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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-07-21 · Heft 29 (21.7.1899) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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»MWPW! wkw ip ■JUWWJUUM >^MW>«M»WWWMWWM 348 was heißt Glück? Heute stelle ich diese Frage. Emanuel würde vermuthlich etwa darauf erwiedern, das Vorhandensein sämmtlicher Bedingungen zur harmonischen AuSlebung des Daseins. In dtzn Sinn wäre ich nie glücklich gewesen, denn die Dissonanz zwischen der Mutter und mir hat immer und immer schwer aus mir gelastet. Und außerdem hat mich jetzt schon seit lange die Angst um meines Mannes Gesundheit verzehrt. Sonst aber, wenn ich mit Emanuel zusammen bin, ihm etwas thun oder'leisten kann, fürwahr, dann bin ich so glücklich, wie ein Mensch es zu sein vermag. Nur, sieh, ich kann leider wenig für ihn thun. Für seine wissenschaftliche Thätigkeit bin ich ihm nichts nütze; da leistet ihm sein Herr Fischer, nein, schon der grünste, unreifste Student, der seine paar Semester Philosophie gehört hat, mehr als ich. Da heißt es nun eben, sich bescheiden. Ich wiederhole es nochmals, was ist subjektives Glück? Etwas, worunter ein Jeder etwas Anderes versteht, ein nichtiger Traum, ein Begriff, der ein Vermächtniß vergangener Generationen ist, und der, gleich einem verderblichen Irrlicht, die Menschen aus ihrem friedlichen Dasein hinaus auf die Jagd nach dem Unerreichbaren lockt. Ich glaube, man kommt dem vollkommenen Glück ajn nächsten, wenn man sich selbst gänzlich vergißt und Tag für Tag so unermüdlich schafft und wirkt, als wolle man in der darauffolgenden Nacht die Augen für immerdar schließen. Zu arbeiten haben, seine Arbeit mit ganzer Kraft thun, Keinem zur Last, und vor allem Jemandem zum Nutzen sein, das ist meine Vorstellung vom Glüch. Und das ist mir geworden, denn, soweit ich es zu beurtheilen vermag, ihm dort," sie wies nach dem Nebenzimmer, „wäre ich, wenig, wie ich ihm zu sein im Stande bin, schwer zu ersetzen. Und wenn ich meinen Glücksbegriff »och etwas ausdehnen will, das Nächste, wcS ich wünschte, wäre, daß ihm das Augenlicht wiedergegeben würde. Sag' mir, Alphons," ihre Worte kamen stoßweise und rauh vor innerer Angst, „ich habe absichtlich bis jetzt nicht nach Deinem Urtheil gefragt, aber, was meinst Du?" Er entgegnete nichts. Durch ihre ganze Gestalt lief ein Schauer. „Sag' nichts mehr," fuhr sie nach kurzer Pause mit völlig klanglos gewordener Stimme fort. „Du hast geantwortet. Nun, dann mutz es also getragen werden." Er legte die Hand auf ihre Schulter. „Liebe, geliebte Regina, Dn darfst mein Schweigen nicht falsch auffassen. Ich überlegte vor allem soeben, wie ich Dir antworten sollte, ohne voreilige, vielleicht nicht erfüllt werdende Hoffnungen zu wecken. Bedenke, ich bin ja außerdem kein Spezialist. Aber auch Lindenberg hat Dir doch gesagt, die Entscheidung steht bei Gott allein!" (Forts, folgt.) Der Salon 1899. Von M. Friedeberg. tIV. cm den Bildhauern in der Wiener Gruppe interessirt hier nur Ka en, der die Büste seiner Mutter sehr lebensvoll dargestelfi hat. — Unweit der beiden Wiener Säle finden wir in Saal 39 noch ein intereffantes Bildniß des Geh. Raths Dr. Lessing von Henriette Mendelssohn. Die mächtige hohe Stirn, die energisch „jüdische" Nase, das scharf und klug blickende Auge sind vortrefflich wiedergegeben. Joseph Michael-Berlin ist mit einem auch in den illustrirten Katalog aufgenommenen Bildniß des Herrn Akos Lüszlö vorzüglich vertrete». Auch das entzückende Kinderbildniß von Ernst Nelson-Berlin, dessen Porträts wir an dieser Stelle schon öfters hervorheben konnten, schmückt den illustrirten Katalog. Wenn wir noch das Pastellbild eines Knaben von Betty Wolfs in Berlin und das zum 70. Geburtstag Friedrich Spielhagens gemalte Bildniß des Dichters von Arthur