Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 318 kommend der jüdischen Gemeinde gegenüber gezeigt, daß er bitte, den Vertrag in der vorgelegten Form anzunehmen. Kein einziges Mitglied der städtischen Behörden sei gegen die Schenkung aufgetreten. Herr Benas Leoy hebt die großartige Lage und Ausdehnung des werthvollen Terrains hervor, betont noch einmal die Einstimmigkeit innerhalb des Magistrats und bittet um Annahme der Vorlage. Landgerichtsrath Löwe bittet, in einem besonderen Schreiben dem Magistrat den Dank der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Justizrath Meyer sagt dies zu. In der Abstimmung wird die Vorlage einstimmig angenommen. Alsdann gelangt nach vierteljährlicher Pause die Vorlage der Gemeindebibliothek wieder zur Verhandlung. Zur Vervollständigung der Verwaltungskommission der Bibliothek werden die Herren Benas Levy und Emanuel Sachs vom Ausschuß vorgeschlagen und von der Versammlung genehmigt; aus der Reihe der Repräsentanten gehören bekanntlich die Herren Professoren Geiger und Lew in dieser Kommission an. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Justizraths Ap o lant erwiedertJustizrath Meyer, daß die Sachverständigenkommission ebenfalls bereits gebildet sei. Zur Katalogisirung der bereits vorhandenen Bücher soll zunächst ein Bibliothekar kommissarisch bestellt und die Stelle zum 1. Oktober d. I. ausgeschrieben werden. Er bittet, der Kommission die Ermächtigung zu geben, alle die Maßregeln interimistisch treffen zu können, die zur ordnungsmäßigen Erledigung der Arbeiten erforderlich seien. Geheimrath Boas theilt mit, daß in die Sachverständigenkommission gewählt worden seien die Rabbiner Dr. Weisse und Dr. Maybaum und die Herren Dr. Berliner und Dr. Samter. Die genannten vier Herren hätten bereits fungirt. Geheimrath Blumenthal erinnert daran, daß die Zahl der Mitglieder der Sachverständigenkommission auf 9 normirt worden sei, und bittet, die vom Ausschuß vorgeschlagenen Herren bei der Vervollständigung zu berücksichtigen. Es seien dies die Herren Sanitätsrath Dr. Neumann, Prof. Philippson, Prof. Pinner, Dr. Paul Nathan und Kommerzienrath Julius Jsaac. Justizrath Meyer stellt die Zuwahl von fünf ferneren Mitgliedern für später in Aussicht. — Es folgen dann einige Rechnungsabschlüsse. Die Altersversorgungsanstalt hat an Einnahmen 124 884 M. und an Ausgaben 111853 M. aufzuweifen. An Ueberschuß hat sie 13139,93 M. ergeben. 11000 M. konnten dem Baufonds, 20 000 M. dem eisernen Fonds zugeschrieben werden. Das Anstaltsvermögen beläuft sich unter Außerachtlassung der Grundstückswerthe im Betrage von 475 000 M. auf die stattliche Summe von 2 827 432 M. Die Anstalt zählt ca. 240 Hospitaliten. Pro Kopf und Tag sind an Verpflegung 65% Pfennig verbraucht worden. Das 11. Waisenhaus hat an Einnahmen 34 450 M., an Ausgaben 34 425,66 M. aufzuweisen, so daß sich ein Ueberschuß von 24,34 M. ergiebt. Die Anstalt zählt 34 Schüler und 20 Lehrlinge. An Verpflegung wurde pro Kopf und Tag 55% Pfennig verbraucht. In der Neuen Synagoge konnte ein Minderverbrauch von 1824,93 M. erzielt werden. Die Einnahmen betrugen 53 673 M., die Ausgaben 51848,07 M. In der Synagoge Lindenstraße ist ein Minderverbrauch von 2371,70 M. zu Tage getreten. Die Einnahmen beliefen sich auf 45133 M., die Ausgaben auf 42 761,30 M. Die Mehreinnahmen sind entstanden durch die Erhöhung der Traugelder und durch die Mizwausgelder. Herr Manheimer giebt bei dieser Vorlage zur Erwägung, ob der Verkauf der Mizwaus nicht einzustellen sei, und dieselben vom Synagogenvorstand an Männer verliehen werden könnten, die in der Gemeindeverwaltung sich bethätigen. Es entständen stets durch den Verkauf Störungen, und der Verkauf stelle sich als nicht würdig dar. Justizrath Meyer und Herr Löwenberg sprechen gegen diese Aenderung und bitten, es vorläufig bei dem alten Modus zu belassen. Hie Synagogenvorstände würden in die größte Verlegenheit kommen, wenn die beantragte Aenderung eingeführt würde. Die Koscherfleischverwaltung schließt bei einem Gemeindezuschuß von 16 410 M. mit einem Minderverbrauch von 2618,90 M. ab. Auf Antrag des Rabbinates ist eine zweite Jnspizientenstelle mit einem Gehalt von 1800 M. eingerichtet worden. Für sämmtliche Rechnungsabschlüsse, die