Einen bemerkenswerthen Artikel veröffentlicht der antisemitisch klerikale „Magyar Allam" nach einer jüdischen Wochenschrift, aus der Feder des hauptstädtischen Katecheten Andreas Csori, der dem Judenthum Gerechtigkeit widerfahren

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