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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-07-21 · Heft 29 (21.7.1899) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 29 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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-S44- Orthographie entbehrt. Auf diesen Dichter trifft die Klage zu, die ein anderer Poet in seinem „Bajazzo" schon vor Jahrzehnten angestimmt. Dort klagt der Held, daß er ein Sproß sei von jenem Stamme, an dem der Wurm der Verfolgung durch Jahrtausende genagt, daß sein Vaterland das Land sei, das einst so stark und mächtig und dessen Stern nun so tief gefallen, nämlich Polen, und zu diesem Doppelelend kam bei dem Helden des „Bajazzo" wie dem Jargondichter im New-Uorker Ghetto das dritte, der Dichtung Flamme, die allezeit ein Fluch gewesen und geblieben ist. Vom Orient die Phantasie Und in der Brust des Slaven Feuer, Wie flammte meine Seele froh, Entquoll ein Lied der goldnen Leyer. Wie rang in Wehmuth mir das Herz Bei des Sarmaten weichen Klagen, Wie schwang der Geist sich himmelwärts Bei meiner Väter Wundersagen. Wie flammte da im Zwielichtschein Der alte Schult im fahlen Glanz; Ein Pole und ein Jude sein. Das ist des Unglücks Doppelkranz! Das Unheil trägt das Lied im Schooß, Gesang verscheucht die Nachtgesichter. Des Polen und des Juden Loos Umschlangen mich — ich ward ein Dichter! Weder die Taufe. Einige Bemerkungen zu Sudermanns „Johannes". Von Dr. I. Kohn in Jnowrazlaw. I. s fehlt heute nicht viel, und man sagt bald anstatt: „Vom Regen in die Traufe" — „Vom Regen in die Taufe". Man will durch die Taufe aus dem Judeuthum heraus und kommt doch durch die Taufe erst recht ins Judenthunr hinein. Aeußerlich und innerlich! Aeußerlich zeigt alle Welt auf den charakterloseil Juden, der seinem Glauben untreu geworden, seine Brüder verlassen, das Andenken seiner Ahnen, seiner Eltern entweiht, vie Heiligthümer seines Volkes verschmäht und verworfen uild deir eigenen Kindern das Kostbarste und Heiligste im Leben, die Religion, das Erbe der Väter geraubt. Oder wird etwa mit der Taufe der Name Jude abgewaschen? Wird dieser Name am Täufling nicht erst recht zum Schand- und Brandmal? Der Täufling geräth also vom Regen in die Traufe. Er will den Namen „Jude" nicht in Ehren tragen und trägt ihn in Schmach und Schande. Also äußerlich! Und nun erst innerlich! Wenn der Täufling wüßte, daß die Taufe tief im Judenthum wurzelt, daß sie dem Judenthum entsprossen und entsprungen, ja, daß sie geradezu einen religiösen Akt des Judenthums bedeute! Was ist die Taufe? Und was bedeutet das Wort Taufe? Wir wollen das Wort erst sachlich und dann sprachlich erklären. „Um diese Zeit trat Johannes der Täufer auf lind predigte in der Wüste Judäas und sprach: Thut Buße, denn das Himmelreich naht sich. Da zog zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordans und ließen sich von ihm im Jordan taufen und bekannten ihre Sünden". . . Hier, im Evangelium (Matthäus 3, 1—6) finden wir zum ersten Male das Wort Taufe und den Akt der Taufe. Die citirte Stelle läßt keinen Zweifel darüber, daß die Taufe nichts anderes als das in der Bibel so oft und vielfach vorgeschriebene R e i n i g u n g s b a d für die mannigfachen Unreinen sei, und Taufe und Lustration identisch seien. „Und er bade im Wasser, und er ist rein" (3. B. M. 14, 8) lautet die unzähligem»! sich wiederholende Formel in der Heiligen Schrift, und was dort für