als richtig befunden worden sind, wurde seitens der Versammlung Decharge ertheilt. Damit schließt die öffentliche Sitzung. In der geheimen Sitzung stand die Zurücknahme der Kündigung eines Vertrages zur Berathung. Protokoll dev ersten Hauptversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands am 25. Mai 1899 zu Berlin. s sind folgende 18 Mitglieder anwesend: Vogelstein-Stettin, Winter-Dresden, Plaut-Frankfurt a. M., Bloch-Posen, Guttmann- Breslau, Maybaum-Berlin, Rosenzweig-Berlin, Schreiner-Berlin, Tob. Cohn-Berlin, Rahmer-Magdeburg, Rülf-Braunschweig, Blumenthal-Danzig, Biram-Hirschberg, Walter-Bromberg, Elsaß-Landsberg a. W. Lewit-Stolp, Posner-Karlsruhe, Hochfeld-Frankfurt a. O. Eine Reihe von Kollegen hat sich schriftlich entschuldigt. Der Vorsitzende Vogelstein eröffnet um 10 Uhr die Sitzung, ersucht Hochfeld, im Verein mit dem Schriftführer Winter das Protokoll zu führen und giebt zunächst einen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Jahre. Es hat im Dezember 1898 eine Vorstandssitzung stattgefunden, an welcher die Herren Winter, Steckelmacher und Bogelstein theilnahmen. In derselben sind die Statuten noch einmal gründlich durchberathen worden, es wurde außerdem der Beschluß gefaßt, die Herren Bloch-Posen, Rülf-Braunschweig und Freudenthal- Dessau für die Stellvertretung behinderter Vorstandsmitglieder heranzuziehen. Die Propaganda hat bewirkt, daß 48 deutsche Rabbiner sich der Vereinigung angeschlossen haben. Der Kassenbericht Plauts wird nach Zustimmung der Revisoren für richtig befunden. Nunmehr referirt Vogelstein über eine zeitgemäße Umgestaltung der Barmizwafeier. Es sei allgemein anerkannt, daß die heutige Form nicht genüge, zumal die diesbezüglichen Einrichtungen der Gemeinden eine bunte Verschiedenheit aufwiesen. Bemühungen, auch die Knaben nach Art der Mädchenkonfirmationen einzusegnen, seien gescheitert. Redner befürwortet die Einführung einer Ansprache des Rabbiners am Barmizwatage, damit Eltern und Kinder die Erinnerung an eine weihevolle Stunde mitnehmen. Die Ansprache soll nur wenige Minuten dauern, damit die unbetheiligten Gemeindemitglieder nicht ermüden, und der Gottesdienst nicht zu sehr in die Länge gezogen werde. Redner empfiehlt, ein Rundschreiben an alle liberalen Rabbiner Deutschlands zu senden und sie um Berücksichtigung seines Vorschlages zu bitten. Maybaum tritt den Ausführungen Bogelsteins entgegen, indem er die Möglichkeit der Durchführung seines Vorschlages bezweifelt. Das Berliner Rabbinat hat bereits in negativem Sinne entschieden. Wenn eine Ansprache in kleineren Gemeinden möglich ist, weil der Rabbiner den Barmizwa persönlich kennt, so fällt in Berlin, wo an jedem Sabbath acht bis zehn Knaben eingeseguet werden, diese Möglichkeit fort, hier genügt der seit vielen Jahren eingeführte, vom Rabbiner gespendete Segensspruch, weil er alles zu Sagende enthält. Zudem würde eine besondere Ansprache allsabbathlich vor der eigentlichen Predigt die Arbeitskraft des Rabbiners absorbiren. Auf eine textgemäße Rede sei auch schon deshalb zu verzichten, weil die Knaben zu wenig Hebräisch verstehen. Maybaum erwähnt zum Schluß die Pariser Ceremonie, die einen außerordentlichen Eindruck auf ihn gemacht habe. Bloch spricht für VogelsteinK Ansicht; der Vorgang müsse feierlich sein. Betreffs der Art der Ausgestaltung wünscht er, daß die verschiedenen Kollegen über die bei ihnen bereits vorhandenen Einrichtungen zuerst berichten, um aus solchen Erfahrungen das Bild des zur Einführung Geeigneten zu gewinnen. Walter wünscht eine Sammelfeier wie bei den Mädchen. Plaut hat vor 27 Jahren als Erster die öffentliche Ansprache in Oesterreich eingeführt, später auch in Deutschland. Die Frankfurter Gemeinde hat fich an diese Form gewöhnt und würde sie ungern vermissen. Uebrigens erscheint ihm die Vorbereitung des Barmizwa wichtiger als die Form selbst. Biram hat seinerseits die Ansprache abgeschafft, weil sie allmälig ihres Eindruckes verlustig ging. Er läßt jetzt am Freitag Abend die Knaben zu einem kurzen Zwiegespräch ins Haus kommen und macht sie noch einmal auf ihre Pflichten aufmerksam. Guttmann bedauert, daß auch die Konfirmation der Mädchen, ein Kind der Reform, wieder eingeschlafen ist. Zu einer Knaben-