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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-30 · Heft 26 (30.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 26 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Lahrgang. Ar. 26. Weikcrge ttttftttfttftl lltl\ Berlin. 30. Juni 1899. zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 22. Juni. In einer gutbesuchten Versammlung, welche der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim" heute nach dem Logensaale (Wilhelmstrahe 118) einberufen hatte, wurde über die bisherige Thätigkeit des Vorstandes und der Kommission Bericht erstattet. Rektor Dr. Adler leitete die Versammlung. In seiner Eröffnungsrede legte er noch einmal die Phasen der Entwickelung des Planes dar, der, je mehr das Loos der jüdischen Lehrerinnen und Erzieherinnen Beachtung gefunden, um so größere Begeisterung erweckt und schöne Erfolge gezeitigt hätte. Das israelitische Lehrerinnenheim werde sich wesentlich von ähnlichen Instituten unterscheiden. Es verlange nur 500 Mark als Eintrittsgeld, und dieser geringe Betrag könne noch gekürzt oder sogar vollständig erlassen werden. Dafür werde nicht nur Wohnung und Heizung, sondern auch vollständiger Unterhalt gewährt, der in den interkonfessionellen Instituten besonders bezahlt werden müsse. Damen, die ein größeres Vermögen besäßen oder im Genuß einer Rente ständen, sollen ein höheres Eintrittsgeld zu entrichten haben. Jedoch sollen dieselben nicht gezwungen werden, ihr Vermögen dem Heim zu verschreiben. Das Heim werde ein so behagliches sein, daß die Damen, falls nicht bedürftige Anverwandte vorhanden seien, aus eigenem Antriebe ihr Vermögen der Anstalt hinterlassen werden. Ein israelitisches Lehrerinnenheim wäre ferner nothwendig gewesen, da der größte Theil der bestehenden Heime auf christlich-konfessioneller Grundlage aufgebaut sei und die wenigen interkonfessionellen Anstalten naturgemäß überfüllt und nur in den seltensten Fällen Jüdinnen zugänglich seien. In das israelitische Lehrerinnenheim werde nicht der konfessionelle Hader und Streit dringen; hier allein sei den Damen die Möglichkeit gegeben, getreu ihren Traditionen zu leben, Ceremonial- und Ritualgesetz zu beobachten. Das Heim werde ferner eine Erholungsstätte bilden für alle Diejenigen, die im Kampfe ums Brod verwundet seien und der Ruhe und der Erfrischung bedürfen. In Steglitz sei eine aus 7 Zimmern bestehende Wohnung zunächst gemiethet, um vorläufig 5—6 Damen Aufnahme zu gewähren; die Eröffnung des Heims sei zum 1. November dieses Jahres vorgesehen. In Stettin sei bereits ein Zweigverein unter dem Vorsitz der Frau Rabbiner Dr. Vogelstein begründet worden. Dr. Adler schloß mit einem herzlichen Dank für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mit bewunderungsvollem Eifer an die Ausführung dieses schönen Werkes herangetreten seien. Nachdem die Schriftführerin, Fräulein Jda Zuckerdie Protokolle der bisherigen 10 Sitzungen des Vereins verlesen und mitgetheilt, daß an Stelle des Privatdozenten Dr. Meyer auf allgemeinen Wunsch Frau Reichenheim in den Vorstand eingetreten sei, gab der Schatzmeister, Herr Netter, den Kassenbericht. Der Verein zähle bis jetzt 50 ordentliche, 290 außerordentliche, 69 immerwährende Mitglieder und 1 Stifter, der einen einmaligen Beitrag von 10000 M. gezeichnet hätte. Die vereinnahmte Gesammtsumme belaufe sich auf 51876,95 Mark, wozu noch 752 Mark an Kapitalzinsen aus Staatspapieren kämen. Alsdann erstattete Fräulein Münchhausen, deren Initiative die Entstehung dieser gemeinnützigen Schöpfung zu verdanken ist, den Bericht über die Propaganda. Sie konnte die erfreuliche Aussicht stellen, daß sich Süddeutschland vermuthlich recht bald den Bestrebungen des Vereins anschließen werde, in Hannover sei ebenfalls die Sympathie für den Verein eine sehr warme. Ferner sei Herr Rosenstiel bemüht, auf seiner Reise neue Gönner dem Verein zu gewinnen. Die Agitation stehe noch sehr im Anfänge, es bedürfe noch großer Summen, um die in Aussicht genommenen Pläne der Verwirklichung entgegenzuführen. Dankerfüllten Herzens gesteht die Rodnerin, daß sie überrascht und erfreut sei, wie bald ihre lang gehegte Idee Gestaltung gewonnen, und entrichtet allen Helfern und Helferinnen herzlichsten Dank. Hierauf schloß Dr. Adler