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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-08-04 · Heft 31 (4.8.1899) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
Seite 364 (sequence 4)
Language
German
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.-j w'- **rs vy ..« ’W 1,1 ^.PWPIWWP^^^ S64 Der stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Badt eröffnet die Versammlung mit einigen Worten schmerzlicher Erinnerung an den im Sommer 1898 verstorbenen Vorsitzenden Dr. Samuelsohn. Die Versammlung ehrt auf seine Aufforderung das Andenken des Heimgegangenen durch Erheben von den Sitzen. — Daraus folgt der Geschäftsbericht. Im Anschluß an denselben wird von Herrn Dr. Brann der Antrag gestellt, daß der Vorstand des Vereins der Unterstützungskasse an die Synagogen-Gemeindeverbände von Posen, Oppeln, Breslau-Liegnitz sich unter Einreichung des Jahresberichtes mit der Bitte wenden möge, für den Verein Propaganda zu machen. Dieser Antrag wird von der Versammlung angenommen. Ebenso wird der von Herrn Stadtrath Pringsheim gestellte Antrag, dasselbe Rundschreiben auch an die Rabbinerverbände Oberschlestens und Posens zu senden, angenommen. Die Versammlung erklärte ebenso ihr Einverständniß mit dem von Herrn Hamburger-Breslau beantragten Amendement, dieselben Verbände durch ein Schreiben zu bitten, daß sie die Lehrer zum Eintritt in die Unterstützungskasse ermuntern. Der Vorsitzende theilt mit, daß ihm vor wenigen Tagen von Herrn Stadtältesten a. D. A. Sachs, jetzt in Berlin wohnhaft, welcher schon früher der Kasse eine größere Zuwendung gemacht, für dieselbe 500 M. übergeben worden sind. Die Versammlung nimmt freudig und mit Ausdrücken des Dankes für diese hochherzige Gabe Kenntniß von dieser Mittheilung. Es folgt darauf die Rechnungslegung über den Bestand der Kasse. Der Vorsitzende bemerkte vorher, daß in diesem Jahre der Jahresbericht für zwei Jahre ausgefertigt wurde, weil im vorigen Jahre infolge der Krankheit des verstorbenen Vorsitzenden Herrn Dr. Samuelsohn derselbe unterblieben war. Zu dem gedruckt vorliegenden Bericht werden folgende Erläuterungen gegeben: Pensionen wurden entrichtet: 1897 1250,00 M., 1898 1503,10 M., Jahresbeiträge gingen ein: 1897 1609,00 M., 1898 1194,90 M., Geschenke gingen ein: 1897 — M., 1896 100,00 M., testamentarische Zuwendungen: 1897 1052,00 M. 1898 — M., das Vermögen betrug 1897 40661,70, 1898 41784,53 M. Die Revisionskommission verlas ihren Bericht über den Kassenbestand, die Einnahmen und Ausgaben wurden für richtig befunden und beantragt, dem Vorstand für die Jahre 1897 und 1898 Entlastung zu ertheilen. Dies geschieht von den Mitgliedern der Versammlung. Als zur Wahl des Vorstandes geschritten wird, erklärt vor Eintritt in dieselbe der bisherige Schatzmeister Herr Stadtrath Pringsheim, daß ihm sein vorgerücktes Alter sowie seine umfangreiche anderweitige Beschäftigung eine Weiterführung seines bisherigen Amtes nicht gestatten. Der Vorsitzende spricht sein Bedauern darüber aus und widmet Herrn Stadtrath Pringsheim im Einverständniß mit der Versammlung Worte dankbarer Anerkennung für seine großen Verdienste um die Unterstützungskasse. Durch Stimmzettel wurde der bisherige Vorstand wieder- und an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Stadtrath Pringsheim Herr Pfeffer- Breslau neugewählt. Dem Vorstand gehören somit an die Herren Professor Dr. Badt, Dr. Brann, Hamburger, Pfeffer (Schatzmeister), Herbst, Steiner, Tintner und Blumenfeld. Zu Revisoren wurden die Herren Geheimer Justizrath Freund, Kaufmann Baruch durch Akklamation wieder- und Herr Th. Oschinsky neugewählt. 3. Um 10 Uhr begann die Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. Anwesend waren als Mitglieder die Herren 1. Alexander-Breslau, 2. Bach-Myslowitz, 3. Professor Dr. Badt - Breslau. 4. Prediger Blumenfeld - Schweidnitz. 5. Borchardt -Samter. 6. Bernstein-Städtel. ' 7. Dozent Dr. Brann- Breslau. 8. Brock-Hirschberg. 9. Rabbiner Dr. Chodowski-Oels. 10. Cohn z. Zt. Breslau. 11. Dr. Doktor-Breslau. 12. Dr. Elbogen- Breslau. 13. Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo. 14. Graf-Breslau. 15. Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau. 16. Haase-Rofenberg (Oberschlesten). 17. Herbst-Lissa. 18. Krolik-Kosel. 19. Kstnski-Kempen. 20. Löwenthal-Groß Wartenberg. 21. Moops-Breslau. 22. Muschel- Cosel. 23. Fräulein Peiser-Breslau. 24. Rabbiner Dr. Rofenthal- Breslau. 25. Dr. Samter-Breslau. 26. Steiner-Groß Strehlitz. 27. Ster-Kempen. 28. Tintner-Bunzlau. 29. Translateur-Carlsruhe (Oberschlesien). 30. Rabbiner Dr. Wreschner-Samter. 