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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-07-28 · Heft 30 (28.7.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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1. Januar 1899 588488 M. Zur Durchführung des menschenfreundlichen Unternehmens sind größere Mittel erforderlich, und hofft der Vorstand, daß dem Institut größere Legate zugewendet werden. LI. Hamburg, 24. Juli. Ein hochangesehenes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Moses M. Heilbut, Seniorchef der bekannten Bankfirma A. u. M. Heilbut, wurde am Freitag im 79. Lebensjahre plötzlich vom Tode ereilt. Der Verblichene bekleidete viele Ehrenämter, er gehörte dem Vorstand der Gemeinde, des Waisenhauses und vieler anderer Institutionen an, wo er überall eine außerordentlich segensreiche Thätigkeit entwickelte, besonders zeichnete sich der Verstorbene durch seine wirklich großartige Wohlthätigkeit aus. An der gestern Nachmittag stattgefundenen Beerdigung hatte sich eine zahlreiche Trauerversammlung betheiligt; unter den Leidtragenden bemerkte man viele Börsenbesucher, der Verblichene zählte zu den ältesten Wechselmaklern unserer Stadt, der Gemeindevorstand war durch die Herren M. W. Hinrichsen, Josef Schönfeld vertreten, außerdem bemerkten wir Herrn Generalkonsul Henri Lion sowie Delegirte der verschiedenen Institutionen unserer Gemeinde. In Abwesenheit des Herrn Oberrabbiners M. Hirsch hielt Herr Rabbinatsverweser Dr. S. P. Nathan die Trauerrede, der, anknüpfend an die Worte aus dem Buche Ruth Kap. 2, Vers 12, ein getreues Lebensbild des Dahingeschiedenen entwickelte. Die Beisetzung erfolgte auf dem alten israelitischen Friedhof am Gründel; in der Kapelle hielt noch Herr Stistsrabbiner H. Weiß einen kurzen Nachruf, während Herr Rechtsanwalt Dr. H. B. Levy dem langjährigen Freunde den letzten Scheidegruß widmete. Der einfache Sarg, der auf letzte Verfügung ohne jeglichen Blumenschmuck war, wurde hierauf der Erde übergeben. Er ruhe in Frieden! 0 Sondershausen, 24. Juli. In Nummer 28 dieser Zeitung heißt es unter Nah und Fern, daß ein Vertreter der Regierung bei der Generalversammlung des Verbandes thüringischer Thierschutzvereine in Arnstadt erklärt habe, daß ein Schächtverbot von Seiten der Regierung für unser Fürstenthum erlassen sei. Das ist ei-n Jrrthum! Allerdings hat das Ministerium das Regulativ für das dort errichtete Schlachthaus, worin für Arnstadt das Schächtverbot festgestellt, genehmigt; allein Landesgesetz ist es durchaus nicht und weder hier noch bei den übrigen Israeliten unseres Fürstenthuws eingeführt. Als vor einiger Zeit in unserem Landtag der Antrag gestellt wurde, die Thiere vor dem Schlachten zu betäuben, wurde derselbe abgelehnt, würde auch, wie von der Behörde versichert wird, nicht angenommen worden sein. Unser Rabbiner, Professor Heidenheim, hat sich pflichtgetreu und angelegentlichst bemüht, persönlich und schriftlich die Zurücknahme des Schächtverbots auch für Arnstadt zu erwirken, was ihm bis jetzt leider noch nicht gelungen, da man es der Stadt Arnstadt, wo noch vor wenigen Jahrzehnten keine Juden wohnen durften, zugestanden hatte; doch wurde ihm mündlich die Hoffnung gegeben, daß es über kurz oder lang noch geschehen würde. Von der liberalen Richtung unseres Fürstenhauses und der höchsten Behörden giebt wohl schon die Stellung unseres Rabbiners den besten Beweis. sgK Dortmund, 23. Juli. Gestern beging der Hauptlehrer Herr Rothschild sein 25jähriges Amtsjubiläum als Prediger der hiefigm Synagogengemeinde. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienft am Vormittag in der Synagoge, und war zu diesem Zweck der Rabbiner Herr Dr. Samuel aus Essen erschienen, welcher die Festpredigt übernommen hatte. Der Jubilar wurde durch den Vorstand der Gemeinde in das durch Laubgewinde schön geschmückte Gotteshaus eingeführt und während des vom Gesangverein „Liederkranz" vorgetragenen, der Feier angepaßten Chorgesanges auf seinen Platz geleitet. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich der genannte Vorstand nach der Wohnung des Herrn Rothschild und überreichte demselben in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um das jüdische Gemeinwesen einen von der Gemeinde gestifteten, wunderschönes silbernen Becher. Auch die Frauen hatten es sich nicht nehmen lassen, den Jubilar zu feiern, und war von dieser Seite eine Bibel, ein wirkliches Prachtstück, gestiftet worden und von einer Anzahl Damen, als Deputation, dem Gefeierten ausgehändigt. Eine größere öffentliche Feier fand Abends am Fredenbaum statt, welche durch einige Musikvorträge der Merkert'schen Kapelle eingeleitet wurde. Kurz nach Beginn des gemeinschaftlich eingenommenen Essens brachte der Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Adolf