Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1899)
- Date
- 1899-06-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 die Ausbildung der Schwestern erforderlichen Lehrmitteln, Instrumenten, Apparaten, Büchern sowie schriftlichen Arbeiten und technischen Darstellungen der Schülerinnen ausgestellt, welches sich allseitigen Beifalls, insbesondere bei den die Ausstellung besuchenden Aerzten, zu erfreuen hatte. Auch Ihre Majestät die Kaiserin verblieb, empfangen von der Oberin, Fräulein Blau, längere Zeit in dem Unterrichtszimmer und hatte die Gnade, von der anwesenden Schwester einen Blumenstrauß huldvollst anzunehmen. Bei der am 16. d. M. stattgehabten Preisvertheilung ist dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen eine von den sechs von Ihrer Majestät der Kaiserin für die Ausstellung gestifteten Medaillen von der Jury zuerkannt worden. Wir meinen, daß dieser Thatsache eine Bedeutung beizulegen ist, welche über das spezielle Interesse des Vereins selbst weit hinaus geht und uns ermuthigen soll, auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege rüstig fortzuarbeiten. 8. Berlin, 19. Juni. Die Broschüre des Herrn Gustav Levinstein: „Die Taufe", welche wohl dem größten Theil unserer Leser bekannt sein dürfte, hat überall die wärmste Aufnahme gefunden. Wie wir von gut unterrichteter Seite vernehmen, sind dem Verfasser von mehreren Seiten Subventionen angeboten worden, um die Schrift auch in anderen Gemeinden Deutschlands zu verbreiten. In Wien hat Oberrabbiner Dr. Güdemann beim dortigen Gemeindevorstand beantragt, die Schrift sämmtlichen Gemeindemitgliedern zugänglich zu machen. Der Vorstand hat deshalb vor einigen Tagen folgendes Schreiben an Herrn Levinstein gerichtet: „Durch Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann wurde die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf eine die Taufe behandelnde Broschüre gelenkt, welche Euer Hochwohlgeboren ihre Entstehung verdankt. Der enge Kreis jener Personen, denen das einzige gegenwärtig hier vorhandene Exemplar Vorgelegen hat, ist gleich Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann voll allergrößter Anerkennung und Dankbarkeit für dieses Werk, welches in ausgezeichneter Darstellung ein zur heutigen Zeit, in der äußere Bedrückung und treulose Fahnenflucht in so erschreckender Weise zunehmen, so überaus aktuelles Thema behandelt. Aus der anher gerichteten Zuschrift des Herrn Dr. Güdemann entnahm der Vorstand, daß Ew. Hochwohlgeboren bereit seien, der Wiener Kullusgemeinde für deren so große Zahl ihrer Mitglieder die nöthigen Exemplare zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand kann dieses hochherzige Anerbieten, welches demselben zur freudigsten Genugthuung zeigt, daß die Opferwilligkeit Ew. Hochwohlgeboren auf der Höhe Ihrer Begabung steht, mit Rücksicht auf die enormen Kosten, die Ihnen hieraus entstehen würden, nicht acceptiren, zumal derselbe der Ansicht ist, daß Ew. Hochwohlgeboren durch die Verfassung der Broschüre allein sich genug Anspruch auf die Dankbarkeit der Glaubensgenossen erworben haben." (Folgt Bitte um Zuwendung von 25—30 Exemplaren für den Vorstand.) Ein definitiver Bescheid seitens des Gemeindevorstandes steht noch aus. 8. Trg. Berlin, 20. Juni. Die Louisenstädtische Brüdergemeinde „Ahabath reim“ hat durch den plötzlichen Tod ihres Ehrenmitgliedes Herman Egers einen schweren Verlust erlitten. Derselbe war ein Bruder des als Jbn-Esra-Forscher noch in guter Erinnerung stehenden Gelehrten Dr. Jacob Egers. Herman Egers hat sich um die Hebung des religiösen Sinnes bei der jüdischen Einwohnerschaft im Süden Berlins sehr verdient gemacht. Er war Mitbegründer des Louisenstädtischen Brüdervereins und länger als ein Vierteljahrhundert dessen hervorragendstes Vorstandsmitglied. Zu einer Zeit, als das religiöse Leben in jenem Stadttheil schwer daniederlag, trat er mit anderen warmfühlenden Männern zur Bildung eines Religions Vereins zusammen, der unter seiner Leitung zu hoher Blüthe kam. Die Religionsschule dieser Gemeinde ist die größte aller Privatgemeinden. Bon Beruf Kaufmann, fand Egers in der Erfüllung seiner Geschäftspflichten kein volles Genügen. Er war ein feingebildeter Mann, der modernes Denken und jüdisches Empfinden aufs Glücklichste vereinigte. Mit regem Sinn verfolgte er verständnißvoll alle litterarischen und wissenschaftlichen Arbeiten unserer Tage. Die tiefste Neigung bewahrte er von Jugend auf der jüdischen Litteratur. Es gab kaum eine Veröffentlichung in dieser Sphäre, die er nicht als einer der Ersten gelesen haben mußte. Der Tod eines solchen Mannes hinterläßt eine klaffende Lücke, die schwerlich von einem Anderen ausgefüllt werden kann. Seine Beerdigung legte Zeugniß für die Hochachtung ab, die er in weiten Kreisen genoß. Prediger Bleichrode widmete ihm einen tiefempfundenen Nachruf, in dem das ideale Streben, die lautere Gesinnung und die rührende Friedensliebe des Heimgegangenen in lebhaften Worten geschildert wurde. Er ruhe sanft! B. Berlin, 18. Juni. Am 11. d. M. fand im „Münchener Hof" die Generalversammlung des „Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien" statt. