Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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mmmm iwwppww 63. Jahrgang. Nr. 30. GerUn. 28. ZuU 1899. 'Werkcrge zur „AUgemeinen Zeitung öes Iuöenlhums". - - -- ... r~>' .N-. - ■■■-■■„ in i , „ .. -.■■■ —i Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. *** Berlin, 24. Juli. Harmlose Deutsche ahnen gar nicht, wie weit der Einfluß der Alliance Israelite und die daraus folgende Verjudung Deutschlands reicht. Daß Kunst und Litteratur, Handel und Gewerbe, Presse und Theater, Liberalismus und Centrum, Sozialdemokratie und Regierung dem Judenthum dienstbar sind, haben wir unzählige Male in den antisemitischen Blättern lesen können. Jetzt kommt man mit einer neuen Enthüllung, die fast erschreckender ist als alle anderen. Die Mode wird den Deutschen von den Juden diktirt! Die „Deutschsozialen Blätter" des Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg stellen im Anschluß an Drumont fest, daß die verflossene Mode der Glücksschweinchen und die der Tournüren von den Juden den Ariern aufgedrungen worden ist. Aus Eigenem fügt dann ein „alter Burschenschafter" in dem Antisemitenblatte folgende Entdeckung hinzu: „Der eigentliche Zweck dieser Zeilen geht dahin, auf eine Mode bei uns aufmerksam zu machen, die die studentische Welt ergriffen hat und offenbar auf solchem jüdischen Einfluß beruht, eine Mode, die so häßlich, so abscheulich, so widerwärtig ist, daß es schwer zu begreifen ist, wie sie auf unseren Hochschulen hat Eingang finden können. Wir meinen die Form der Mütze und die Art, sie zu tragen. Sie ist für den Kopf zu klein, wird auf dem Hinterkopf getragen, so daß das Haar vorn nicht bedeckt ist, sondern auf die Stirn herabfällt. Damit verbindet sich eine etwas nach vorn gebeugte unschöne, dem Studenten nicht wohl anstehende Haltung, vielleicht eine Folge des Mützensihes. Die europäische Kopfbedeckung ist dem Juden bei seiner Schädelbildung unbequem. Er kann sie nicht gut tragen. Den Hut trägt er entweder auf dem Hinterkopf oder vornüber aufgesetzt und tief in die Stirn gedrückt. Da nun seit vielen Jahren die Zahl der jüdischen Studirenden in stetem Wachsen begriffen ist, so haben sie es durchgesetzt, daß in Korps, Landsmannschaften und Burschenschaften in dieser Beziehung Alles stch nach ihnen richtet. Was hatten wir einst in den vierziger und fünfziger Jahren für hübsche, kleidsame Mützen!" Germania, verhülle dein Haupt ob solcher Schändlichkeit! Ein Glück noch für uns Deutsche — bemerkt ein hiesiges Montagsblatt — daß wir in dem Organ des Herrn Liebermann v. Sonnenberg einen treuen Wächter für deutsche Sitte und die Unverfälschtheit arischer Kopfbedeckungen haben. So können wir denn im Vertrauen auf diese Säule deutscher Kultur mit einer in Rücksicht auf die Hitze und unsere Nachbarn etwas gedämpften Stimme fingen: Lieb Vaterland, magst ruhig sein! L2 Berlin, 23. Juli. Ueber die Mischehen in Preußen, speziell der Reichshauptstadt, erfahren wir folgende interessante Details: Gerade in der Zeit, da der Liberalismus am Ruder war, in der ersten Hälfte der 70er Jahre, waren die Mischehen nicht im Entferntesten so häufig, wie fie es jetzt find; erst mit dem Einsetzen der antisemitischen Strömung beginnt ihre Zahl zu steigen. Wenn wir die Statistik des 20jährigen Zeitraums von 1875 — 1895 in Betracht ziehen, so sehen wir, daß innerhalb dieser zwei Jahrzehnte in Preußen von Juden resp. Jüdinnen im Ganzen 50 000 Ehen geschlossen wurden. Von diesen 50 000 Ehen find über 5000 Mischehen, also mehr als 10 Prozent, und zwar ist dabei wohl zu beachten, daß, auf das Jahr gerechnet, die Zahlen seit 1875 andauernd und regelmäßig gestiegen sind. Noch ungünstiger stellt stch das Verhältniß, wenn man bestimmte Punkte der Monarchie ins Auge fast, so namentlich Berlin. In der Reichshauptstadt waren in den letzten Jahren die Mischehen bis zu einer Höhe von 25 Prozent gestiegen, d. h. jede vierte jüdischerseits in Berlin geschlossene Ehe war eine Mischehe! Berlin, 25. Juli. Der Auswandererverkehr auf dem Bahnhof Ruhleben bei Spandau hat seit Kurzem etwas nachgelassen, nachdem er vorher einen bisher noch nicht erreichten Umfang angenommen hatte. Schon lange war die Zahl der aus Rußland und aus Oesterreich-Ungarn kommenden Glaubensgenossen nicht so groß wie diesmal; sie stammten meistens aus Galizien, Kroatien und Südrußland; ein großer Theil von ihnen ging nach Kanada und nach Brafllien, der kleinere Theil nach den Vereinigten Staaten. Fast Alle hatten sie schon Angehörige jenseits des Ozeans. Viele hatten von den Vorläufern die Schiffskarte zugeschickt erhalten. Die große Mehrheit der Auswanderer waren Ackerbauer, nur ein kleinerer Theil Handwerker. 