die Versammlung mit der Bitte, für die weitere Ausgestaltung des Lehrerinnenheims thätig zu sein, und mit der Hoffnung, in der ersten Generalversammlung des Vereins von weiteren Fortschritten berichten zu können. S£2 Berlin, 26. Juni. Ein seltenes Fest feiert der 71jährige Militär-Invalide Moses Hirsch, vom 24. Infanterie-Regiment 5. Komp. Derselbe wurde am 29. Juni 1849 bei Kupenheim in Baden in einem Gefecht am rechten Oberschenkel verwundet, so daß derselbe heute noch eine eiternde Schußwunde hat. Derselbe begeht mithin sein 50jähriges Jubiläum als Militär-Invalide mit offener Schußwunde. Er wohnt Höchstestraße 5011 und befindet sich leider in nothdürftigen Verhältnissen. o. Bielefeld, 25. Juni. Der neunte ordentliche Gemeindetag detz Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens, zugleich die Generalversammlung der westfälischen Gemeinden in Sachen des Asyls und der Beamten-Pensionskasse des Verbandes findet am 9. Juli im Saale des „Berliner Hofes" (Clemens Feller) zu Gelsenkirchen statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Bericht über unsere Thätigkeit im achten Geschäftsjahre. 2. Kassenbericht des Rendanten und Ertheilung der Decharge. 3. Asylangelegenheiten: a) Bericht über die Thätigkeit des Aktionskomitees, b) Antrag des Aktionskomitees betreffs des Anschlusses der jüdischen Gemeinden der Kreise Essen, Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Oberhausen und Ruhrort an das Asyl, e) Erledigung der Grundstückssrage. 4. Beamten-Pensionskasse des Verbandes: a) Bericht über die seitherige Thätigkeit. b) Anträge Witten, Dortmund und Rothschild-Dortmund auf Ergänzung der Statuten, e) Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes an Stelle des ausscheidenden Herrn Carl Frankenstein-Bielefeld. 5. Neuwahl eines Ausschußmitgliedes an Stelle des verstorbenen Herrn Wolff Schönbeck. 6. Antrag auf Genehmigung des Anschlusses von Oerlinghausen an den westfalischen Verband. 7. Antrag Freund-Dortmund betreffs Unterstützung des Vereins „Esra" in Berlin seitens der Verbandsgemeinden. 8. Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. 9. Freie Besprechungen. Zugleich mit der Einladung ist wieder der Bericht über die Thätigkeit des Verbandes während seines achten Geschäftsjahres erschienen, der auch diesmal einen sehr erfreulichen Eindruck macht. Die Zahl der Verbandsgemeinden ist in erfreulicher Weise gewachsen. Dem Ausscheiden einer Gemeinde steht der Beitritt vier anderer Gemeinden gegenüber. Der Verband zählt nunmehr 43 ordentliche Mitglieder. Zur weiteren Förderung der Asylangelegenheit wurde ans dem Gemeindetage zu Herford ein Aktionskomitee gewählt, das in einer späteren Sitzung Herrn Isidor Mendel- Bochum zu seinem Vorsitzenden und Herrn Bankier Louis Hanf- Witten zum Schatzmeister ernannte. Das Komitee entfaltete eine rege Thätigkeit. Es besteht aus nachstehend benannten Herren: I. Mendel- Bochum, Vorsitzender. M. Liebenfeld-Bochum, stellvertretender Vorsitzender. L. Hanf-Witten, Schatzmeister. I. Flechtheim-Brakel. A. Elias und S. Schild-Dortmund. H. Herz-Essen. Dr. med. Wallerstein-Gelsenkirchen. L. Stern und D. van Perlstein-Hagen. M. A. Rosenbaum-Lippstadt. L. Nordheimer-N.-Marsberg. Rechtsanwalt P. Burgheim-Minden. I. Steinberg und Rechtsanwalt Dr. Cohn-Münster. S. Porta-Neuenkirchen. L. Baum-Rheine. H. Rindskopf-Steele. S. Lucas-Soest. I. Ostwald-Witten. I. May-Warburg. Dieses Komitee wählte wieder fünf Unterkommissionen. Die Sammlungen des Komitees haben bis jetzt 108200 Mk. ergeben. Als geeignete Plätze für das Asyl sind der Kommission Grundstücke in folgenden Orten angeboten: Münster, Borgholzhausen, Herford, Soest und Unna. Ein Grundstück, 1900 Ruthen groß, 10 Minuten vom Marktplatz in Unna, 10 Minuten vom Kurgarten Königsborn gelegen, in guter und gesunder Lage und von günstigen Terrain-Verhältnissen, zum Preise von 1900 Mk. erschien der Kommission so passend, der Ort Unna-Königsborn dazu so gelegen, daß die Herren Friede-Dortmund, van Perlstein-Hagen und Mendel-Bochum den Ankauf für ihre Privatrechnung sofort vereinbarten, um den Platz für das Asyl zur Verfügung zu halten. Erfreulich ist auch die Entwickelung, welche die Beamten-Pensionskasse im verflossenen Geschäfts-

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