Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 327 —— lmg des Kaisers Kranz Joseph, hat fich in den von ihm mitgemachten Feldzügen so hervorragend ausgezeichnet, daß seine Brust voll mit vornehmsten Orden bedeckt ist. Nebst der großen goldenen Tapferkeitsmedaille und vielen anderen Auszeichnungen besitzt er auch den preußischen Kronenorden. Er hätte einst das Maria-Theresien-Kreuz wegen seiner Tapferkeit bekommen sollen, diese höchste militärische Dekoration besitzen gegenwärtig nur 6 Militärs in Oesterreich, nur dem Umstand, daß Kaiserin Maria Theresia in die Statuten des von ihr begründeten Ordens die Klausel aufnahm, daß nur Christen diese Auszeichnung erhalten könnten, war es zuzuschreiben, daß Oberst v. Giß dieses Kreuz nicht erhielt. Würde er sich haben taufen lassen, er hätte es bekommen. Dieses Ansinnen wies er aber energisch zurück. Möge es an diesen Beispielen genug sein." Wir möchten dieser interessanten Mittheilung aber noch dieThatsache hinzufügen, daß sowohl General Ottolenghi wie Oberst v. Eiß nicht nur Juden, sondern auch gute Juden sind, die sich dem jüdischen Leben nicht entfremdet haben. In Frankreich ist die Zahl hoher jüdischer Offiziere, natürlich verhältnißmüßig, ain größten. * In einem sehr lesenswerthen Essay über die sog. Judenfrage, den die „Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus" in deutscher Uebersetzung bringen, bemerkt der berühmte französische Deputirte Gustave Rouanet treffend: „Wenn es wahr ist, daß die Juden eine der Ursachen des moralischen und materiellen Unterganges für die Völker wurden, welche die Schwäche hatten, sie in ihrer Mitte aufzunehmen, so wären natürlich jene Länder die glücklichsten, in denen es keine Juden gäbe. In diesen würde eine friedliche wirthschaftliche Ordnung aufblühen, die für Alle materielles Wohlergehen wie die Bethätigung der alten, unserer Rasse eigenen Tugenden sichern würde. Ist es nothwendig, auf den nicht aufzuhaltenden Zusammenbruch Spaniens, das auf die unterste Stufe der civilistrten Völker herabgesunken ist, hinzuweisen? Drumont behauptet, daß^ die Dominikaner-Inquisitoren, die unerbittlich den Boden Spaniens von den letzten Spuren des Mosaismus säuberten, nicht nur ausgezeichnete Ordenspriester, sondern hauptsächlich gute Patrioten waren. Wenn das Wort „Patriotismus" irgend einen Sinn haben soll, so bedeutet es Hingabe für die Größe des Vaterlandes. Ist es Spaniens Größe, welche die nationalistischen Judengegner für Frankreich erträumen? .Was. nun die Sittenreinheit und politische Ehrbarkeit betrifft, als deren Ritter fich unsere Antisemiten aufwerfen, so lese man ein wenig die erbaulichen Geschichten, die tagtäglich von den spanischen Zeitungen über die Diebereien des Staates erzählt werden. In dieser Hinsicht finden die Spanier ihresgleichen nur auf der anderen Seite des Ozeans, in den Gebieten der alten spanischen Kolonien, in denen der Jude sich nicht niedergelassen hat, und wo die durch den Fanatismus herangebildeten Generationen einer Käuflichkeit ausgesetzt sind, deren unbewußte Heiterkeit selbst Drumont in Erstaunen setzen würdet * Man weiß, daß die russischen Gesetze die jüdischen Arbeiter, die geschickt sind, bevollmächtigen, ihr Handwerk außerhalb des Territoriums auszuüben, aber es ist nothwendig, daß sie sich in die Handwerkerkorporationen des Ortes eintragen lassen, den sie bewohnen wollen. Um die Wirkungen dieser gesetzlichen Erlaubniß zu annulliren, giebt es keine Vorwände, die die Polizei nicht findet; sie findet eine gefällige Unterstützung in der Korporation selbst. Der Senat erläßt einen Beschluß, der einmal von Neuem die Rechte der jüdischen Arbeiter ordnet. Dieser Beschluß, datirt voll! 20. Juni 1898, wurde erst jüngst veröffentlicht und erklärt Folgendes: 1. Die jüdischen Arbeiter können, um zu beweisen, daß sie ihr Handwerk verstehen, Zeugnisse vorzeigen, nicht nur von den Meistern in ihrem Wohnort, sondern von allen Denen, bei denen sie gearbeitet haben, ohne Rücksicht auf den Ort. 2. Die jüdischen Kunsthandwerker, die nicht in die Listen der Korporationen eingetragen sind, können