Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228342--55659-3291885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
352 gelehrt worden ist, vaterländische Gesinnung und Betätigung, verbunden mit inniger Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben, urfler der israelitischen Schuljugend wie in den israelitischen Gemeinden weiter pflegen und immer mehr heben. Die beifällig aufgenommene Eröffnungsrede schloß mit einem Kaiserhoch, das begeisterten Widerhall fand. Herr Dr. Prager sprach Namens des Vorsteheramts der Israeliten zu Kassel dem Vorsitzenden den Dank aus für die freundliche Begrüßung und gäb der Konferenz die Versicherung, daß das Vorsteheramt bestrebt sei, den Lehrern eine sorgenfreie Existenz zu schaffen und ihnen ihre Schaffensfreudigkeit zu erhalten. Ein Gleiches that auch Herr Dr. Munk Namens des Marburger Borsteheramts. Gleich herzliche Dankes- und Begrüßungsworte sprach der Vertreter des Hauptausschusses des hessischen Volksschullehrervereins, Herr Rabe, dessen zündende und wohlthuend berührende Worte mit besonders lebhaftem Beifall beantwortet wurden. Nunmehr ernannte der Vorsitzende das Büreau, und zwar zu seinem Stellvertreter den Unterzeichneten Amram sowie zu Protokollführern die Ausschußmitglieder Spiro und Schwarzschild, für welchen, da er am Erscheinen verhindert war, der stellvertretende Vorsitzende eintrat. Es folgte nun durch den Vorsitzenden die Verlesung des Jahresberichts, in welchem hervorgehoben wurde, wie die Vorsteherämter für die Forterhaltung solcher Schulen, welche in ihrer Existenz irgendwie gefährdet seien, sich stets angelegentlichst verwendet haben, und wie auch der Ausschuß dieser Angelegenheit seine Aufmerksamkeit zuwendet. Im Anschluß hieran werden die Kollegen ersucht, von allen die Allgemeinheit interessirenden Vorkommnissen in Lehrerwelt, Schule und Gemeinde dem Ausschuß Mittheilung zu machen. Weiter nahm der Bericht Bezug auf die Drucklegung des von Amram im vorigen Jahre zu Fulda erstatteten Referates über die Entstehung und Entwickelung der israelitischen Schule im Regierungsbezirk Kassel und gab der Genugthuung über die zahlreiche Betheiligung der israelitischen Kollegen an der Jahresversammlung des hessischen Volksfchullehrervereins zu Hofgeismar beredten Ausdruck. Der jüngst erschienene 34. Jahresbericht der „Achawa" gab dem Ausschuß Veranlassung, den Konferenzmitgliedern recht warm ans Herz zu legen. Jeder für sein Theil mitzuarbeiten an dem weiteren Emporblühen dieses überaus segensreich wirkenden Unterstützungsvereins für israelitische Lehrer, Lehrerwittwen und Waisen. Es wird betoüt, daß die „Achawa" am Ende des abgelaufenen Jahres außer 84 Jahrespensionen im Betrage von 15244 Mark auch noch aus dem Reservefonds an außerordentlichen Unterstützungen den Betrag von 1639 Mark bewilligen konnte. Wenn nun, so führt der Jahresbericht weiter aus, jedes aktive Mitglied nur ein oder zwei neue Ehrenmitglieder im Laufe eines Jahres gewinnen würde, was doch bei einem nur einigermaßen ernstlichen Willen gewiß jeder Lehrer in seinem Kreise vermag, so würde die „Achawa" ein ganz Erhebliches mehr zu leisten in die angenehme Lage versetzt werden. Der Bericht theilt sodann mit, daß bei der ersten Wiederkehr des Sterbetages des seligen Dr. Stein, dessen Nachfolger im Amte, Herr Dr. Lazarus, am Grabe eine erhebende Gedenkfeier veranstaltet und der Vorsitzende seine im vorigen Jahre gehaltene Gedächtnißrede — durch den Druck vervielfältigt — an die Konferenzmitglieder vertheilt habe. Zum Schluffe widmete der Bericht Worte innigen Gedenkens den itn Laufe des Jahres verstorbenen Kollegen Levi-Hofgeismar, der bis 1868 dem Ausschüsse angehört hat, Boley-Mansbach und Müller-Frankershausen, deren Andenken die Versammlung in der üblichen Weise ehrte. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete der Vortrag des Unterzeichneten Spiro über: „Patriotismus nach Bibel und Talmud". An biblischen Beispielen zeigte Redner, wie in Bezug auf Patriotismus, Tapferkeit und Opfermuth das Volk Israel keinem Volke des Alterthums nachstand. Wie es vielmehr für sein Vaterland und den angestammten Glauben ein Martyrium auf sich nahm, das kein anderes Volk so schwer und so andauernd ertragen und überdauert hätte. Und solch treue Liebe zum Vaterlande und den nationalen Gütern sei durchaus bei den Israeliten nicht erloschen, sondern werde in unseren Schulen aufs Sorgfältigste gelehrt und gepflegt. An zahlreichen in Bibel und Talmud enthaltenen gesetzlichen Vorschriften und Lehren zeigte Redner dann, wie es des Juden heiligste Pflicht sei, das Land, dem er als Bürger und Unterthan angehört, als sein Vaterland zu betrachten, dem all seine Liebe angehören müsse, und dessen Landesfürsten er Verehrung | und Treue, den Landesgesetzen wie den Behörden Gehorsam schuldig sei, ja daß, wo das Wohl des Vaterlandes es erfordert, das Staatsgesetz als Gottesgesetz angesehen werden müsse. Reicher Beifall, dem der Vorsitzende beredte Worte lieh, ward dem Referenten für seinen Allen aus dem Herzen gesprochenen Ausführungen zu Theil. Bei der Diskussion gab Herr Dr. Prager seiner Freude darüber Ausdruck, auf Grund der Ergebnisse der durch ihn vorgenommenen Schulvisitationen konstatiren zu können, daß der Patriotismus, wie ihn der Referent mit solch wohlthuender Wärme geschildert habe, in den israelitischen Schulen seines Bezirks auch wirklich überall gepflegt werde. Nachdem der Kasstrer, Oppenheim-Treysa, den wenig erfreulichen Kassenbericht vorgetragen und Entlastung erhalten hatte, und für die nächste zu Marburg stattfindende Jahresversammlung Herr Stein- Naboldshausen das Referat und Herr Stahl-Falkenberg das Korreferat über: „Die Pflege des religiösen Sinnes bei der Jugend" übernommen hatten, trat eine halbstündige Pause ein. Nach Ablauf derselben wurden die vvrliegenden Anträge berathen und zunächst gemäß einem von Oppenheim-Treysa begründeten Ausschußantrage der Jahresbeitrag von 75 Pfennig auf 1 Mark erhöht. Ein zweiter von dem Unterzeichneten Amram vertretener Ausschußantrag auf Einsetzung einer Kommission zur Vorbereitung der 4. Auflage des Dr. Stein'schen Lesebuches für israelitische Schulen rief eine lebhafte Besprechung hervor, die sich theils mit der Sache selbst, theils auch mit den der Familie des seligen Dr. Stein an dem Lesebuch zustehenden Rechten befaßte. Die Besprechung endete mit Annahme des Antrages nach den Vorschlägen des Referenten, wonach die Kommission aus den Mitgliedern des Ausschusses und 5 weiteren, von Letzteren demnächst zuzuwählenden Konferenzmitgliedern bestehen soll. Ein von Stein-Raboldshausen gestellter Antrag auf zweitägige Dauer der Jahresversammlungen wurde vom Antragsteller zurückgezogen, ebenso ein Antrag Löwenstein-Fulda auf Ausstellung von Vereinssatzungen. Es folgten nun noch einige Mittheilungen des Ausschusses, die zwar zum Theil von größerer Wichtigkeit waren, aber einen mehr internen Charakter trugen und sich auf die Erhaltung solcher Schulen, deren Bestand wegen ihrer geringen Schülerzahl gefährdet erscheint, sowie auf den Militärdienst der israelitischen Lehrer, auf die Ferienordnung und auf die Pflege der Kollegialität unter den Lehrern bezogen. Der seitherige Ausschuß wurde durch Zuruf wiedergewählt, womit die Tagesordnung ihre Erledigung gefunden hatte. Der Vorsitzende schloß mit herzlichen Abschiedsworten die 31. Jahresversammlung, worauf Brandes-Oberaula demselben für die umsichtige Leitung den Dank der Versammlung aussprach. An die Versammlung schloß sich ein im Hotel Meier eingenommenes Mahl an, bei welchem der Vorsitzende das Kaiserhoch ausbrachte, während Oppenheim-Treysa auf den Vorsitzenden toastete. Auf frohes Wiedersehen in Marburg! Die Schriftführer: Amram-Borken (I. V.). Spiro-Schenklengsfeld. Gleiches Uecht für Alle. " Von Dr. M. Stern. s ist neuerdings hier und anderwärts vielfach mit Nachdruck gefordert worden, wir Israeliten dürften mit Stolz darauf Hinweisen, daß dies Fundament aller Gerechtigkeit in der menschlichen Gesellschaft vor Jahrtausenden schon in unserer Thora gelegt und bei jeder Gelegenheit von Neuem proklamirt wurde (2 B. M. 12, 49. 3. B. M. 17, 10 ff. 18, 26. 19, 33 f. 22, 18. 24, 22. 25, 35 f. 4. B. M. 9, 14. 15, 14 ff. 19, 10. 35, 15. 5. B. M. 24, 14 f. 17 f. 31, 12). In diesem hochherzigen Sinne ward vom Sinai herab (2. B. M. 20, 10) schon die Sabbathruhe dem Fremdling im Lande sowie den Eingeborenen zuertheilt und dies immer von Neuem zum Gesetz erhoben (ibid. 23, 12. 5. B. M. 5, 14), ihm auch gleich dem Armen, der Wittwe und Waise die