Weiß, Berlin, erwähnen, glauben wir unsere Referentenpflicht gegenüber der großen akademischen Ausstellung gewiffenhaft erfüllt zuhaben und begeben unszurSezession. Wie den Katalog der „Deutschen Kunstausstellung der Berliner Sezession 1899" symbolisch das Bild eines Jünglings schmückt, der mit gewaltiger Kraftanstrengung einen Felsblock fortzuwälzen sucht, so können wir zunächst den Meister — es ist Max Liebermann — beglückwünschen, dem dieser große Wurf der Berliner Sezession gelungen, die ihre erste Ausstellung durch die Opferwilligkeit einiger hochherziger Berliner Kunstfreunde im eigenen Hause eröffnet hat. Wie Liebermann sich selbst von dem akademischen Zopf der offiziellen Malerei in seiner Jugendperiode befreite und aus dem steifen Prunk der Berliner via triumplmlis, in deren nächster Nähe er aufwuchs, hinauszog zur freien Natur, so wollte er mit seinen Freunden „im Vertrauen auf die siegreiche Kraft der Jugend", wie es in dem Vorwort des Katalogs heißt, den Modernen und jedem künstlerischen Talent, in welcher Richtung es sich auch offenbarte, eine Stätte schaffen. Viele bewährte Kräfte haben sich dem Unternehmen angeschloffen; so treffen wir denn auch viele alte Bekannte, Künstler aus unserer Glaubensgemeinschaft von hohem Ruf, dieses Mal in der Sezession. Auch einige ältere Werke sind vorhanden, dieselben haben indeß kunstgeschichtlichen Werth gerade an dieser Stelle, wie die einst als zu realistisch verschrieenen „Waisenmädchen in Amsterdam" mit ihren schmucken weißen Häubchen von Max Liebermann und das aus der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre stammende Oelgemälde von Adolf von Menzel „Studie eines alten Juden", ein glänzendes Zeugniß, wie getreu Menzel die Wahrheit der Natur und Rembrandts Helldunkel in jener Epoche studirt, die u. a. auch das luftige Jnterieurmotiv der alten Prager Synagoge hervorgebracht hat. Sehr glücklich vertreten ist von Künstlern, die wir sonst in der „Akademischen" bewunderten, Simon Glücklich-München mit seinem Genrebild „Der Roman"; nicht minder glänzend die uns sonst als Bildnißmalerin sehr vortheilhaftbekannte Malerin Julie Wolf-Thorn mit der Landschaft „Herbstabend". Gute Porträts haben ausgestellt Susanne Goldschmidt-Berlin und Moritz Posener-Wilmersdorf, G. Mosson- Berlin und namentlich Josef Op p e n h e i m e r - München, der neben einer Beleuchtungsstudie „Im Atelier" eine „Porträtgruppe" gesandt hat, wie wir sie in gleicher Vortresflichkeit selten gesehen haben. Diese jüdische Familie, Vater, Mutter und Sohn, die der Künstler in inniger Gruppirung uns vorführt, stellt nicht nur den „edelsten Raffetypus" des Judenthums dar, wie Ludwig Pietsch sagen würde, sondern sie gewährt uns namentlich bei dem Elternpaar durchgeistigte Züge von höchstem universellen Werth. Diese Menschen haben viel empfunden, gedacht und gelitten, — das sehen wir auf den ersten Blick, und daß wir mit ihnen empfinden, daß ngmentlich Die, welche es angeht, sich sagen, diese Mutter hier trägt die Züge einer feinen, edlen jüdischen Frau, mit der wir unwillkürlich sofort sympathisiren, das ist der große Triumph des Künstlers. — Edm. Edels-Charlottenburg „Im Börsencafe" ist bekannt. Von plastischen Werken ist des trefflichen Max Levi „Mutter und Kind" wegen seiner vorzüglichen Ausführung zu erwähnen. Sehr ähnlich ist Hildebrandts Porträtbüste des bekannten Mitgliedes der Berliner Akademie der Wiffenschaften, des Mathematikers Leopold Kronecker. Die etwas hängende energische Unterlippe erinnert an Disraeli, die mächtige Stirn, das schlichte Haar und alles Beiwerk ist vortrefflich. Viel ließe sich noch von dem neuen Unternehmen, der Sezession, erzähl doch es fehlt der Raum. Hoffen wir auf ein Wiedersehen im nächsten Jahre! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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