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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-07-14 · Heft 28 (14.7.1899) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 28 (14.7.1899)
Date
1899-07-14
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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mm 329 meisten Herr David Hirschfeld als Schatzmeister verdient gemacht; im Verein Jugendschutz ist Frau Justizrath Rosenheim zweite Vorsitzende; bei der Berliner Baugesellschaft Dr> P. Nathan, im städt. Gesindehvspital ist Stadtrath Dr. Weigert Vorsitzender. Außerdem bekleiden noch das Amt eines Vorsitzenden im Verein der Volkskindergärten Herr Kommerzienrath B. Loeser, im Verein zur Errichtung von Kindergärten .-für Taubstumme Dr. Flatau, im Volkskindergarten Frl. Simion, im Verein „Mädchenhort" Frau Emilie Masse, im Verein zur unentgeltlichen Erziehung schulentlassener Mädchen für Hauswirthschaft Frau Lina Morgenstern, im Bezirkskomitee „Norden" des Vereins für häusliche Gesundheitspflege Dr. Aronheim, im Berliner Taubstummenverein Louis Michelsohn, im Kinderaugenheim Sanitäisrath Dr. Katz. Im Kuratorium der Berliner Unfallstationen ist Direkt.Dr. MaxSchlesinger, im Berliner Lokalverein des preuß. Landesvereins vom Rothen Kreuz Kommerzienrath Emil Jacob, in der Abtheilung für Hauspflege des Berliner Frauenvereins, Frau Sanitätsrath Schwerin, im Bezirk 6 Frau Dr. Birnbaum, im Bezirk N. Frau Konsul Wallich, im Verein für gesundheitsgemäße Erziehung der Jugend Vorsteher Jacusiel, im Centralverein für Arbeitsnachweis Magistratsaffessor Dr. Freund, im Berliner Franenverein zur Aushilfe der Roth unter den kleinen Fabrikanten und Handwerkern Frau Jda Salomonsohn, in der Louisen Friedrich-Stiftung Baron Cohn in Dessau, in der Berliner ärztlichen Unterstützungskasse Geheimrath Kristeller, in der Friedrich Wilhelm Victoria - Stiftung Geh.-Rath Herz, im Berliner Hausfrauen-Verein Frau Lina Morgenstern, in der Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit Frau Sanitätsrath Schwerin. Armen-Direktor in Charlottenburg ist Stadtrath Samter, die Städtischen Familienhäuser und das Bürgerhospital leitet Sanitätsrath Dr. Edel. Stellvertretende Vorsitzende sind im Lokalkomitee Süden des Vereins für häusliche Gesundheitspflege Frau Direktor Henriette May, im Ungar, österreichischen Hilfsverein Ingenieur Gutfeld. im Bezirksverein Berlin des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke Geheimrath Sander. Generalsekretär im wissenschaftlichen Centralverein ist Dr. Max Hirsch. Selbstverständlich haben wir bei dieser gewiß nicht lückenlosen Zusammenstellung nur die Vorsitzenden und die stellvertretenden Vorsitzenden aufgeführt. Wie viele Männer und Frauen aber außerdem in den Vorständen dieser Vereine Mitwirken, läßt sich nach diesem Buche natürlich nicht bestimmen. Das Gesammtbild ist sicher ein durchaus erfreuliches, auch selbst, wenn den Leser dieses Buches hier und da ein Gefühl von Wehmuth Überkommen sollte, daß die Wohlthätigkeit selbst da, wo es sich nicht um spezifisch religiöse Institutionen handelt, in so und so viele Vereine sich zersplittert. Wir können zu unserer Genugthuung sagen, daß die Schuld nicht an uns liegt. Als Theodor Mommsen 1880 in seiner bekannten Broschüre gegen die Antisemiten sagte: „Auch die zahlreichen spezifisch jüdischen Vereine, wie sie z. B. hier in Berlin bestehen, erscheinen mir, soweit nicht eben die jeder Diskussion sich entziehende Glaubensfrage auch hier eingreift, entschieden vom Uebel. Ich würde keinem Verein beitreten, dessen Statuten ihn verpflichten, nur Holsteinern Hilfe zu gewähren; und bei aller Achtung vordem Streben und den Lasten dieser Vereine kann ich in ihrer Sonderexistenz nur eine Nachwirkung der Schutzjudenzeit erkennen", da antwortete darauf Moritz Lazarus in seiner klaren und treffenden Weise folgendermaßen : „Nun, zunächst bei vielen dieser Vereine handelt es sich in der That um Wohlthätigkeit, welche mit den Glaubenssachen innig zusammenhängt; eine jüdische Altersversorgungsanstalt muß als eine jüdische vorhanden sein, weil