Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1899)
- Date
- 1899-07-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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reichte demselben sodann ein Sparkassenbuch über eine namhafte Sumnie. Dann erschien der Vorstand der Brüdergemeinde, welcher einen kostbaren Tafelaufsatz widmete, und der Wohlthätigkeitsverein ebenfalls mit einÄn hübschen Angebinde. Die Zahl der im Laufe des Vormittags eintreffenden Glückwunschadressen war ebenfalls keine geringe. & & Homburg v. d. H., 4. Juli. Der in weiten Kreisen uy^d auch den Lesern dieser Zeitung durch seine eifrige Thätigkeit auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit bekannte Herr Louis Lehmann feierte heute seinen 70. Geburtstag. Durch sein uneigennütziges Wirken im Interesse seiner Vaterstadt und der israelitischen Kultusgemeinde, deren Borstandschaft Herr Lehmann in den Jahren 1876-79 angehört hatte, erwarb sich der Jubilar viele Freunde und Verehrer aus allen Schichten der Bevölkerung und legten die vielen schriftlichen und telegraphischen Glückwünsche sowie sinnige Geschenke Zeugniß ab, wie groß die Zahl seiner Anhänger ist. Unter den eingegangenen Briefen befand sich auch ein solcher des Vorstandes vom Lehrerunterstützungsverein „Achawa", worin derselbe dem Mitbegründer und mehrjährigen Vorstandsmitglied des Vereins seine herzlichen Glückwünsche darbrachte. Ein schönes Gedichst, welches Namens des israelitischen Holzvereins und des Vereins zur Ausstattung israelitischer Mädchen ihrem Vorsteher gewidmet worden ist, erregte besonderes Interesse. Leider gestattet uns der knappe Rautzr nicht, dasselbe ganz zu veröffentlichen. Im Verwandten- und Freundes, kreise fand Nachmittags eine kleine Festlichkeit statt, bei welcher Gelegenheit in schönen Toasten und Vorträgen die Vorzüge des Jubilars hervorgehoben wurden. Mögen die Glückwünsche alle in Erfüllung gehen und Herr Lehmann noch viele Jahre im Vollbesitze seiner körperlichen und geistigen Kräfte sein menschenfreundliches Wirken ausükM können. K Birkenfeld, 7. Juli. Auf Anregung und unter Leitung des Herrn Landrabbiners Dr. Loevy haben sämmtliche UnterstützungKkassen für israelitische Durchreisende im Fürstenthum vom 1. Juli d. I. ab sich zu einem Kassenverbande zusammengeschlossen/ um den Wanderbettel durch geeignete Maßnahmen energisch zu bekämpfett. Der Berbandsvorort, an welchem auch die Kasse verwaltet wird, ist in diesem ersten Rechnungsjahre Sötern. Dem Verbände, dessen Bestrebungen in der sozialen und moralischen Hebung der dem Wanderbettel Verfallenen durch eine zweckmäßige Aushilfe und Mitwirkung zur Einrichtung von Arbeitsnachweisen und Arbeitsstätten gipfeln, wird sich voraussichtlich bald ein verzweigtes Netz von Nachbargemeind-n anschließen. i. Chemnitz, im Juli. Seit einiger Zeit besteht hier unter Leitung des Herrn Kantors Goldberg ein Synagogenchorverein, dessen Wirksamkeit eine gedeihliche genannt werden darf. Derselbe zählt bereits 72 aktive Mitglieder. Der Gottesdienst mit Chor und Orgel genügt allen Ansprüchen, ist feierlich und würdig. Derselbe ist regelmäßig gut besucht. Am Sonnabend Morgen findet ein Jugendgottesdienst nach der Berliner Agende statt. Der Synagogenvorstand hat' die Leistungen des Herrn Goldberg durch ein Dankschreiben anerkannt und auch sein Gehalt erhöht. •A. Köln, 11. Juli. Das Vereinswesen in hiesiger Gemeinde ist zur hohen Blüthe, fast zur Vereinsmeierei emporgewachsen. Neben den verschiedenen Wohlthätigkeits-, Wohlfahrtseinrichtungen, Chebros-, Handwerker-, Talmud-Thora-Bereinen rc., die für das materielle und intellektuelle Wohl hiesiger und auswärtiger Gemeindemitglieder eine rege, anerkennenswerthe Thätigkeit entfalten, hat sich kürzlich hier ein Verein junger Leute gebildet Odebrat Laeburim genannt, der den Zweck verfolgt, Geselligkeit und Freundschaft zu pflegen, auch allgemeine und speziell jüdisch-religiöse Kenntnisse zu verbreiten. Ferner ist ein Bereits geplant, der den Namen „Israelitischer Verein zur Ausübung religiöser Pflichten" auf seine Fahne geschrieben, eine zwar löbliche Tendenz, deren thatsächliche Ausführung aber bei dem immer mehr zunehmenden Jndifferentismus unserer Zeit, dem die herrlichsten Predigten und die luxuriösesten Gotteshäuser nicht Einhalt zu bieten vermögen, zu bezweifeln ist. Trotz dieser Vereins- und Einigkeitsbestrebungen herrscht' doch namentlich in liberalen Kreisen eine gewisse Unzufriedenheit darüber^ daß die Repräsentantenversammlungen stets den Charakter geheimer. Sitzungen haben, da Niemand außer den Gemeindevertretern, selbst nicht' ein Vertreter der Presse, zu den Berathungen zugelassen wird. Ob man hierzu auf Grund