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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-04 · Heft 31 (4.8.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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weisen sei. Da das informatorische Material, das Herr Triesch vorlegen konnte, der Versammlung absolut ungenügend erschien, so beschloß man, sich an die Jewifh Colonisation Association üm Auskunft zu wenden, mit Rücksicht darauf, daß dieselbe bereits eine Kolonie auf Cypern hat. Würden die Auskünfte befriedigend lauten, so soll alsdann erwogen werden, in welcher Weise diese Kolonisation unterstützt werden soll. Die Triefch'schen Projekte selbst wurden rundweg abgelehnt. §2 Berlin, 1. August. Vom Vorstand des Fortbildungsvereins „Montefiore" geht uns folgendes Schreiben zu: Berlin, 15. Juli. Sehr geehrter Herr! Unter den vielen Veranstaltungen, welche das reich entwickelte Berliner Vereinsleben für Unterhaltung und Belehrung geschaffen hat, findet fich doch keine einzige, die in der Reichshauptstadt jüdischen jungen Leuten, die der Schule bereits entwachsen sind und der Leitung und Beaufsichtigung des Elternhauses entbehren, angemessenen Verkehr in geistiger und sittlicher Beziehung bietet. Frühere Projekte, die stch in dieser Richtung bewegten, sind nach kurzem Anlauf ohne dauerndes Ergebniß geblieben. In der festen Ueberzeugung, daß ein derartiges Unternehmen gerade in unserer Zeit einem wahrhaften Bedürfniß entspricht, hat nun der Unterzeichnete Verein, der bereits auf eine 15jährige erfolgreiche Thätigkeit zurückblicken kann, stch entschlossen, seine bisher nur auf die Lehrthätigkeit beschränkte Wirksamkeit im Sinne seiner Aufgabe zu erweitern. Zu diesem Zweck hat er sich zunächst ein eigenes, vorläufig noch bescheiden hergerichtetes Heim in dem Hause Spandauerbrücke 6, linker Seitenflügel I. Treppe, begründet, woselbst neben den Lehrvorträgen durch ein Lese- und Gesellschaftszimmer auch für die Unterhaltung der Besucher Sorge getragen ist. Ermöglicht wurde uns dieses Beginnen durch eine hochherzige Jahressubvention der hiesigen jüdischen Gemeinde in Höhe von 300 Mark. Allein diese Veranstaltungen erfordern darüber hinaus einen Kostenaufwand, der unsere regelmäßigen Einkünfte weit übersteigt, und erlauben wir uns daher an unsere Glaubensgenossen die ergebene Bitte, unsere Bestrebungen durch Beitritt als Gönner sowie durch freundliche Spenden gütigst unterstützen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung: Der Vorstand, i. A.: Akiba R. Hartmann, Schönhauser Allee 186. Folgende Herren, die unserem Verein nahe stehen, such bereit, Auskunft über denselben zu ertheilen. Die Herren Dr. M. Hildesheimer, Professor Dr. I. Barth, Eli Lazarus, Rabbiner Dr. A. Rosenzweig, Dr. Ed. Biberfeld, A. Zamory. K. Aus Westpreußen, im Juli. Der kürzlich verstorbene allgemein geachtete Kaufmann Ernst Michaelis in Löbau hat der Stadtgemeinde daselbst 3000 Mark testamentarisch vermacht, mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Legats für bedürftige jüdische Kinder dieser Stadt verwendet werden sollen. — Ein Fest, wie es in kleineren Städten selten gefeiert wird, wurde am 2. d. M. von Herrn Kaufmann I. Jacoby in Neuteich, anläßlich der in Berlin stattgefundenen Vermählungsfeier seiner einzigen Tochter, für die Beamten und Arbeiter seines Geschäfts und deren Angehörige veranstaltet. Dasselbe begann mit einem gemeinsamen großartigen Essen, an dem 70 Personen Theil nahmen. Während des Mahles gab ein Beamter des Etablissements den Gefühlen der Verehrung für den Chef und dessen Familie Ausdruck und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf dieselben. Den Schluß des Festes bildete ein fröhlicher, bis in die Nacht hinein währender Tanz. Ein schönes, in unserer vom Rassenhaß aufgewühlten Zeit ein besonders erfreuliches Zeichen von gutem Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, den antisemitischen Verunglimpfungen faktisch widersprechend. — In einer nach den letzten amtlichen Mittheilungen des statistischen Büreaus angefertigten Zusammenstellung über das höhere Schulwesen in Preußen waren in den 27 höheren Lehranstalten in der Provinz Westpreußen bei einer Gesammtzahl von 6049 Schülern dem Religionsbekenntniß nach 4155 — 68,69 Prozent evangelisch; 1323 ----- 21,87 Prozent katholisch, 46 0,76 Prozent Dissidenten und 523 ----- 8,68 Prozent jüdisch; in den Vorschulen waren unter 789 Evangelischen, 140 Katholiken und 14 Disfiventen 77 Israeliten. Bon den 203 Schülern dieser Lehranstalten, welche im Laufe des Schuljahres 1897/98 die Reifeprüfung bestanden, waren 20 ----- 9,1 Prozent Israeliten. — Ein seltener Fall von großer, den Meister ehrender Kunstfertigkeit eines Königsberg er Glaubensgenossen dürfte von allgemeinem Interesse sein. Der Juwelier Herr Ludwig Aron dortselbst ist, wie