31. Wolgang- Schwerin a. W. 1. Der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Badt, heißt die Versammelten herzlich willkommen. Vor Eintritt in die allgemeine Tagesordnung widmet er dem im Sommer v. I. dahingeschiedenen Ehrenvorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. Samuelsohn, einen warmen Nachruf, emor meat, weasseh harbeh, war das Prinzip des Verstorbenen, und danach habe er auch gehandelt. Dies gelte namentlich auch für die Unterstützungskasse, welche er im Verein mit dem Redner ins Leben gerufen habe. Zahlreiche Freunde und Gönner wußte er derselben zuzuführen. Er war das Bild eines wahrhaften Lehrers, eines Freundes der Jugend, der viel durch sein Beispiel gewirkt hat. Streng gegen fich war er in der Ausübung seiner Pflichten, aber tolerant gegen Andere. Er hat es verstanden, die so schwierige Stellung eines jüdischen Gemeindebeamten so auszusüllen, daß er allseitig sich großer Schätzung und Verehrung erfreuen durfte. Nicht leicht wird er wiederkehren, der Mann mit dem kindlichen Gemüth, der Begeisterung eines Jünglings und der Weisheit des Mannes. Auf Aufforderung des Vorsitzenden erhebt sich die Versammlung zu Ehren des Dahingeschiedenen von ihren Sitzen. — Der Vorsitzende weist noch auf eine Notiz in einem hier erscheinenden Blatte hin, das in pietätloser Weise, kurz nachdem das Grab sich geschlossen hatte, die Thätigkeit des Dahingefchiedenen zu verunglimpfen zu müssen glaubte. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung erklärte der Vorsitzende seinen Unwillen über ein solches Gebaren. Alsdann wird in die Tagesordnung eingetreten. Der Vorsitzende spricht sich zunächst über die Bortheile aus, welche durch Gründung des allgemeinen jüdischen Lehrerverbandes für die Gesammtheit geschaffen worden seinen. Unter anderem weist er auf das Reskript des Verbandes hin, betreffend Umwandlung jüdischer Privatschulen in öffentliche Schulen, auf die Verbindung des Verbandes mit dem D.-J. G.-B., dem ja schon vieles zu verdanken sei. (Bei dieser Gelegenheit begrüßt der Vorsitzende den Delegirten des D.-J. G.-B., Herrn Oschinsky.) Der Vorsitzende verbreitet sich weiter über die neu zu begründende Pensionskasse, über die Forderung, dem Lehrer Sitz und Stimme im Schulvorstand zu gewähren. Er erwähnt die Anregung des Verbandes betreffend Begründung einer pädagogischen Zeitschrift, welche die Fragen des jüdischen Religionsschulwesens in den Kreis der Erörterung ziehen soll, ferner die Anregung, den Gartenbau zu pflegen. Der Redner weist weiter auf die Frage des einjährig-freiwilligen Dienstes der jüdischen Lehrer hin, die leider bis jetzt keineswegs zu Gunsten aller jüdischen Seminarien entschieden worden sei. Eine Diskussion über einzelne Punkte wird bis nach der Probelektion verschoben, die vor den anderen Nummern des Tagesordnung schon jetzt stattfindet. 2. Die Probelektion wurde vom Kollegen Graf-Breslau mit den Mädchen von Klasse II der Religionsschule I, und zwar in den Anstaltsräumen, abgehalten. Die Versammlung begab sich zu diesem Zwecke dorthin. Es war der Spruch saurer aur u^vaure chauschech, ausseh schulaum uwaure es hakaul zur Behandlung gewählt, und daraus sollten verschiedene Religionslehren abgeleitet werden. In der an die Probelektion sich anschließenden Diskussion, die eine sehr rege war, ergriffen nach einander die Herren Dr. Freund, Borchardt-Samter, Brock-Hirschberg, Rabbiner Dr. Guttmann-, Dr. Rosenthal-, Dr. Brann-Breslau, Cohn-Ohlau, Dr. Wreschner-Samter das Wort. Allseitig wurde dem Referenten die Anerkennung zu Theil, daß die Ausführung eine gute gewesen sei. Von einzelnen Herren wurde jedoch bemängelt, daß der Zweck der Lektion — ob Religionsunterricht oder Uebersetzung — im Verlaufe der Behandlung unklar geblieben sei, ebenso, daß die Kinder in Betreff der Aussprache von mil-el und mil-ra keine genügende Sicherheit gezeigt hätten. Nachdem Kollege Graf einige gegen die Ausführung des Themas erhobene Bedenken zu entkräften versucht hatte, schließt der Vorsitzende die Diskussion mit Worten des Dankes an den Herrn Referenten. Auf Anfrage an die Versammlung erklärte Moops-Breslau sich bereit, für das nächste Jahr die Abhaltung einer Probelektion zu übernehmen. 3. Es folgt die Rechnungslegung der Kassenverwaltung. Unter Zustimmung der Versammlung beruft der Vorsitzende die Herren Kollegen Graf und Borchardt zu Revisoren. Diese prüfen die Jahresrechnung unter Zugrundelegung der Belege und haben sie für richtig befunden. Die Kasse zeigt einen Bestand von Mark 31,07. 4. Herr Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau erstattet nun Bericht über die Delegirtenversammlung des Verbandes der jüdischen Lehrervereine vom 26. Dezember v. I. Er bittet zunächst um Entschuldigung, das ihm gewordene Mandat nur unvollständig ausgeübt zu haben, da er am ersten Tage durch Berüfsgeschäfte verhindert gewesen fei. Der

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