Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-04 · Heft 31 (4.8.1899) · p. Seite 370

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228343--55682-3291909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 370 - Laveaux, Berlin 1785—1788, 635b. mit 216 Kupfern). Das Werk verdient nach Carus (Allg. Deutsche Biogr., Bb. II, 1875, S. 708) umsomehr Anerkennung, als Bloch baffelbe aus eigene Kosten erscheinen ließ. Ja, er ließ sogar seinen Sohn eine Reise durch die Schweiz, England, Holland und Dänemark machen, um die noch fehlenden Fische herbeizuschaffen. Bloch gerieth schließlich, da viele Subskribenten nicht bezahlten, in Geldnoth und sah sich genöthigt, den Druck des Werkes zeitweise zu unterbrechen. Die Bedeutung der Leistung Blochs wird am besten durch die Thatsache ins rechte Licht gesetzt, daß sein Werk volle 40 Jahre den Bedürfniffen der gelehrten Welt genügte und erst 1828 durch die 22 Bände umfaffende „Histoire naturelle ckes poissons" von Cuvier und Valenciennes überholt wurde. Aehnlich wie Linne in der Botanik sein Sexualsystem auf die Anzahl der Staubfäden gegründet hatte, gründete Bloch seine Systematik der Fische auf das numerische Prinzip, nämlich die Anzahl der Floffen, und schied die Unterabtheilungen nach den verschiedenen Stellungen der Brust- und Bauchfloffen. Cuvier nennt in der Vorrede zu seinen berühmten „Vorlesungen über vergleichende Anatomie" unter den „hervorragendsten neueren Zoologen" auch Bloch als einen derjenigen Naturforscher, welche eine innigere Verbindung der Naturgeschichte mit der Anatomie herzustellen strebten. So suchte Bloch eine genauere Kenntniß der Fische durch zahlreiche von ihm vorgenommene Zergliederungen zu vermitteln. Trotzdem lag seine Stärke auch in dem deskriptiven Theile der Ichthyologie. Da die eigentliche Anatomie der Fische damals noch in den Anfängen war, so konnten die zahlreichen Zergliederungen von Fischen nicht anders als „oberflächlich" ausfallen (G. I. Treviranus „Biologie" Bd. I. Gott. 1802, S. 293), bilden aber trotzdem ein rühmliches Zeugniß für Blochs Liebe zur Anatomie. Neben der Ichthyologie hat Bloch durch seine von der dänischen Akademie der Wiffenschaften preisgekrönte „Abhandlung von der Erzeugung der Eingeweidewürmer und der Mittel wider dieselben" (Berlin 1782, franz. Straßburg 1788) die Helminthologie gefördert, indem er nachwies, daß den verschiedenen Thierspezies verschiedene Eingeweidewürmer eigenthümlich sind. Seine mikroskopischen Untersuchungen lehrteil ihn, die Bandwurmarten als solche mit und ohne Haken zu unterscheiden, wonach sich auch die Behandlung der mit denselben behafteten Personen verschieden gestalten muffe. Den Aberglauben, daß der Mond irgend einen Einfluß auf den Abgang der Würmer habe, wies er sehr energisch zurück. Das Verzeichniß der übrigen zahlreichen naturwiffenschaftlichen Arbeiten Blochs findet man in dem „Neuesten gelehrten Berlin rc." von Schmidt und Mehring (Band I, Berlin 1785, S. 45—50). Bloch war Mitglied verschiedener gelehrter Gesellschaften Europas und genoß die Freundschaft zahlreicher hervorragender Persönlichkeiten. Während der erste Theil seiner „Naturgeschichte der deutschen Fische" der Prinzessin Amalie von Preußen gewidmet ist, tragen der zweite und dritte Band die glänzenden Namen: Sir William Hamilton und Daubenton! Innig befreundet ivar Bloch auch mit dem Oberkonsistorialrath I. E. Silberschlag, mit dem er zusammen den Müggelsee besuchte, von dem Beide eine noch heute lesenswerthe Beschreibung lieferten („Beschreiburig des Müggelsees" von I. E Silberschlag nebst