Elias, ein Hoch auf den Kaiser aus. in das sämmtliche Festtheilnehmer kräftig einstimmten und darauf stehend die Kaiserhymne fangen. In einer nach Form und Inhalt gleich vollendeten längeren Ansprache feierte hierauf der 2. Vorsteher, Herr I. Freund, den Jubilar und rühmte dessen hervorragende Eigenschaften und Verdienste um Schule und Gemeinde. Es folgten noch eine ganze Anzahl zündender Ansprachen, theils launigen, theils ernsten Inhalts, und konnte man bei dieser Gelegenheit so recht merken, welch außerordentlicher Beliebtheit sich der Gefeierte erfreut. Einen sehr guten Eindruck machte es, daß auch der Magistrat unserer Stadt ein Glückwunschschreiben gesandt hatte, in welchem Herrn Rothschild in seiner Eigenschaft als Lehrer Anerkennung gezollt wurde. Zum Schluß wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Gesangverein „Liederkranz" auch bei dem Festbanket einige Lieder vortrug, welche außerordentlich ansprachen und in hervorragendem Maße zur Verschönerung der Feier beitrugen. Wittlich, 24. Juli. Am 29. d. M. findet in Osann (Kreis Wittlich) die Einweihung der neuen Synagoge statt. Wittlich mit der Zahl von 50 jüdischen Familien hat es noch nicht so weit gebracht, sondern benutzt noch immer die alte Synagoge, obwohl ein Neubau sehr zu wünschen wäre; auch ein tüchtiger Kantor ist hier sehr nöthig, doch kann die Gemeindevertretung anscheinend nicht zum Entschluß kommen, was im Interesse des Gottesdienstes sehr zu bedauern ist. Hoffentlich wirkt das gute Beispiel der kleinen Nachbargemeinde auch hier. g. Ladenburg, 21. Juli. Die „Mg. Ztg. d. I." brachte die Nachricht vom Ableben unseres verehrten Rabbiners Dr. Hillel Sondheimer und einen warmen Nachruf für denselben aus Heidelberg. Bei der Bestattung war es leider keinem Vertreter des Lehrerstandes ermöglicht, zu reden, um Worte des Dankes und der Verehrung für den Verstorbenen auszusprechen, wie es nicht nur geziemend, sondern höchst erwünscht gewesen wäre. Die Religionslehrer der von Dr. Sondheimer bisher verwalteten Bezirke Heidelberg, Ladenburg und Sinsheim beschlossen daher, der Familie Sondheimer noch während der Trauerzeit eine Adresse zu überreichen. Lehrer Friedmann-Heckenheim hat deren Ausführung übernommen, und sämmtliche Lehrer haben dieselbe unterzeichnet. Am 13. d. M. begaben sich die Lehrer Billigheimer, Feudenheim, Eichstetter, Schwetzinger, Freitag, Ladenburg, Friedmann, Hockenheim, Hanauer, Steinsfurt, Heinemann, Rohrbach, Hahn, Walldorf, Rosenberg und Sinsheimer ins Trauerhaus, woselbst von der Familie die Wittwe Frau Dr. Sondheimer, Fräulein Sondheimer und Herr Dr. med. Sondheimer aus Frankfurt a. M. zugegen waren. Friedmann hielt eine kurze Ansprache, verlas die Adresse, die im Wortlaut hier unten folgt, und überreichte sie der Familie. Herr Dr. Sondheimer erstattete wärmste Dankesworte und gab auf Anregung der Lehrer die Zusage, solche s. Z. zu einer Trauerfeier am Grabe einzuladen, wenn das Grabdenkmal errichtet würde. Nachdem jeder Anwesende noch Worte des Beileids und Dankes an die trauernden Hinterbliebenen gerichtet, verließen sie das Haus, in welchem sie jederzeit einen erfahrenen, treuen und wohlmeinenden Berather und Freund gefunden hatten. Die Adresse lautet: „Hochgeehrte Frau Dr. Sondheimer! Am offenen Grabe unseres innigstgeliebten Bezirksrabbiners Herrn Dr. Sondheimer s. A. konnte es nicht ermöglicht werden, daß ein offizieller Vertreter der Lehrerschaft von der hohen Verehrung Zeugniß ablegte, die uns alle für denselben beseelt; deshalb nahen sich heute in ehrerbietiger Weife sämmtliche Lehrer des Rabbinatsbezirkes, um Ihnen mit Ihrer verehrt. Familie auf diesem Wege vor allem die wärmsten Gefühle innigster Theilnahme auszusprechen und dann wehmuthsvoll zu bekennen, daß auch uns der beste Freund und liebevollste Berather entrissen wurde. Herr Dr. Sondheimer s. A. bewährte sein warmfühtendes Herz und die rührendste Sorgfalt für die Interessen des Lehrerstandes. Er kämpfte und stritt in erster Reihe, um die Zukunft des Lehrers sorgenfreier zu gestalten, und mit Befriedigung erfüllte ihn der Beschluß der jüngst getagten Synode als wesentlicher Schritt zum Ziele. Im Verkehr mit ihm schwand die Schranke, die sonst zwischen Vorgesetzten und Untergebenen besteht, ohne die geringste Verletzung der Autorität. Er sprach es oft aus, daß die Organe, denen die Jugend anvertraut ist, nicht mit den Sorgnissen des Lebens kämpfen dürfen, und wer sich von uns mit sorgender Miene ihm genähert hatte, ging leichteren Herzens und frohen Muthes wieder an die berufliche Thätigkeit. Bon der weisen Erkenntniß durchdrungen, daß ein gut ertheilter Religionsunterricht zur sittlich-religiösen Kräftigung der Menschheit nöthig ist, und in Anbetracht des Umstandes, daß diesem

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