die alten Leute rituell bereitete Speisen essen wollen, ebenso ein jüdisches Krankenhaus; von diesen also ist, wie Mommsen mit allem Takt und aller Zartheit benierkt, weil Glaubenssachen ins Spiel kommen, nichts zu sagen. Nun, ich glaube, es bleiben nicht viele Vereine bei uns übrig, die nicht damit Zusammenhängen. Allein wenn das auch der Fall wäre, so würde ich seiner Meinung immer noch nicht beistimmen können. Für mich gilt einfach der Grundsatz: wenn die Juden sich von allgemeinen Vereinen, welche interkonfessionell oder konfessionslos sind, zurückzögen, wenn sie nicht in demselben Maße und in derselben Weise wie ihre christlichen Genossen zu allen Vereinen beitrügen, ihnen angehörten und darin auf alle Weise mitwirkten, dann wären sie im Unrecht. Wenn wir aber zu allen wohlthätigen Vereinen gehören^ willig und gern gehören, auch zu solchen, die rein christlich sind, sobald sie wahrhaft wohlthätige Vereine sind, dann, meine ich, begehen wir kein Unrecht, daneben auch noch jüdische Vereine zu haben. Nun aber noch eins. Wir haben einige spezifisch jüdische Vereine, welche nicht mit dem Glauben zusammenhängen, das ist wahr. Aber Mommsen stellt die Sache nicht auf völlige Gleichheit, weil er die Thatsache wahrscheinlich nicht genau kennt. Er hat vollkommen Recht, wenn er sagt, er würde keinem Verein beitreten, der nur Holsteiner unterstützt. Nun aber haben wir einen Hilfsverein für jüdische Studirende. Giebt es denn aber in Deutschland Stipendien, welche für alle Deutschen sind, blos für die Holsteiner nicht? Wenn das wäre, dann würde Mommsen einen Verein für Holsteiner gründen! Gerade so. wie wir gezwungen waren, einen Verein für jüdische Studirende zu gründen, weil die jüdischen Studirenden an den meisten Stipendien nicht theilnehmen durften. Ich bin mit ganzem Herzen dabei, bin immer dabei gewesen, alles, was eine Fremdheit oder ein Gefühl derselben erzeugt, zu beseitigen, so inniges, formgleiches, trauliches und vertrauliches Zusammenleben mit unseren christlichen Mitbürgern herbeizuführen, wie durch echtes, ehrliches Gleichstreben, ohne Schein und ohne Andrängen zu erreichen immer möglich ist. Aber ich denke, unser Vereinswesen dürfen und wollen wir beibehalten; was wir damit leisten, ist hier von Mommsen selbst anerkannt; aber es kann sogar vorbildlich sein für andere Bürgerkreise, vorbildlich aber namentlich in einem Punkte, nämlich in diesem: ich habe die Pflicht, Ihnen eine Thatsache in Erinnerung zu rufen, welche im Jahre 1872 oder 1873 gespielt hat. Wir hatten eine Generalversammlung, in welcher einige Paragraphen des Statuts unseres Hilfsvereins für jüdische Studirende geändert werden sollten. An jenem Abend wurde io, ich darf ja sagen, habe ich, denn ich rühme mich besten) den Toast ausgebracht auf eine künftige Statutenänderung, welche in der Streichung eines Wortes bestehen sollte, es sollte statt „jüdische Studirende" nur „Studirende" lauten. Das hatte ich gesagt in Gegenwart vieler sehr hochstehender Christen; es war dies auch der einzige Abend, von welchem wir gegen sonstigen Brauch eine Notiz in die Zeitungen hatten ausgehen lasten wegen dieses Gedankens. Ich hatte hinzugefügt, wenn unsere christlichen Mitbürger uns einigermaßen entgegenkämen, da es einen solchen Verein für christliche Studirende notorisch nicht giebt, wenn sie uns entgegenkämen, beitreten und etwas dazu thun wollten: dann wollten wir nicht zählen und nicht rechnen^ sondern sofort mit unseren Mitteln und unseren Beiträgen einen allgemeinen Verein für Studirende aller Konfessionen gründen. Nun aber, es hat sich keine Hand gerührt und keine Stimme vernehmen losten, folglich konnten wir einstweilen nichts weiter thun. Wir haben damals unsere Stimme erhoben; und unseren Spezialverein wollen wir so lange erhalten, bis die Zeit gekommen ist, daß der allgemeine Hilfsverein, wie wir es zuversichtlich hoffen, gemeinsam gegründet werden wird." Dieses aber ist das erlösende Wort für das ganze Gebiet konfessioneller und interkonfessioneller Wohlthätigkeitspflege.

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