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, eröffnete die Versammlung mit einigen herzlichen Worten, die dem Andenken des sel. Herrn I. Guttmann gewidmet waren. Alsdann erstattete derselbe den Jahresbericht, der sehr befriedigend ausfiel. Die Einnahmen des Vereins sind von 7664 Mark auf 10900 Mark im Jahre 1898 gestiegen, aber außerdem sind schon in den ersten 5 Monaten des Jahres 1899 von neuen Beiträgen neugeworbener Mitglieder 3000 Mark eingegangen und die gleiche Summe noch zu erwarten, so daß die Einnahmen in diesem Jahre mindestens 17 000 Mark betragen würden, selbst wenn man von weiterer Agitation absehe. Die Mitgliederziffer stieg von 2481 Ende 1897 auf 3200 Ende 1898 und ca. 3600 am heutigen Tage, wozu noch ca. 300 Mitglieder zu rechnen sind, die in den letzten Monaten geworben sind und deren Beiträge noch nicht eingegangen sind. Dr. Hildesheimer schloß an diesen allgemeinen Bericht denjenigen der Agitationskommisston, aus dem hervorging, daß in dem Berichtsjahr Zweigvereine in 58 neuen Plätzen gegründet sind, von denen bei weitem der wichtigste der neue Verein in Frankfurt a. M. ist. Die dafür aufgewendeten Kosten haben sich außerordentlich rentirt, da beinahe die doppelte Summe der Ausgaben an Jahreseinnahmen erzielt wurde. Der Schatzmeister Konsul Friedemann theilte in seinem Kassenbericht mit, daß im laufenden Jahre 9500 Francs nach Palästina gesendet wurden, während weitere 5000 Francs bewilligt und in der Kasse reservirt wurden. Eine ziemlich lebhafte Diskussion knüpfte sich an den Antrag der Agitationskommission, wieder 3000 Mark, wie im Vorjahre, für Agitation zu bewilligen, da derselbe vielen Delegirten, besonders auswärtiger Vereine, nicht weit genug ging, und die Stimmung allgemein für recht kräftige Agitation war. Schließlich wurde der Antrag jedoch einstimmig angenommen mb im späteren Verlauf der Versammlung die vorjährige Agitationskommission per Akklamation wiedergewählt. Nachdem die Versammlung noch dem Frankfurter Komitee und den Herren Turoff und Holzmann für ihre eifrige Thätigkeit den Dank des Vereins ausgesprochen, wurde der Revifionsbericht verlesen und nach demselben die Decharge einstimmig ertheilt. Bei der Neuwahl in das Centralkomitee wurden der Schatzmeister Herr Konsul Friedemann per Akklamation, die Herren Dr. Caspary, Berthold Israel und W. Bambus mit großer Majorität wiedergewählt, ebenso neugewählt die Herren Professoren Marburg und Willibald Löwenthal; auch die Revisoren wurden per Akklamation wiedergewährt. Nach den Wahlen schritt die Versammlung zur Berathung verschiedener Anträge. Die Vorschläge auf Abänderung der Statuten wurden dem Centralkomitee überwiesen, das seinerseits eine durchgreifende Umarbeitung derselben vornehmen und der nächsten Generalversammlung vorlegen soll, ebenso ein Antrag auf Neubewilligung der Subvention für die Schule in Beth Sefer in Jaffa. Nachdem die Tagesordnung damit erschöpft war, hielt Herr Bambus einen Vortrag über die Kolonien und gab einen Bericht über das, was er in den Kolonien bei seiner letzten Reise gesehen hatte, von der er erst unmittelbar vor der Generalversammlung zurückgekehrt ist. An den von den Delegirten sehr beifällig aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion über die Prinzipien und Systeme der jüdischen Kolonisation, an der besonders Stadtrath Lewin aus Frankfurt a. M. theilnahm. Der in der Versammlung erstattete Bericht über die Entwickelung des Vereins wird demnächst veröffentlicht werden und hoffentlich Viele veranlassen, sich dem Verein anzuschließen, dessen Wirksamkeit für die armen Juden, welche in Palästina sich dem Ackerbau widmen wollen, so gute Erfolge aufzuweisen hat. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Der kürzlich in Berlin verstorbene Rentier L. Müller hat seiner Heimathgemeinde in Ostrowo ein Legat in Höhe von 3000 M. mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen desselben immer nach Ablauf von 3 Jahren an bedürftige und würdige Bräute der dortigen Gemeinde zugewendet werden. — Die Firma Muscat in Schmiegel feierte vor Kurzem das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens. — Die israelitische Gemeinde in Rogo w o hat den Bau einer neuen Synagoge beschlossen und das alte Gotteshaus wegen Baufälligkeit bereits geschlossen. — Verjüngst verstorbene Rentier Sina Holzmann in Ostrowo hat der israelitischen Gemeinde daselbst zur beliebigen Verwendung ein Legat in Höhe von 600 Mark vermacht. Der Vorstand der Gemeinde hat beschlossen, die Namen der verstorbenen