Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' ‘ , , - - «WM^VWWWMWWWWWWWMWWWWW - , 328 - Vas wshLthatige Berlin. ii. as Herz ist unendlich und ewig neu. Wir können uns -Sn den größten Schönheiten und Wahrheiten übersättigen und ihren Reiz und Werth durch den Genuß zerdrücken; aber keine schöne That kommt uns veraltet oder zu oft, und über dem moralischen Zauber und Genuß herrscht keine Zeit." Dieses große und wahre Wort Jean Pauls geht uns nicht aus dem Sinn, da wir daran geh«>, aus dem schon in dem vorigen Artikel citirten Werke: „Die Wohlfabrtseinrichtungen Berlins und seiner Vororte" (Berlin 1899) diejenigen Stiftungen und Institutionen unserer Berlmir Glaubensgenossen herauszuheben, die allgemeinen oder spezifisch nichtjüdischen Zwecken gewidniet sind. Es ist in den' letzten Jahren viel in dieser Sache pro et contra geschrieben worden. Aber wir meine», daß der moralische Genuß, den uns solche Thaten auch in einer so trüben Zeit wie die jetzige gewähren, dadurch nicht verringert wird, daß wir keine einzige Stiftung von Nichtjuden zu Gunsten von Juden aufweisen können. Die Großthaten des Herzens bleiben darum doch ewig neu und veralten niemals. Auch die nachfolgende Zusammenstellung macht selbstverständlich durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber wir halten es für nöthig, ausdrücklich zu bemerken, daß wir die zahlreichen Legate und Stiftungen getaufter Juden aus begreiflichen Rücksichten nicht mit aufgenommeu haben. * Schon das erste Kapitel: „Armenfürsorge allgemeiner Art", verzeichnet die Straßmann'sche Stiftung. Der „Frauen-Groschen-VereiÄ" hat eine Bleichrödec'sche Stiftung. Der Verein der Berliner Volksküchen ist von Frau Lina Morgenstern begründet worden. In dasselbe Kapitel gehört das Justizrath Lazarus-Vermächtniß, aus dem 100 würdige Arme — ohne Unterschied der Konfession, wie bei allen hier angeführten Stiftungen — an einem bestimmten Tage gemeinschaftlich gespeist werden, ferner die Dr. Paul Guttmann-StiftttM. Der Berliner Spar- und Bauverein hat die Siegfried Levy-Stiftung zur Unterstützung solcher Personen, die mindestens zwei Jahre in Häusern der Genossenschaft wohnen, im Falle wahrer Roth. Die Altersversorgungsanstalt der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftumg hat eine Moritz Wolff-, eine Landau- und eine Jacob und Minü'a Israel-Stiftung, das Friedrich Wilhelm-Hospital eine Anna Fränkel- Stiftung zur Gründung von zwei Franenstellen für hilfsbedürftige weibliche Personen, die Institution zur Almosenvertheilung für Hospitaliten die I. M. Fränkel- und van Halle'sche Stiftung; bei den städtischen Siechenanstalten ist die Alexander Mendelssohn'sche Stiftung für Frauen untergedracht, ferner die Caspari'sche Schenkung und die Emilie Lippmann-Stiftung. Im Kapitel Kleidung befindet sich der Levy Rubo-Fonds zur Beschaffung von Kleidungsstücken und Schuhwerk für arme Kinder. Den segensreich wirkenden Verein „Mädchenhort" hat Frau Emilie Mosse begründet; derselbe unterhält 11 Anstalten und eine Haushaltungsschule; die Erziehungsanstalt für Knaben und Mädchen zu Deutsch-Wilmersdorf hat Herr Rudolf Moffe errichtet. Ihr Zweck ist, hundert bedürftigen Kindern gebildeter Stände aus ganz Deutschland ohne Unterschied der Religion vom 6. bis 16. Lebensjahr Verpflegung, Kleidung und Erziehung unetttgeltlich zu gewähren. Die städtischen Erziehungsanstalten ohne Konfessionsunterschied haben folgende Legate: Die M. R. Fränkel'sche Stiftung, die Friedländer'sche Schenkung, die Wolf und Clara Hagelberg-Stiftung, die Wilhelm Levin-Stiftung zum Besten hiesig«, außerehelich geborener bedürftiger Kinder. Der Lette-Verein hat dW Salomon Meyer- und ein Borchard'sches Legat; das Mädchenheim von Ferdinand Reichenheim bietet 50 Waisenmädchen aus gebildeten Ständen Unterhalt und Ausbildung. Der Unterstützung von