berichtet wird, zum Kaiser befohlen worden, um ein Meisterstück der Goldschmiedekunst vorzulegen. Das interessante Schaustück besteht aus einer Staffelei, auf welcher in Silber Rominten mit dem kaiserlichen Jagdschloß und der Hubertuskapelle in herrlicher Ciselirarbeit dargestellt ist. Der Rahmen in Altvergoldung mit Jagdemblemen trägt in den vier Ecken Medaillons, aus welchen vier von Herrn Aron meisterhaft modellirte und getriebene Thierköpfe heraustreten. Die Köpfe stellen in genauester Porträtähnlichkeit den 44-Ender und den 16-Ender, welche der Kaiser bei seiner letzten Anwesenheit in Rominten erlegte, sowie einen Elch- und einen Eberkopf dar. Wir dürfen uns dieses Glaubensgenossen, der als Künstler als ein würdiger Nachfolger des kunstfertigen Bezalel angesehen werden darf, freuen. — Bei Verjüngst in Thorn stattgehabten Stadtverordneten-Ergänzungswahl der zweiten Abtheilung wurde Herr Rechtsanwalt Aronsohn wiederum zum Stadtverordneten gewählt. Diese Wahl ist insofern bemerkenswerth, als Herr Aronsohn seit Dezember vorigen Jahres zum dritten Male zum Stadtverordneten gewählt ist. Am 12. Dezember fand in der zweiten Abtheilung eine Ersatzwahl statt, deren Resultat — infolge Stimmenzersplitterung — eine engere Wahl zwischen Herrn Aronsohn und einem Baugewerksmeister Ulmer erforderlich machte, bei welcher der Erstere wiederum als Sieger hervorging. Es wurde hierauf von gegnerischer Seite Protest erhoben und die Wahl vom Bezirksausschuß für ungiltig erklärt. Nun schickt, wie bemerkt, das Vertrauen der Bürger Thorns Herrn Aronfohn abermals als Vertreterin die städtische Körperschaft. — Die Wahl des Kaufmanns Herrn Josef Goetz zum Vorsteher der Synagogengemeinde in Dirschau vom 1. September d. I. ab auf die Dauer von 6 Jahren und die der Herren Kaufleute Julius Levit, Gustav Josefsohn und Max Glück als Borstandsstellvertreter auf die Dauer von drei Jahren, ist vom Herrn Regierungspräfidenten zu Danzig bestätigt worden. — Der Stadtverordnete Herr Spediteur A. Lands Hut in Neumark wurde als Vertreter dieser Stadt für den westpreußischen Städtetag gewählt. — Zum Kantor in Schievelbein i. P. ist Herr Kantor Elias in Gollantsch gewählt worden. — In Pr. Friedland findet am 31. d. Mts. die Feier der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge mit folgendem Programm statt. 1. Choral: Will Gott das Haus nicht hilfreich bauen. 2. Festrede: Herr Rabbiner Dr. Grabowski- Konitz. 3. Gesang: Lobet Gott der Schaaren. 4. Verlesung der Urkunde rc. 5. Schlußwort und Gebet: Herr Kantor Rapp. 6. Gesang: Hallelujah. Näherer Bericht folgt. A Köln, 28. Juli. Die Einweihung des in herrlichster freier Lage am Brüffeler Platz mit einem Kostenaufwande von 150000 M. neuerbauten Lehrlingsheims fand am23. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, statt. Es hatte fich hierzu ein ansehnliches Auditorium, der Vorstand des Vereins zur Verbreitung der Handwerke unter den Juden, Vertreter auswärtiger Zweigvereine, Regierungsbauinspektor Marcuse, der Direktor der Kölner Fachschule Professor Dr. Romberg, Schulrath Dr. Brandenburg, der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde, beide Rabbiner, Oberlehrer Hermanns, Hauptlehrer a. D. Goldberg rc. eingefunden. Mit dem Choral: „Der Herr ist mein Hirt" wurde die Feier eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. Frank in gewohnter meisterhafter Weise die Weiherede hielt, die einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden hervorrief. Der gefeierte Redner schloß mit einem innigen Gebet, daß Gott, der Weltenbaumeister, dieses Haus segnen möge, auf daß tüchtige Handwerker, fleißige Gesellen und geschickte Meister daraus hervorgehen mögen. Demnächst sprach der Borfitzende der Kölner Abtheilung, Dr. Auerbach, über die hohen Ziele des Handwerkervereins, namentlich in unserer Zeit und für unsere Glaubensgenossen. Rabbiner Dr. David als Vertreter des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden des Hauptvereins Düsseldorf begrüßte die Versammlung und sprach über Humanität und Religion als Hauptpfeiler des geweihten Hauses und würdigte die Verdienste des Gründers des Vereins, des seligen Rabbiners Dr. Wedell. Der Präses der Synagogengemeinde Köln, Herr de Jonge, gab seiner Freude Ausdruck über die Gründung dieser Stätte, die humanitären Bestrebungen für das materielle und intellektuelle Wohl des Handwerkerstandes gewidmet sei, dankte insbesondere dem Vorsitzenden des hiesigen Vereins, Dr. Auerbach, der trotz seiner vielen Beschäftigung im ärztlichen Berufe, trotz seiner neuerdings in Anspruch genommenen Thätigkeit als Leiter des jüdischen Krankenpflegerinnenvereins, ungeachtet angestrengter Arbeit als Oberarzt des Asyls, doch noch Zeit und Kraft fände, stch unermüdlich den Interessen des Handwerkerstandes zu widmen.

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