Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-23 · Heft 25 (23.6.1899) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228337--55585-3291800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sina Holzmann'fchen Eheleute auf der in der Synagoge befindlichen Gedenktafel zu verzeichnen. — Die Beiträge der israelitischen Schulsozietät sind für das Etatsjahr 1899/1900 auf 75 Prozent und die Gemeindebeiträge auf 100 Prozent der Staatseinkommensteuer festgesetzt worden. * M. Hamburg, 12. Juni. Die Theresien-Stiftung zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten veröffentlicht ihren Jahresbericht für 1898. Im verflossenen Jahre wurde durch Vermittelung derselben 33 Personen der ihnen von ärztlicher Seite vorgeschriebene Aufenthalt in einem Bade- resp. Kurort gewährt, und zwar wurden die Patienten nach Soden, Karlsbad, Pyrmont, Reichenhall, Nauheim u. s. w. geschickt. Bei fast sämmtlichen Kranken wurde nach dem mehrwöchentlichen Aufenthalt von den Aerzten eine bedeutende Besserung resp. vollständige Genesung konstatirt. Die Ausgaben beliefen sich behufs Beihilfe resp. Tragung der Kurkosten in den oben erwähnten Fällen auf 4616 Mark. Trotzdem die Deutsch-Israelitische Gemeinde eine Subvention von 1000 Mark zur Verfügung stellte, schloß das verflossene Rechnungsjahr doch mit einem Defizit ab. Das Vermögen der Stiftung, die bekanntlich vor einigen Jahren durch Großmuth eines nicht genannt sein wollenden Wohlthäters, der für diese Zwecke eine Summe von 30 000 Mark zur Verfügung stellte, gegründet wurde, besteht zur Zeit aus 32148 Mark. Auch in diesem Jahre sind an den Vorstand der Stiftung wiederum so zahlreiche durch ärztliche Gutachten unterstützte Gesuche gerichtet, daß derselbe infolge der beschränkten zur Verfügung stehenden Mittel nicht in der Lage ist, dieselben alle zu berücksichtigen. Chemnitz, 18. Juni. Dem neuen Verwaltungs-Bericht des Vorstandes unserer Israelitischen Gemeinde für das Jahr 1898 entnehmen wir folgende Mittheilungen: Unsere Gemeinde zählte im 24. Jahre ihres Bestehens ca. 1000 Seelen; die Anzahl der Familien betrug 225. Der Geschäftsgang in allen Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde war im Laufe des Jahres ein überaus reger. Im April feierte der König von Sachsen seinen 70. Geburtstag und sein 25jähriges Regierungs-Jubiläum. Dabei empfing derselbe eine Deputation der sächsischen israelitischen Gemeinden in Audienz am 19. April im königlichen Refldenzschlosse zu Dresden. Die Gemeinden waren durch ihre Rabbiner und ersten Vorsteher vertreten, seitens unserer Gemeinde erschienen Rabbiner Dr. Mühlfelder und der erste Vorsteher, Max Bergmann. Die Deputation erfreute sich der gnädigsten Aufnahme. Auf eine kurze Ansprache des Rabbiners Dr. Winter-Dresden an den König und die Königin erwiederte der Erstere etwa Folgendes: „Ich freue mich, daß auch die israelitischen Gemeinden bei meiner Jubelfeier hier vertreten sind. Ich habe stets gefunden, daß Ihre Glaubensgenossen bei derartigen Anlässen Mir Zeichen Ihrer Treue und Anhänglichkeit zum Ausdruck gebracht haben, und ich hoffe, daß dieses auch in Zukunft der Fall sein wird. Ich danke Ihnen hierfür recht herzlich und bitte Sie, diesen Dank auch Ihren Gemeinden zu übermitteln." Die Mitglieder der Deputation wurden zur königlichen Hoftafel und zur Festvorstellung im königlichen Hoftheater geladen. Ueber die einzelnen Verwaltungszweige ist Folgendes zu berichten: Rabbiner Dr. Mühlfelder ist von den Gemeindekollegien auf Lebenszeit verpflichtet worden. Als Kantor ist Herr Nathan Goldberg aus Ratibor mit Einstimmigkeit gewählt worden. Der wichtigste Tag für unsere Gemeinde war der der Einweihung der neuen Synagoge, über die seinerzeit hier ausführlich berichtet wurde. Zwecks Einführung eines geeigneten Gemeinde-Gebetbuches entschieden fich die Gemeindekollegien für das Danziger Gebetbuch. Dasselbe ist jedoch für unsere Gemeinde wegen der kleinen Auflage nicht zu erhalten; es ist daher das Dr Joelffche Gebetbuch (Ausgabe für den Gebrauch in der Neuen Synagoge zu Chemnitz) zur Einführung gelangt. Die Schülerzahl der Religionsschule betrug 165 (83 Knaben und 62 Mädchen) einschließlich eines auswärtigen Kindes, für welches Schulgeld entrichtet wurde. Im Lehrerkollegium ist eine Veränderung nicht eingetreten, dasselbe bestand außerdem Schulleiter, Herrn Dr. Mühlfelder, aus den Lehrern Herren L. Cohn und S. Sommerfeld. Die Anzahl der steuerpflichtigen Mitglieder unserer Gemeinde betrug 318, von welchen vier Mitglieder auswärts wohnhaft (freiwillige Mitglieder) waren. Als Steuerersatz pro 1898 wurden 26 pCt. der unserer Abschätzung zu Grunde liegenden staatlichen Einkommensteuer erhoben. Die Einnahmen