Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WC* i ' fache zu nehmen. Gerade in diesen Städten ist das Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen ein ungestörtes. Rhina und Gailingen dürste sich Schmieheim, gleichfalls in Baden, anfchmiegen. Denn die Mische Gemeinde bildet noch immer 30 pCt. Unter 919 Seelen befinden sich nämlich 305 jüdische. Breslau, 28. Juni. Am 21. d. M. wurde Dr. Julius Bruck zu Grabe getragen, der sich als Tagesschriftsteller wie als Poet einen weitgeachteten Namen, vornehmlich in der deutsch-amerikanischen Journalistik, begründet hat. 1833 zu Brieg geboren, zog er nach kurzer ärztlicher Thätigkeit nach Amerika und trat dort beim Ausbruch des Sezessionskrieges als Militärarzt in die Unionarmee. Nach dem Friedensschluß praktizirte Bruck noch eine Zeit lang in New-Iork, um sich dann in den 70er Jahren völlig der Schriftstellerei zu widmen. Er war Redakteur der „Newyorker Revue" und der Unterhaltungsblätter und gleichzeitig Mitarbeiter verschiedener größerer amerikanischerZeitungen,z.B.der„Jllinois-Staatszeitung" und des „Puck". 1895 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er in schriftstellerischen Kreisen großes Ansehen genoß. Auch als Erzähler und Lyriker entfaltete er sein Talent. Es erschienen von ihm die besonders in Amerika verbreiteten und gewürdigten Werke „Bunte Blüthen" und „Ahasver". Das verflossene Jahr verbrachte er in Breslau, wo er sich der „Breslauer Dichterschule" anschloß. — Die landesherrliche Genehmigung ist ertheill worden zu der Schenkung, die der Bankier Perls der israelitischen Kranken-Verpflegungsanstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu Breslau mit 6000 M. gemacht hat. — Am 22. d. M. starb der Kaufmann Hermann Fuchs. Als Leiter der Fuchs'schen Synagoge, als Mitglied des Kuratoriums der Markus und Rosalie Fuchs'schen Familienstiftung, des Kaufmännischen Wohlthätigkeitsvereins, des Vorstandes des Vereins „Tomche cholim" hat sich der Verstorbene reiche Verdienste erworben. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Der in Ostrowo verstorbene Rentier Abraham Cohn hat der dortigen Synagogengemeinde ein Legat in Höhe von 5500 M. mit der Bestimmung hinterlassen, daß alle drei Jahre die Zinsen dieser Summe an einen bedürftigen und würdigen Verwandten des Legatars vertheilt werden sollen. — Zum Kantor in Schlochau ist Kantor Hamburger aus Charlottenburg gewählt worden. — Die israelitische Gemeinde in Ostrowo beabsichtigt, den Friedhof daselbst zu erweitern. Fürst Ferdinand Radziwill-Antonin, dem das an den Gottesacker grenzende Terrain seines Majoratsgutes gehört, hat sich bereit erklärt, einige Morgen desselben an die israelitische Gemeinde in Erbpacht zu geben. — Die Synagogengemeinde in Ostrowo hat das dortige israelitische Schulgebäude, welches sie bisher besessen und unentgeltlich zu Schulzwecken hingegeben hatte, an die Schulgemeinde gegen eine Jahrespacht von 1000 M. abgetreten; die Regierung drang vorher auf ein besonderes Schulhaus, da der Unterrichtsbetrieb durch die von der Synagogengemeinde eingesetzten Miether in den übrigen Wohnräumen unliebsam gestört wurde. — Geh. Sanitätsrath Dr. Rehfeld in Posen ist nach 56jähriger Thätigkeit als Arzt nunmehr in seiner Eigenschaft als Mitglied des Medizinalkollegiums aus dem Staatsdienst geschieden. Aus diesem Anlasse ist ihm der Kronenorden 2. Klasse verliehen worden. Dr. Rehfeld ist jetzt 87 Jahre alt. K. Aus Westpreußen, im Juli. In Dir sch au wurden die Herren Josef Götz zum Vorsteher und Julius Lewit, Max Glück und Gustav Josefsohn zu Stellvertretern im Vorstande auf eine gleiche Dauer von sechs Jahren wiedergewählt. — Herr Rechtsanwalt Dr. Pink in Flatow ist zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Daselbst starb kürzlich der praktische Arzt Herr Dr. Schneider im 39. Lebensjahre. Derselbe erfreute sich vermöge seines lauteren Charakters und seiner Bereitwilligkeit, überall zu helfen, in Stadt und Land bei Glaubensgenossen und Andersgläubigen eines großen Vertrauens und großer Beliebtheit. Er ruhe in Frieden. — Der Grundstein zu einer neuen Synagoge in Nordenburg wurde am 30. v. Mts. in feierlicher Weise gelegt. Nach einem Festessen im Hause des Herrn Vorstehers Sandelowski fand eine Festandacht im Saale des Adlerhotels statt, wobei der Kreisrabbiner, Herr Dr. Beermann-Jnsterburg, die Festrede hielt. Auf dem Bauplatze wurde mit der Grundsteinlegung die Feier beendet. — Auch in Pr.-Friedland ist der Bau einer neuen Synagoge für 30 000 Mark bereits vergeben worden, und soll die Grundsteinlegung in Bälde stattfinden. — In Lautenburg ist Herr Fabrikbesitzer Max Neumann zum Rathmann gewählt und bestätigt und in Briefen Herr Kaufmann F. Kiews zum Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter gewählt worden.