8. Berlin, 24. Juli. Entgegen der Meldung hiesiger Tagesblätter find wir in der Lage, aus ganz authentischer Quelle mittheilen zu können, daß der in dem Saale der Gesellschaft der Freunde (Potsdamerstr. 9) bisher abgehaltene Festgottesdienst an den hohen Festtagen auch in diesem Jahre bestehen bleibt. L2 Berlin, 23. Juli. Unsere Notiz, betreffend antisemitische Sommerfrischen, hat zu einem komischen Mißverständniß Anlaß gegeben. Wir hatten in unserer Liste auch „Herrenalb" genannt. Die in Berlin erscheinende antisemitische „Deutsche Zeitung" druckte die Liste mit der Empfehlung ab, daß diese Sommerfrischen „judenrein" seien, und erhält nunmehr von einem Antisemiten einen zornigen Brief, in dem dieser mittheilt, er sei auf Grund der Empfehlung in das angeblich „judenreine" Herrenalb gereist, habe dort die Bekanntschaft eines Herrn gemacht, der sich später als Rabbiner entpuppte, und sei mit demselben in ein Restaurant zum Mittagessen gegangen, das sich als „Koscher- Speisewirthschaft" auswies, „worauf ich schleunigst flüchtete" — schreibt der Herr an den Herausgeber der „Deutschen Zeitung", die den Brief in ihrem Briefkasten abdruckt. GD Görlitz, 19. Juli. Heute feierte, der allseitig beliebte und verehrte Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Dr. Freund, seinen 70. Geburtstag. Geistig und körperlich völlig rüstig, kann der Jubilar auf eine 43 jährige Amtslhätigkeit in der hiesigen Gemeinde zurückblicken. Während dieser langen, segensreichen Zeit war er nicht nur seiner Gemeinde ein treuer Seelsorger, seinen Glaubensgenossen ein wahrer Freund in Leid und Freud, er hat stch auch im öffentlichen Leben Verdienste und Anerkennung erworben. Dr. Freund ist langjähriger Schriftführer und Vorsitzender des Görlitzer Volksbildungsvereins und hat in diesem wie in anderen Vereinen durch Vorträge belehrend und bildend gewirkt. Innerhalb der Gemeinde begründete er den „Wohlthätigkeitsverein der Synagogengemeinde" und ist seit 1870 Vorsteher des „Frauenhilfsvereins". Zahlreiche Ovationen find dem Jubilar von der Gemeinde, der „Viktoria-Loge", seinen Schülern, Freunden rc. am heutigen Tage als Zeichen der Hochachtung- Liebe und Verehrung dargebracht worden. M. Hamburg, 17. Juli. Das Altenhaus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, eine der segensreichsten Institutionen, hat soeben seinen Jahresbericht erstattet. Aus demselben geht hervor, daß dre Erweiterung des Gebäudes, die im Jahre 1898 vorgenommen worden ist, ein dringendes Bedürfniß war und für die Weiterentwickelung des erst kurze Zeit bestehenden Instituts von weitgreifender Bedeutung sein wird. Im November 1898 wurde mit dem Erweiterungsbau begonnen, im März 1899 fand bereits die Richtfeier statt, und im Herbst wird für weitere 15 Pfleglinge Raum vorhanden sein. Die höchste Zahl war bisher 22, in Zukunft werden also 37 bedürftige alte Leute Unterkommen finden. Der vorhandene Baufonds war Ende 1898 67225 M., ünd da zur Herstellung und Ausrüstung des Erweiterungsbaues 100000 M. erforderlich sind, wird der Kapitalfonds der Stiftung noch bedeutend in Anspruch genommen werden müssen. Naturgemäß wachsen aber auch die allgemeinen Ausgaben, die für jeden Pflegling etwas über 710 M. jährlich betragen, die Jahresbeiträge werden bei Weitem nicht ausreichen. Die Einnahmen haben im Jahre 1898 20118 M. an Zinsen, 4767 M. an Jahresbeiträgen und 4138 M. an Legaten und Geschenken betragen, die Ausgaben betrugen 19289 M. Sie werden jedoch in Zukunft nach dem Prozentsatz der Steigerung der Insassen von 22 aus 37 etwa 32000 M. erfordern. Das Gesammtvermögen betrug am üiüüü