wegen Nichtbeachtung der Gesetze bestraft, aber nicht ausgetrieben werden. Diese Entscheidung des Senats ist infolge einer Eingabe getroffen worden, die der jüdische Buchdrucker X. Lewend eingereicht hatte, welcher, in Nicolajeff (Samara) bedienstet, in keine Körperschaft eingetragen war, obwohl er sein Handwerk seit 30 Jahren bereits ausübte. Er zeigte ein Zeugniß vor, daß er in Riga erhalten, aber man weigerte sich, es anzuerkennen. Der Gouverneur von Samara erließ auf Verlangen der Verwaltung von Nicolajeff ein Ausweisungsdekret gegen Lewend. Dieser wandte sich darauf an den Senat, dessen Entscheidung in dem oben erwähnten Sinne die Regeln gegen die jüdischen Arbeiter, die außerhalb des Territoriums wohnen, weniger willkürlich macht. * Die deutschen Kolonisten in Palästina führen im Allgemeinen ein ruhiges und bescheidenes Dasein. Nur selten kommt Kunde von ihnen in die breitere Oeffentlichkeit. Aus einer Zuschrift, die der Münchener „Allg. Ztg." unterm 19. Juni aus Jaffa zugeht, erhellt daß man in den Kolonistenkreisen nunmehr mit einer bevorstehenden Zuwanderung von Zionisten rechnet, und daß man in solcher Zuwanderung eine gewiffe Gefahr für das weitere Gedeihen der bisherigen deutschen Kolonisatiousarbeit erblickt. Die Zuschrift lautet: „Infolge der gegen die von Aegypten kommenden Schiffe der Pestgefahr wegen errichteten Quarantäne leidet der Verkehr hier ganz bedeutend. Erfreulich ist dagegen die seit Kurzem bemerkbare größere Bauthätigkeit am hiesigen Platze. Man schließt daraus, daß an dem immer bestimmter auftretenden Gerücht, nach welchem die Zionisten demnächst in Konstantinopel die Erlaubniß zur Einwanderung und zum Landkauf in Palästina erhalten würden, etwas Wahres sei. Diese jüdische Gesellschaft wird mit ihrem in so kurzer Zeit auf 6 Millionen Pfund angewachsenen Vermögen in der That im Stande sein, manche Thür zu öffnen, die Anderen streng verschlossen sein und bleiben würde. Gelingt es ihnen, die nachgesuchte Erlaubniß zu erlangen, so wird eine erhebliche Steigerung des Werthes von Grund und Boden in Stadt und Land eintreten. Von den bis jetzt gekauften Grundstücken wurden allerdings einzelne von einer anderen jüdischen Gesellschaft — der Alliance Israelite — erworben, und zwar, wie verlautet, mit einem Theil der 6 Millionen Francs, welche das große Legat des Barons Hirsch jährlich an Zinsen abwirft. Das Legat beträgt 260 Millionen Francs. Angesichts dieser gewaltigen Mittel in jüdischer Hand, zu denen noch andere Summen hinzutreten, so insbesondere die vielen Millionen, die Baron von Rothschild jährlich spendet, fragt man sich in den Kreisen der deutschen Kolonisten mitunter, welche praktische Wirkung die Wünsche und Gesuche haben werden, die von hier aus ins Vaterland gelangten, und bei denen es fich im Wesentlichen um die Erlangung eines stcherzustellenden Anlehens handelt, das die Möglichkeit gewähren soll zum Ankäufe weiterer Ländereien für deutsche Kolonien in Palästina, um neuen Ankömmlingen zur Ansiedelung zu verhelfen und Raum zn schaffen für den Nachwuchs der jetzigen Kolonisten. Bon neuen Ansiedlern aus Deutschland haben sich bereits einige zu dem von Mitgliedern der evangelischen Pfarrgemeinde in Jaffa angestrebten Kolonisationsunternehmen gemeldet. Der Kaiserreise verdanken wir es, daß sich da und dort in Deutschland Vereinigungen bilden, welche einer weiteren deutschen Kolonisation im heiligen Lande Vorschub leisten wollen, und wenn auch diese Bereinigungen nicht annähernd so viele Mittel aufbringen können, wie es jüdischerseits geschieht, so ist ja anerkannt, daß deutsche Kolonisten im Stande sind, auch mit verhältnißmäßig kleinen Mitteln doch Erhebliches zu leisten. Soll aber etwas geschehen, so muß es bald geschehen. Unsere jüdischen Konkurrenten halten nicht lange Reden, sie handeln." Schade nur, daß die ganze Angst ohne jede Grundlage ist. Weder das Legat des Barons Hirsch noch die vielen Millionen Rothschilds brauchen die Kolonisten zu erschrecken — und am wenigsten die Erfolge der Zionisten, denn alle drei Dinge existiren nur in ihrer eigenen Phantasie!