Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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IMNWWÜWWWMM 336 Gemälde in drei Adtheilungen, „Geburt der Eva", „Versuchung" und „Verlorenes Paradies", gethau hat. Das Triptychon Erters Saal 35, Nr. 214) wird von Kennern der Moderne als ein Werk der Lichtmalerei auf der Höhe der Zeit sehr gelobt. In eine» poetisch duftig gemalten Morgenlandschaft wird Eva geboren, cs folgt dann das Idyll im Paradiese, in einem lieblichen Hain einer- Abendlandschaft, und zum Schluß sehen wir Adam und Eva vertrieben in tiefer Verzweiflung in der nächtlichen Wüste. Ein tiefes Werk, das sich neben dem vorzüglichen Bilde „Adam und Eva", das Ludwig von Hofman in der Berliner Sezession ausgestellt hat, gut behauptet. Bevor wir die Sezession, die sich in diesem Jahre unter der Führung Max Liebermanns zum ersten Male als eine besondere Abzweigung des Salons darstellt, aufsucheu. müssen wir noch einer Ehrenpflicht gegen einige hervorragende Wiener Künstler genügen, die kürzlich Saal 21 bezogen haben. Der Porträtmaler Professor Leopold Horowitz ist von früheren Ausstellungen auch in Berlin wohlbekannt; er wurde erst kürzlich durch sein nach den Angaben Kaiser Franz Josephs als ideales Erinnerungsbild nur für diesen vielgeprüften Herrscher gemaltes Bild der Kaiserin Elisabeth wieder viel genannt, — wir sehen hier von ihm das in der Wiedergabe des seelischen Lebens und des Ausdruckes des Auges meisterhafte Porträt des Professor Dr. Albert in Wien und das kluge, interessante Köpfchen seiner eigenen Tochlcr. — „Belladonna" nennt A. Seligmann sein technisch aus der Schule der alten Meister hervorgegangenes Bild, das eines der gräßlichsten Motive modernen Verfalls, die Entnervung des Mannes durch die unselige Herrschaft herzloser Schönheit, den Triumph des Fleisches, allegorisiren will. Das nackte Weib mit dem in blaue giftige Dämmerung getauchten Kopf setzt hohnvoll dem gefesselten Mann, dessen Antlitz die Spuren des tückischen Giftes zeigt, den Fuß auf den Nacken. Die symbolistische „Dame", der wir von unserem Standpunkt aus wenig Sympathie schenken können, ist vom Künstler mit dämonischer Formenschönheit ausgeflnitet. — Die in den Salons der letzten Jahre wohl regelmäßige und stets gut vertretene Wiener Malerin Camilla Friedländer hat auch dieses Mal einige fleißig ausgeführte, wohlgelungene Stillleben ausgestellt. " Iehudrr Haleuis Dionslied. (^^ion! hörst du den Gruß von deinen Söhnen Nicht bang und schwermuthsvoll ringsum ertönen? Dich grüßt aus Nord und Süd, aus Ost und West, In Fesseln schmachtend, deines Volkes Rest: Ein Sklav', in dessen Aug' die Thräne schwillt. Wie nächtlich Thau vom Hermon niederquillt! O könnte seiner Thränen herber Fluß Doch netzen deiner heil'gen Berge Fuß! Wie Eulenschrei klagt meines Kummers Ton, Gedenk' ich dein und klag' um dich, Zion! Doch bin ich nimmer aller Hoffnung bar: Ich schaue dich im Traume licht und klar, Erlöst und frei, du und dein Volk am Ziel, Dann singt mein Herz, ein jauchzend Saitenspiel! Beth-El! Hör' ich den Namen, mein Gemüth Zermalmend wilder Sehnsuchtsschmerz durchglüht! Im Glanze Gottes herrlich ragten dorten Weit offen einst des Himmels Azurpforten; Dort leuchtete des Ew'gen lichter Strahl, Verdunkelnd Sonne, Mond und aller Sterne Zahl! Doch wo einst Engel auf und nieder stiegen. Schuldlose Opfer ihrer Qual erliegen! Wie gern, o Herr, sich meine Seel' ergoß. Hier, wo dein Geist auf die Erwählten floß; An