der Gemeinde beliefen sich auf 31379,50 Mk., die Ausgaben auf 26241,43 Mk. 3 - K Nürnberg, 18. Juni. Im Gegensätze zu dem Treiben in den preußischen Logen wird Sie folgender Bericht sicher interessiren: Kürzlich feierte die hiesige Norisloge ein schönes Fest, wodurch sie einen Bruder, der durch 25jährige treue Dienste Hervorragendes geleistet, ehrte, nachdem derselbe in der letzten Großlogensitzung zu Frankfurt a. M. vor den Vertretern der Distrikte Bayern, Württemberg, Baden und Hessen derart ausgezeichnet worden war, daß er am gleichen Tage, an dem man ihm die Ehrung zudachte, sich dahier als Großmeister vorstellen konnte. Fast wäre die geräumige, im Festschmuck prangende Halle der Norisloge zu klein gewesen, um die zu dieser Feier erschienenen Brüder der Noris- und Kaiser Karl-Loge zu fassen. Unter den Klängen des Harmoniums wurde der Jubilar Kaufmann Joseph Ordenstein in die Halle geführt, worauf der Festakt durch Gesang eines Bruders eingeleitet wurde. Der z. Zt. amtirende Obermeister richtete hierauf eine herzliche Ansprache an den Jubilar, in der er den Anlaß zur Feier hervorhob und seiner eigenen Freude sowie der Freude der Anwesenden Ausdruck gab. Der jüngste Exmeister würdigte hierauf die Verdienste des Jubilars. Nach weiteren Ansprachen wurde der Jubilar durch den Obermeister mit dem von der Großloge des Deutschen Reiches bewilligten Juwel geschmückt. Ergriffen dankte Hr. Ordenslein für die Ehrungen. Zahlreiche eingelaufene Telegramme kamen zur Verlesung. Mit Gesang und Segenswunsch schloß der Festakt. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Kaiser Karl-Loge in Fürth dem Jubilar einen kunstvoll gearbeiteten Humpen verehrte. Straßburg, 21. Juni. Gestern ist hier der Oberrabbiner Jsaae Weil, Vizepräsident des Konststoriums für den Bezirk Unterelsaß und Mitglied des Bezirksunterrichtsraths für Unterelsaß, nach langen Leiden im Alter von 59 Jahren gestorben. Weil war als ein friedlicher, toleranter Mann allenthalben geschätzt, wo man ihn kannte. Er wurde im Jahre 1891 hier Nachfolger des Oberrabbiners Aron; vorher hatte er die gleiche Stelle in Metz bekleidet. Für sein verdienstliches Wirken war er vom Kaiser durch Verleihung des Rothen Adlerordens ausgezeichnet worden. Ehre seinem Andenken! Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 19. Juni. Bor einigen Tagen fand bei den 3 Engeln auf der Wieden ein blutiges Handgemenge zwischen Deutsch-Nationalen und Christlich-Sozialen statt, bei denen die Letzteren die Kürzeren zogen; es ist vorbei mit dem Sprengen von Versammlungen, in denen 'die Partei Luegers früher einmal Sieger war, aber ihre Lehren zeitigen schöne Früchte. — Auf der Rückreise von Sibirien wurde ein harmloser französischer Arbeiter in der Nähe von Wien in Wiener-Neudorf blutig geschlagen, weit ihn die Dorfkinder als den Mann bezeichneten, der Christenkinder abschlachte und ihr Blut abzapfe. Der Arme ist aus Sibirien heimgewandert, um hier den Schülern Schneiders und Konsorten zum Opfer zu fallen. — Der Redakteur der christlich-sozialen St. Pöltener Zeitung wurde wegen acht Delikten zu drei Monaten Arrests und der antisemitische Handlungsbeflissene Carl Witdner wegen Majestätsbeleidigung zu dreimonatlichem schweren Kerker verurtheilt. — In der medizinischen Fakultät wurde Professor Dr. Emil Zuckerkandl zum Dekan für das kommende Studienjahr gewählt. Professor Zuckerkandl hat diese Würde schon im Studienjahre 1890/91 bekleidet. — In der Vollversammlung des Professorenkollegiums der kaiserlich königlichen Hochschule für Bodenkultur wurde der ordentliche Professor der allgemeinen Chemie und der Agrikulturchemie Dr. Simon Zeisel für das künftige Studienjahr (1899/1900) zum Rektor gewählt. Das neue akademische Oberhaupt ist ein Schüler des Chemieprofessors an der Wiener Universität Hofrath Lieben. Er wurde in Lomnitz (Mähren) 1854 geboren, 1877 habilitirte er sich hier als Privatdozent für Chemie, nachdem er bereits 1879 zum Assistenten am zweiten chemischen Universitätslaboratorium des Hofraths Lieben ernannt worden war. 1890 wurde er Adjunkt und 1892 Professor an der Hochschule für Bodenkultur, wo er erfolgreich wissenschaftlich wirkt. — Der Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde Joseph Goldstein, ist am 17. d. Mts. plötzlich gestorben. Er ging mit seiner Frau gegen 1/48 Uhr Abends durch die Zollamtsstraße und stürzte plötzlich bewußtlos nieder. Akute Herzschwäche war die Todesursache. Goldstein war 1838 zu Kecskemet geboren und lenkte schon als zwölfjähriger Knabe durch seine prächtige Stimme die Aufmerksamkeit auf sich. Er bildete sich zum Sänger aus und wollte zur Bühne gehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.