Schülern und Schülerinnen dient die Herz- und Julie Sommerfeldt- Stiftung; zur Unterstützung für Studirende aus städtischen Mitteln die Adolf Arnstein'sche, Heymann Breßler-, die Heinrich Alexander-, Wilhelm Borchard-Stiftung; zur Unterstützung von Kunstakademikern ist ein Theil der Michael Beer'schen, die Adolf Gjnsberg-, die Meyerbeer'sche und die Dr. Otto Markwald-Stiftung bestimmt. In den Kapiteln „Fürsorge für kranke- Wöchnerinnen und Personen mit Gebrechen" finden wir den Eckard Levy'schen Fonds, im Krankenhaus Friedrichshain die Simon Maaß-Stiftung, im Krankenhaus Moabit die Friedländer-, die Dr. Paul Guttmann- und die Dr. Albert Finkelstein - Stiftung; bei den Berlin - Brandenburger Heilstätten für Lungenkranke ist die Bleichröder-Stiftung an erster Stelle angeführt. Mit der städtischen Heimstätte für Genesende in Blankenfelde ist die Albert Aron-Stiftung verbunden; das Sanatorium Gütergotz für 276 Personen hat der verstorbene Gerson v. Bleichröder begründet. Zur Gewährung von Nähmaschinen für Hilfsbedürftige besteht die Paderstein-Stiftung; zur Aushilfe in Geschäft, Gewerbe und Handwerk dienten die Louis Liebermaiin-, die Therese Wolff-, die Heilmann'sche, die Cäsar Wollheim-, die Louis Friedberg- und Henoch-Stiftung, ferner der I. W. Meyer'sche Stiftungsfonds für Seidenwirker; für Kaufleute der Alexander Mendelssohn-, der Herrmann Gerson-, Emil Rubens-, Felix Meyer- und der Schwabach-Stiftungsfonds. Ferner bestehen die Siegmund Born-Stiftung, das Reichenheim'sche Vermächtniß, die Salomon Lachmann-Stiftung für Invaliden, die Schlesinger'sche Stiftung für Landwehrmänner, das Herrmann Gerson'sche Legat für Weihnachtsbescheerung, ein Meyer'sches Legat, die Stadtrath Albert Loewe- Stiftung, der Emilie Borchardt-Fonds, .die Konsul Behrendt-, Therese Philipp-, Georg und Hedwig Schönfließ-, Therese Leßmann- Stiftung, das M. R. Gerson'sche Vermächtniß für alleinstehende christli che Damen, die Simon, Hermann und Ella Böhm-Stiftung, die Plauth'sche, die Gerson v. Bleichröder-, die großartige Dr. Ephraim- Stiftung, das Herzfeld'sche Legat, die Jacob Israel-, die Eduard Klemann-, die Herz Louis Lachmann-, Salomon Lachmann-,.JacobLandau-, Abraham Leo-, Wilhelmine Lewin-, Louis und Philippine Liebermann-, Wittwe Lissaner-, Margarethe Saloschin-, Moritz Simon-, Julius Wolff-, Emilie Wolff-Lewin- und die Lina Morgenstern-Stiftung zur Altersunterstützung für dienstunfähige Personen. Damit allein ist jedoch die Liebesthätigkeit unserer Glaubensgenossen auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen noch lauge nicht abgeschloffen. Es sind nicht immer die Opfer an Geld die größten, die Opfer an Zeit, Mühe und Arbeit sind oft ebenso groß, wenn nicht noch größer. So gewährt es uns eine wahre Genugthuung, daß wir fast auf allen Gebieten der Wohlthätigkeitspflege die Mitglieder unserer Gemeinde wirken sehen. Die Vereinigung der Wohlfahrtsbestrebungen in Berlin, die bekanntlich in 15 Bezirke eingetheilt ist, hat in vier Bezirken jüdische Vorsitzende, die Herren Dr. Albert Levy, Privatdozent Dr. Reumann, Stadtverordneter Hammerstein und Magistratsaffeffor Dr. Herzfeld, der Verein gegen Verarmung hat als Vorsitzende von Lokalkomitees die Herren Wallach, Dr. Lippmann, I. Jacob, Heilmann, Adolf Fränkel, Lehrer Heskel. In der Auskunftsstelle der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" ist Dr. Albert Levy, Vorsitzender, lind Frau Sanitätsrath Schwerin stellv. Vorsitzende; bei der Armenpflegekommission des Zweigvereins Berlin des Vaterländischen Frauenvereins ist Frau Johanna Abraham Vorsitzende, im Verein der Berliner Volksküchen ist stellvertretender Vorsitzender Sanitätsrath Dr. Blaschko und Vorsitzende der Lokalvorstände Frau Lina Morgenstern. Im Männerasyl für Obdachlose ist Herr Paul Singer Kurator; um das ganze Institut hat sich am