Anhang von Dr. Bloch in „Schriften der Berliner Gesellschaft naturforschender Freunde", Band I, Berlin 1780, S. 36 - 55). Die große Fischsammlung, welche Bloch im Laufe seines Lebens mit großen Kosten zusammenqebracht hatte, bildete eine Berliner Sehenswürdigkeit. So schreibt W. von Humboldt unter dem 22. August 1795 an Goethe: „Noch habe ich das Bloch'sche Kabine! zu sehen, was allerlei Seltenheiten enthalten soll." (Goethes Briefwechsel mit den Gebrüdern von Humboldt, Leipzig, 1876, S. 7.) Die Sammlung wurde nach dem Tode ihres Besitzers von der preußischen Regierung angekauft und bildet heute einen Theil des Berliner Zoologischen Museums. Ueber den Tod und das Begräbniß des großen Naturforschers hat kürzlich Dr. Kayserling in Nummer 26 dieser Zeitung die folgende Notiz veröffentlicht: „Einer der ersten Juden, der als Kurgast verzeichnet ist, war der berühmte Ichthyologe Dr. Marcus Bloch, der am 6. August 1799 in Karlsbad starb, aber nicht dort, sondern in Lichtenstadt begraben wurde." („Erinnerungen aus Karlsbad.") Anton Graff, der große Dresdener Künstler, hat das Porträt Blochs gemalt. Beschließen wir diese kurze Skizze seines Lebens und Wirkens indem wir als den Grundzug deffelben bezeichnen: den auf das Ideale gerichteten Sinn, gepaart mit der selbstlosesten Liebe zum Wiffen. Der seltsame Gast. 1 Erzählung von I. Zangwill. V. fas nächste Mal ging ich am Samstag Abend hin und folgte mit Interesse dem Gottesdienst, welchen ich ursprünglich für eine Verschwörung gehalten hatte. Diesmal fing er mit Gesang an, in welchen Jedermann einstimmte, und an welchem auch ich mich mit aufrichtiger Unverständlichkeit betheiligte. Aber nähere Bekanntschaft überzeugte mich, daß ich mich auf ein gefährliches Feld gewagt hatte, daß ein Stubenmädchen, welches die Rolle einer Herzogin spielen wollte, kaum auf dünnerem Eis schreiten konnte als ich bei dem Versuch, als Glied jenes seltsamen Volkes zu gelten, das ein endloses Netzwerk einer alles umfastendeu religiösen Etiquette besitzt/ Zu meiner Freude entdeckte ich, daß ich meine Werbung fortsetzen konnte, ohne zur Synagoge gehen zu müffen, einem Ort völligen Verderbens; denn es scheint, die Spanier sind eine besondere Sekte und ungeheuer stolz auf ihre Geburt und ihre besondere Aussprache. Da , die RadowskiS Polen waren, so erwarteten sie nicht, daß ich mit ihnen den gleichen Gottesdienst besuchte, wodurch ich in der Lage war, meine Andachten in der Heiligen Kapelle von St. Vincent fortzusetzen. Auch half mir dies über manche heikle Momente hinweg, da die Polen über die religiösen Formeln ihrer spanischen Glaubensgenoffen nur unvollkommen unterrichtet waren. Daß man mich zweimal für einen Juden gehalten hatte, setzte mich in Erstaunen, denn meine physiognomische Verwandtschaft mit ihnen schien mir sehr schwach. Ohne Zweifel gaben mein fremdländisches Aussehen und meine dunkle Gesichtsfarbe mir eine oberflächliche Aehnlichkeit, und im Aussehen werden nur Aeußerlichkeiten bemerkt. Ich beschäftigte ' mich mit spanischer Geschichte und erfuhr dadurch, daß während der Verfolgungen der heiligen Inquisition viele Juden sich hatten taufen laffen, und daß manche dadurch den Flammen der Autodafes entgangen waren, daß sie Vorgaben, bekehrt zu sein, während sie heimlich ihre merkwürdigeu Gebräuche weiter beobachteten und ihren Nachkommen die Traditionen des Geheimnisses und des Judenthums überlieferten. Man nannte jene Unglücklichen Marannen. Vielleicht entstammte ich einer solchen Familie; aber in meinem Stammbaum, EUILLETON

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.