— Der israelitische Studienbeförderungs-Berein für Ost- und Westpreußen hielt unter dem Vorfitz des Herrn Geheimen Medizinalrath Professor Dr. Jaffe seine Hauptversammlung in der neuen Synagoge in Königsberg ab. Herr Rechtsanwalt Striemer legte den Geschäftsbericht vor, nach dem die Gesammteinnahmen 5500 Mark betrugen; die Ausgaben für Stipendien stellten sich auf 3800 Mark, ein Betrag, der in den Vorjahren nicht erreicht war. Neugewählt wurde an Stelle des kürzlich verstorbenen Vorstehers Professor Dr. Samuel Herr Professor Dr. Falkenheim; die statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder, Rechtsanwalt Striemer und Dr. Falkenstein, wurden wiedergewählt. T. Löbau i. Westpr., 30. Juni. Am 22. d. M. starb nach schweren Leiden hier Herr Ernst Michaelis im Alter von 70 Jahren. Die Kultusgemeinde, dessen erster Vorsteher der Verblichene war, und dessen 25jähriges Vorsteherjubiläum zu feiern, ihr vor zwei Jahren vergönnt gewesen, betrauert in ihm den Verlust eines Mannes, der ein langes Leben hindurch alle seine Kräfte, sein Wissen und Können in ihren Dienst gestellt hat. Sein segensreiches Wirken beschränkte sich nicht allein auf äußere, schätzbare Einrichtungen, wie die vielfach aus eigenen Mitteln bestrittene Ausstattung* des Gotteshauses, seiner Umgebung und des Friedhofes, er hat es auch verstanden, ohne die Gefühle der Alten zu verletzen, den Gottesdienst in fortschrittliche, würdige Bahnen zu lenken. Der Verblichene hat auch seit vielen Jahren im Stadtverordneten- und Magistratskollegium gewirkt und. auch in diesen Aemtern einen außerordentlichen Sinn für Gemeinnützigkeit bethätigr und viel Dankenswerthes geschaffen. Von Seiten der Behörden sind ihm daher Nachrufe gewidmet worden, die sein Wirken zum Wohl der Gemeinde und der Stadt hervorheben und erkennen lassen, welche Lücke fein Tod in unserem Gemeindeleben hinterlassen wird. Gestern fand das Leichenbegängniß statt. Zahlreiche Angehörige des Verschiedenen von nah und fern, Mitglieder der Gemeinde- und Stadtvertretung, auswärtige Besitzer folgten im stattlichen Leichenzuge. Am Grabe hielt Rabbiner Dr. Pick-Strasburg eine tiefergreifende Ansprache, die unter Zugrundelegung des Bibelwortes Micha 6, 8 ein wahrheitsgetreues Lebensbild des Dahingeschiedenen gab, seine strenge Redlichkeit und Rechtlichkeit als Kaufmann, seine Pflichttreue als Beamter, seine Liebenswürdigkeit und Milde als Mensch, seine geradezu ideale Wohlthätigkeitspflege, fein inniges Verhältniß zu seiner Familie und endlich seinen gottesfürchtigen Lebenswandel zum Ausdruck brachte. Ehre seinem Andenken! M. Hamburg, 2. Juli. Die Errichtung einer großen Synagoge vor dem Dammthor ist dringend nothwendig; während die Gemeindesynagogen in der Stadt an den Sabbathen nur schwach besucht werden, sind die kleinen Gotteshäuser in Pöseldorf vor dem Dammthor stets überfüllt. Der größte Theil der Gemeindemitglieder ist eben in den letzten Jahren von der inneren Stadt nach der Grindelgegend, Pöseldorf und so weiter hinausgezogen. Zu den kommenden hohen Feiertagen wird nun in der Bieberstraße vor dem Dammthor eine größere Synagoge eröffnet werden. Nach einem vom Regierungsbaumeister Herrn Friedheim entworfenen Plane werden die im Hause Nr. 4 befindlichen Parterre-Räumlichkeiten zu einem würdigen Gotteshause hergerichtet. Die Anzahl der Stellen wird 260 betragen, außerdem werden Sitze für einen Knabenchor hergestellt. Das Gotteshaus wird jedoch hinsichtlich seiner räumlichen Ausdehnung kaum den Ansprüchen der dortigen Bewohner genügen, vor dem Dammthor fehlt eben eine große Gemeinde-Synagoge, in der mindestens für 1000 Synagogenbesucher Plätze eingerichtet werden. — Der Stiftung des in Altona verstorbenen Herrn S. G. Hertz im Betrage von 206 400 Mark für eine in Altona zu begründende Salomon, Joseph und Marianne Hertz-Stiftung behufs Gewährung von Freiwohnungen an in Altona wohnende Familien mosaischen Glaubens wurden mit Genehmigung des Königs die Rechte der juristischen Person verliehen. x. Frankfurt a. M., 3. Juli. Infolge des neuen Gesetzes für unsere Gemeinde herrscht hier augenblicklich eine boshafte Fehde in Zeitungs- und Flugblättern pro et eontra. Von besonderem Interesse ist ein „Offener Brief an die Mitglieder der israelitischen Religionsgesellschaft", indem diese sehr eindringlich vor dem Austritt aus der Gemeinde gewarnt werden. Bekanntlich ist Mitte April d. I. das Gesetz in Kraft getreten, nach welchem es jedem hiesigen Juden bis nach