physische Unreinheit gilt, wandte Johannes für moralische Unreinheit an, um seine Anhänger moralisch, geistig des nahenden Himmelreiches würdig zu machen. Johannes ließ also seine Jünger und Anhänger im Jordan untertauchen, und dieses Untertauchen im Wasser bildet die eigentliche Taufe. Dieser Taufmodus der Untertauchung währte bis zum zwölften Jahrhundert, jede Kirche hatte ihr Baptisterium, „Taufhaus", ein großes Bassin enthaltend, zu dem drei Stufen führten, wo der Taufakt vollzogen wurde. Erst mit dem zwölften Jahrhundert hört das „Untertaucheu" und mit demselben das Baptisterium auf, und der Taufstein tritt an die Stelle des Bassins. Die griechische und russische Kirche haben mit der Sitte des Untertauchens das Baptisterium beibehalten bis auf den heutigen Tag. Daß dieser ganze Akt der Taufe, das Untertauchen im Flusse, von jeher ein frommer Brauch der Essäer, der „Toble Schacharith" (v ntQoßamiöTcu) wie sie der Talmud schlechthin nennt, gewesen, und Johannes mit diesem jüdisch-essäischen Brauch an die bei den Juden üblichen Tauchbäder und insbesondere an das, welchem sich die Proselyten bei ihrer Aufnahme in die Gemeinde unterziehen mußte», anknüpft, indem er reinigend und läuternd auf die Menschheit wirken wollte, wollen wir hier nur ganz kurz erwähnen. Aber nicht nur der Akt der Taufe ist ein echt jüdischer, sondern auch das Wort „Taufe" ein hebräisches resp. chaldäisches, und wenn uns nicht schon die Heilige Schrift resp. das Evangelium überzeugt hätte, daß Johannes mit der Taufe einen religiösen Akt des Judenthums geübt, so würde der linguistische Ursprung des Wortes Taufe bis zur Evidenz beweisen, daß die Heimath dieses Wortes ausschließlich auf jüdischem Boden zu suchen und zu finden ist. Das Wort Taufe stammt vom hebräischen IDE, 1722/ untertauchen, versinken her. „Und der Ausbund seiner Wagenkämpfer „£'2 u?2D t]lD" wurde untergetaucht, versenkt ins Schilfmeer. (2.B.M. 15,4.) »B'IÜ 1P22"- „DieHeiden untertauchen, versinken." (Ps. 9, 11.)... Da man aber zu jener Zeit mehr chaldäisch als hebräisch sprach, hat doch der Stifter der christlichen Religion am Kreuze „Eli Eli lainah schebaktani“ in chaldäischer Sprache gerufen, — so nahm das Wort eine chaldäische Färbung an. und das weiche hebräische „b“ 2 wurde in das harte chaldäische a „p“ umgewandelt. Hillel, erzählt die Tradition (Aboth. 2, 7), sah einen Schädel auf der Oberfläche des Wassers schwimmen, und da rief er: „fiatOU*? bv siaD' ‘■pB’Btt rpDI "paDK". Weil du getauft, Andere unterv getaucht, hat man dich getauft, untergetaucht, und schließlich werden Diejenigen, die dich getauft, untergetaucht, ebenfalls getauft, d. i. untergetaucht oder ertränkt werden. Wenn wir noch hinzufügen, daß Onkelos in seiner Bibelübersetzung für „btta" —Sintfluth, wo alles im Wasser untertaucht, versinkt „NZaiv", und die jerusalemische Paraphrase das weichere „NIV21L" setzt, dann haben wir den hebräischen Ursprung und das hohe Alter des Wortes Taufe nachgewiesen *), und nun wollen wir hören, wie sich Sudermann in seinem Johannes über diese Taufe ausläßt. II. Im Vorspiel Seite 13 sagt Johannes: „Was habe ich Euch zu geben, ich, der Bettler? Und das Wasser, das ich schleppe Euch fl Diese etymologische Ableitung wird wohl kaum aufrecht zu erhalte» fein. Das Wort „Taufe" stammt aus dem gothischen äauxoms, althochdeutsch toukin, toufi, altsächsisch döpi, mittelhochdeutsch toufej 1 Die Redaktion.

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