des Statuts berechtigt ist, wissen wir nicht, woht aber, daß in anderen, besonders größeren Gemeinden eine solche Exklusivität nicht statthaft ist. Das würde man dazu sagen, und welche gerechte Entrüstung würde es Hervorrufen, wenn in einer Stadtverordnetensttzung dem Publikum der Zutritt verwehrt würde? Muß nicht jegliches Interesse an den religiösen Institutionen einer Synagogengemeinde erlöschen, wenn deren Mitglieder nur die Rolle stummer Zahler spielen? — Vergangenen Sonntag hielt der Rabbiner Dr. Plato in der Synagoge der orthodoxen Gemeinde einen Trauergottesdienst zu Ehren des verstorbenen Rabbiners Dr. Hildesheimer; in der Hauptsynagoge (Glockengasse) hob Herr Dr. Rosenthal die Bedeutung dieses Gelehrten als Mensch und Israelit im Anschluß an die Sabbathpredigt rühmend hervor. 52! Heidelberg, 16. Juli Spät, doch hoffentlich nicht zu spät, sende ich Ihnen über unseren verstorbenen Bezirksrabbiner Dr. Sondheimer noch einige biographische Notizen. Derselbe ist, wie Sie schon mitgetheilt haben, am 16. v. M., erst 59 Jahre alt, verschieden. Ein Mann von hervorragender Befähigung, ein erfolgreicher Vorkämpfer für die innige Durchdringung altjüdischer und deutsch-nationaler Kultur unter seinen Glaubensgenossen, ist mit ihm dahingegangen. Seine Begabung wurde schon früh anerkannt. In dem jugendlichen Alter von 22 Jahren wurde er bereits Bezirksrabbiner in Gailiygep. Nach Inkrafttreten der neuen Staatsverwaltungsorganisation von 1863 ernannte ihn das Ministerium des Inneren zum Mitglied des Bezirksraths, ein Amt, zu dem höchst selten Geistliche berufen zu werden pflegen. Seit 1872 Bezirksrabbiner in Heidelberg, vereinigte er bald auch die Bezirksrabbinate Sinsheim und Ladenburg in seiner Hand. Besonders warm nahm er sich der Schulen und Lehrer an. Mehrere von ihm verfaßte Schulbücher, die zum Theil zahlreiche Auflagen erlebten und in fremde Sprachen übersetzt wurden, trugen seinen Namen bis in die fernsten Gegenden. Seine königliche Hoheit der Großherzog anerkannte seine Verdienste 1884 durch Verleihung des Zähringer Löwenordens 1. Klasse und 1869 durch Ernennung zum Mitglied der Religionskonferenz des großherzoglichen Oberraths, in welcher Stellung er den umfassenden Aufgaben, die dieser Behörde durch die Einführung der Synodalverfassung erwachsen sind, mit Hingebung und Thatkraft sich gewidmet hat. Bei der am 19. v. M. stattgehabten Beerdigung des allzu früh Verstorbenen betheiligten sich alle Kreise der Heidelberger Bürgerschaft sowie eine große Zahl von Verehrern aus Nah und Fern. Der Oberrath war durch mehrere Mitglieder vertreten. Auch die staatlichen und städtischen Behörden sowie die protestantische und katholische Geistlichkeit Heidelbergs erwiesen dem Heimgegangeyen die letzte Ehre. Die Grabrede hielt der dem Verstorbenen befreundete Bezirksrabbiner Dr. Eschelbach er von Bruchsal. Mit warmen Worten schilderte derselbe Charakter, Leben und Wirken des Entschlafenen, insbesondere dessen Verdienste durch Herausgabe der erwähnten Schulschriften. Hierauf widmete Konferenzrabbiner Dr. Steckelmacher von Mannheim Namens des großherzvglichen Oberraths und der Kollegen dem Verblichenen Worte der Trauer und des Dankes. Er rühmte namentlich die auch in der Stellung eines Konferenzrabbiners stets bekundete musterhafte Pflichttreue des Verewigten, seine organisatorische Begabung und sein redliches Bestreben, das Judenthum in unserem Lande im Sinne des Lichtes und der Läuterung zu fördern. Insbesondere hob der Redner auch die Unerschrockenheit hervor, mit der der Hingeschiedene allerwegen für seine Ueberzeugung eingetreten ist. Nachdem noch Bezirksältester Netter in Heidelberg für die Bezirkssynagoge und Synagogenrath Carle bach für . die israelitische Gemeinde Heidelberg und deren mannigfache Vereine dem verehrten geistlichen Führer dankerfüllte Abschiedsworte nachgerufen hatten, wurde die irdische Hülle der Erde übergeben. Die Gewißheit aber nahm wohl Jeder, der andererhebenden Feier Theil genommen, mit, daß das Andenken des Verklärten ein gesegnetes bleiben wird. — Die im Synagogenbezirk Heidelberg, mit Ausnahme der israelitischen Gemeinden des Amtsbezirks Weinheim, und im Synagogenbezirk Sinsheim vorkommenden Rabbinalsfunktionen werden von Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher in Bruchsal, die im Synagogenbezirk Ladenburg sowie in den israelitischen Gemeinden des Amtsbezirks Weinheim vorkommenden Rabbinalsfunktionen werden von Rabbiner Dr. Oppenheim in Mannheim versehen. GD Karlsruhe, 17. Juli. Das Verordnungsblatt des großherzoglichen Oberrathes der Israeliten in Baden bringt folgendes Rundschreiben, die Invaliden Versicherung der israelitischenSchächter