diesem Ort, zu heilig Erdenthronen, Am Ort, der deines Glanzes Schein sah wohnen! Ach! auf dem Throne deiner Majestät, Der feigen Knechte Troß jetzt frech sich bläht! Wie sehnet sich mein Geist, umherzuschwärmen. Dort einsam still, fern allem Erdenlärmen; Wo seinen Sehern Gott im Donnerhallen Der Offenbarung Worte ließ erschallen! O hätte ich des Adlers schnelle Schwingen, Bald würde hin zu dir mein Jammer dringen. Uebersetzt von Henriette Hirschberg. Und mein zertrümmert Herz gern würd' ich tragen Dorthin, wo der Paläste Trümmer ragen; In deinen Staub drückt' ich mein Angesicht, Mein Arm sich schmiegt' um deine Steine dicht! O könnte seh'n der Ahnen Gräber ich. Hier, wo die Väter ruh'n, erhöb' ich mich! Hebron, der Ahnenfürsten Schlummerstätte, Der Hauch der Ewigkeit umweht dies Todesbette. Hier Abarim, der Berge Berg' erglänzt: Von beiden großen Lichtern hell umkränzt! Von Moses', von Aharons Glanz umflossen. Hält er der theuren Lehrer Staub umschlossen! Nur Lebensfülle bringt mir deine Luft, Und deinem Staub entströmt Gewürzesduft! Süß steigt er auf zum lichten Himmelsdome, Und süß die Wasser mir aus deinem Strome! O könnte, nackt und wund, meinFuß doch schreiten Auf heil'gen Trümmern deiner Herrlichkeiten! Hier prangte der Paläste stolze Pracht; Und hier die Erd' umfing mit dunkler Nacht Die Cherubim-umschirmte Bundeslade, Die einst voranzog unsrer Väter Pfade. Hier will von meinem Haupt den Schmuck ich reißen. Hier wilden Fluch aus meinem zyrnesheißen Gemüthe schleudern: Fluch! der bösen Zeit, Die deinen heil'gen Boden hat entweiht! Hinweg mit Speis' und Trank! Wie kann mir's munden, Seh' ich die Löwen dein zerfleischt von Hunden? Und deine Adler todt durch freche Raben — Kann da des Tages Licht mich noch erlaben? Halt ein, o Herr! Mein Leidenskelch ist voll! Mein Herz fast überströmt von bitt'rem Groll: Noch einmal denkt's an Ohola zurück. Fühlt einmal noch Oholibas Geschick! Zion, du Schönheitskrone schimmernd klar. Dich liebt treuinnig deiner Kinder Schaar! Bist du im Glanz, dann stehn sie hochbeglückt. Und deine Schmach mit Leid sie niederdrückt! Noch fließen deinem Falle ihre Thränen; Aus Kerkernacht zu dir strömt all ihr Sehnen; Wenn im Gebet vor Gott ihr Knie sich beugt, Nach deinen Thoren ist ihr Haupt geneigt! Zerstreut, vertrieben, in die Welt versprengt, Ihr Herz in fernsten Thalen dein gedenkt! Der Sehnsucht Laut nach deinen hohen Palmen Zieht klagend noch durch ihre Trauerpsalmen. Was ward aus Babels, aus Aegyptens Macht? Wo der gewalt'gen Reiche Prunk und Pracht? In Nichts versunken —all ihr Glanz vergessen! Dein Urim Thumim aber unermessen Durchstrahlt es weit die Welt: dein Recht und Licht, Wie einst von Priesterbrust und Angesicht! Welch Ueberbleibsel aus verschoü'nen Reichen Kann deinen Sehern und Propheten gleichen? Noch tönen der Leviten Festgesänge Und weihevoll noch ihrer Psalmen Klänge! Wie Rauch verging der Götzen eitler Schimmer, Doch deine Herrlichkeit lebt jetzt und immer! Sie glänzet hell durch Zeitennacht und Graus: Weil, Zion, du, des Ew'gen heilig Haus! Dem Manne Heil, der dein geharret treu! Einst bricht hervor dein Stern und strahlt aufs Neu'. Heil ihm!, in deinen Höfen wieder wallen Darf er und ruh'n in Deinen heil'gen Hallen! Dein Morgenroth dann leuchtet den Beglückten, Den Kindern dein, den lieblich frohgeschmückten. Der Tag bricht an! Der Morgenjubel klingt: Dann blühest du im Glanze hold verjüngt! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.